Wahndynamik

Ausmaß der Emotionalität im Zusammenhang mit dem Erleben von Wahn From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Wahndynamik wird das Ausmaß der Emotionalität bezeichnet, welches im Zusammenhang mit dem Erleben von Wahn steht.[1] Es ist also ein psychopathologisches Symptom und tritt bei psychiatrischen Erkrankungen auf.

Ursachen

Wahn mit geringer oder mit starker Dynamik tritt bei psychotischen Störungen auf (Schizophrenie, psychotische Depression u. a.).

Beschreibung

Die emotionale Anteilnahme des Patienten am Wahngeschehen ist unterschiedlich.[2] Wahndynamik beschreibt das Ausmaß der gefühlsmäßigen Beteiligung am Wahn.[3]

"Aus der erlebnismäßigen und handlungsbestimmenden Bewegtheit des Wahnkranken schließt man auf die Wahndynamik. Sie kann zwischen stürmischer Produktivität und starkem affektiven Mitschwingen und einem affektleer erscheinenden, wie eingeschliffenem Herunterleiern eines alten Wahns (Residualwahn) schwanken.[1]

Beispiele

Ein Patient sagt mit einem Lächeln, er sei Gott und könne das Schicksal der Welt beeinflussen, nimmt aber ohne Probleme seine Tabletten und geht ansonsten seiner Tätigkeit als Pförtner nach (geringe Wahndynamik). Ein Patient mit einem depressiven Schuldwahn weint verzweifelt und klagt händeringend über seine Verfehlungen (starke Wahndynamik).[2]

Diagnostik

Das Syndrom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es wird in der Regel aus der Art erkannt, wie sich der Patient dem Untersucher zeigt. Man kann auch nach den Handlungskonsequenzen fragen. Es können z. B. folgende Fragen gestellt werden: "Als Sie sich von fremdem Mächten verfolgt fühlten, wie ging es Ihnen dabei?" "Wenn Sie fest davon überzeugt sind, körperlich krank zu sein, haben Sie etwas unternommen, das zu beweisen?"[4]

Abgrenzung (Differentialdiagnose)

Wahnstimmung: Eine besondere, undeutliche und ahnungsvolle Gespanntheit. Sie tritt vor der Ausbildung eines Wahns auf.

Affektarmut: allgemein verringerte Affektivität, nicht nur bei Berührung der Wahnthemen.

Parathymie: Missverhältnis zwischen dem gegenwärtigen inneren Erleben und dem äußeren Gefühlsausdruck.

Behandlung

Diese erfolgt im Rahmen der Behandlung der psychotischen Erkrankung. Im Rahmen eines Gesamtkonzeptes kommt der medikamentösen Therapie die entscheidende Rolle zu. Mit dem Behandlungsfortschritt treten der Wahn wie andere psychotische Symptome zuerst in den Hintergrund, werden ev. in Frage gestellt und verschwinden dann allmählich.

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI