Walter Doerfler

deutscher Virologe, Genetiker und Hochschullehrer (* 1933) From Wikipedia, the free encyclopedia

Walter Doerfler (* 11. August 1933 in Weißenburg/Bayern) ist ein deutscher Mediziner. Er arbeitet als Genetiker und Virologe und war ab 1972 ordentlicher Professor für Genetik an der Universität Köln.

Leben

Ausbildung

Walter Doerfler, Sohn von Hermine Doerfler, geborener Kreuter, und des Arztes Hermann Doerfler, erhielt 1952 sein Abitur in Weißenburg und studierte Medizin in München, Erlangen und Hamburg. An der Universität München bestand er 1958 das Staatsexamen und wurde 1959 mit der Dissertation Morphologische und experimentelle Beiträge zum Rückstrom des venösen Blutes im Pfortaderbereich zum Dr. med. promoviert.[1] Danach war er 1959/1960 Intern am Mercer Hospital Trenton, N.J., USA (Exchange der Ventnor Foundation). Er hatte Postdoktorate von 1961 bis 1963 am Max-Planck-Institut für Biochemie in München, wo er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete, 1962 von der Educational Commission for Foreign Medical Graduates der American Medical Association, und von 1963 bis 1966 als Postdoctoral Fellow am Department of Biochemistry, Stanford University Medical School.[2]

Lehrtätigkeit

Walter Doerfler war von 1966 bis 1969 Assistant Professor und anschließend von 1969 bis 1971 Associate Professor an der Rockefeller University in New York City, danach zwischen 1971 und 1978 hatte er dort die Position des Adjunct Professor inne. Von 1972 bis 2002 war Doerfler ordentlicher Professor für Genetik am Institut für Genetik der Universität zu Köln. Seit 2002 ist er Professor emeritus activ an der Universität zu Köln.

Gastprofessuren: In den Jahren 1971 und 1972 hatte Doerfler eine Gastprofessur an der Uppsala Universitet in Schweden. 1978 wurde er als Gastwissenschaftler an die Stanford University in Kalifornien berufen. 1983 wurde dieser Ruf wiederholt. 1986 und 1999 berief ihn die Princeton University als Gastprofessor. Die Vanderbilt University berief Walter Doerfler nach seiner Emeritierung im Jahr 2006.

Er wirkte unter anderem auch als Sprecher des Sonderforschungsbereichs 74 der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit dem Jahr 2002 lehrt er am Institut für Virologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Privates

Walter Doerfler ist evangelisch und hatte 1960 Helli Schleich geheiratet. Aus der Ehe ging der Sohn Markus hervor.

Wissenschaftliche Beiträge und Entdeckungen

Im Zuge seiner wissenschaftlichen Arbeit veröffentlichte Walter Doerfler seit 1959 über vierhundert Artikel und vierzehn Bücher innerhalb seines Fachgebietes, meist in englischer Sprache.

Während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit machte er folgende genetische Entdeckungen:

  • Molekulare Biologie des onkogenen Adenovirus Typ 12
  • Integration viraler DNA in das Genom von Säugerzellen
  • de novo Methylierung integrierter fremder DNA
  • Promotor-Methylierung als langfristiges Abschaltsignal von Genen
  • Integration von fremder DNA hat Fernwirkungen auf die Methylierung im Genom der Rezipientenzelle
  • Regulation der eukaryotischen Genexpression
  • Schicksal mit der Nahrung aufgenommener fremder DNA
  • Methylierungsmuster im menschlichen Genom, molekulare medizinische Genetik

Preise und Auszeichnungen

Vorfahren

Vorfahren von Walter Doerfler sind Hans Doerfler (1863–1942), ein Pionier der Chirurgie in Bayern, und Franz Jakob Kreuter (1813–1889), ein Zivil-Ingenieur und Architekt in Wien (München).

Publikationen (Auswahl)

  • The fate of the DNA of adenovirus type 12 in baby hamster kidney cells. In: Proc. Natl. Acad. Sci. Band 60. USA 1968, S. 636–643.
  • mit J. Groneberg und Y. Chardonnet: Integrated viral sequences in adenovirus type 12-transformed hamster cells. In: Cell. Band 10, 1977, S. 101–111.
  • mit D. Sutter und M. Westphal: Patterns of integration of viral DNA sequences in the genomes of adenovirus type 12-transformed hamster cells. In: Cell. Band 14, 1978, S. 569–585.
  • DNA methylation and gene activity. In: Ann. Rev. Biochem. Band 52, 1983, S. 93–124.
  • The Molecular Biology of Adenoviruses. 3 Bände. 1983–1984.
  • Development of Molecular Virology. Band 8. 1985.
  • mit N. Hochstein, I. Muiznieks, L. Mangel und H. Brondke: The epigenetic status of an adenovirus transgenome upon long-term cultivation in hamster cells. In: Journal of Virology. Band 81, 2007, S. 5349–5361.
  • In pursuit of the first recognized epigenetic signal. DNA methylation. In: Epigenetics. Band 3, 2008, S. 125–133.
  • mit A. Naumann, N. Hochstein, S. Weber und E. Fanning: A distinct DNA methylation border in the 5'-upstream sequence of the FMR1 promoter binds nuclear proteins and is lost in fragile X syndrome Americ. In: Journal of Human Genetics. Band 85, 2009, S. 1–11.
  • Epigenetic mechanisms in human adenovirus type 12 oncogenesis. In: Seminars in Cancer Biology. Band 19, 2009, S. 136–143.

Literatur

  • Doerfler, Walter. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 230–231.

Einzelnachweise

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