Vahle Group
Hersteller von Energie- und Datenübertragungssystemen
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Die Paul Vahle GmbH & Co. KG ist ein Hersteller für individuelle Energie- und Datenübertragungssysteme für mobile Industrieanwendungen mit Hauptsitz in Kamen. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Vahle einen weltweiten Umsatz von über 200 Mio. Euro. Das Unternehmen beschäftigt weltweit über 900 Mitarbeiter und unterhält 13 Ländergesellschaften. Zudem agiert das Unternehmen in 52 Ländern.[2]
| Vahle Group | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Gründung | 1912 |
| Sitz | Kamen |
| Leitung | Achim Dries |
| Mitarbeiterzahl | > 900 |
| Umsatz | > 200 Mio. Euro (2024)[1] |
| Branche | Elektroindustrie |
| Website | https://vahle.de/ |
| Stand: 8. Januar 2026 | |
Geschichte
Die Paul Vahle GmbH & Co. KG wurde mit der Erfindung der Kupferstromschiene von Paul Vahle 1912 gegründet. Auf die Idee kam Vahle während seiner Zeit als Betriebschef der elektrischen Abteilung beim Dortmunder Eisen- und Stahlwerk Hoesch. Dort kam es immer wieder zu Betriebsausfällen und hohen Zusatzkosten, da die eingesetzten elektrischen Krane immer wieder Kurzschlüsse verursachten, wenn sich die Drähte der Rundkupferleitung berührten.
Paul Vahle verstarb 1926, kurz nach der Gründung des Unternehmens. Die Leitung übernahm zunächst seine Ehefrau Helene Vahle, anschließend sein Sohn Paul Werner Vahle. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Paul Werner Vahle eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft. In dieser Zeit führte seine Ehefrau Maria Vahle das Unternehmen weiter.
In den 1950er-Jahren profitierte das Unternehmen vom wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit. Aufgrund fehlender Expansionsmöglichkeiten am Standort Dortmund erfolgte 1958 der Umzug ins benachbarte Kamen. Neue Produkte wie die Sicherheitsschleifleitung vom Typ KSL und die Leichtmetallschiene trugen zur Expansion bei. Zu den bedeutenden Projekten dieser Zeit zählte unter anderem die Ausstattung der Magnetschwebebahn Transrapid. Die eigens entwickelte U10-Stromschiene wurde zum Standard in der Automobilindustrie.
1995 übernahm Vahle die Schlitzhohlleiter-Technologie SHL (heute SMG) von der Deutschen Aerospace AG. 1998 folgte in Kooperation mit der TU Braunschweig die Entwicklung des kontaktlosen Energieübertragungssystems Contactless Power Supply (CPS).[3]
Im Juni 2013 übernahm der Diplom-Ingenieur Achim Dries die Allein-Geschäftsführung.[4] Im Jahr 2017 gründete Vahle den Geschäftsbereich Automation mit Fokus auf induktive Energieübertragung. In diesem Zusammenhang wurde die Vahle Automation GmbH am Standort Schwoich (Österreich) etabliert.[5] Im Mai 2025 erfolgte der Spatenstich für das Neubauprojekt Vahle Campus. Als Erweiterung der bisherigen Kapazitäten entstehen an der Westicker Straße in Kamen auf 15.300 Quadratmetern ein neues Verwaltungsgebäude und Produktionsanlagen. Das Bauprojekt umfasst eine Gesamtinvestition von über 60 Millionen Euro.[6]
Märkte und Anwendungsbereiche
Vahle ist in verschiedenen Industriebranchen tätig. In der Automobilindustrie kommen Vahle-Systeme weltweit in Fertigungsstraßen zum Einsatz, so beispielsweise in der Teilmontage von Audi in Neckarsulm.[7] In der Intralogistik sorgen sie in Distributionszentren für den Betrieb von Paletten- und Fördersystemen. Innovationen wie der Smart Collector erkennen Fehler und Anomalien frühzeitig, um ungeplante Anlagenstillstände zu vermeiden.[8] In der Krantechnik werden offene Stromschienen zur Energieversorgung eingesetzt, so beispielsweise im Stahlwerk von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg.[9] In Hafenanlagen wie dem Port of Felixstowe[10] oder dem Khalifa Port in Abu Dhabi[11] ermöglichen Vahle-Lösungen die elektrische Bewegung von Containern ohne den Einsatz von Dieselgeneratoren. Im Bereich der Personenbeförderung finden sich Anwendungen in automatisierten Transportsystemen wie dem Transrapid in Shanghai oder Pilgerzügen in Brasilien.[12] Auch im Bereich Freizeittechnik kommt die Technologie zum Einsatz, unter anderem bei der Energieversorgung der Kabinen des weltweit höchsten Riesenrads Ain Dubai.[13]