Waikato Museum

Museum in Neuseeland From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Waikato Museum (vormals Waikato Museum of Art and History; Te Reo Māori: Te Whare Taonga o Waikato) ist ein bedeutendes neuseeländisches Geschichts- und Kunstmuseum in Hamilton. Es dokumentiert die politische und kulturelle Geschichte der Waikato-Region, Neuseelands viertgrößter Region nach Auckland, Canterbury und Wellington.

Lage und regionaler Kontext

Das Museum liegt im Stadtzentrum Hamiltons unmittelbar am Waikato River. Zusammen mit dem Meteor-Theater und dem Waikato Regional Theater, die ebenfalls zum Südende der alten Hamiltoner Hauptstraße, der Victoria Street, gelegen sind, bildet es Hamiltons Kulturmeile. Das Museum bietet Ausstellungsflächen auf drei Ebenen, dazu einen Museums-Shop und interaktive Lerninstallationen für Kinder.

Ein besonderes Augenmerk des Museums gilt der Māori-Kultur in der Waikato-Region. Zu den bedeutendsten historischen Ausstellungsobjekten der Sammlung gehört das reich verzierte, 200 Jahre alte Māori Kriegskanu „Te Winika“.

Das Museum kooperiert mit der ArtsPost, einer von der Waikato Society of Arts betriebenen Kunstschule, die Studioräume, sowie eigene Ausstellungsflächen und einen eigenen Kunstshop betreibt. Museum und Artspost werden vom Hamilton City Council unterstützt, welches die Gebäude verwaltet und instand hält. Das Waikato Museum richtet auch einen der wichtigsten, oft kontroversen, neuseeländischen Kunstwettbewerbe, den mit 20 000 Dollar dotierten National Contemporary Art Award, aus.[1]

Das Museum ist eingebettet in die parkartige Flusslandschaft im Zentrum der Stadt Kirikiriroa/Hamilton, die moderne Architektur mit großen Fensterflächen zum Fluss trägt dem Rechnung. Vor dem Museum befindet sich eine ‘The Tongue of The Dog’ betitelte Skulptur und Fontäne, die von Michael Parekōwhai geschaffen wurde.[2] Am Flussufer gelegen ist auch eine seit 2021 im Betrieb befindliche, künstlerisch gestaltete Landungspier für Boote und Fähren.[3]

Geschichte des Museums

Das Waikato Museum of Art and History wurde 1987 in seinem heutigen Gebäude eröffnet.[4] Der Architekt Ivan Mercep (1930–2014), der später auch das international beachtete Nationalmuseum Te Papa Tongarewa Museum of New Zealand in Wellington entwarf, wurde 2008 vom New Zealand Institute of Architects mit der renommierten Goldmedaille ausgezeichnet.

Die Liegenschaften des Museumsbereiches befinden sich an einer alten māorischen Landungsstelle am Waikato-Fluss sowie in der Nähe einer Quelle, der heilende Eigenschaften zugeschrieben wurden.[5] In den 1870er Jahren entstand auf dem linken Flussufer das Zentrum der Pākehā (Europäer-)Siedlung Hamilton, die ältere Māori Ansiedlungen und Landwirtschaftsflächen verdrängte.

Helen Bell, eine lokale Wohltäterin und Förderin der Künste, schenkte der Waikato Society of Arts 1941 ein Gebäude zur Nutzung als Museum und Kunstgalerie. Die von der Waikato Society of Arts angelegten Sammlungen bildeten einen Grundstock des modernen Museums. Ursprünglich wurden vor allem Gemälde und Skulpturensammlungen in einem kleinen, in die Jahre gekommenen Gebäude an der Kreuzung Grantham Street und Victoria Street ausgestellt. Es bot lediglich knapp über 100 m² Ausstellungsfläche.[5]

1965 wurde das Waikato Museum im obersten Stockwerk der Hamilton Public Library mit etwas über 1000 m² Ausstellungsfläche eingerichtet. Auch hier waren die Räumlichkeiten jedoch flächen- und beleuchtungsmäßig eher unbefriedigend.

1971 legten Museums- und Kunstgaleriemitarbeiter in einem gemeinsamen Bericht die Vorteile einer Zusammenlegung der beiden Einrichtungen dar. 1972 beschloss der Stadtrat von Hamilton die Fusion der beiden Institutionen. In der Zwischenzeit zog das Waikato Art Museum in eine 1400 m² große Bürofläche im obersten Stockwerk des PSIS Investment Houses in der London Street um.

Die Einweihung des Museumsneubaus 1987 bildete den Abschluss jahrelanger Planungen und Debatten über die Notwendigkeit eines kombinierten Regionalmuseums und einer Kunstgalerie. Der Name der Institution wurde 2006 in Waikato Museum Te Whare Taonga O Waikato geändert, um den lokalen Iwi (Stamm) Tainui besser zu repräsentieren und zu würdigen. Das Museum befindet sich auf dem Land der Ngaati Wairere, einem Haapuu (Unterstamm) des Waikato-Tainui Stammes. Von großer Bedeutung für die Geschichte des Museums ist die Kiingitanga-Bewegung (die im 19. Jahrhundert sich formierende Bewegung, eine eigene, stammesübergreifende Māori-Monarchie zu begründen). Das Museum ist Kaitiaki oder Hüter der Taonga Tuku Iho (seltener und heiliger Objekte) vor allem der Waikato-Region, einem Zentrum der Kiingitanga-Bewegung.[5]

Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung des Museums war Ken Gorbey, der von 1971 bis 1983 Direktor des Waikato Museums in Hamilton war und der multi-kulturellen, aktualisierenden und interaktiven Dimensionen in seiner Museumsarbeit breiten Raum gab. Von Hamilton ging Gorbey als Direktor des Museumsprojekts und Leiter der Ausstellungsplanung für das neue Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa (Te Papa) nach Wellington. 1999 wurde er von Mike Blumenthal mit der Gestaltung der Ausstellungen für das Jüdische Museum Berlin beauftragt, wo Gorbey Projektleiter und stellvertretender Präsident wurde.

Sammlungen und vertretene Künstler

Insgesamt verfügt das Waikato Museum über mehr als 30 000 Sammelobjekte und Exponate.

Zu den Māori-Sammlungen des Museums gehören wichtige historische Exponate aus der Geschichte der in der Waikato-Region siedelnden Māori-Stämme, von denen viele von besonderer kultischer und kulturgeschichtlicher Bedeutung sind und über großes Mana (Würde, Prestige) verfügen. Neben dem Kriegskanu „Te Winika“ und einer Kollektion exquisiter Māori-Schnitzkunst besitzt das Museum eine einzigartige Sammlung von Hei Tiki-Amuletten[6] und Greenstone (Jade)-Objekten sowie herausragende Beispiele traditioneller Web- und Flechtkunst, u. a. der Künstlerin Rangimarie Taheka Hetet, deren Werke sich auch im British Museum in London befinden.

An die Zeit der Pakeha-Besiedelung der Waikato-Region erinnern u. a. historische Landkarten und Dokumente, Kleidungs- und Einrichtungsgegenstände, Gebrauchsgegenstände und Waffen, sowie Gemälde, Zeichnungen und die ersten Daguerreotypien aus der Region.

Obwohl das Museum auch über Gemälde aus dem 19. Jahrhundert verfügt, darunter Werke von Charles Goldie, liegt der Schwerpunkt der Kunstsammlungen auf der Moderne und der Gegenwartskunst. Unter den vertretenen Künstlern des 20. Jahrhunderts sind beispielhaft zu nennen Margot Philips, Buck Nin, Michael Smither, Campbell Smith, Peter Dornauf and Robyn Kahukiwa.

Das Waikato Museum präsentiert auch Personal- und Themenausstellungen, im Jahr 2023 z. B. eine große Retrospektive der in Duisburg geborenen Landschaftsmalerin Margot Philips.[7][8] Auch wichtige Māori Jahreszeitenfeste wie Matariki (Jahreswende) werden im Museum begangen und kulturell kontextualisiert.[9]

Einzelnachweise

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