Uxier

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Die Uxier (altgriechisch Οὔξιοι; lateinisch: Uxii) waren ein antiker westiranischer Volksstamm halbnomadischer Hirten, der im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. zunächst im Achämenidenreich und nach dessen Eroberung durch Alexander den Großen im hellenistischen Seleukidenreich das Zagros-Gebirge bewohnte. Ethnisch waren die Uxier wohl eng mit den benachbarten Susiern, den Bewohnern der Landschaft Susiana, verwandt.

Der antike Historiker Arrian unterscheidet die in der Ebene siedelnden Uxier als eigene Gruppe des Volks von jenen, die im Gebirge lebten. Während die in der Ebene wohnenden Uxier die Oberherrschaft der Achämeniden anerkannten und sich Alexander bei dessen Anmarsch 330 v. Chr. unterwarfen, waren die Berg-Uxier autonom und verlangten von den persischen Großkönigen einen Wegzoll, wenn diese durch ihr Stammesgebiet führende Straßen passieren wollten. Alexander kam dieser Forderung nicht nach, bekriegte die Uxier und unterjochte sie. In der Folgezeit standen die Uxier der Ebene unter der Oberherrschaft der Seleukiden, wohingegen die Berg-Uxier sich bald wieder unabhängig machten. Das weitere Schicksal des Volks nach der hellenistischen Ära ist unbekannt.

Quellen

Es sind nur spärliche antike Berichte über das Volk der Uxier vorhanden, die hauptsächlich im Zusammenhang mit den Feldzügen Alexanders des Großen überliefert wurden. Primärquellen über sie sind verschollen; erhalten blieben knappe Darstellungen später Alexanderhistoriker wie Arrian, Quintus Curtius Rufus und Diodor sowie des Historikers und Geographen Strabon.[1] Die bergbewohnenden Uxier werden als furchtsam und fluchtbereit dargestellt, aber auch als unerbittliche Kämpfer, die ihre Unabhängigkeit vehement verteidigten. Vom im 2. Jahrhundert v. Chr. schreibenden Historiker Polybios wird das Volk in den erhaltenen Teilen seines Geschichtswerks nicht erwähnt; wahrscheinlich war ihm seine Existenz bereits unbekannt.[2]

Wohnsitze; Lebensweise

Zagros-Gebirge in der Region Shadegan

Das Siedlungsgebiet der Uxier lässt sich nicht genau lokalisieren. Laut Plinius lebten sie im nach ihnen benannten Distrikt Uxiana, einer kleinen Region zwischen Susiana und der Persis. Der französische Althistoriker Pierre Briant, der sich auf Arrian stützt, verortet das Siedlungsgebiet der Berg-Uxier in den Pässen nahe den Persischen Toren, wo der Pasitigris (heute Karun) im Zagros-Gebirge entspringt, während die Uxier der Ebene im Fahliyun-Becken lebten.[3]

Nach der persischen Eroberung des Stammesgebiets der Uxier kamen die in der Ebene siedelnden Angehörigen des Volks unter die Botmäßigkeit der jeweiligen Satrapen der achämenidischen Großkönige, während die im angrenzenden Bergland hausenden Uxier ihre Unabhängigkeit behaupteten. Dementsprechend unterscheidet Arrian die beiden landschaftlich getrennten Gruppen des Stammes.[4] Diodor hebt den Ertragreichtum des von den Uxiern der Ebene besiedelten Lands hervor. Es war von vielen Gewässern durchzogen und brachte mannigfaltige Früchte hervor. Zur Erntezeit brachten ihre Kaufleute die Früchte über den Pasitigris nach Babylonien.[5] Laut Arrian lebten die Uxier in Dörfern, nach Diodor in Städten. Indessen scheint ihr Gebiet abseits der wichtigsten von den Persern genutzten Handelswege gelegen zu haben.[6]

Die Berg-Uxier waren wohl Nomaden, die während des ganzen Jahrs überall im Zagros-Gebirge nach Weideland für ihre Herden suchten. Sie lebten als isoliertes Volk von der Zucht von Pferden, Rindern und Schafen sowie von agrarischer Subsistenzwirtschaft. Griechische Quellen beschreiben sie als räuberisches Volk. Für den Kampf verwendeten sie leichte Bewaffnung, vor allem Pfeil und Bogen. Gegenüber Angriffen persischer oder griechischer Heere mieden sie offene Feldschlachten. Stattdessen zogen sie sich aus ihren Dörfern ins Gebirge zurück und legten entlang der von ihnen kontrollierten Bergstraßen Hinterhalte, um von dort aus auf die feindlichen Armeen zu lauern. Aufgrund dieser Militärtaktik kämpften sie nicht zu Pferd.[7]

Geschichte

Semiautonome Vasallen der Achämeniden

Die Achämeniden errichteten im Gebiet der die Ebenen des Zagros-Gebirges bewohnenden Uxier Verteidigungs- und Kontrollanlagen, u. a. eine bedeutende Festung, und unterstellten die Region der Verwaltung von nahen Verwandten des Großkönigs. Die in der Ebene siedelnde Gruppe des Stamms unterstand während der Perserzeit der direkten Oberherrschaft der Achämeniden. Hingegen manifestierten sich die Beziehungen zu den autonomen Berg-Uxiern in Form von Verträgen, die der Großkönig mit ihnen schloss. Durch ihr Territorium verlief vor allem die von Susa in südöstlicher Richtung nach Persepolis führende Königsstraße. Bei den an die Uxier zu entrichtenden Durchgangszöllen handelte es sich aber nach Ansicht mancher Althistoriker wie Pierre Briant eher um den persischen Anteil gegenseitiger Leistungen als einen erzwungenen Tribut. Die griechischen Autoren hätten die Politik der Achämeniden gegenüber dem Stamm missverstanden oder absichtlich verdreht, um Dareios III. als schwachen Herrscher darzustellen. Durch die Zahlung des Wegzolls sollte die Loyalität der Berg-Uxier gesichert werden. Im Gegenzug stellte der Stamm Kämpfer bereit, die in den Reihen der achämenidischen Heere dienten. Der persische Großkönig nahm einmal im Jahr anlässlich seiner Reise zum Neujahrsfest in Persepolis den Umweg durch das Gebiet der Uxier in Kauf.[8] Zur Zeit von Alexanders Asienfeldzug verwaltete Madates, anscheinend ein Fürst der Uxier, deren Stammesgebiet. Er war mit einer Nichte der Sisygambis, der Mutter des damals regierenden Großkönigs Dareios III., verheiratet.[9]

Widerstand gegen Alexander den Großen

Büste Alexanders des Großen

Im Verlauf seines Feldzugs gegen das Achämenidenreich zog Alexander der Große nach seiner Inbesitznahme der persischen Königsresidenz Susa mit seinem Heer Ende 331 v. Chr. nach Südosten, um in die Persis, das Stammland der Perser, einzufallen und die wichtige Metropole Persepolis einzunehmen.[10] Laut Diodor[5] begegnete er nach dem Überschreiten des Pasitigris zuerst den in der Ebene siedelnden Uxiern, die sich ihm kampflos unterwarfen. Beim Anstieg ins angrenzende Hochland etwa im Januar 330 v. Chr. sah er sich aber mit der Forderung der Berg-Uxier konfrontiert, für die Durchquerung ihres Gebiets den gleichen Wegzoll zu zahlen, den sie von den Persern verlangten. Ihr Fürst Madates ließ einige in ihrem Territorium gelegenen Pässe mit einer starken Streitmacht bewachen. Alexander weigerte sich, den Durchmarsch zu erkaufen und entschloss sich stattdessen zum Kampf.[11] Er formierte selbständig operierende Heeresgruppen, die unter dem Kommando des Krateros und vielleicht auch des Tauron standen. Sie umgingen die festen Stellungen und Plätze der Uxier auf Nebenwegen und bedrohten diese im Rücken. Gleichzeitig stieß der Makedonenkönig selbst nachts unter der Führung ortskundiger Einheimischer vor und attackierte die feindlichen Krieger unerwartet, die durch diese Taktik zum Rückzug und zur Kapitulation gezwungen wurden.[12]

Der Bericht Arrians[13] über Alexanders Kampf gegen die Uxier weicht indessen von den beiden anderen erhaltenen Darstellungen des Quintus Curtius Rufus[14] und Diodor[15] in den Einzelheiten stark ab. Diese drei Berichte werden im Folgenden kurz erörtert.

Bericht Arrians

Laut der Darstellung Arrians schickten die im Zagros-Gebirge lebenden Uxier Gesandte zu Alexander, als er den Fluss Pasitigris überschritten hatte und sich anschickte, ihr Gebiet zu durchqueren. Die Boten überbrachten die Forderung des Stamms, dass der Makedonenkönig den gleichen Betrag wie die Perser entrichten müsse, um ihre Bewilligung für den Zug durch ihr Territorium zu erhalten. Alexander entließ die Gesandten mit dem Auftrag, die Uxier sollten ihn bei jenen Pässen empfangen, durch deren Besitz sie den Zugang zur Persis kontrollieren zu können glaubten, er werde ihnen dort den vorgeschriebenen Zoll zahlen. In der folgenden Nacht beschritt er aber mit seiner Leibgarde, den Schilderträgern und 8000 weiteren Soldaten unter Führung von Männern aus der Susiana einen steinigen, schwierig gangbaren Nebenweg, erreichte einige Dörfer der Uxier und tötete viele der schlafenden Einwohner, während die übrigen ins Gebirge entkamen. Dann zog er in Eilmärschen zu jenen Pässen, bei dem er den Uxiern den verlangten Zoll übergeben sollte und wo sie ihm vermutlich mit ihrer Hauptmacht entgegentreten würden. Er konnte die Pässe vor dem Eintreffen der feindlichen Kämpfer besetzen, während der von ihm mit einer Streitmacht vorausgesandte Feldherr Krateros die darüberliegenden Höhen eingenommen hatte. Von seiner strategisch gelegenen günstigen höheren Position aus stürmte er gegen die anmarschierenden Uxier an, die erschrocken den Nahkampf mieden und flüchteten. Einige von ihnen wurden auf der Flucht von Alexanders Truppen getötet, die Mehrheit aber beim Anstieg in die Berge, auf die sie sich zurückziehen wollten, von den Soldaten des Krateros erschlagen.[13]

Darstellung des Curtius Rufus

Der Bericht des Alexanderhistorikers Quintus Curtius Rufus über den Feldzug des Makedonenkönigs gegen die Uxier deckt sich nur in groben Zügen mit Arrians Schilderung. Auch nach ihm kam es nach Alexanders Überschreiten des Pasitigris zum Zusammenstoß mit den Uxiern. Einige von Curtius Rufus im weiteren Verlauf seiner Erzählung überlieferte Namen fehlen in Arrians Bericht.[16] So erwähnt Curtius Rufus Madates, den er als mit Dareios III. verwandten Anführer (Praefectus) der Uxier bezeichnet,[17] während Arrian überhaupt keinen solchen Stammesführer nennt. Des Weiteren erscheint bei Curtius Rufus anstelle des Krateros ein Offizier namens Tauron, der wohl ein Bruder des Harpalos war, als Unterfeldherr Alexanders bei dessen Kämpfen gegen die Uxier. Tauron habe mit 1500 als Bogenschützen angeworbenen Söldnern und 1000 Agrianen die Anhöhen über einer von Alexander belagerten Stadt der Uxier besetzen sollen.[18] Curtius Rufus beschreibt ausführlich die Belagerung dieser Stadt, wohingegen in seiner Darstellung die von Arrian erwähnten Pässe, von dem aus die Uxier Alexander aufhalten wollten, nicht vorkommen. Nach Meinung mancher Althistoriker könnte sich um zwei verschiedene Gefechte des Makedonenkönigs gegen den Volksstamm handeln.[19] Außerdem fehlt bei Curtius Rufus die von Arrian sorgfältig durchgeführte Unterscheidung zwischen den von den Persern abhängigen und den freien Uxiern.[16]

Schilderung Diodors

Diodor beschreibt den Lauf des Pasitigris, den Alexander vor seinem Kampf mit den Uxiern überschritt, ähnlich wie Curtius Rufus. Auch erwähnen beide Autoren Madates als Anführer des Stammes. Im Gegensatz zu Curtius Rufus liefert Diodor keine ausführlichere Beschreibung eines Kampfes um eine Stadt, sondern erwähnt nur kurz die Attacke Alexanders auf die feindliche Passstellung und das unerwartete Auftauchen makedonischer Einheiten über den Pässen, die sie auf Nebenwegen unter Führung eines Angehörigen der Uxier erreicht hatten. Dieser Doppelangriff zwang die Krieger der Uxier zur Flucht. In diesem Teil seines Berichts zeigt Diodor enge Berührungen mit Arrian. Nach Erzwingung des Durchgangs über die Pässe eroberte der Makedonenkönig laut Diodor noch mehrere Ansiedlungen der Uxier. Die Berichte von Diodor und Curtius Rufus könnten auf den Alexanderhistoriker Kleitarch zurückgehen.[20]

Verpflichtung zu Tributleistungen

Nach ihrer Niederlage gegen Alexander durften die Uxier in ihren Wohnsitzen verbleiben, musste aber Tribute in Form von Naturallieferungen leisten. Laut der Überlieferung des späteren ägyptischen Königs Ptolemaios I., dessen heute verschollene Alexandergeschichte von Arrian ausgewertet wurde, und der Darstellung des Curtius Rufus setzte sich die in makedonische Gefangenschaft geratene Sisygambis, die Mutter des Großkönigs Dareios III., bei Alexander für die Uxier ein, damit sie weiterhin in ihrem Land wohnen durften.[16] Arrian gibt an, dass der unterworfene Stamm eine jährliche Abgabe von 100 Pferden, 500 Zugtieren und 30.000 Schafen abliefern musste, da die Berg-Uxier als Hirten und Viehzüchter keine größeren Geldzahlungen zu leisten vermochten.[21] Im Verlauf seines weiteren Vormarschs hatte Alexander noch den schwierigen Kampf gegen den Satrapen Ariobarzanes zu bestehen, der den Hauptpass im Zagros-Gebirge, die Persischen Tore, besetzt hielt, um sich Zugang zur Landschaft Persis zu verschaffen.[22]

Stellung der Uxier im Seleukidenreich

Nach der endgültigen Teilung des Alexanderreichs kamen die Uxier unter die Herrschaft von Seleukos I. Bald werden aber Soldaten der Uxier in den Kontingenten der seleukidischen Armee nicht mehr erwähnt. Die Berg-Uxier machten sich wohl kurz nach Alexanders Tod wieder unabhängig. Ihre absolute Selbstständigkeit wird von Diodor[23] anlässlich seiner Darstellung der Diadochenkämpfe des Jahres 312 v. Chr. betont. Der Status der in der Ebene lebenden Uxier innerhalb des Seleukidenreichs ist unklar. So ist unbekannt, ob sie direkt von den Seleukidenkönigen abhängig waren oder große Autonomie genossen. Polybios erwähnt in den erhaltenen Teilen seines Berichts über die Rückeroberung des Iran durch Antiochos III. die Uxier nicht, wohl aber die Kossaier und Elymaier. Pierre Briant schließt daraus, dass Antiochos III. keine Militäroperationen zur Herstellung der seleukidischen Oberhoheit über die Berg-Uxier durchführte. Das Fehlen jeglicher Erwähnung des Stamms in den Quellen in späthellenistischer Zeit bringt denselben Althistoriker zur Ansicht, dass die Berg-Uxier auch in dieser Ära de facto unabhängig von den Seleukiden waren, die ihre Herrschaft über die Susiana und Medien im Lauf des 2. Jahrhunderts v. Chr. immer weniger durchzusetzen vermochten. Das spätere Schicksal des Volks ist unbekannt.[24]

Literatur

  • Pierre Briant: „Brigandage“, dissidence et conquête en Asie achéménide et hellénistique, in: Dialogues d’histoire ancienne, Bd. 2, 1976, S. 163–258.
  • Pierre Briant: Rois, tributs et paysans: Études sur les formations tributaires du Moyen-Orient ancien, Bd. 269, Presses universitaires de Franche-Comté, 1982, 539 p.
  • Pierre Briant: État et pasteurs au Moyen-Orient ancien, Éditions de la maison des sciences de l’homme, Paris 1982, 267 p.
  • Siegfried Lauffer: Alexander der Große. 3. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1993, ISBN 3-423-04298-2, S. 103 f.
  • Hans Treidler: Uxii. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IX A,2, Stuttgart 1967, Sp. 1313–1319.

Anmerkungen

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