Universitätsklinikum des Saarlandes

Klinikum in Homburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Universitätsklinikum des Saarlandes ist das Klinikum der Universität des Saarlandes in Homburg.[3][4] Es ist auf einem Campus südlich des Homburger Stadtzentrums konzentriert, mehr als 100 Klinikgebäude liegen verstreut in einem über 200 Hektar großen Waldgebiet.

OrtHomburg
BundeslandSaarland
Ärztliche(r) Direktor(in)Jennifer Diedler[1]
Schnelle Fakten Ort, Bundesland ...
Universitätsklinikum des Saarlandes
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Ort Homburg
Bundesland Saarland
Staat Deutschland
Ärztliche(r) Direktor(in) Jennifer Diedler[1]
Betten 1.288 (2015)
Mitarbeiter 5000 (2013)[2]
davon Ärzte 570
Zugehörigkeit Universität des Saarlandes
Gründung 8. März 1947
Website www.uks.eu
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Geschichte

Bibliotheksgebäude von Heinrich Ullmann

Am 1. Juni 1909 fand die Eröffnung der dritten Pfälzischen Heil- und Pflegeanstalt in Homburg statt. In der Eröffnungsrede wurde betont, dass diese Anstalt „ein Denkmal für Pflege und Fürsorge“ für geisteskranke und schwerbehinderte Menschen sein sollte. Teile des ältesten Gebäudekomplexes, der noch steht, wurden 1904 bis 1910 durch den Architekten Heinrich Ullmann in reinstem Jugendstil geplant und erbaut. So existieren heute noch beispielsweise die Bibliothek und die Klinikkirche, die unter Denkmalschutz stehen. 1922 wurde die Anstalt in das Landeskrankenhaus für das neu gebildete Saargebiet umgewandelt. Der Zweite Weltkrieg verschonte die Gebäude im Wald weitestgehend. Im Jahre 1947 war die Gründung der Universität des Saarlandes auf dem Gelände des ehemaligen Landeskrankenhauses Homburg, Partneruniversität in der Gründungsphase war Nancy, der Gründungsdekan Hans Lullies.

Im April 1948 wurde der Umzug der nichtmedizinischen Fächer nach Saarbrücken beschlossen.[5] 2005 fand die Eröffnung des José-Carreras-Zentrums für Immun- und Gentherapie statt, 2006 die Eröffnung Ambulantes Onkologiezentrum (AOZ) für Chemotherapien bei Krebserkrankungen.

Ab 2009 wurden die nach wie vor verstreut im Gelände liegenden Gebäude im Zuge des Projektes „UKS Projekt Zukunft“ neu strukturiert und für rund 200 Mio. Euro umgebaut.[6] 2015 wurde der erste Teil des Neubaus der Inneren Medizin (IMED) fertiggestellt. Im Dezember 2018 wurde der zweite Teil beendet und von den Abteilungen bezogen, sodass sich nun die internistischen und chirurgischen Kliniken mit der zentralen Notaufnahme und der Radiologie in einem zusammenhängenden Gebäudekomplex befinden.[7]

Die Institute für Physiologie und Biophysik konnten 2015 in das neu errichtete CIPMM (Centrum für Integrative Physiologie und Molekulare Medizin) umziehen[8][9][10]. Ein neu errichtetes Forschungsgebäude dient der Vernetzung und gemeinsamen Nutzung verschiedener Gerätschaften für Arbeitsgruppen aus allen Fachbereichen[11]. Die Bauzeit betrug drei Jahre, die Kosten von 36 Millionen Euro trugen der Bund (16 Millionen) und das Land (20 Millionen).[12][13] Es wird auch ein neues Gebäude für die Institute für Rechtsmedizin und Pathologie errichtet, dessen Bau 2019 abgeschlossen wurde. In den Kliniken für Augenheilkunde, Dermatologie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie werden aufwendige Umbaumaßnahmen durchgeführt. Ein neues zentrales Hörsaal- und Bibliotheksgebäude ist seit 2016 im Bau.

Anfang 2020 wurde der Spatenstich für das neue PZMS gesetzt. Es soll wie das CIPMM ein zentrales Gebäude für die Biochemie und Pharmakologie darstellen.

Krankenbehandlung

Blick vom Schlossberg auf das Klinikum

Das Universitätsklinikum des Saarlandes ist das größte Krankenhaus des Saarlandes. In den verschiedenen Fachkliniken und Instituten werden jährlich etwa 54.000 Patienten stationär und 213.000 Patienten ambulant behandelt.[14][15] Als größtes Krankenhaus der Region übernimmt das Universitätsklinikum des Saarlandes mit seinen spezialisierten Hochschulambulanzen zahlreiche Aufgaben jenseits der klassischen Maximalversorgung. Mit zehn Intensivstationen und insgesamt 203 Intensivbetten ist das UKS das wichtigste Krankenhaus für die Versorgung kritisch kranker Patienten im Saarland.

Kliniken

Neubau der Inneren Medizin

Im Einzelnen gliedert sich das Universitätsklinikum in 30 Kliniken und sieben Institute:

  • Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie[16]
  • Klinik für Augenheilkunde
  • Kliniken und Institute für Chirurgie
  • Klinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin
  • Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
  • Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
  • Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin
  • Medizinische Kliniken
  • Institute für Infektionsmedizin
  • Kliniken und Institute für Neurologie und Psychiatrie
  • Klinik für Neurochirurgie
  • Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
  • Institute für Pathologie
  • Kliniken für Radiologie
  • Klinik für Urologie und Kinderurologie
  • Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
  • Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
  • Hämophiliezentrum

Forschung

Die Medizinische Fakultät bündelt ihre Forschungsaktivitäten auf fünf verschiedene Forschungsschwerpunkte:

Es existieren 250 Forschungskooperationen weltweit. Bisher entwickelt wurden insbesondere neue Behandlungsmethoden zu: Hepatitis C, Herzinsuffizienz, Krebs und Alzheimer.

Wichtige Forschungsbereiche sind:[17]

  • Sonderforschungsbereich 152 (seit 2014): Steuerung der Körperhomöostase durch TRP-Kanal-Module
  • Sonderforschungsbereich 1027 (seit 2013): Physikalische Modellierung von Nichtgleichgewichtsprozessen in biologischen Systemen[18]
  • Sonderforschungsbereich 894 (seit 2011): Ca2+-Signale: Molekulare Mechanismen und integrative Funktionen[19]
  • der Klinischen Forschergruppe KFO 129: Mechanismen der Resistenzentwicklung und Optimierung antiviraler Strategie bei Hepatitis-C-Virusinfektionen unter Einbeziehung integrativer Modelle der Biomathematik und Bioinformatik

Forschungserfolge

Lehre und Ausbildung

Die Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes bietet die Studiengänge Humanmedizin, Zahnmedizin und Ernährungsmedizin und Diätetik (B.Sc.) an.

An der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes studieren 2.076 Medizinstudenten (Stand: Wintersemester 2013/2014).[20] Die Zahl der jährlichen Abschlüsse beträgt im Studiengang Medizin im Mittel 270 und in der Zahnmedizin 25. Der Beginn des Studiums ist ausschließlich zum Wintersemester möglich.

Zum Universitätsklinikum gehört auch ein Schulzentrum mit zwölf Fachschulen für Gesundheitsfachberufe.

Verwaltung

Die Verwaltung des Universitätsklinikums des Saarlandes ist in folgende fünf Dezernate unterteilt:

Missbrauchsvorwürfe

Im Sommer 2019 wurde bekannt, dass ein Mediziner, der als Assistenzarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKS tätig war, mehrere Kinder bei Untersuchungen missbraucht haben soll. Dem Mann, der im Jahr 2016 eines natürlichen Todes gestorben war, wurde vorgeworfen, medizinisch nicht notwendige Untersuchungen im Intimbereich als Routinemaßnahmen ausgegeben zu haben.[21] Der Sachverhalt wurde der Öffentlichkeit erst infolge der Recherche des TV-Magazins Monitor bekannt, indem das Universitätsklinikum der Ausstrahlung des entsprechenden Berichtes durch eine Pressekonferenz zuvor kam.[22] Insgesamt wurden 34 mögliche Vorfälle ermittelt, die sich auf den Zeitraum von 2010 bis 2014 erstreckten. Nach dem Tod des Verdächtigen im Jahre 2016 waren die Untersuchungen eingestellt worden. Nach dem Bekanntwerden des Sachverhalts im Zuge der Recherche der Redaktion des Magazins Monitor wurden im Jahr 2019 auch die Studienunterlagen des Verdächtigen durch eine sogenannte Task-Force gesichtet, um zu ermitteln, inwieweit mögliche Missbrauchsfälle in dessen Studienzeit von 2003 bis 2009 vorgefallen sein könnten. Die Untersuchung ergab keinerlei Hinweise auf Missbrauch im Rahmen der in dieser Zeit durchgeführten Studien und Beobachtungen, an denen der Mann als Student beteiligt gewesen war.[23] Es wurden auch weitere mutmaßliche Missbrauchsfälle bekannt,[24] so insbesondere an der HNO-Klinik im Jahr 2012, die jedoch nicht aufgeklärt wurden.[25]

Im August 2019 setzte der Landtag des Saarlandes einen Untersuchungsausschuss ein, der die Aufgabe hatte, zu klären, wie es zu den mutmaßlichen Missbrauchsfällen ab 2003 insbesondere in der Spezialambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie kommen konnte und wer dafür die politische Verantwortung zu tragen habe. Die Beweisaufnahme wurde im Juli 2021 abgeschlossen.[26]

Einzelnachweise

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