Weyhausen (Eschede)

Ortsteil der Gemeinde Eschede im Landkreis Celle (Niedersachsen) From Wikipedia, the free encyclopedia

Weyhausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Eschede. Er liegt im Nordosten des Landkreises Celle (Niedersachsen) und des Naturparks Südheide, inmitten eines großen Waldgebietes.

Schnelle Fakten Gemeinde Eschede ...
Weyhausen
Gemeinde Eschede
Koordinaten: 52° 48′ N, 10° 23′ O
Höhe: 89–102 m
Fläche: 1,48 km²[1]
Einwohner: ca. 94 (2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 29348
Vorwahl: 05827
Weyhausen (Niedersachsen)
Weyhausen (Niedersachsen)
Lage von Weyhausen in Niedersachsen
Wohnhaus Unterlüßer Straße 2 von 1740, wohl von Margarethe Madlene Müller (* 1706)[2]
Wohnhaus Unterlüßer Straße 2 von 1740, wohl von Margarethe Madlene Müller (* 1706)[3]
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Geografie

Quellgebiet der Lutter

Nördlich von Weyhausen entspringt der naturnahe Heidebach Lutter, der durch ein Naturschutzprojekt renaturiert wurde. 2007 wurde das Quellgebiet und der gesamte Lauf des Baches unter Naturschutz gestellt. Der Bach ist unter anderem Lebensraum von Flussperlmuscheln und Fischottern. Seit 2005 ist das Gebiet im Rahmen des EU-Naturschutzvorhabens Natura2000 als FFH-Gebiet 086 Lachte-Lutter-Aschau ausgewiesen.[4][5]

Haupthaus des Grauen-Hofes von 1841, heute Pflegeheim

Geschichte

1589 wird in dem Celler Viehschatzregister erstmals ein Hof in Weyhausen erwähnt; Besitzer Helmeke Grumann. 1741 wurde eine Brinksitzerstelle angesiedelt. Im 18. Jahrhundert wurde in der Nähe des Jagdschlosses ein Bauernhof errichtet und nach den Besitzern Grauen-Hof und später Michaelis-Hof genannt. Sein Herrenhaus Breitenheeser Straße 3 entstand 1841.[6] Hans-Hubertus Bühmann (1921–2014), Landrat und Landtagsabgeordneter (CDU), der Cousin von Erika Michaelis erbt den Besitz.

Am 1. Januar 1973 wurde Weyhausen in die Gemeinde Eschede eingegliedert.[7]

Das Jagdschloss

Lageplan des Jagdschlosses

Etwa 1654–1665 nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, zur Amtszeit von Herzog Christian Ludwig (1622–1665) in Celle, wurde in Weyhausen ein Jagdschloss mit Forsthaus errichtet. 1663 und 1775 wird das Jagdschloss in den Akten der Amtsvogtei Beedenbostel erwähnt. Es wird später auch von Herzog Georg Wilhelm (1624–1705) für Parforcejagden genutzt. Nach dessen Tod ging der Besitz auf Kurfürst Georg I. über. Seine Mätresse Gräfin Ehrengard Melusine von der Schulenburg, die spätere Herzogin von Kendal besaß Zimmer in dem Jagdschloss. Auch sein jüngerer Bruder, Ernst August II. von Hannover (* 1674 † 1728), der Duke of York and Albany und Fürstbischof von Osnabrück besaß Zimmer in dem Jagdschloss.

Zu der Anlage gehörten ursprünglich das zweigeschossige Herrenhaus in Massivbauweise, in der Größe von 30 m × 14 m, sowie in Fachwerkbauweise ein großes und ein kleines Kavaliershaus als Wohnhaus für die Edelleute, ein Marstall als Pferdestall für etwa 200 Pferde, eine Schmiede, eine Remise (Wagenschuppen), ein Küchengebäude (der französische Koch hatte ein eigenes Haus) und ein Hühnerstall. Später kamen noch ein Jägerhaus, mit einem Anbau für den Förster, ein Backhaus und ein Schlachthaus dazu. Ein 30 m langer Hundestall für die Parforcehunde hatte eine eigene Küche für die Versorgung der Tiere. 1707 wies das Inventarium der Amtsvogtei insgesamt 14 Gebäude auf.
Nach dem Tod des Herzogs Georg Wilhelm verlor Celle den Status als Residenzstadt. Die adligen Jagdgesellschaften zogen sich allmählich aus Weyhausen zurück. Das Jagdschloss verfiel, wurde letztmals 1775 schriftlich erwähnt und es wurde mit dem Abriss und Verkauf begonnen. Zwischen 1775 und 1790 wird auf dem ehemaligen Schlossgelände aus dem Abrissmaterial ein Forsthof errichtet. Hier hatte die Revier-Försterei Eschede-Weyhausen ihren Sitz. Auch das Forsthaus Helmerkamp, die Papierfabrik Lüneburg, Teile des Grauen-Hofes, die Zehntscheune (Lagergebäude) in Beedenbostel und weitere Gebäude im Celler Land nutzten das Abrissmaterial des Jagdschlosses für sich als Baumaterial. Ein erst in letzter Zeit wiederentdeckter Brunnen und der Gewölbekeller des Forsthauses (vermutlich der Keller des alten Jagdschlosses) sind die einzigen verbliebenen Überreste auf dem ursprünglichen Schlossgelände.[8]

Einwohnerentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
182130
184881
190548
193946
1946153
196188
197071
200094
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Sehenswürdigkeiten

Eugen Egners Synthetischer Hirsch – Denkmal in Weyhausen

Infrastruktur

Verkehr

Mehrere Heer- und Frachtstraßen liefen über Weyhausen. Von Celle führte ein Postweg über Rebberlah, Starkshorn, (Ortsteile der Gemeinde Eschede) Schafstall und Unterlüß, und von dort auf schnurgeradem Wege (jetzt die L 280) weiter Richtung Weyhausen. Vor Weyhausen existierte die heutige Brücke über die Lutter noch nicht. Hier bog der Weg kurz vor dem im Tal liegenden Bach nach Südwesten ab, führte über einen Damm und verlief dann über eine Brücke direkt bis zur Schlossanlage.
Ein anderer Weg führte von Dalle und Lohe, nördlich der Lutter und der heutigen B 191, nach Weyhausen. Auch die Salzfuhren der Saline Sülze nach Bodenteich und weiter in die Altmark verkehrten auf diesen Wegen, von Dalle oder auch von Marwede (Gemeinde Scharnhorst) kommend, über Weyhausen. In dem Grauen-Hof befand sich eine Gaststätte.

1830 wird die B 191, die von Celle nach Uelzen verläuft, durch den Ort gebaut. Ursprünglich war vorgesehen, diese Straße weiter westlich über Lohe zu führen. Die B 191 führt mitten durch den Ort und dominiert diesen stark. Nach 1866 begann der Bau der Landesstraße L 280 von Unterlüß über Weyhausen nach Sprakensehl.

Schule

Die Schüler mussten ab 1713 nach Dalle zur Schule gehen. Wegen der Gefährlichkeit des Weges waren später auch die Schulen in Hösseringen und Sprakensehl zuständig. 1950 erhielt Weyhausen eine eigene Schule, die 1963 wieder geschlossen wurde.

Belletristik

Irgendwann zwischen 1952 und 1964 kehrte Arno Schmidt in Weyhausen in der Pension von Otto Knoop ein. Er verewigte den berittenen Gendarm Otto Knoop (ein lokales Original) in seinen Erzählungen Kühe in Halbtrauer[10] als Jean Darm vom Kaffee HANNIBAL.

Literatur

  • Erika Michaelis: Das herzoglich Celle’sche-, später kurfürstlich hannoversche- und königlich brittanische Jagdschloss zu Weyhausen b. Eschede im Kreise Celle. (veröffentlicht 1924).

Einzelnachweise

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