Wandermilz

Verlagerung der Milz aus ihrer anatomischen Normalposition From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Wandermilz (Lien mobilis, Splenoptosis oder Milzektopie) bezeichnet man eine Verlagerung der Milz aus der Normalposition im oberen linken Quadranten der Bauchhöhle in den unteren Bauchraum und das Becken.[1]

Schnelle Fakten Klassifikation nach ICD-10 ...
Klassifikation nach ICD-10
D73.9 Krankheit der Milz, nicht näher bezeichnet
D73.5 Infarzierung der Milz
Q89.08 Sonstige angeborene Fehlbildungen der Milz
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
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Entstehung

Eine Wandermilz kann angeboren oder erworben sein. Die Inzidenz ist nicht genau bekannt, da sie häufig unerkannt bleibt, Schätzungen gehen von etwa 0,2 % aus.[1]

Die Wandermilz als eine angeborene Entwicklungsstörung entsteht während der Embryonalentwicklung in der fünften und sechsten Schwangerschaftswoche. Dabei fusioniert das dorsale Magengekröse (Mesogastrium dorsale) nicht mit der Bauchwand, sodass es zu einer Fehlbildung der Milzbänder (Ligamentum gastrosplenicum, Ligamentum phrenicolienale, Ligamentum splenorenale) kommt und ein langer Gefäßstiel mit Milzarterie und -vene entsteht. Eine Wandermilz kann auch bei anderen Entwicklungsstörungen wie einer Nierenaplasie, dem Prune-Belly-Syndrom oder einem hypermobilen Colon vorkommen.[1]

Eine erworbene Wandermilz entsteht nach Verletzungen oder Erkrankungen, die zu einer Schwächung der Milzbänder führen. Dies kann bei Bindegewebsschwäche, nach mehreren Schwangerschaften, Hormonstörungen, Splenomegalie oder Bauchwandschwäche auftreten. Eine erworbene Wandermilz bei Erwachsenen tritt vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter auf, sie ist hier siebenmal häufiger als bei Männern. Weitere mit einer Wandermilz assoziierte Erkrankungen sind eine starke Nierenvergrößerung, Pfeiffer-Drüsenfieber, Malaria, Sichelzellanämie und das Hodgkin-Lymphom.[1]

Klinisches Bild

Das klinische Bild ist sehr variabel. Eine Wandermilz kann ein Zufallsbefund bei der klinischen Untersuchung oder bei der bildgebenden Diagnostik sein. Klinisch kann es sich als tastbare Masse im Bauchraum darstellen, die in Folgeuntersuchungen aufgrund erneuter Lageveränderung unter Umständen nicht mehr nachweisbar sein kann. Auch gelegentlich auftretender Schmerz im Unterbauch kann durch eine Wandermilz verursacht sein. Akute Schmerzen entstehen vor allem wenn aufgrund des langen Gefäßstiels eine Milzverdrehung (Milztorsion) mit Infarzierung auftritt. Die akute Milzverdrehung kann einer Bauchfellentzündung, einer Appendizitis, verdrehten Eierstockzysten oder einer ischämischen Darmobstruktion ähneln.[1]

Diagnostik

Eine Wandermilz kann mittels verschiedener bildgebender Verfahren diagnostiziert werden. Mittel der Wahl ist die Computertomografie. Auch mittels Sonografie lässt sich eine Wandermilz darstellen. Goldstandard ist die Szintigrafie mittels 99mTc-markierten hitzegeschädigten roter Blutkörperchen.[1]

Behandlung

Hauptziel der Behandlung ist die Erhaltung der Milz, vor allem bei Kindern, da eine Entfernung ein Postsplenektomie-Syndrom auslösen kann. Die konservative Behandlung hat eine Komplikationsrate von 65 %, weshalb eine operative Behandlung Mittel der Wahl ist. Zumeist wird die Milz in ihrer natürlichen Lage angeheftet (Splenopexie), die auch laparoskopisch durchgeführt werden kann. Bei schwerer Schädigung der Milz durch Infarzierung, bei Milzrupturen, Hypersplenismus oder starker Milzvergrößerung ist eine Milzentfernung (Splenektomie) angezeigt.[1]

Einzelnachweise

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