Vincent Adriaenssen

flämischer Maler From Wikipedia, the free encyclopedia

Vincent Adriaenssen (* vor dem 14. März 1595 in Antwerpen; † 1. August 1675 in Rom) war ein flämischer Maler. Er ist auch unter den Namensvarianten Adriaensen, Adriaensz., Adrianse, Adrianza, Adrianus, Adreantius, Adriazeus und Adriazzius sowie den Beinamen Manciola, Manciol, Mansiola, Manchole, Mancholles, Mozzo d'Anversa und Leckerbetien (auch Leckerbetjen) bekannt. Sein Schüler war Luigi Garzi.[1][2]

Vincent Adriaenssen: Kampf zwischen Türken und christlichen Rittern. Ex-Christie’s, Mailand

Leben

Vincent Adriaenssen entstammte einer künstlerisch bedeutenden Antwerpener Familie. Sein Vater war der Lautenkomponist Emanuel Adriaenssen, und auch seine Brüder Alexander und Niclaes waren Maler. Als seine Mutter im Jahr 1611 erneut heiratete und nach Leiden zog, verblieb Vincent unter der Vormundschaft seines Bruders Alexander in Antwerpen. Den ersten Malunterricht erhielt er vermutlich bei diesem Bruder. Der Malergilde Antwerpens gehörte er weder als Lehrling noch als Meister an. Nach Erreichen seiner Volljährigkeit im Jahr 1621 konnte Adriaenssen über sein Erbe verfügen und plante eine Reise nach Italien. Um die Kosten dafür zu finanzieren, lieh er sich im April 1622 266 Gulden gegen ein Rentenrecht. In der Folge führte er einen Prozess gegen seine Mutter. Sein Weg nach Rom, wo er um 1625 ankam, soll über Paris geführt haben, wo er angeblich Landschaften im Palais du Luxembourg malte. In den Jahren 1635 und 1636 unterlag er der Steuer der Accademia di San Luca in Rom. Im Jahr 1640 und erneut 1645 traf er anlässlich geplanter Abwesenheiten testamentarische Verfügungen.[2]

Im Jahr 1642 wurde Vincent Adriaenssen, der in französischen Quellen als Manchole bezeichnet wird, auf Empfehlung von Nicolas Poussin vom römischen Hof an den Pariser Hof berufen. Fortan arbeitete er vor allem für Kardinal Mazarin und kehrte nach dessen Tod im Jahr 1661 nach Rom zurück. Am 15. September 1661 widerrief er das Testament von 1645 und führte 1667 einen Prozess gegen einen Dieb. Er hinterließ mehrere Testamente, darunter eines vom 5. Juni 1675, und starb in seiner Wohnung in der Via Recta tendente ad Plateam Hispanica ad Babuinum im Rione Campo Marzio. Das Inventar seines Nachlasses datiert vom 16. August 1675. Mehrere zeitgenössische Zeugnisse bezeichnen Adriaenssen mit dem Beinamen „Manciola“, der auf seine Einarmigkeit hinweist. Den flämischen Spitznamen „Leckerbetien“, der einen Feinschmecker bezeichnet, erhielt er vermutlich von den Bentvueghels, der Vereinigung niederländischer und flämischer Maler in Rom.[2]

Werk

Vincent Adriaenssen: Schlachtengemälde – Kampf auf einer Brücke

Vincent Adriaenssen war vor allem als Maler von Schlachten-, Jagd- und Historienbildern tätig. Er kannte Rubens persönlich und malte 1643 eine Amazonenschlacht im Stil Rubens’, die sich 1790 in der Königlichen Sammlung Berlin befand, später im Kunstgewerbemuseum Berlin-Köpenick nachgewiesen wurde und seit 1944 als vermisst gilt. Derzeit kann kein Gemälde mit Sicherheit Vincent Adriaenssen alias Manciola/Leckerbetien zugeordnet werden. Dennoch sind rund 62 Erwähnungen seiner Werke in Archivdokumenten oder Sammlungsinventaren überliefert. So befand sich beispielsweise eine Landschaft mit zwei Reitern im Jahr 1638 im Palais des Marchese Vincenzo Giustiniani in Rom. Im Schloss von Vincennes schuf er vier Friese mit Schlachten Alexanders des Großen. Eine Nächtliche Schlacht auf Schiefer gemalt war von 1683 bis 1785 in der Königlichen Sammlung in Paris nachgewiesen.[2]

Weitere Werke wurden in folgenden Sammlungen erwähnt: 1635 vier Bilder beim Herzog von Savoyen in Turin; 1661 neunzehn Gemälde in der Sammlung Mazarin in Paris, darunter Darstellungen der Geschichte von Mucius Scaevola, Horatius, Curtius und Coriolanus; 1666 ein Schlachtgemälde in der Villa Belrespiro in Rom; 1671 zwei Bilder bei Henriette von England in Saint-Cloud sowie ein Gemälde bei Antonio Ruffo in Messina; 1690 ein Gemälde beim Abbé Ranieri in Rom; 1695 ein Werk bei Giuseppe Alberici; 1712 zwei Bilder bei Kardinal Costaguti; 1726 zwei Werke im Haus Sacchetti; 1743 ein Schlachtbild in der Wohnung des François Rogeau in Paris. Der Nachlass des Malers in Rom umfasste unter anderem ein Gemälde mit der Darstellung der Bekehrung des Paulus, eine Kopie der Madonna mit Kind von Guido Reni, drei Jagdszenen, eine Schlachtdarstellung, vier Medaillons in Helldunkel mit unbekanntem Motiv sowie vier Skizzen mit Pferden, Löwen und Kamelen.[2]

Literatur

  • De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Berlin 2009.
  • Godefroy-Charles De Cosnac: Les Richesses du Palais Mazarin. Paris 1884, S. 282 ff.
  • Antonio Bertolotti: Artisti belgi ed olandesi a Roma. Florenz 1880, S. 112.
  • Antonio Bertolotti: Giunte agli artisti belgi. Rom 1885, S. 17.
  • Johan Adriaan Frederiks Orbaan: Bescheiden in Italië omtrent Nederlandsche kunstenaars en geleerden. Bd. II, Den Haag 1911–1917, S. 48 ff.
  • Oscar Pollak: Quellenschriften zur Geschichte der Barockkunst in Rom. Bd. I, Wien 1928, S. 386.
  • Godefridus Johannes Hoogewerff: De Bentvueghels. Den Haag 1952 (vgl. Index).
  • Didier Bodart: Les peintres des Pays-Bas méridionaux et de la principauté de Liège à Rome au XVIIe siècle. Brüssel/Rom 1970, S. 145–151.
  • Mireille Rambaud: Documents du Minutier central concernant l'histoire de l'art. Bd. II, Paris 1971, S. 911, 990.
  • Quellen Doria-Pamphilj. Rom 1972, S. 183, 321 f., 351.
  • Godelieve Spiessens: Leven en werk van de Antwerpse luitcomponist Emanuel Adriaenssen (ca. 1555–1604). Brüssel 1976, S. 19, 445.
  • Godelieve Spiessens: Vincent Manciola Leckerbetien Adriaenssen, de eenhandige schilder uit Antwerpen. In: Bijdragen tot de Geschiedenis, inzonderheid van het oud Hertogdom Brabant. Antwerpen 1968, S. 91–162.
  • Godelieve Spiessens: [Beitrag]. In: Miscellanea Jozef Duverger. Gent 1968, S. 275–288.
  • Godelieve Spiessens: [Beitrag]. In: Vlaamse Stam 13, 1977, S. 280–288.

Einzelnachweise

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