Ulrich Denzler
Notar in Winterthur im Kanton Zürich, Schweiz
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Johann Ulrich Denzler (* 26. Mai 1851 in Räterschen; † 8. Februar 1927 in Winterthur) war ein Schweizer Notar in Winterthur im Kanton Zürich.
Arbeit und Familie
Denzler war Sohn einfacher Bauersleute evangelischen Glaubens, besuchte als Jugendlicher die Sekundarschule in Winterthur und machte anschliessend eine Berufslehre im Notariat Gysler, das ihn auf seinen späteren Beruf vorbereitete. Mit einem einjährigen Studium auf der Hochschule in Zürich setzte er seine Ausbildung fort, trat in den Dienst der Notariatskanzlei Schwamendingen und legte im Mai 1872 sein Staatsexamen ab. Danach arbeitete er für ein Dreivierteljahr auf einem Notariat in Sainte-Croix VD, um sich sowohl mit den nötigen französischen Sprachkenntnissen als auch um sein Verständnis für die «waadtländischen Notariatsangelegenheiten» vertraut zu machen.[1.1]
Seine erste Anstellung fand er als Substitut beim Stadtnotariat Winterthur, dann als Katasterführer bei den Vereinigten Schweizerbahnen in St. Gallen. Am 30. Mai 1875 wurde er Nachfolger von Friedrich Gysler, der Direktor der neu gegründeten Schweizerischen Unfallversicherungs-Aktiengesellschaft wurde, und amtete fortan bis zu seinem Lebensende als Notar des Bezirks Winterthur.[1.2][2]
Er engagierte sich auch sozial: Denzler wird die Gründung der ersten unentgeltlichen Rechtsauskunft in Winterthur zugeschrieben, was sein bürgerschaftliches Engagement ausserhalb seiner rein amtlichen Tätigkeit unterstreicht. Während 28 Jahren war er Quästor der Hülfsgesellschaft Winterthur. Die Schweizerische Zeitung für Gemeinnützigkeit würdigte ihn in ihrer Novemberausgabe 1926 als «Vermittler zwischen Gebern und Nehmern». Seine Aktivitäten gingen bis hin zu Unterstützungstätigkeiten für «Garantie- und Hilfsverein beim Kreditbankkrach, Privatkrankenhaus, Pflegeanstalt Uster, Anstalt Regensberg, Landerziehungsheim Albisbrunn, Heusser-Staub-Stiftung, Trinkerheilstätte Ellikon usw.»[1.3][3]
Otto Herold betonte in seiner Trauerrede, welches Anliegen es Denzler war, zur Bekämpfung menschlicher Not beizutragen: Ab 1898 war er 28 Jahre lang Quästor für eine Hilfsgesellschaft, die über unmittelbare menschliche Fürsorge bis hin zu unentgeltlicher Rechtsauskunft ging, bis die Stadt Winterthur diese Organisation übernahm. Herold wies auch darauf hin, dass Denzler sehr im Vereinssport aktiv war. So pflegte er seine Mitgliedschaft im Turnverein, dem Stadtsängerverein, dem er 52 Jahre treu gewesen sei, und dem Schweizerischen Alpenclub, dem er einige Jahre als Präsident vorstand.[1.4]
Sein Wohnsitz war offenbar in der Altstadt von Winterthur, genauer in der Römerstrasse im Stadtteil Inneres Lind. Sein Haus wird dort im lokalen Stadtglossar als «Haus des Stadtnotars Johann Ulrich Denzler» erwähnt.[4]
Denzler heiratete 1876 die Waise Barbara Louise Stürzinger (1851–1916).[5][6] Die Schwester von Jakob Stürzinger engagierte sich in Winterthur im Vorstand des Frauenbunds (als Gründungsmitglied), als Präsidentin der Kommission für die Haushaltsschule sowie im Armenverein und unterstützte ihren Ehemann bei seinen Amtstätigkeiten.[5.1] Insgesamt hatte das Paar sechs Kinder, von denen nur vier ins Erwachsenenalter kamen.[1.5] Fanny verstarb 1884[7] ein paar Monate nach der Geburt, Hedwig (* 1881)[7] im Alter von sieben Jahren. Andere Kinder erreichten teilweise ein hohes Alter. Die weiteren Kinder waren Oskar Denzler (1877–1938),[8] Rosa Denzler (1879–1951),[7] Lydia Denzler (1880–1960)[7] und Alice Denzler (1894–1985).[3] Letztere hat sich als Historikerin stark mit Themen beschäftigt, die in ihrem Elternhaus allgegenwärtig waren. Sie erforschte soziale Verhältnisse in früheren Jahrhunderten, so unter anderem in ihrer Dissertation «Geschichte des Armenwesens im 16. und 17. Jahrhunderts im Kanton Zürich» (1920) und in ihrem Buch «Jugendfürsorge in der alten Eidgenossenschaft» (1925).[9]