Verspannung

schmerzhafter Zustand insbesondere der Nacken- oder Schultermuskulatur From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Verspannung (oder auch als Hartspann,[1] Muskelhartspann,[2][3] verspannte Muskeln,[4] Muskelverhärtung, Verkrampfung,[5] „Muskelhärten“, Muskelverspannung[6] oder „chronische Muskelverspannungen“[7]) wird ein schmerzhafter Zustand (Myalgie) insbesondere der Nacken- oder Schultermuskulatur bezeichnet, bei dem sich der Muskeltonus durch Überanstrengung oder einseitige Haltung dauerhaft verstärkt hat. Verspannungen an anderen Körperstellen treten zwar ebenfalls auf, sind aber wesentlich seltener. Um den Muskelschmerz zu vermeiden, nimmt man unbewusst eine Schonhaltung ein, was die Anspannung einiger Muskeln zusätzlich verstärken kann und zu einem Teufelskreis führt.

Schnelle Fakten Klassifikation nach ICD-10 ...
Klassifikation nach ICD-10
M62.88 Verspannung, Muskel, paravertebral
R29.8 Muskel: Steifigkeit
M62.89 Hartspann
M62.85 Hartspann Iliakus, Hartspann Psoas
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
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Häufigste Ursachen

Eine häufige Ursache von verspannten Schultern oder Nacken ist langes Sitzen in unbewegter Haltung, beispielsweise bei stundenlanger Arbeit am Computer, beim Spielen von Videospielen, bei langem Schreiben oder beim Lesen von Büchern. Deshalb wird allgemein empfohlen, auf häufige Haltungswechsel zu achten und mindestens jede Stunde eine 5- bis 10-minütige Pause einzulegen.

Auch eine ungünstige Schlafposition kann zu Verspannungen führen, ferner einseitige Haltungen oder Fehlhaltungen am Arbeitsplatz und bei der Sportausübung.

Stress führt ebenfalls zu Verspannungen und kann sich chronisch als psychosomatische Symptomatik verfestigen, vor allem durch lange seelische Belastung und Überforderung. Eine Studie deutscher Versicherungsanstalten mit über 1200 Personen belegte signifikante Zusammenhänge zwischen subjektivem Befinden und stressauslösenden Vorgängen.[8] Im Berufsalltag nehmen die Stress- und Verspannungsbeschwerden mit steigendem Alter zu und erreichen ihre Höchstwerte bei 44- bis 50-Jährigen.

Drei oft betroffene Muskeln

Auf langandauernden Stress reagieren vor allem drei Muskeln mit Verkürzungen: der Schulterblattheber, der Trapezmuskel und der Obergrätenmuskel.

Eine Verspannung des Schulterblatthebers kann auch die Hinterkopfnerven irritieren und zu Kopfschmerzen führen, woran etwa 40 Prozent der Erwachsenen zumindest zeitweilig leiden. Ob die Schmerzen primär von den Schulter- und Nackenmuskeln kommen, lässt sich durch Oberflächen-Elektromyografie feststellen.

Die von Stress oder Fehlbelastung lange angespannte Muskulatur verliert ihre normale Dehnbarkeit und verhärtet sich, was den Muskelschmerz hervorruft.

Eine „Überforderung der Rückenmuskulatur durch äußere Faktoren (Schwerarbeit, Zwangshaltung) oder innere Faktoren (abnorme Beweglichkeit im Zwischenwirbelgelenk bei zunehmendem Turgorverlust der Bandscheibe: Chondrose) führt zur schmerzhaften Verspannung der Rückenmuskulatur.“[9]

Mögliche Therapien und Hilfsmittel

Die Auflockerung von Verspannungen im Oberkörper kann auf mehrfache Art erfolgen, erfordert aber bei chronisch gewordenen Schmerzen einen erheblichen Zeitaufwand:

  1. Massage der betroffenen Körperstellen und ihrer Umgebung
  2. Bewegung, da sie wie eine Massage auf die Wirbelsäule wirkt, die Muskulatur lockert und die Nährstoffversorgung des Gewebes anregt
  3. Schwimmen und Wasseranwendungen (Thalassotherapie, Wassergymnastik, Hydrotherapie, Balneotherapie)
  4. physikalische Therapie
  5. regelmäßige Gymnastik, insbesondere der Schulter- und Rückenpartien (Sport, Krankengymnastik, Physiotherapie, Medizinische Trainingstherapie, Ausgleichssport)
  6. Wärmebehandlung, z. B. mit Fangopackungen, traditionellem Heizkissen oder einem Körnerkissen
  7. zielgerichtete Meditation oder Entspannungsübungen, z. B. Progressive Muskelentspannung, Biofeedback oder Yoga
  8. Änderung des Lebensstils, Vermeiden von Disstress
  9. Ergonomisch besserer Sessel, federnde Rückenlehne o. ä.
  10. Geeignetere Matratze, besser geformtes Kopfpolster

Eine weitere Möglichkeit sind Schmerzmittel-Injektionen durch einen Orthopäden oder Hausarzt. Diese haben eine Wirkungsdauer von maximal einem Tag. Diclofenac-Spritzen bieten gegenüber der oralen Einnahme in der Regel keine besonderen Vorteile. Daneben werden noch Cortisonspritzen verwendet. Auch können Chirotherapie und Neuraltherapie helfen.

Geschichte

Früher wurden „in ihrem Resistenzgrad veränderte Stellen des Muskels, an denen keine rheumatischen Gewebsveränderungen nachweisbar sind, als Muskelhärten im Sinne der Hartspannlehre von Müller, Gladbach, auf[gefasst]. Dieser stellte fest, daß in der Muskulatur einzelne Muskelpartien eine erhöhte Resistenz aufweisen – er nannte es «Hypertonus» – und daß diese Muskelpartien die Tendenz haben, den Hypertonus über ihre nächste Nachbarschaft zu verbreiten. Ganze Körperpartien, auch segmental angeordnete Abschnitte, werden davon befallen. Müller, Gladbach, hat daraus eine ganze Pathologie abgeleitet.“[10] Rudolf Müller aus Mönchengladbach entwickelte in den 1920er bis 1950er Jahren die sogenannte Hartspannlehre.

Etymologie

Wörtlich übersetzt heißt das Wort Hypertonus zu große Spannung; gemeint ist hier der Muskeltonus.

Zweitbedeutung

In der Humanmedizin hatte der Fachbegriff der Verspannung auch noch die Bedeutung Anspannung in der „Psychologie: Störung des innerseelischen Spannungszustandes, zum Beispiel bei Disharmonie zwischen körperlicher und seelischer Entwicklung.“[11]

Siehe auch

Literatur

  • Tom Laser: Mach dich locker! Muskel-Verspannungen schnell wieder loswerden. Trias-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8304-3255-0.
Wiktionary: Verspannung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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