Wirtschaft Mexikos
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Die Wirtschaft Mexikos ist mit einem Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar (2024) die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas (nach Brasilien) und weltweit eine der 20 größten. Das Land ist u. a. Mitglied der OECD sowie der G20. Mit einem BIP pro Kopf von knapp 14.700 US-Dollar (2024)[3] gilt Mexko als Land der oberen mittleren Einkommensklasse und als Schwellenland. Die Wirtschaftsleistung basiert heute vor allem auf Industrie- und Dienstleistungssektoren und ist eng verflochten mit dem nordamerikanischen Markt (insbesondere den USA). Das Land zählt weltweit zu den größten Exporteuren von Waren (Autos, Maschinen, Rohstoffe) und Dienstleistungen (Tourismus). Trotz dieser Stärken und bedeutender Rohstoffvorkommen steht das Land vor Herausforderungen wie hohen sozialen Ungleichheiten, regionalen Entwicklungsgefällen und einem großen informellen Sektor. Durch relativ langsames Produktivitätswachstum droht Mexiko in der mittleren Einkommenfalle steckenzubleiben.
organisationenNAFTA/USMC, WTO, OECD, Pazifik-Allianz
produkt (BIP)1.852 Milliarden USD (nom.) (2024)[1]
3.316 Milliarden USD (PPP) (2024)[1]
| Mexiko | |
|---|---|
| Weltwirtschaftsrang | 14. (nominal) (2024)[1] |
| Währung | Mexikanischer Peso |
| Handels- organisationen | NAFTA/USMC, WTO, OECD, Pazifik-Allianz |
| Kennzahlen | |
| Bruttoinlands- produkt (BIP) | 1.852 Milliarden USD (nom.) (2024)[1] 3.316 Milliarden USD (PPP) (2024)[1] |
| BIP pro Kopf | 14.007 USD (nominal) (2024) 25.074 USD (PPP) (2024)[1] |
| BIP nach Wirtschaftssektor | Landwirtschaft: 4 % (2024) Industrie: 32 % (2024) Dienstleistung: 59 % (2024)[2] |
| Wachstum | 1,4 % (2024)[1] |
| Inflationsrate | 4,7 % (2024)[1] |
| Gini-Index | 43,5 (2022)[2] |
| Erwerbstätige | 60,959 Mio. (2024)[2] |
| Erwerbstätige nach Wirtschaftssektor | Landwirtschaft: 12 % (2024) Industrie: 26 % (2024) Dienstleistung: 60 % (2024)[2] |
| Arbeitslosenquote | 2,7 % (2024)[1] |
| Außenhandel | |
| Export | 680,8 Mrd. $ (2024)[2] |
| Exportgüter | Autos, Fahrzeugteile/-zubehör, Rohöl, Lastwagen, Computer (2023)[2] |
| Exportpartner | Vereinigte Staaten: 76 % (2023) Kanada: 5 % (2023) China: 2 % (2023) Deutschland: 2 % (2023) Spanien: 1 % (2023)[2] |
| Import | 697,1 Mrd. $ (2024)[2] |
| Importgüter | Fahrzeugteile/-zubehör, raffiniertes Erdöl, Halbleiter, Rundfunkgeräte, Auto (2023)[2] |
| Importpartner | Vereinigte Staaten: 46 % (2023) China: 20 % (2023) Deutschland: 4 % (2023) Japan: 3 % (2023) Südkorea: 3 % (2023)[2] |
| Außenhandelsbilanz | –16,3 Mrd. € (2024) |
| Öffentliche Finanzen | |
| Öffentliche Schulden | 58,4 % des BIP (2024)[1] |
| Staatseinnahmen | 24,6 % des BIP (2024)[1] |
| Staatsausgaben | 30,5 % des BIP (2024)[1] |
| Haushaltssaldo | −5,7 % des BIP (2024)[1] |
Geschichte
Koloniale Wirtschaft
In der spanischen Kolonialzeit (Neuspanien) war Mexikos Wirtschaft stark auf Rohstoffausbeutung ausgerichtet. Edelmetalle, allen voran Silber, machten bis ins 18. Jahrhundert bis zu 90 % der Exporte nach Europa aus. Mexiko avancierte im späten 18. Jahrhundert zum weltweit größten Silberproduzenten und überholte damit das zuvor dominierende Potosí in Bolivien.[4] Daneben spielten großflächige Agrarbetriebe (Haciendas) eine wichtige Rolle in der kolonialen Ökonomie. Eine eigenständige Industrialisierung fand hingegen kaum statt, da die spanische Krone die Kolonie vor allem als Rohstofflieferant nutzte und lokale Weiterverarbeitung oder Manufakturen wenig fördert. Der koloniale Wirtschaftsaufbau legte damit den Grundstein für eine periphere Rolle Mexikos im globalen Handel, als Exporteur von Bergbau- und Agrarprodukten und Importeur von Fertigwaren aus Europa.
Nach der Unabhängigkeit
Der Unabhängigkeitskrieg (1810–1821) hinterließ Mexiko in einer wirtschaftlichen Krise. Infrastruktur und Produktion waren durch den langjährigen Konflikt schwer beschädigt, der Handel mit Spanien brach weg, und das Land war verarmt. Insbesondere die Silberförderung, vormals Stütze der kolonialen Wirtschaft, brach während der Kriegsjahre drastisch ein.[5] In den Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit kam es zudem zu politischen Instabilitäten, Territorialverlusten (wie dem Krieg gegen die USA 1846–1848) und häufigen Machtwechseln, welche die wirtschaftliche Entwicklung hemmten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts stabilisierte sich die Lage unter der Herrschaft von Langzeit-Präsident Porfirio Díaz.
Erste Industrialisierungsansätze
Während des Porfiriats erlebte Mexiko seine erste nennenswerte Phase der Modernisierung und Industrialisierung. Die Díaz-Regierung förderte ausländische Investitionen in Infrastruktur und Bergbau, baute ein dichtes Eisenbahnnetz auf und schuf ein investitionsfreundliches Klima. Bis 1910 wurden rund 24.000 km Eisenbahnstrecken verlegt, finanziert hauptsächlich durch Kapital aus den USA, Großbritannien und Frankreich. Parallel entstanden erste Industriebetriebe (Textilfabriken, Stahlwerke), und der Bergbausektor (Silber, Kupfer) wurde belebt. Nach 1900 stieg Mexiko sogar zu einem der weltweit führenden Erdölförderer auf; ausländische Firmen (v. a. US-amerikanische und britische) begannen, die reichen Ölfelder an der Golfküste auszubeuten. Diese wirtschaftliche Expansion schlug sich in rasant wachsenden Handelszahlen nieder: Zwischen 1877 und 1910 verzehnfachte sich der Außenhandelswert auf ca. 250 Millionen US-Dollar jährlich.[6]
Allerdings profitierten vor allem die ausländischen Investoren und eine kleine einheimische Oberschicht von diesem Wachstum, während die Landbevölkerung und Arbeiter von Landenteignungen, niedrigen Löhnen und sozialer Ungleichheit belastet blieben. Diese Spannungen trugen mit zum Ausbruch der Mexikanischen Revolution 1910 bei, die das Porfiriat beendete.
Weltkriege und Nachkriegszeit
Der Erste Weltkrieg fiel in Mexiko mit der Revolutionszeit zusammen und belastete die mexikanische Exportwirtschaft. Ebenfalls verheerend waren die Folgen der Great Depression in den benachbarten USA, welche auch Mexiko schwer trafen. Mitte der 1930er Jahre begann sich die mexikanische Wirtschaft unter General und Präsident Lázaro Cárdenas (1934–1940) zu erholen, der eine neue Phase der Industrialisierung in Mexiko einleitete.[7] 1934 gründete Cárdenas die Entwicklungsbank Nacional Financiera SA (Nafinsa) und 1938 ließ er die Ölindustrie verstaatlichen und Petróleos Mexicanos (PEMEX) gründen. Der Zweite Weltkrieg wirkte sich positiv auf die mexikanische Wirtschaft aus, da Mexiko die USA mit kriegswichtigen Rohstoffen (Erdöl, Kupfer) und seinen Agrarerzeugnissen beliefern konnte. Während seiner Präsidentschaft von Manuel Ávila Camacho (1940–46) erholte sich die mexikanische Wirtschaft weiter und trat in eine Phase anhaltenden Wachstums ein, die als mexikanisches Wunder bekannt ist.
In der Frühphase des Kalten Krieges galt Mexiko als eines der wirtschaftlich vielversprechendsten Länder der Dritten Welt. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg stimulierte das umfassende Importsubstitutionsprogramm von Präsident Miguel Alemán Valdés (1946–52) die Produktion durch die Ankurbelung der Binnennachfrage. Das Land erlebte schnelles industrielles Wachstum und rasche Urbanisierung. Internationale Unternehmen siedelten sich in dem Land an, so wurde Volkswagen de México 1964 gegründet. Allerdings konnte auch in diesen guten Zeiten nie genug industrielle Arbeitsplätze für die rasch wachsende Bevölkerung geschaffen werden, was zu höher Emigration von Mexikanern in die Vereinigten Staaten führte. Mit den Ölpreiskrisen der 1970er Jahre bekam die wirtschaftliche Entwicklung erste Dellen, jedoch setzte die mexikanische Wirtschaft ihr Wachstum fort. Die 1980er Jahre wurden dagegen als verlorene Dekade (Década Perdida) bekannt und waren von Schuldenkrisen und hoher Inflation in ganz Lateinamerika geprägt.[8]
Nordamerikanische Integration

Nach Jahrzehnten staatlich gelenkter Entwicklungspolitik und Importsubstitution vollzog Mexiko in den 1980er Jahren einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel. Die schwere Schuldenkrise von 1982 zwang das Land zu Strukturreformen und einer Öffnung der Wirtschaft. Mexiko trat 1986 dem GATT (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) bei und leitete Privatisierungen staatlicher Unternehmen sowie den Abbau von Handelsbarrieren ein. Diese neoliberalen Reformen setzten sich unter Präsident Carlos Salinas (1988–1994) fort und gipfelten in der Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) mit den USA und Kanada. NAFTA trat am 1. Januar 1994 in Kraft und band Mexikos Volkswirtschaft eng an den US-Markt.[9] Infolge des Abkommens stieg der Handel mit den NAFTA-Partnern sprunghaft: Zwischen 1993 und 2003 wuchs das Handelsvolumen innerhalb des NAFTA-Raums um 116 % (von 299 Mrd. auf 645 Mrd. US$), der bilaterale Handel Mexiko–USA sogar um 188 %. Auch die ausländischen Direktinvestitionen nahmen drastisch zu – die jährlichen FDI-Zuflüsse nach Mexiko lagen im NAFTA-Jahrzehnt 389 % höher als im vorherigen Jahrzehnt.[10]
Mexikos Exportwirtschaft diversifizierte sich weg von der Abhängigkeit vom Erdöl: Der Anteil der Waren- und Dienstleistungsexporte am BIP stieg von 15 % (1993) auf über 27 % im Jahr 2002. Allerdings zeigte sich gleichzeitig, dass nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen vom Freihandel profitierten. Symbolhaft besetzte am Tag des NAFTA-Inkrafttretens die indigene Zapatista-Guerilla mehrere Orte im armen Bundesstaat Chiapas, um gegen die soziale und regionale Ungleichheit zu protestieren.[9] Im selben Jahr erschütterte zudem die sogenannte „Tequila-Krise“ das Land: Eine Währungskrise führte Ende 1994 zu einem drastischen Peso-Verfall und Kapitalflucht. Die Regierung musste den festen Wechselkurs zum US-Dollar aufgeben und erhielt ein internationales Rettungspaket von knapp 50 Mrd. US$ (u. a. von USA, IWF und BIZ) zur Stabilisierung.[11] Dank straffer Finanzpolitik und Reformanstrengungen erholte sich die mexikanische Wirtschaft ab 1996 wieder.
Jüngere Entwicklung und Reformen
Seit den 2000er-Jahren wächst Mexikos Wirtschaft moderat, aber kontinuierlich (durchschnittlich ~2–3 % jährlich), teilweise allerdings auch nur mit 1 bis 2 Prozent und verzeichnet damit nur wenige Wohlstandsgewinne pro Kopf gerechnet. 2001 überholte Mexiko in der nominalen Wirtschaftsleistung kurzzeitig Brasilien und wurde größte Volkswirtschaft Lateinamerikas.[9] 2006 trat Mexiko der OECD bei, was seine Integration in die Weltwirtschaft unterstrich. In den 2010er-Jahren unternahmen verschiedene Regierungen große Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Besonders hervorzuheben ist das Reformpaket 2013 unter Präsident Enrique Peña Nieto: Es umfasste u. a. eine Energiesektor-Reform, die das seit 1938 bestehende Monopol des Staatskonzerns PEMEX aufhob und private Investitionen in Öl- und Gasförderung sowie in die Stromerzeugung zuließ. Außerdem wurde auch der Telekommunikationssektor entmonopolisiert und für ausländische Investoren geöffnet und die Mehrwertsteuer vereinheitlicht.[12]
Diese und weitere Reformen (im Bildungs-, Finanz- und Arbeitssektor) sollten das Wachstumspotenzial heben. Kurzfristig verlief ihre Umsetzung jedoch schleppend, und das Wirtschaftswachstum blieb verhalten. Seit 2018 verfolgt die Regierung unter Präsident Andrés Manuel López Obrador (AMLO) einen wirtschaftspolitischen Kurs, der stärker auf staatliche Kontrolle setzt. Einige der früheren Reformen wurden teilweise revidiert, insbesondere im Energiesektor: Die Öffnung für private Öl- und Strominvestoren wurde faktisch eingefroren, stattdessen werden PEMEX und die staatliche Elektrizitätsgesellschaft CFE wieder vorrangig gefördert. Diese Politik löste Spannungen mit den USA und Kanada aus, da sie als Verstoß gegen das neu verhandelte Freihandelsabkommen USMCA (das NAFTA 2020 ersetzte) angesehen wird.[13] Stattdessen bemühte sich AMLO um den Aufbau eines modernen Sozialstaats und ein von ihm eingeführtes Programm von direkten Geldtransfers an Bedürftige verhalf über 13 Millionen Menschen aus der Armut.[14] Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in seiner Amtszeit lag jedoch (auch durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie) bei lediglich 0,8 Prozent jährlich.[15]
Struktur der Volkswirtschaft

Mexikos Bruttoinlandsprodukt verteilt sich heute vor allem auf den Dienstleistungs- und Industriesektor. Der Dienstleistungssektor erbringt rund 59 % der Wirtschaftsleistung, gefolgt von der Industrie mit ca. 32 %. Die Landwirtschaft trägt nur etwa 4 % zum BIP bei (Stand 2022). Ein ähnliches Bild zeigt die Beschäftigtenstruktur: Etwa 60 % der Erwerbstätigen arbeiten im weit gefassten Dienstleistungsbereich, ca. 26 % in Industrie und Baugewerbe und rund 12 % in der Landwirtschaft. Die Rohstoff- und Energiewirtschaft (v. a. Öl- und Gasförderung sowie Bergbau) ist offiziell in den Industriesektor eingerechnet, hat aber aufgrund der Ölgeschichte Mexikos eine besondere Bedeutung.[16]
Dienstleistungen und Finanzen
Der tertiäre Sektor stellt den größten Teil der mexikanischen Wirtschaft. Neben Handel, Tourismus und Verkehrsdienstleistungen umfasst er einen wachsenden Finanz- und Technologiesektor. Mexiko-Stadt fungiert als wichtiges Finanzzentrum Lateinamerikas; dort befindet sich die Bolsa Mexicana de Valores (die mexikanische Börse) und der Sitz zahlreicher Banken und Versicherungen. Das mexikanische Bankensystem wurde in den 1990er Jahren liberalisiert und ist heute von großen privatwirtschaftlichen Instituten geprägt. Auffällig ist der hohe Anteil ausländischer Bankkonzerne: Von den sechs größten Banken des Landes gehören vier zu ausländischen Finanzgruppen (u. a. BBVA und Santander aus Spanien), die zusammen über ein Drittel der Bankaktiva kontrollieren. Insgesamt halten ausländische Banken rund 55 % der Bankvermögenswerte Mexikos. Die einzige große rein mexikanische Bank ist Banorte.[17] Die Finanzbranche ist gut kapitalisiert und wurde in den letzten Jahren stärker reguliert, um gegen Geldwäsche und Überschuldung vorzugehen. Dennoch bleibt die Kreditpenetration (Bankkredite in Prozent des BIP) relativ niedrig im Vergleich zu Industrieländern, was insbesondere kleinere Unternehmen betrifft.
Im Dienstleistungsbereich insgesamt haben auch der Tourismus und die Telekommunikation/IT erhebliche wirtschaftliche Bedeutung: Mexiko ist eines der meistbesuchten Touristenziele der Welt (v. a. Bade- und Kulturtourismus) und profitiert von entsprechenden Deviseneinnahmen (33 Milliarden US-Dollar aus dem internationalen Tourismus 2024)[18]. Die Telekommunikationsreform von 2013/14 führte zu mehr Wettbewerb (Marktanteilsbegrenzungen, neue Mobilfunkanbieter) und sinkenden Endkundenpreisen, was die Nutzung digitaler Dienste deutlich steigen ließ. Der mexikanische Telekommagnat Carlos Slim Helú (Besitzer von Telmex und América Móvil) war zeitweise der reichste Mensch der Welt.[19]
Industrie
Der industrielle Sektor Mexikos ist diversifiziert und eng in globale Wertschöpfungsketten integriert. Insgesamt trägt die Industrie (inklusive verarbeitendem Gewerbe, Bergbau, Energie und Bau) etwa ein Drittel zum BIP bei und stellt gut ein Viertel der Arbeitsplätze, ein hoher Industrialisierungsgrad im Vergleich zu anderen Ländern in Lateinamerika. Ein Schwerpunkt ist die Automobil- und Zulieferindustrie. Mexiko ist einer der weltweit größten Kraftfahrzeugproduzenten (2023: Platz 7) und exportiert jährlich mehrere Millionen Fahrzeuge. Viele internationale Autobauer (u. a. GM, Ford, VW, Toyota, Nissan, BMW) betreiben Werke in Mexiko – oft nahe der zentral gelegenen „Autogürtels“ (Bundesstaaten Puebla, Guanajuato, Coahuila u. a.). Fahrzeuge und Kfz-Teile sind zusammen das größte Exportsegment (ca. 26 % der Warenausfuhren 2023). Daneben ist Mexiko ein bedeutender Hersteller von Haushaltsgeräten, Elektronik und Elektrotechnik (z. B. Flachbildschirme, Computerteile, Handys). Elektrische Maschinen, Geräte und Elektronik machen über 17 % der Exporte aus.[20] Die Textil- und Bekleidungsindustrie, einst ein traditioneller Sektor, hat an Anteil verloren, konzentriert sich aber noch in Regionen wie Puebla oder Yucatán. Der Bausektor erlebte um 2010 einen Aufschwung (u. a. Wohnungsbau und Infrastrukturprojekte), stagnierte jedoch zuletzt konjunkturbedingt. Trotzdem bleibt er ein wichtiger Arbeitgeber, vor allem in den Städten.
Charakteristisch für Mexikos Industrie ist das Maquiladora-System – montageorientierte Exportbetriebe, die importierte Vorleistungen zollfrei verarbeiten. Seit dem Start des Grenz-Industrialisierungsprogramms in den 1960ern hat sich diese Branche rasant entwickelt, insbesondere entlang der US-Grenze. Heute gibt es über 3.000 Maquiladora-Fabriken im Land mit mehreren Millionen Beschäftigten. Sie produzieren vor allem für den US-Markt in Bereichen wie Kfz-Teile, Elektronik, Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, medizinische Geräte, Textilien und Kunststoffe. Maquiladoras haben einen bedeutenden Anteil an Mexikos Warenausfuhren.[21][22]
Landwirtschaft

Obwohl nur ein geringer Teil des BIP aus der Landwirtschaft stammt, ist der Sektor für Beschäftigung und bestimmte Exporte weiterhin relevant. Rund 12 % der mexikanischen Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft, oftmals in kleinbäuerlichen Betrieben im informellen Sektor. Hauptprodukte sind Mais (als Grundnahrungsmittel und kulturell bedeutend), Bohnen, Weizen und Sorghum, außerdem Obst und Gemüse (Mexiko ist führend bei der Produktion von Avocados, Tomaten, Mangos und Beeren), Kaffee, Zuckerrohr, sowie Viehprodukte (Rind- und Schweinefleisch, Geflügel, Milch). Dank verschiedener Klimazonen exportiert Mexiko ganzjährig Obst und Gemüse in große Mengen, vor allem in die USA. 2021 lagen die Agrarexporte bei ca. 46,6 Mrd. US$ und übertrafen damit die Agrarimporte (ca. 41,4 Mrd. US$). Wichtigster Abnehmer ist die USA, die etwa 80 % der mexikanischen Agrar-Exporte aufnimmt.[16]
Die landwirtschaftliche Produktivität in Mexiko variiert stark: Während exportorientierte Großbetriebe im Norden (z. B. in Sonora oder Sinaloa) hochmechanisiert und bewässert arbeiten, betreiben Kleinbauern im Süden oft Subsistenzwirtschaft mit niedrigen Erträgen. Herausforderungen sind Bodenerosion, Wasserknappheit und Landkonzentration. Die Regierung unterhält verschiedene Förderprogramme für Kleinbauern und subsistenzorientierte Gemeinden, um ländliche Armut zu bekämpfen. Langfristig bleibt der Anteil der Landwirtschaft an Wirtschaft und Beschäftigung rückläufig, während zugleich durch den Klimawandel neue Risiken (z. B. Dürren) hinzukommen.
Rohstoffe und Bergbau

Mexiko war lange Zeit ein bedeutender Erdölproduzent und -exporteur. Nach der Verstaatlichung der Ölindustrie 1938 (Gründung von Petróleos Mexicanos, PEMEX) trug Erdöl ab den 1970er-Jahren maßgeblich zu Staatsbudget und Exporterlösen bei. Die Förderung erreichte 2004 ihren historischen Höchstwert von über 3,4 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Seitdem ist die Ölproduktion jedoch stark rückläufig: 2022 lag sie bei knapp 2 Mio. Barrel/Tag und 2023 bei rund 1,65 Mio. bbl/Tag.[23] Besonders drastisch sank die Ausbeute des einst ergiebigsten Ölfeldes Cantarell (Akal-Struktur) – von 2 Mio. bbl/Tag (2004) auf nur noch rund 40.000 bbl/Tag im Jahr 2020.[24] Insgesamt gilt der mexikanische Ölsektor bereits seit Jahrzehnten als schlecht gemanagt.[25] Neben Inkompetenz und Korruption sind auch der Diebstahl von Benzin und Erdöl durch kriminelle Gruppen.[26] Mexiko ist mittlerweile zum Erdöl-Nettoimporteur bei manchen Produkten geworden, da die inländische Raffineriekapazität nicht ausreicht und die Förderung sinkt. Parallel gewinnt Erdgas an Bedeutung für den heimischen Energieverbrauch – jedoch stammt über 70 % des Gases aus Importen (Pipeline-Gas aus den USA), da Mexikos Eigenförderung nicht mithalten kann.
Mexiko verfügt über bedeutende mineralische Ressourcen. Bis heute ist das Land größter Silberproduzent der Welt (2021: 5.600 Tonnen).[16] Daneben gehört es zu den Top-10-Förderländern für Gold, Kupfer, Zink und Blei.[27] Auch Industrie- und Chemierohstoffe wie Fluorit (Flussspat, Platz 2 weltweit) und Schwefel werden gefördert. Mexiko verfügt außerdem über erhebliche Vorkommen an Lithium (Platz 10 weltweit bei den Reserven).[28]
In der Stromerzeugung spielen Erdgas und Öl eine große Rolle, gefolgt von erneuerbaren Energien (Wasserkraft, zunehmend Wind- und Solarparks) und etwas Kohle. Die staatliche Comisión Federal de Electricidad dominiert den Strommarkt, doch wurden private Erzeuger seit einer Reform 2013/14 zugelassen, insbesondere für erneuerbare Projekte. Insgesamt befindet sich Mexikos Energiesektor in einem Wandel: Von der früheren ölgetriebenen Rentenwirtschaft hin zu einer diversifizierteren Versorgung mit mehr externen Partnern und erneuerbaren Energien. Die Elektrifizierung in Mexiko liegt bei über 99 Prozent.[29]
Außenwirtschaft
Handel
Der Außenhandel ist ein zentraler Wachstumsmotor der mexikanischen Wirtschaft und macht über 70 % des BIP aus. Mexiko ist eines der exportstärksten Schwellenländer und durch diverse Freihandelsabkommen global gut eingebunden. 2023 erreichten die Warenausfuhren ca. 593 Mrd. US$. Wichtigste Exportgüter sind Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile (zusammen rund ein Viertel % der Exporte), elektrische und elektronische Geräte, Maschinen und mechanische Apparat, Erdöl und Ölprodukte (~5 %) sowie medizinische Instrumente, Kunststoffe, Getränke (Bier, Tequila) und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Importe summierten sich 2023 auf ~621 Mrd. US$, womit Mexiko eine negative Handelsbilanz aufweist. Hauptimportgüter sind Maschinen und Teile (z. B. Fahrzeugteile, Rohöl und Treibstoffe Elektro- und IT-Komponenten (Mikrochips, Telefone zusammen) sowie Kfz und chemische Produkte).[30]
Mexikos mit Abstand wichtigster Handelspartner sind die Vereinigten Staaten. Mehr als drei Viertel der mexikanischen Warenausfuhren gehen in die USA (2023: 79,6 % der Exporte). Im Gegenzug stammen knapp 43 % der Importe aus den USA. Diese enge Verflechtung ist Ergebnis von NAFTA/USMCA: Die Wertschöpfungsketten der beiden Länder sind stark integriert (z. B. pendeln Auto-Teile mehrmals über die Grenze, bevor ein fertiges Fahrzeug entsteht). Bei den Importen spielt neben den USA auch die Volksrepublik China eine wichtige Rolle, auf die knapp ein Fünftel aller Einfuhren entfallen.[30] Mexiko unterhält Freihandelsabkommen mit über 40 Ländern, u. a. mit der EU (seit 2000), mit Japan (seit 2005) und ist Gründungsmitglied der Pazifik-Allianz (mit Peru, Chile, Kolumbien). 2019/20 wurde NAFTA durch das modernisierte USMCA-Abkommen ersetzt, das den Kern der mexikanischen Handelsbeziehungen weiterhin bildet. Der drohende Protektionismus (etwa US-Drohungen mit Strafzöllen) gilt als wirtschaftliches Risiko für Mexiko.[30]
Ausländische Investitionen
Mexiko zählt zu den größten Empfängern ausländischer Direktinvestitionen (ADI) unter den großen Schwellenländern. Stabilität, Marktgröße und die Nordamerikaintegration machen das Land attraktiv für Investoren. In den Jahren 1994–2003 flossen insgesamt rund 135 Mrd. US$ an ausländischen Direktinvestitionen nach Mexiko, was über 27 % aller ADI-Zuflüsse nach Lateinamerika in jener Dekade entsprach. Seitdem liegen die jährlichen Bruttozuflüsse meist im zweistelligen Milliardenbereich. 2022 betrugen die ADI-Zuflüsse etwa 39 Mrd. US$.[31] 2023 rund 36 Mrd. US$ (laut Wirtschaftsministerium Mexiko). Die wichtigsten Herkunftsländer der Investitionen sind die USA (zwischen 1999 und 2024 lagen die Zuflüsse bei mehr als 300 Milliarden US$[32]), gefolgt von Kanada, Spanien, Deutschland, Japan und einigen asiatischen Ländern. Sektoraler Schwerpunkt ist die verarbeitende Industrie (Fahrzeugbau, Elektronik, Nahrungsmittel, Chemie), gefolgt vom Finanzsektor, Handel sowie dem Bergbau/Energiesektor.
Die Regierung fördert ADI u. a. über die Sonderwirtschaftszonen und industrielle Cluster. Jedoch gibt es auch Einschränkungen: In einigen Sektoren (Energie bis 2013, strategische Infrastruktur, Landbesitz in Grenz- und Küstenregionen) galten bzw. gelten Beschränkungen für Ausländer. Nichtsdestotrotz bleibt Mexiko ein wichtiger Produktionsstandort für multinationale Konzerne. Die Nähe zum US-Markt (Nearshoring), relativ moderate Lohnkosten und zahlreiche Handelsabkommen verleihen Mexiko Standortvorteile. Risiken für Investoren liegen in Bereichen wie Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit (Kriminalität) und Bürokratie. Internationale Rankings zur Investitionsfreundlichkeit sehen Mexiko im Mittelfeld.
Zahlungsbilanz
Mexikos Leistungsbilanz wies in den letzten Jahren meist ein moderates Defizit auf (2022 etwa 0,7 % des BIP).[33] Das chronische Handelsbilanzdefizit – resultierend aus hohen Importen von Vorprodukten, Konsum- und Investitionsgütern – wird zu einem großen Teil durch Überschüsse in den Dienstleistungs- und Übertragungsbilanzen ausgeglichen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Rücküberweisungen (Remittances): Millionen im Ausland (vor allem in den USA) lebende Mexikaner schicken erhebliche Geldbeträge an ihre Familien in der Heimat. 2022 erreichten diese Überweisungen einen Rekordwert von rund 58,5 Mrd. US$ (ca. 3,5 % des BIP).[34] Damit sind die Remittances für Mexiko eine wichtigere Devisenquelle als die Erdölexporte und halfen, das Leistungsbilanzdefizit gering zu halten. Ein weiterer bedeutender Posten ist der Tourismus, der jährlich Dutzende Milliarden US-Dollar an Deviseneinnahmen erbringt, hauptsächlich durch US-Touristen. Daneben fließt viel Kapital nach Mexiko in Form von Direktinvestitionen und Portfolioinvestitionen.
Insgesamt gilt Mexikos externer Sektor als robust: Die Auslandsverschuldung ist moderat und wurde nach der 1980er-Krise stark diversifiziert, und dank der Rücküberweisungen sowie einer vorsichtigen Schuldenpolitik blieben Zahlungsbilanzkrisen seit Mitte der 1990er aus. Risiken liegen u. a. in einer möglichen US-Konjunkturschwäche, aufgrund der engen Verzahnung mit der US-Wirtschaft.
Währung und Geldpolitik

Die mexikanische Währung ist der mexikanische Peso (ISO-Code: MXN). Ein Peso unterteilt sich in 100 Centavos. Seit den 1990er-Jahren verfolgt Mexiko eine Politik der geld- und währungspolitischen Stabilisierung. In Reaktion auf die extremen Inflationserfahrungen der 1980er Jahre (Jahresinflation zeitweise > 100 %) wurde 1994 die Unabhängigkeit der Zentralbank, Banco de México (Banxico), gesetzlich verankert.[35] Seither hat die Zentralbank Preisstabilität als oberstes Mandat. Im Jahr 2001 führte Banxico ein formelles Inflationszielsystem ein und peilt seitdem eine Jahresinflation von 3 % ±1 Prozentpunkt an.[36] Dieses Inflations-Targeting-Regime hat wesentlich dazu beigetragen, die Teuerungsrate im Vergleich zu früher zu senken.[35][37] Zwischen 2000 und 2024 schwanke die Inflationsrate zwischen 3 und 8 Prozent auf einem moderaten Niveau.[38]
Der mexikanische Peso unterliegt einem flexiblen Wechselkurs. Nach der Aufgabe des Dollar-Peg im Zuge der Peso-Krise 1994/95 wird der Kurs frei am Markt gebildet. Die Banxico interveniert nur in Ausnahmesituationen (etwa durch Auktionen, um exzessive Volatilität zu glätten). Die Geldpolitik der Banxico gilt als strikt auf das Inflationsziel ausgerichtet und genießt internationales Vertrauen. Zusammen mit einer meist soliden Fiskalpolitik (Schuldenquote ~50 % des BIP, moderates Budgetdefizit) hat dies dazu beigetragen, dass Mexiko seit Jahrzehnten keine Hyperinflation oder Staatspleite mehr erlebte, im Unterschied zu einigen anderen Ländern in Lateinamerika.
Infrastruktur
Der Zustand der Infrastruktur in Mexiko ist gemischt: In Ballungszentren und Industrieregionen existiert eine relativ gut ausgebaute Verkehrs- und Energieinfrastruktur, während ländliche Landesteile – insbesondere im Süden – oft Defizite aufweisen. Laut dem Weltwirtschaftsforum rangiert Mexiko bei der Infrastrukturqualität international im Mittelfeld (z. B. Platz 66 von 138 im Logistics-Performance-Index-Ranking der Weltbank).[39]
Straßen
Mexiko verfügt über ein weitverzweigtes Straßennetz von über 900.000 km Länge, davon waren 185.000 asphaltierte Straßen und knapp 11.000 Kilometer Schnellstraßen.[40] Einer großen Bedeutung kommt dem Busverkehr zu. Das Rückgrat bilden gebührenpflichtige Autobahnen (Autopistas de cuota) zwischen den großen Städten. Insbesondere die Achse Mexiko-Stadt–Querétaro–Monterrey im Inland und die Küstenautobahnen sind gut ausgebaut. Dagegen sind Landstraßen in entlegenen Gebieten oft in schlechtem Zustand. Der motorisierte Individualverkehr ist sehr hoch, was in Großstädten regelmäßig zu Staus und Luftverschmutzung führt. Projekte wie neue Umgehungsstraßen oder ÖPNV-Ausbau (z. B. Metrobussysteme) sollen dem begegnen.
Schienenverkehr

Das Eisenbahnnetz (ca. 23.000 km) wird vorwiegend für den Gütertransport genutzt.[41] In den 1990ern privatisiert und in Konzessionen aufgeteilt, verbinden Güterbahnen wichtige Industriezentren und Häfen (z. B. die Bahnstrecke Lázaro Cárdenas–Monterrey–USA für Containerverkehr). Der Personenfernverkehr per Zug war jahrzehntelang nahezu eingestellt, erlebt aber mit neuen Projekten ein Comeback. So befindet sich der Tren Maya, eine 1.554 km lange Eisenbahn im Südosten (Yucatán-Halbinsel). Dieses Großprojekt soll touristische Zentren (Cancún, Palenque, Mérida u. a.) verbinden und die wirtschaftliche Entwicklung der strukturschwachen Südost-Region fördern. Ein weiteres Prestigeprojekt ist der Interozeanische Korridor am Isthmus von Tehuantepec: Hierbei handelt es sich um eine rund 303 km lange modernisierte Bahnlinie quer über die schmalste Stelle Mexikos, die den Pazifikhafen Salina Cruz mit dem Atlantikhafen Coatzacoalcos verbindet. Der erste Güterzug fuhr im Juli 2024.[42]
Luftverkehr
Mexiko hat über 60 internationale und nationale Flughäfen. Der Flughafen von Mexiko-Stadt (Benito Juárez) ist der größte Lateinamerikas nach Passagieraufkommen. Aufgrund von Kapazitätsengpässen sollte ein neuer Mega-Flughafen (NAIM in Texcoco) gebaut werden, der jedoch 2018 nach fortgeschrittenem Bau durch die Regierung López Obrador gestoppt wurde. Stattdessen wurde der bestehende Militärflugplatz Felipe Ángeles (nahe Mexiko-Stadt) 2022 zu einem zivilen Flughafen ausgebaut, um die Hauptstadtregion zu entlasten. Weitere wichtige Airports sind Cancún (tourismusstark), Guadalajara, Monterrey und Tijuana. Die staatliche Fluggesellschaft Mexicana stellte 2010 den Betrieb ein; der Markt wird heute von privaten Airlines (Aeroméxico, Volaris, VivaAerobus u. a.) bedient.
Energie- und Versorgungsinfrastruktur
Etwa 99 % der Bevölkerung haben Zugang zu Elektrizität. Das Stromnetz ist weitgehend zuverlässig im industriellen Norden, aber störungsanfälliger in abgelegenen Landesteilen. Die Energieerzeugung basiert auf Gas-/Ölkraftwerken, ergänzt durch Wasserkraftwerke und zunehmend Wind- und Solarparks. Der Ausbau erneuerbarer Energien geht voran, allerdings verzögerten regulatorische Änderungen jüngst einige Investitionen. Die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung sind in Großstädten gut, auf dem Land jedoch oft unzureichend – rund 5 % der Bevölkerung haben keinen sicheren Trinkwasserzugang. Hier investiert die Regierung in Brunnen- und Leitungsprojekte. Im Telekommunikationsbereich ist die Mobilfunkabdeckung hoch (über 115 Millionen Mobilanschlüsse), und seit Liberalisierung haben die Preise für Telefonie und Internet deutlich nachgelassen.
Lebensstandard
Mexiko wird von der Weltbank als Land mit oberen mittleren Einkommen eingestuft und das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt liegt bei über 10.000 US-Dollar und bei über 20.000 US-Dollar bereinigt nach Kaufkraftparität. Trotz seiner Rolle als aufstrebende Wirtschaftsmacht bleibt der Lebensstandard in Mexiko hinter dem von Industrieländern zurück. Im Index der menschlichen Entwicklung (HDI) liegt Mexiko im oberen Mittelfeld: Platz 81 von 191 Ländern (Wert 0,758 im Bericht 2022).[43] Innerhalb Lateinamerikas entspricht das einer mittleren Position – deutlich hinter Chile, Argentinien oder Uruguay, aber vor Ländern wie Guatemala oder Honduras. Die Lebenserwartung beträgt etwa 75 Jahre, die Analphabetenquote der jungen Generation ist gering, und grundlegende soziale Dienste sind weit verbreitet. Allerdings leidet Mexiko unter großer Ungleichheit in Einkommen und Vermögen. Der Gini-Koeffizient der Einkommensverteilung liegt bei etwa 0,45–0,48, was Mexiko zu einem der ungleichsten OECD-Länder macht. Tatsächlich hat Mexiko die zweithöchste Einkommensungleichheit unter den 38 OECD-Mitgliedern.[16]
Laut offizieller multidimensionaler Armutsmessung lebten 2022 noch über 35 % der Mexikaner in Armut. Die indigene Bevölkerung (ca. 10 % der Gesamtbevölkerung) ist überproportional arm – über zwei Drittel der Indígenas leben unterhalb der Armutsgrenze.[43] Auch zwischen Stadt und Land gibt es große Unterschiede im Lebensstandard: Während in wohlhabenden Vierteln von Mexiko-Stadt oder Monterrey Lebensverhältnisse fast OECD-Niveau erreichen, fehlt es in abgelegenen Dörfern oft an Bildung, Gesundheit und Einkommen. Sozialpolitisch hat die Regierung verschiedene Transferprogramme etabliert (z. B. vormals „Progresa/Oportunidades“, heute „Bienestar“), die Familien, Senioren oder Studenten unterstützen und Armut lindern sollen. Sozialausgaben in Mexiko lagen 2018 allerdings bei weniger als 2 Prozent des BIP.[44]
Positiv verzeichnet Mexiko Fortschritte in Bereichen wie Bildung (Einschulungsraten nahe 100 %, durchschnittliche Schulbesuchsdauer ~9 Jahre) und Gesundheit (Breite Grundversorgung, aber qualitative Unterschiede zwischen staatlichen und privaten Einrichtungen). Probleme des Lebensstandards betreffen auch die öffentliche Sicherheit, hohe Kriminalitätsraten beeinträchtigen die Lebensqualität vieler Menschen. Im internationalen Vergleich (z. B. Wohlstandsindexe) liegt Mexiko häufig im Mittelfeld: Die subjektive Lebenszufriedenheit ist trotz objektiver Schwierigkeiten relativ hoch.[45]
Arbeitsmarkt
Der mexikanische Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch eine hohe Beschäftigungsquote, aber auch durch große Informalität und Unterbeschäftigung. Von den etwa 60 Mio. Erwerbspersonen (2023) arbeitet über die Hälfte informell, d. h. ohne formalen Arbeitsvertrag, Sozialversicherung oder arbeitsrechtlichen Schutz.[43] Dieser informelle Sektor umfasst Kleinsthandel, Handwerk, Tagelöhner in der Landwirtschaft, häusliche Dienste und viele selbständige Tätigkeiten. Informalität bedeutet in Mexiko oft niedrige Löhne, fehlende Absicherung und geringe Produktivität – stellt aber für Millionen Menschen die einzige Erwerbsmöglichkeit dar. Die offizielle Arbeitslosenquote ist traditionell relativ niedrig (2025 ca. 3 % laut INEGI)[46], da viele sich mit Gelegenheitsjobs behelfen. Allerdings erfasst diese Quote nicht das Problem der Unterbeschäftigung: Viele Mexikaner arbeiten weniger Stunden als gewünscht oder in Tätigkeiten unterhalb ihrer Qualifikation. Besonders Jugendliche und Hochschulabsolventen haben Schwierigkeiten, angemessene formale Jobs zu finden, was sich auch in Emigration in die USA widerspiegelt.
Ein chronisches Problem ist die Produktivitätslücke zwischen dem formalem und informellem Sektor. Während große Unternehmen (oft international verflochten) hohe Produktivität und teils gut qualifizierte Arbeitskräfte aufweisen, ist die Produktivität im informellen Kleingewerbe sehr niedrig. Die Produktivität pro Arbeitstunde lag 2023 in Mexiko bereinigte für lokale Preise und Kaufkraft bei 20 US-Dollar im Vergleich zu knapp 70 US-Dollar nördlich der Grenze in den USA.[47] Das Wachstum der Totalen Faktorproduktivität in Mexiko war über die letzte 30 Jahre negativ, weshalb es nicht gelang die Lücke zu entwickelten Ländern zu schließen. Wachstum beruhte hauptsächlich auf höherem Material- und Kapitaleinsatz und nicht auf höherer Effizienz und Innovation, auch da nur ca. 14 Prozent der Arbeitskräfte im Land über einen Hochschulabschluss verfügen und die FuE-Quote sehr niedrig ist.[48] Entsprechend war auch die Lohnentwicklung stagnant, mit keinen nennenswerten Zuwächsen bei den Reallöhnen zwischen 2000 und 2024.[49]
Regionale Unterschiede

Die Wirtschaft Mexikos ist durch erhebliche regionale Entwicklungsunterschiede geprägt. Grundsätzlich lässt sich eine Nord-Süd-Spaltung beobachten: Der industrialisierte Norden und die Metropolregion im Zentrum sind deutlich wohlhabender als der agrarisch geprägte Süden des Landes. Nordmexiko (Bundesstaaten wie Nuevo León, Coahuila, Chihuahua, Baja California) profitiert von der Nähe zu den USA, vielen Maquiladora-Fabriken und einer langen Industrialisierungstradition. Das Pro-Kopf-Einkommen dort liegt weit über dem Landesdurchschnitt. So hat Nuevo León (mit der Hauptstadt Monterrey) ein BIP pro Kopf, das fast drei Mal so hoch ist wie der mexikanische Durchschnitt. Diese Region beherbergt zahlreiche Großunternehmen (z. B. Cemex, Alfa, FEMSA) und zieht auch Arbeitskräfte aus ärmeren Landesteilen an. Zentralmexiko umfasst die Hauptstadt Mexiko-Stadt und umliegende Bundesstaaten (México, Querétaro, Puebla, Jalisco etc.). Die Hauptstadtregion ist wirtschaftlich dominant. Dort konzentrieren sich Regierung, Finanzwesen, Dienstleistungssektor und industrielle Cluster (z. B. die Kfz-Industrie in Puebla), obwohl es hier auch arme Gebiete gibt (z. B. Nezahualcóyotl).
Südmexiko (etwa Chiapas, Oaxaca, Guerrero) hingegen bleibt ökonomisch zurück. Diese überwiegend ländlichen Bundesstaaten haben hohe Armutsraten, geringere Infrastruktur und wenig Industrie. Viele Gemeinden dort leben von Subsistenzlandwirtschaft, staatlichen Transferleistungen oder Abwanderungsremissen. Die indigene Bevölkerung ist in diesen Regionen konzentriert und von marginalisierter sozialer Lage betroffen. Die regionale Ungleichheit äußert sich in Indikatoren wie Bildungsgrad, Gesundheitsversorgung und Armutsquoten. Während in Nuevo León oder der Hauptstadtregion weniger als 5 % in extremer Armut leben, sind es in Chiapas oder Guerrero über 20 %. Ähnlich bei Analphabetismus: In den ärmsten Gemeinden können bis zu 15 % der Erwachsenen nicht lesen, während es in wohlhabenden Gegenden nahezu 0 % sind. Diese Disparitäten haben historische Ursachen (Kolonialmacht konzentrierte Entwicklung auf Zentralmexiko, Vernachlässigung des Südens) und werden durch Migrationsbewegungen verstärkt.
Monterrey und Mexiko-Stadt gelten als die beiden dominanten Wirtschaftszentren des Landes. Mexiko-Stadt (CDMX) ist politisches, kulturelles und finanzielles Zentrum mit diversifizierter Wirtschaft (von Dienstleistungen bis Medien und Industrie im Umland). Insgesamt hat die Hauptstadtregion einen Anteil von knapp 20 Prozent am gesamten BIP. Monterrey gilt als zweites Wirtschaftszentrum Mexikos und die wichtigste Wirtschaftsstadt des prosperierenden Nordens. Hier sind viele Konzerne ansässig, die Stadt weist eine modern ausgebaute Infrastruktur auf und hat einen Lebensstandard vergleichbar mit Südeuropa. Andere wichtige urbane Zentren sind Guadalajara (Technologie- und Elektronikindustrie), Tijuana (Maquiladoras, Handel mit Kalifornien), Ciudad Juárez (größter Maquiladora-Standort an der Grenze), Puebla und Querétaro (Automobil und Luftfahrtindustrie) sowie Cancún (Tourismus).
Kennzahlen


Verschiedene makroökonomische Indikatoren der mexikanischen Wirtschaft von 1980 bis 2024. Alle BIP-Werte sind in Internationalen Dollar angegeben.[50] Inflationsraten unter 5 Prozent sind mit einem grünen Pfeil versehen.
| Jahr | BIP (in Mrd. Int. Dollar) |
BIP pro Kopf (in Int. Dollar) |
BIP Wachstum (real) |
Inflationsrate (in Prozent) |
Arbeitslosenquote (in Prozent) |
Staatsverschuldung (in % des BIP) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1980 | 441,5 | 6486 | 9,5 % | 26,5 % | 1,2 % | n/a |
| 1981 | 529,6 | 7597 | 9,6 % | 28,0 % | 0,9 % | n/a |
| 1982 | 562,1 | 7875 | –0,1 % | 59,1 % | 4,2 % | n/a |
| 1983 | 557,1 | 7627 | –4,6 % | 101,8 % | 6,1 % | n/a |
| 1984 | 597,5 | 7997 | 3,5 % | 65,4 % | 5,6 % | n/a |
| 1985 | 628,2 | 8225 | 1,9 % | 57,8 % | 4,4 % | n/a |
| 1986 | 615,6 | 7890 | –3,9 % | 86,4 % | 4,3 % | n/a |
| 1987 | 643,9 | 8083 | 2,1 % | 132,0 % | 3,9 % | n/a |
| 1988 | 674,7 | 8301 | 1,2 % | 113,5 % | 3,5 % | n/a |
| 1989 | 726,6 | 8766 | 3,6 % | 19,9 % | 2,9 % | n/a |
| 1990 | 793,4 | 9389 | 5,3 % | 26,7 % | 2,7 % | n/a |
| 1991 | 852,8 | 9902 | 4,0 % | 22,6 % | 2,7 % | n/a |
| 1992 | 903,4 | 10295 | 3,6 % | 15,5 % | 2,8 % | n/a |
| 1993 | 951,3 | 10645 | 2,9 % | 9,8 % | 3,4 % | n/a |
| 1994 | 1014,3 | 11152 | 4,4 % | 7,0 % | 3,7 % | n/a |
| 1995 | 974,4 | 10533 | –5,9 % | 35,1 % | 6,2 % | n/a |
| 1996 | 1053,9 | 11211 | 6,2 % | 34,4 % | 5,5 % | 42,5 |
| 1997 | 1149,3 | 12042 | 7,2 % | 20,6 % | 3,7 % | 39,1 |
| 1998 | 1234,1 | 12749 | 6,2 % | 15,9 % | 3,2 % | 39,7 |
| 1999 | 1286,0 | 13111 | 2,8 % | 16,6 % | 2,5 % | 41,7 % |
| 2000 | 1381,3 | 13901 | 5,0 % | 9,5 % | 2,2 % | 38,5 % |
| 2001 | 1406,0 | 13957 | –0,5 % | 6,4 % | 2,8 % | 37,3 % |
| 2002 | 1424,5 | 13943 | –0,2 % | 5,0 % | 3,0 % | 39,9 % |
| 2003 | 1469,9 | 14190 | 1,2 % | 4,6 % | 3,4 % | 42,1 % |
| 2004 | 1563,2 | 14892 | 3,6 % | 4,7 % | 3,9 % | 38,9 % |
| 2005 | 1646,3 | 15477 | 2,1 % | 4,0 % | 3,5 % | 36,8 % |
| 2006 | 1778,6 | 16486 | 4,8 % | 3,6 %v | 3,6 % | 35,8 % |
| 2007 | 1864,7 | 17024 | 2,1 % | 4,0 % | 3,7 % | 35,5 % |
| 2008 | 1918,6 | 17242 | 0,9 % | 5,1 % | 3,9 % | 40,6 % |
| 2009 | 1808,9 | 16004 | –6,3 % | 5,3 % | 5,4 % | 41,7 % |
| 2010 | 1921,9 | 16748 | 5,0 % | 4,2 % | 5,3 % | 40,2 % |
| 2011 | 2029,1 | 17425 | 3,4 % | 3,4 % | 5,2 % | 41,2 % |
| 2012 | 2140,3 | 18129 | 3,6 % | 4,1 % | 4,9 % | 40,8 % |
| 2013 | 2195,3 | 18356 | 0,9 % | 3,8 % | 4,9 % | 44,1 % |
| 2014 | 2289,5 | 18914 | 2,5 % | 4,0 % | 4,8 % | 47,1 % |
| 2015 | 2373,2 | 19394 | 2,7 % | 2,7 % | 4,3 % | 51,0 % |
| 2016 | 2438,2 | 19728 | 1,8 % | 2,8 % | 3,9 % | 55,0 % |
| 2017 | 2528,3 | 20263 | 1,9 % | 6,0 % | 3,4 % | 52,5 % |
| 2018 | 2606,3 | 20685 | 2,0 % | 4,9 % | 3,3 % | 52,2 % |
| 2019 | 2636,5 | 20725 | –0,4 % | 3,6 % | 3,5 % | 51,9 % |
| 2020 | 2454,1 | 19141 | –8,4 % | 3,4 % | 4,4 % | 58,5 % |
| 2021 | 2684,7 | 20814 | 6,0 % | 5,7 % | 4,1 % | 56,7 % |
| 2022 | 2982,8 | 22951 | 3,7 % | 7,9 % | 3,3 % | 53,8 % |
| 2023 | 3192,0 | 24341 | 3,3 % | 5,5 % | 2,8 % | 52,8 % |
| 2024 | 3316,7 | 25074 | 1,5 % | 4,7 % | 2,7 % | 58,4 % |