Wechtari
Herzog des Friaul
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Wechtari, auch Wectari oder Vectari (* in Vicenza; † um 666, auch 670 wird genannt), war für kurze Zeit Herzog des Friaul.

Die einzige Quelle zu seinem Leben stellt die Historia Langobardorum des Friulaners und Langobarden Paulus Diaconus vom Ende des 8. Jahrhunderts dar.
Leben
Vorgeschichte
Sein Vorgänger Arnefrit und dessen Vater Lupus hatten versucht, die Macht an sich zu reißen und König Grimoald zu stürzen, doch musste Lupus aus Pavia nach Forum Julii weichen. In dieser Zeit kämpften Byzantiner, Franken, Slawen und Awaren in Italien. Im Kampf gegen die Awaren kam Lupus schließlich ums Leben. Dem König aber gelang es, die Awaren dazu zu bewegen, das Land zu verlassen, und auch die übrigen Angreifer unterlagen oder zogen sich zurück. Arnefrit versuchte indessen, das Herzogtum seines Vaters für sich zu gewinnen, wozu er sich mit benachbarten Slawen verbündete. Doch die Gefolgsleute des Königs besiegten diese Slawen, Arnefrit wurde erschlagen (Historia Langobardorum, liber V, 22).
Einsetzung Wechtaris als Herzog durch König Grimoald
Der König setzte nun Wechtari als neuen Herzog ein. Den Sohn des Königs, Romuald, seit 662 Herzog von Benevent, verheiratete er mit Lupus’ Tochter Theuderada (Teoderada), wohl einer Schwester Arnefrits.
Wechtari beschreibt Paulus Diaconus als „vir benignus et populum suaviter regens“, also etwa als ‚wohlmeinenden Mann, der die Leute mit Verständnis regierte‘, wie Schwarz übersetzt.[3]
Schlacht bei „Broxas“, Sieg über Slawen
Während Wechtari sich in Pavia aufhielt, der langobardischen Hauptstadt, griffen die Slawen die Hauptstadt des Herzogtums an. Kurz vor Forum Julii, östlich der Stadt, lagerten sie an einer Stelle, die „Broxas“ hieß (unweit der Grotte San Giovanni d’Antro). Doch wussten die Slawen nicht, dass Wechtari bereits am Vortag aus Pavia zurückgekehrt war – was Paulus Diaconus der göttlichen Vorsehung zuschreibt.
Die Slawen machten sich über Wechtari lustig, der, nachdem sich sein Gefolge nach Hause begeben hatte, wie es üblich war, nur mit einer kleinen Schar von 25 Mann zu ihnen ging. Die Slawen, die die kleine Gruppe sahen, lachten und sagten, der Patriarch ziehe mit seinem Klerus heran. Als Wechtari an die Brücke über den Natisone kam (vielleicht die San-Quirino-Brücke), dort, wo die Slawen ihr Lager hatten, nahm er den Helm ab. Anhand seines kahlen Kopfes, der wohl weithin bekannt war, erkannten sie den neuen Herzog und schrien aufgeregt. Sie gerieten in Panik – Paulus schreibt, Gott habe sie in Panik versetzt –, so dass sie sich zur Flucht wandten. Es folgte ein Gemetzel, in dem von den 5000 Mann, wie Paulus Diaconus berichtet, kaum einer lebend davonkam (Historia Langobardorum, liber V, 23).

Diese so plastische und hinsichtlich der Zahlenangaben so unwahrscheinliche Geschichte wurde vielfach wiedergegeben, verstärkt seit der Ausgabe der Historia Langobardorum durch Muratori im Rahmen der Rerum Italicarum scriptores.[4] Da es sich um die erste Schlacht gegen Slawen handelte, wurde nach dem genauen Ort gesucht, der sich bei San Pietro al Natisone festmachen ließ, nahe des Ponte di Vernasso und der Kirche San Quirino.[5]
Quellen
- Ludwig Bethmann und Georg Waitz (Hrsg.): Paulus Diaconus, Historia Langobardorum, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI–IX, Hahn, Hannover 1878, liber V, 23.
- Wolfgang F. Schwarz (Hrsg.): Paulus Diaconus: Historia Langobardorum – Geschichte der Langobarden, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009 (lateinisch–deutsch).
Literatur
- Giorgio Banchig: «In loco qui Broxas dicitur» Il luogo della prima battaglia tra slavi e longobardi / »In loco qui Broxas dicitur« Kraj prve bitke med Slovani in Langobardi, in: Atti della giornata internazionale di studi, S. Pietro al Natisone, 26 novembre 2005 / Zapiski z mednarodnega študijskega dne v Špetru, 26. novembra 2005, Cividale del Friuli 2007, S. 220–233. (online, PDF)
- Il duca Vectari e la battaglia di Broxas
- Aurora Cagnana, Valeria Amoretti: Sepolture slave a San Martino di Ovario (Carni – Friuli). Documenti archeologici e paleoantropologia, in: Archeologia Medievale, XXXII (2005) 433–452.