Vorläufige Volksvertretung für Württemberg-Baden

parlamentsähnliches Gremium im Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Vorläufige Volksvertretung für Württemberg-Baden war 1946 ein parlamentsähnliches Gremium im Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone, dessen wesentliche Aufgabe die Beratung der von der Militärregierung der Vereinigten Staaten eingesetzten zivilen Regierung war. Sie war Vorläufer der am 30. Juni 1946 in freier Wahl gewählten Verfassunggebenden Landesversammlung. Sie entsprach den Ernannten Landtagen der anderen Länder in der amerikanischen und britischen Besatzungszone.

Geschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Länder Baden und Württemberg zwischen der amerikanischen Besatzungszone im Norden und der französischen im Süden aufgeteilt. Innerhalb der französischen Zone wurden die Länder Württemberg-Hohenzollern und Baden gegründet, in der amerikanischen Zone das Land Württemberg-Baden.

Bereits für den 20. Juni 1945 berief die amerikanische Militärregierung eine Landrätekonferenz für Nordwürttemberg nach Murrhardt ein. Eingeladen waren die Landräte der 15 von den Amerikanern besetzten nordwürttembergischen Landkreise.[1] Die Landeshauptstadt Stuttgart sowie die Landkreise Böblingen, Esslingen, Leonberg, Nürtingen und Vaihingen waren nicht vertreten, da sie zu diesem Zeitpunkt noch der französischen Besatzungsmacht unterstanden. Reinhold Maier und Wilhelm Keil nahmen als ehrenamtliche Berater an der Konferenz teil. Weitere Landrätekonferenzen fanden am 11. Juli 1945 in Schwäbisch Gmünd, am 15. August 1945 in Ludwigsburg, am 10. Oktober 1945 in Bad Boll und 21. November 1945 in Schnait statt. Bei der Konferenz in Schnait waren erstmals auch Vertreter aus dem nordbadischen Landesteil anwesend.

Am 10. Januar 1946 erließ die Militärregierung ein Gesetz, das die Einberufung einer Vorläufigen Volksvertretung anordnete, die die Landrätekonferenz ablöste.[2] Die Vorläufige Volksvertretung hatte lediglich eine beratende Funktion; ihre Beschlüsse hatten für die von der Militärregierung eingesetzte zivile Staatsregierung unter Ministerpräsident Reinhold Maier den Charakter von Empfehlungen.[3]

Die Eröffnungssitzung der Vorläufigen Volksvertretung fand am 16. Januar 1946 im Großen Haus des Württembergischen Staatstheaters in Stuttgart statt. Danach gab es zwischen dem 30. Januar 1946 und dem 19. Juni 1946 insgesamt neun Arbeitssitzungen. Die Vorläufige Volksvertretung wurde durch die am 30. Juni 1946 in freier Wahl gewählte Verfassunggebende Landesversammlung abgelöst.

Zusammensetzung

Die Mitglieder der Vorläufigen Volksvertretung wurden nicht gewählt, sondern von der Militärregierung ernannt. Als Präsident wurde Wilhelm Keil (SPD) eingesetzt. Sein Stellvertreter war der Mannheimer Oberbürgermeister Josef Braun (CDU). Die Vorläufige Volksvertretung hatte insgesamt 124 Mitglieder. Sie setzte sich wie folgt zusammen:[4][5]

  • Präsident Wilhelm Keil (SPD) als Vorsitzender
  • Ministerpräsident Reinhold Maier (DVP)
  • 8 weitere Mitglieder der Regierung
  • 12 Vertreter der CDU
  • 12 Vertreter der SPD
  • 12 Vertreter der DVP
  • 12 Vertreter der KPD
  • 28 Landräte
  • 8 Oberbürgermeister
  • 4 Vertreter der Gewerkschaften
  • 4 Vertreter der Industrie- und Handelskammern
  • 4 Vertreter der Handwerkskammern
  • 8 Vertreter aus der Landwirtschaft
  • 4 Vertreter der Hochschulen
  • 6 Vertreter der Kirchen

Mitglieder

Weitere Informationen Name, Lebensdaten ...
Name Lebensdaten Mitglied als... Partei Anmerkung
Rudolf Agricola1900–1985Vertreter der KPDKPD
Josef Amann1879–1971Vertreter der SPDSPD
Josef Andre1879–1950Minister zur besonderen VerwendungCDU
Hans Anschütz1901–1980Vertreter der CDUCDU
Karl Heinrich Bauer1890–1978Vertreter der Hochschulen
Robert Bauser1908–2001Vertreter der KPDKPD
Julius Bender1893–1966Vertreter der Kirchen
Heinrich Berggötz1889–1973Vertreter der CDUCDU
Henry Bernhard1896–1960Vertreter der DVPDVP
Ludwig Bernheim1884–1974Landrat des Landkreises Buchen
Emil Beutinger1875–1957Oberbürgermeister der Stadt HeilbronnDVP
Josef Beyerle1881–1963JustizministerCDU
Franz Bläsi1893–1963Oberbürgermeister der Stadt BruchsalCDU
Max Bock1881–1946ArbeitsministerKPDabgelöst durch Rudolf Kohl
Ludwig Bolz1890–1978Vertreter der Landwirte
Franz Böning1896–1972Vertreter der GewerkschaftenKPD
Fritz Brändlein1891–1979Vertreter der KPDKPD
Josef Braun1889–1955Oberbürgermeister der Stadt MannheimCDUstellvertretender Präsident
Josef Brönner1884–1958Landrat des Landkreises MergentheimCDU
Hans Brümmer1886–1966Vertreter der GewerkschaftenSPD
Albert Buchmann1894–1975Vertreter der KPDKPD
Konrad Burkhardt1894–1978Landrat des Landkreises Schwäbisch GmündCDU
Fritz Cahn-Garnier1889–1949FinanzministerSPD
Karl Daurer1902–1971Landrat des Landkreises CrailsheimKPD
Karl Dees1883–1967Vertreter der DVPDVP
Max Denker1893–1956Vertreter der SPDSPD
Erich Dietz1899–1980Landrat des Landkreises Schwäbisch Hall
Richard Dissinger1892–1959Landrat des Landkreises PforzheimCDU
Jakob Dobler1886–1980Vertreter der Landwirte
Erwin Dörzbacher1892–1958Landrat des Landkreises MosbachCDU
Willy Dürr1889–1974Vertreter der DVPDVP
Karl Eberhardt1884–1980Landrat des Landkreises Nürtingenabgelöst durch Ernst Schaude
Karl Eppele1887–1962Vertreter der SPDSPD
Fritz Eppinger1882–1951Landrat des Landkreises ÖhringenDVP
Joseph Ersing1882–1956Vertreter der CDUCDU
Gertrud Frühschütz1906–1990Vertreter der KPDKPD
Valentin Gaa1905–1985Vertreter der CDUCDU
Carl Hermann Gaiser1889–1969Vertreter der DVPDVP
Karl Geppert1884–1966Landrat des Landkreises Mannheim
Adalbert Gramlich1892–1969Vertreter der CDUCDU
Richard Grammel1889–1964Vertreter der Hochschulen
Karl Grathwohl1905–1982Vertreter der DVPDVP
Roman Großmann1888–1962Landrat des Landkreises SinsheimCDU
Ernst Guggenheimer1880–1973Vertreter der Kirchen
Kurt Haag1895–1982Vertreter der Handwerkskammern
Wolfgang Haußmann1903–1989Vertreter der DVPDVP
Hans Hege1885–1983Vertreter der Landwirte
Jakob Hering1894–1986Vertreter der SPDSPD
Karl Hettich1901–1957Vertreter der SPDSPD
Karl Hettinger1896–1967Vertreter der SPDSPD
Fridolin Heurich1878–1960Vertreter der CDUCDU
Theodor Heuss1884–1963KultministerDVP
Simon Hirt1890–1958Vertreter der Kirchen
Heinz Hohner1907–1967Landrat des Landkreises Künzelsau
Ernst Hornung1896–1969Vertreter der SPDSPD
Walther Hoß1900–1993Landrat des Landkreises BöblingenSPD
Anton Huber1905–1998Vertreter der CDUCDU
Paul Huber1900–1975Vertreter der Kirchen
Hellmuth Jäger1904–1971Landrat des Landkreises Ludwigsburg
Friedrich Adolf Katz1893–1956Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim
Wilhelm Keil1870–1968PräsidentSPD
Alois Kimmelmann1886–1946Vertreter der SPDSPD
Robert Klausmann1896–1972Vertreter der KPDKPD
Arnulf Klett1905–1974Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart
Hermann Kling1880–1957Vertreter der CDUCDU
Hans Kneher1884–1967Vertreter der Industrie- und Handelskammern
Heinrich Köhler1878–1949stellvertretender Ministerpräsident und WirtschaftsministerCDU
Rudolf Kohl1895–1964ArbeitsministerKPDNachfolger von Max Bock
Gottlob Kopp1895–1970Vertreter der HandwerkskammernDVP
Max Kottmann1867–1948Vertreter der Kirchen
Wilhelm Künzler1906–1994Vertreter der KPDKPD
Franz-Josef Kuhn1883–1959Vertreter der Landwirte
Johann Kuhn1877–1954Vertreter der Landwirte
Friedrich Kuhnle1901–1975Landrat des Landkreises Vaihingen
Fritz Landenberger1892–1978Landrat des Landkreises Esslingen
Anette Langendorf1894–1969Vertreter der KPDKPD
Franz Xaver Link1889–1968Vertreter der DVPDVP
Josef Locher1878–1964Vertreter der Landwirte
Max von Lütgendorff-Leinburg1889–1958Landrat des Landkreises Aalen
Reinhold Maier1889–1971MinisterpräsidentDVP
Johann Adam Mannschott1884–1960Vertreter der DVPDVP
Bernhard Meißner1902–1975Vertreter der DVPDVP
Paul Metz1899–1961Landrat des Landkreises GöppingenSPD
Arthur Meyer1889–1971Vertreter der Industrie- und Handelskammern
Werner Middelmann1909–1985Landrat des Landkreises BruchsalDVP
Franz Mittelbach1882–1967Vertreter der Industrie- und Handelskammern
Adolf Münzinger1876–1962Vertreter der Hochschulen
Alfred Neff1906–1970Landrat des Landkreises Karlsruhe
Hermann Nuding1902–1966Vertreter der KPDKPD
Eugen Orgeldinger1897–1955Vertreter der DVPDVP
Peter Pfisterer1892–1961Vertreter der Landwirte
Albert Pflüger1879–1965Vertreter der SPDSPD
Rudolf Plank1886–1973Vertreter der Hochschulen
Richard Reile1907–1979Landrat des Landkreises Tauberbischofsheim
Christian Rieker1887–1960Vertreter der SPDSPD
Hans Rueß1901–1974Vertreter der KPDKPD
Carl Schaefer1887–1970Vertreter der DVPDVP
Ernst Schaude1916–2001Landrat des Landkreises NürtingenNachfolger von Karl Eberhardt
Peter Schilpp1893–1952Vertreter der CDUCDU
Markus Schleicher1884–1951Vertreter der GewerkschaftenSPD
Anton Schmidt1882–1946Landrat des Landkreises WaiblingenSPD
Valentin Schmitt1885–1973Vertreter der Landwirte
Robert Scholl1891–1973Oberbürgermeister der Stadt Ulm
Paul Schreck1892–1948Vertreter der KPDKPD
Ludwig Schröter1886–1973Landrat des Landkreises Leonberg
Karl Schwarz1875–1965Vertreter der Handwerkskammern
Robert Sieber1907–1970Vertreter der Handwerkskammern
Hermann Sihler1883–1968Landrat des Landkreises HeilbronnDVP
Wilhelm Simpfendörfer1888–1973Vertreter der CDUCDU
Ernst Sindlinger1883–1963Landrat des Landkreises Ulm
Hermann Specht1892–1968Landrat des Landkreises HeidelbergDVP
Richard Stark1903–1991Vertreter der KPDKPD
Otto Steinmayer1876–1960VerkehrsministerSPD
Heinrich Stooß1896–1971Vertreter der CDUCDU
Karl Süß1900–1969Vertreter der DVPDVP
Friedrich Töpper1891–1953Vertreter der Industrie- und HandelskammernSPD
Friedrich Tränkle1886–1968Landrat des Landkreises Backnang
Jakob Trumpfheller1887–1975Vertreter der GewerkschaftenSPD
Fritz Ulrich1888–1969InnenministerSPD
Hermann Veit1897–1973Oberbürgermeister der Stadt KarlsruheSPD
Ernst Walz1888–1966Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg
Johannes Weißer1893–1954Vertreter der SPDSPD
Franz Wiedemeier1890–1970Vertreter der CDUCDU
Theophil Wurm1868–1953Vertreter der Kirchen
Max von Zabern1903–1991Landrat des Landkreises Heidenheim
Gustav Zimmermann1888–1949Vertreter der SPDSPD
Schließen

Quellen und Anmerkungen

Literatur

Related Articles

Wikiwand AI