Villa Schimpf
Wohnhaus in Esslingen am Neckar
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Die Villa Schimpf in der Mettinger Straße 17 in Esslingen am Neckar wurde 1905 errichtet und 1956 abgerissen.
Geschichte
Die 1905 errichtete Villa Schimpf mit 24 Zimmern, Mettinger Straße 17, entwarf der Architekt Albert Benz nach den Wünschen des Ehepaars Ernst (1862–1942) und Rosa Helene Schimpf (1870–1949). Er musste sich dabei an Motiven alter Häuser in Esslingen orientieren. Die Fenster- und Türgewände wiesen Formen der Spätgotik auf, die Fachwerkteile des Hauses wurden „in einer Mischung aus heimischer alemannischer und fränkischer Fachwerkbauweise des 16. Jahrhunderts mit Sichtfachwerkgiebel und steiler gestaffelter Dachlandschaft“[1] gestaltet.
Fenstergestelle, Eckquader etc. wurden aus weißem, grobkörnigem Keuper-Sandstein gefertigt, fürs Bruchsteinmauerwerk verwendete man Liassandstein in Ockertönen. Die Hölzer der Riegelwände schützte ein Anstrich aus Karbolineum und Teer, während die Felder dazwischen mit Schwarzkalkmörtel verputzt wurden. Das Dach wurde mit roten Hohlziegeln gedeckt.[2]
Ernst und Rosa Helene Schimpf waren auch an der Ausgestaltung tatkräftig beteiligt. Während Rosa Helene Schimpf die Farbverglasung eines über zwei Geschosse reichenden Fensters gestaltete, das die Wappen aller Esslinger Bürgermeister zeigte, die Ofen- und Brunnenkacheln selbst bemalte und brannte sowie große Wandbehänge stickte, verzierte Ernst Schimpf Deckenbalken, Türen und seinen Schreibtisch mit Schnitzereien. Im Untergeschoss der Villa lag eine Hauskapelle mit einer alten Madonnenfigur.[3]
Da auf dem in Aussicht genommenen Baugrundstück ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1578 stand, das man nicht einfach abreißen wollte, wurde der Stuttgarter Architekt und Bauingenieur Erasmus Rückgauer mit der Translozierung des Gebäudes beauftragt. Er trennte das Fachwerkhaus von seinem Fundament, setzte es auf Schienen und verschob es um 17 Meter auf das Nachbargrundstück Mettinger Straße 19. Die verbliebenen Fundamente wurden in die neu erbaute Villa integriert,[4] was zu einer erheblichen Senkung der Baukosten führte. Sie betrugen nur etwa 30.000 Mark.[2] Dennoch bezeichnete Julius Fekete die Translozierung des alten Hauses als eine „aufwendige, aber unnötig erscheinende Tat“,[5] da man die Villa ja auch auf das Grundstück Mettinger Straße 19 hätte bauen können.
Der spätere Nachrichtendienstmitarbeiter und erste Leiter des sogenannten Forschungsamtes, Hans Schimpf (1897–1935), einziger Sohn des Ehepaares, sowie der Schauspieler Rolf Schimpf (1924–2025), ein Enkel von Ernst und Rosa Helene Schimpf, wuchsen zeitweise in der Villa auf. Die Villa Schimpf wurde 1952 verkauft und 1956 vom neuen Eigentümer, der Firma G. Boley,[6] abgerissen.
Literatur
- Villa des Herrn Ernst Schimpf in Eßlingen. In: Architektonische Rundschau, 20. Jahrgang 1904, Heft 3, S. 24 (Text) (Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Heidelberg), Tafel 24 (3 Ansichten, 2 Grundrisse) (Digitalisat ebenda), Tafel 25 (Perspektive und Grundriss der zweigeschossigen Halle) (Digitalisat ebenda). (Digitalisate zuletzt abgerufen am 6. Januar 2026)
- Julius Fekete: Denkmalpflege um 1900 - die Translozierung eines Fachwerkhauses in Esslingen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg – Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege. Band 22, Nr. 3, 1993, S. 167–173, hier S. 168, doi:10.11588/nbdpfbw.1993.3.13468.
- Simone Weiß: Von der Traumvilla zeugt nur noch ein Modell. In: Eßlinger Zeitung. 30. März 2023 (esslinger-zeitung.de [abgerufen am 6. Januar 2026] Farbfoto eines Modells des Hauses; Text größtenteils kostenpflichtig).