Universitätsmedizin Göttingen

medizinische Fakultät der Georg-August-Universität sowie des Universitätsklinikums Göttingen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist eine hochschulmedizinische Einrichtung in Deutschland. Sie besteht aus einer medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität und dem Universitätsklinikum.

LeitungWolfgang Brück (Dekan der Medizinischen Fakultät, Vorstand Forschung und Lehre, Sprecher des Vorstands),
Lorenz Trümper (Vorstand Krankenversorgung),
Jens Finke (Vorstand Wirtschaftsführung und Administration)[1]
Schnelle Fakten Trägerschaft, Ort ...
Universitätsmedizin Göttingen
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Trägerschaft Stiftung öffentlichen Rechts
Ort Göttingen, Deutschland
Koordinaten 51° 33′ 2″ N,  56′ 35″ O
Leitung Wolfgang Brück (Dekan der Medizinischen Fakultät, Vorstand Forschung und Lehre, Sprecher des Vorstands),
Lorenz Trümper (Vorstand Krankenversorgung),
Jens Finke (Vorstand Wirtschaftsführung und Administration)[1]
Betten ca. 1.600 (2024)[2]
Mitarbeiter ca. 9.700 (inkl. Tochtergesellschaften)[3]
Fachgebiete Neurowissenschaften, Herz-Kreislauf-Medizin, Onkologie
Zugehörigkeit Universität Göttingen
Gründung 1732 (Medizinische Fakultät)
Website https://www.umg.eu/
Lage
Universitätsmedizin Göttingen (Niedersachsen)
Universitätsmedizin Göttingen (Niedersachsen)
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Die UMG ist Teil der Georg-August-Universität Göttingen Stiftung Öffentlichen Rechts und wird von einem dreiköpfigen Vorstand geleitet. Mit knapp 9.700 Mitarbeitenden ist sie zusammen mit ihren Tochtergesellschaften einer der größten Arbeitgeber in der Region.[4]

Geschichte

  • 1390: Gründung des Hospitals St. Crucis am Geismartor
  • 1732: Gründung der Universität mit einer philosophischen, einer theologischen, einer juristischen und einer medizinischen Fakultät.
  • 1751: Einrichtung einer universitären Entbindungsanstalt in einem Fachwerk-Nebengebäude des Hospitals St. Crucis als Accouchieranstalt und eine der ersten akademischen Entbindungsanstalten in Deutschland; die Anstalt war – im Rückblick gesehen – Keimzelle der Göttinger Universitätsmedizin. Das heutige Accouchierhaus (Kurze-Geismar-Straße 1, Ecke Hospitalstraße) ist ein 1791 fertiggestellter barocker Ersatzneubau an der Stelle des St. Crucis-Hospitals. Die Klinik zog 1896 aus.
  • 1781: Gründung des „Wundärztlichen Hospitals“ durch August Gottlieb Richter als erstes universitätseigenes Hospital.
  • 1793: Umwandlung zum „Akademischen Hospital“. Damit nahm das Hospital seine Rolle als erstes Lehrkrankenhaus für die medizinische Ausbildung wahr.
  • 1809: Errichtung eines neuen Gebäudekomplexes unter Karl Himly[5] in der Geiststraße für das „Institut für Chirurgie und Augenheilkunde“.
  • 1851: Einweihung des „Ernst-August-Hospitals“ in der Geiststraße.[6] Dort gelang es erstmals in der Geschichte Göttingens, alle damaligen medizinischen Fächer (Klinik für Innere Krankheiten, Chirurgische Klinik, Klinik für Sinneskranke, Klinik für Augen- und Ohrenkranke sowie das Pathologische Institut) in einem Gebäudekomplex zu integrieren.
  • 1873: Auslagerung der Augenklinik in einen separaten Neubau in der Geiststraße 12 (das Gebäude ist heute noch erhalten).
  • 1891: Einzug der Chirurgischen Klinik in den Neubau in der Humboldtallee.
  • 1896: Ausbau zu einem Gebäudekomplex, welcher sich über große Bereiche der Goßlerstraße und der Humboldtallee erstreckte. Es folgte daraus die Gründung der Vereinigten Kliniken Göttingens. In den folgenden Jahren zogen die teils neuen medizinischen Disziplinen in die neuen Gebäude ein.
  • 1906: Eröffnung der neuen Augenklinik an der Goßlerstraße.
  • 1907: Einweihung des neuen Instituts für gerichtliche Medizin und die neue Nervenklinik.
  • 1911: Eröffnung der Kinderklinik in der Humboldtallee (heute das Gebäude des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin).
Gedenkstein von 2008 zur Erinnerung an Zwangsarbeiter des Göttinger Universitätsklinikums (2016)
  • 1926: Gründung der „Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten“.
  • 1930: Eröffnung der Hautklinik am Steinsgraben.
  • 1956: Umzug der psychiatrischen Klinik in die Von-Siebold-Straße.
  • 1959: Umzug der Hautklinik in die Von-Siebold-Straße.
  • 1962: Erste universitäre Abteilung für Kinderkardiologie Deutschlands
  • 1969: Start des ersten Bauabschnitts des Zentralklinikums an der Robert-Koch-Straße. Der Rohbau war bereits nach zwei Jahren abgeschlossen.
  • 1976: Beginn des Einzugs im Zentralklinikum.
  • 1980: Die wichtigsten Teilkliniken waren bereits eingezogen, das Göttinger Universitätsklinikum wurde Hubschrauberstandort und die Bauarbeiten am zweiten Bauabschnitt begannen.
  • 1986: Einzug von Kinder-, Frauen- und HNO-Klinik als eine der letzten Abteilungen.
  • 1991: Einweihung des ersten Kernspintomographen. Fünf weitere folgten.
  • 1996: Eröffnung einer Feuerwache am Klinikum.
  • 1998: Eröffnung der Kinderkardiologie
  • 2024: Eröffnung des Heart & Brain Centers Göttingen (HBCG)

Studium und Lehre

Insgesamt sind über 3.600 Studierende immatrikuliert. Etwa zehn Prozent davon stammen aus dem Ausland. Neben den Studiengängen der Humanmedizin und der Zahnmedizin bietet die UMG drei weitere grundständige Studiengänge an: den B.Sc. und M.Sc. Molecular Medicine, den M.Sc. Cardiovascular Science, sowie einen Postgraduierten-Studiengang (PhD).

In Kooperation mit der Georg-August-Universität Göttingen werden vier weitere Studiengänge angeboten: die M.Sc./PhD-Programme Neurosciences und Molecular Biology sowie die Masterstudiengänge Medizinische Informatik und Angewandte Statistik.

Die UMG kooperiert mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK) im Rahmen des Gesundheitscampus Göttingen (GCG). Diese gemeinsame akademische Ausbildungseinrichtung bietet fünf Bachelor-Studiengänge an: Pflege dual, Studium und Lehre Humanmedizin und Zahnmedizin, Therapiewissenschaften dual, Mediziningenieurwesen, Soziale Arbeit im Gesundheitswesen und Hebammenwissenschaften. Außerdem kooperiert die Private Hochschule Göttingen (PFH) im Rahmen ihrer Orthobionik Studiengänge mit der UMG.

In der UMG-eigenen Bildungsakademie werden acht verschiedene Ausbildungen in Gesundheitsfachberufen angeboten. Zum Teil sind die Ausbildungen in einen Studiengang integriert (Pflege und Physiotherapie/Logopädie, Hebammenwissenschaften). Die Praxisanteile dieser Ausbildungen finden zu einem überwiegenden Anteil in den verschiedenen Bereichen des Universitätsklinikums statt.

Krankenversorgung

Die UMG übernimmt mit ca. 1.600 Planbetten in über 60 Kliniken, Instituten und Abteilungen in der Region Südniedersachsen die Behandlung von ca. 60.000 stationären sowie ca. 220.000 ambulanten Patienten pro Jahr.

Der Rettungshubschrauber Christoph 44 ist am Universitätsklinikum in Göttingen stationiert.

Forschung

Die Forschungsschwerpunkte der UMG sind Neurowissenschaften, Herz-Kreislauf-Medizin, Onkologie und Molekulare Zellbiologie[7]. Die UMG gehört zur lokalen Forschungslandschaft des Göttingen-Campus, in dem sie sich mit der Universität Göttingen und weiteren außeruniversitären Göttinger Forschungseinrichtungen, darunter vier Max-Planck-Institute, zusammengeschlossen hat.

Ein Schwerpunkt sind die Neurowissenschaften am Göttingen-Campus. Im Rahmen der Exzellenzinitiative und der nachfolgenden Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder wurden mehrere Vorhaben an der UMG gefördert. Darunter das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte und bereits abgeschlossene Exzellenzcluster „Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns“ (CNMPB), sowie das im Jahr 2019 gestartete Exzellenzcluster „Multiscale Bioimaging: Von molekularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen“ (MBExC).[8]

Zudem ist die UMG an mehreren Sonderforschungsbereichen (SFB) und Graduiertenkollegs (GRK) beteiligt, zum Teil in sprechender Funktion[9].

Mit dem European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) und dem Center of Biostructural Imaging in Neurodegeneration (BIN) sind zwei interdisziplinäre Forschungsinstitute mit eigenständigen Gebäuden und Infrastrukturen entstanden. Das ENI-G, eine Kooperation der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und der Max-Planck-Gesellschaft, forscht zu den Funktionen und Krankheiten des Nervensystems. Ziel ist es, die molekularen Mechanismen des Gehirns im Normal- und Krankheitszustand zu verstehen.[10] Das BIN befasst sich mit der funktionellen Bildgebung des Gehirns, um die Ursachen von neurodegenerativen Erkrankungen zu erforschen[11].

Das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) ist seit 1. Juni 2024 Partner der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG). Die DZKJ-Geschäftsstelle wurde an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) eingerichtet.

Ein weiteres interdisziplinäres Forschungsgebäude, das Heart & Brain Center Göttingen (HBCG), wurde im August 2024 offiziell eröffnet. Hier wird zu Herz-Kreislauferkrankungen und dem Nervensystem geforscht.[12] Für den Neubau haben das Land Niedersachsen und der Bund zusammen rund 38 Millionen Euro investiert. An dem Zentrum wird das komplexe Zusammenwirken von Herz und Gehirn erforscht. Elf Forschungsgruppen sind in dem Gebäude untergebracht. Das Gebäude hat 3450 Quadratmeter Nutzfläche und 26 Labore.[13]

Hauptgebäude der UMG

Die UMG ist Göttinger Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), durch das über den Göttingen Campus hinaus eine nationale Vernetzung zum Thema Neurodegeneration besteht.

Der Schwerpunkt Herz-Kreislauf-Medizin etablierte sich durch ein Internationales Graduiertenkolleg (IRTG 1816) und den SFB 1002, die sich maßgeblich aus dem Herzzentrum Göttingen und der hiesigen Klinik für Kardiologie und Pneumologie entwickelt haben. Darüber hinaus ist die UMG Göttinger Standort des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).

Der Schwerpunkt Onkologie basiert auf Verbundprojekten der Grundlagenforschung (FOR 2008, KFO 5002), drei von der Deutschen Krebshilfe geförderte Max-Eder-Gruppen und der korrespondierenden klinischen Versorgung mit möglichst schnellem Transfer neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Praxis. Die klinisch-wissenschaftlichen Aktivitäten der Onkologie in der UMG und ihrer Schwesterhochschule, der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), werden seit 2021 von der Deutschen Krebshilfe als anerkanntes Spitzenzentrum CCC-Niedersachsen gefördert.

Camerata Medica Göttingen

Die Camerata Medica Göttingen ist das 2008 gegründete Sinfonieorchester der Medizinischen Fakultät an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Mitglieder sind vor allem Studierende der Medizin und Zahnmedizin, Ärztinnen und Ärzte aus Klinik und dem niedergelassenen Bereich sowie Mitarbeiter medizinischer Berufe.[14] Seit 2018 ist Jonas Kruse Dirigent und künstlerischer Leiter.[15]

Neben dem Sinfonieorchester bestehen auch ein Streichquartett und Streichquintett der Camerata Medica.[16]

Einzelnachweise

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