Wilfried Falkenthal
deutscher Maler und Grafiker
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Leben und Werk
Falkenthal absolvierte die Erweiterte Oberschule und studierte nach dem Dienst in der NVA von 1962 bis 1966 Kunstpädagogik/Germanistik bei Frank Ruddigkeit und Hans Schulze an der Karl-Marx-Universität Leipzig und von 1966 bis 1971 Malerei bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Einer seiner Kommilitonen war Holger Vogt. Seit dem Diplom arbeitete Falkenthal in Leipzig freischaffend als Maler in Öl, Acryl und Mischtechnik, Aquarell und Pastell, als Zeichner mit Feder und Kreide und gelegentlich als Collagist. Nach der deutschen Wiedervereinigung zog er nach Bad Lausick.
Ab 1972 hatte Falkenthal Werkverträge mit dem VEB Braunkohlenkombinat Regis, dem Mansfeld-Kombinat, dem VEB Chemieanlagenbau Leipzig-Grimma, dem VEB Keramische Werke Hermsdorf und dem Leipziger Institut für Technische Chemie der Deutschen Akademie der Wissenschaften. 1977 nahm er, als einer von nur vier Künstlern der DDR neben Eberhard Frey, Michael Gawlik und Hans-Gerhard Templin, an dem vom Mansfeld-Kombinat ausgerichteten II. Internationalen Künstlerpleinair in Eisleben teil. Dabei wurde ihnen die Brigade Heyn der August-Bebel-Hütte Helbra als „gesellschaftlicher Partner“ zugeteilt, und sie wurden formell zu Ehrenmitgliedern der Brigade ernannt. Falkenthal hielt danach weiter Kontakt zur Brigade, die ihn auch in seinem Leipziger Atelier besuchte. Bei einem längeren Arbeitsaufenthalt im Betrieb schuf er 1976/1977 das Bild Brigadebad (Öl, 85,5 × 95,5 cm; heute im Bundesministerium des Innern).[1] Die dargestellte Szene beruht auf einer freien Erfindung Falkenthals. Mitglieder der Brigade Heyn mit Familienangehörigen stellte Falkenthal 1979 in dem Bild Das Riesenrad dar. Es gehört neben den Bildern Pleinairteilnehmer, Kaue und Pfingstfest ’79 zum Zyklus Mansfelder Land.[2] Auf dem Bild Das Riesenrad sieht man neben der ausgelassenen Stimmung der Dargestellten in der Gondel eines Riesenrads aus der Vogelperspektive eine einsame, geschändete Landschaft mit riesigen Schlackenhalden.
Bei einer Diskussion Falkenthals mit der Brigade Heyn zu dem Bild klagten deren Mitglieder über die Umweltsünden auch ihres Betriebes. Das Gemälde wurde in seiner ursprünglichen Fassung bei der Auswahl für die Leipziger Bezirkskunstausstellung 1979 abgelehnt. Es blieb in der Kunstsammlung des Kombinats und wurde sporadisch in der Eislebener Mansfeld-Galerie gezeigt. Der ganze Zyklus befindet sich weiter in der Galerie.
In den 1980er Jahren schuf Falkenthal als Auftragsarbeiten auch Wandbilder, unter anderem in Leipzig 1985/1986 in der Gaststätte Zum Grünen Baum und von 1982 bis 1985 im Leipzig-Grünauer Wohngebiet WK 7 und 1986/1987 im Objekt des Ministeriums für Nationale Verteidigung in Strausberg (Familien; Öl auf Beton).
1979 brachte der Rundfunksender Leipzig ein Interview mit Falkenthal zu seinen auf der VIII. Kunstausstellung der DDR gezeigten Bildern, und 1980 drehte das DEFA-Dokumentarfilmstudio Berlin in Eisleben zu den Beziehungen Falkenthals zur Brigade Heyn den Kurzfilm Riesenrad. Falkenthals Gemälde Vierer ohne Steuermann wurde 1980 auf einer von Manfred Gottschall entworfenen Briefmarke der Deutschen Post zu den Olympischen Sommerspielen in Moskau abgebildet.
Falkenthal hatte seit 1973 eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung edierte Falkenthal auch Kalender mit eigenen Bildern. Ab 1993 leitet er den Senioren-Kreation Club Leipzig, und er gab in Leipzig Malkurse beim Dachverband Altenkultur e. V.
Rezeption
„Seine umstrittenen, unkonventionellen, entheroisierenden, heiteren, aber auch hintergründig-kritischen Öl-Gemälde … trugen zu einer illusionslosen und publikumswirksamen Wirklichkeitssicht in der DDR bei.“[3]
Mitgliedschaften
- 1971 bis 1990: Verband Bildender Künstler der DDR
- 1985–1990: Vorsitzender der Künstlergenossenschaft Leipzig
- seit 1992: Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Leipzig e. V.
Ehrungen
- 1982: Kunstpreis des FDGB
- 1983: Theodor-Körner-Preis (für das Bild Mein Freund Uli; 1980, Öl; Militärhistorisches Museum der Bundeswehr)[4]
Weitere Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Falkenthals (Auswahl)
- Beeskow: Kunstarchiv Beeskow[5]
- Berlin: Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank
- Dresden: Kunstfonds des Freistaates Sachsen[5]
- Gabrowo: Haus des Humors und der Satire
- Grimma: Kreismuseum Grimma[6]
- Königs Wusterhausen: Stiftung Museen für Humor und Satire
- Leipzig: Stadtgeschichtliches Museum (Vierer ohne Steuermann)
- Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst
Literatur
- Günter Meißner: Leipziger Künstler der Gegenwart. E. A. Seemann-Verlag, Leipzig, 1977
- Karin Thomas: Die Malerei in der DDR. DuMont, 1980; ISBN 3-7701-1207-5
- Dörte Döhl, Arnulf Siebeneicker: Wilfried Falkenthal. Mansfelder Land. Auftraggeber: VEB Mansfeld Kombinat „Wilhelm Pieck“. In: Monika Flacke: Auftragskunst der DDR 1949–1990. Klinkhardt & Biermann, 1995, ISBN 3-7814-0380-7, S. 277–281
- Saur. Allgemeines Künstlerlexikon. 2003, S. 415
- Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 194/195
Weblinks
- Website von Wilfried Falkenthal
- Werke und Werkteile von Wilfried Falkenthal im Bildindex der Kunst und Architektur
- 1979 – Wilfried Falkenthal: Mansfelder Land in: Auftrag: Kunst 1949–1990. Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums
- Wilfried Falkenthal bei der Lehmhaus Galerie
- Wilfried Falkenthal bei der Kunstauktion Frankfurt/Oder