Wladimir Dawidowitsch Aschkenasi

russischer Pianist und Dirigent From Wikipedia, the free encyclopedia

Wladimir Dawidowitsch Aschkenasi (russisch Владимир Давидович Ашкенази, wiss. Transliteration Vladimir Davidovič Aškenazi, international unter der englischen Transkription seines Namens Vladimir Ashkenazy bekannt; * 6. Juli 1937 in Gorki, Sowjetunion) ist ein russischer Pianist und Dirigent mit isländischer Staatsbürgerschaft und Wohnsitz in der Schweiz.

Vladimir Ashkenazy, 2007

Leben

Vladimir Ashkenazy stammt aus einer musikalischen Familie. Sein jüdischer Vater David Ashkenazy (1915–1997) war Pianist und Komponist in der Unterhaltungsbranche; seine Mutter Jewstolia Grigorjewna Ashkenazy, geborene Plotnowa, war Schauspielerin und Tochter einer russischen Landarbeiterfamilie. 1943 übersiedelte die Familie Ashkenazy nach Moskau, wo sie sich über 13 Jahre eine Wohnung mit anderen Familien teilte. Mit sechs Jahren begann Ashkenazy mit dem Klavierspiel und zeigte schon früh eine außergewöhnliche Begabung. Als Absolvent des renommierten Moskauer Konservatoriums (wo er unter anderem Klavier bei Lew Oborin studiert hatte) gewann er 1955 den zweiten Preis beim Chopin-Wettbewerb in Warschau. 1956 durfte er erstmals in den Westen reisen, um am Wettbewerb Concours Reine Elisabeth in Brüssel teilzunehmen. Dort gewann er den ersten Preis, ebenso wie 1962 beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau.

Musikalisches Wirken

Vladimir Ashkenazy verfügt über ein sehr umfassendes Klavierrepertoire, meidet aber zeitgenössische Musik. Eigenen Angaben zufolge hat er kleine Hände und kurze Finger,[1] spielt aber auch viele Werke, die für große Hände konzipiert sind, wie viele Klavierwerke etwa von Sergej Rachmaninoff.

Seine pianistische Aufnahmetätigkeit ist sehr umfangreich und umfasst beide Teile des Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach, alle Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart, sämtliche Klavier-, Violin- und Cello-Sonaten von Ludwig van Beethoven (letztere gemeinsam mit Itzhak Perlman bzw. Lynn Harrell), Klavierkonzerte und Klaviertrios (letztere ebenfalls zusammen mit Itzhak Perlman und Lynn Harrell), den Großteil der Klavierwerke von Frédéric Chopin und Robert Schumann, die zehn Klaviersonaten von Alexander Skrjabin, die fünf Klavierkonzerte von Sergej Prokofjew, die drei Klavierkonzerte von Béla Bartók sowie viele weitere Einspielungen mit Solorepertoire für Klavier und Kammermusik.

Vladimir Ashkenazys Einspielungen als Dirigent umfassen unter anderem sämtliche Sinfonien von Felix Mendelssohn Bartholdy, Jean Sibelius, Alexander Skrjabin, Sergej Rachmaninoff und Dmitri Schostakowitsch sowie Orchesterwerke von Richard Strauss.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Diskografie ist das musikalische Schaffen von Sergej Rachmaninoff. Vladimir Ashkenazy hat alle Solo-Klavierwerke und die vier Klavierkonzerte (diese auch mehrfach) eingespielt, sämtliche Lieder (gemeinsam mit Elisabeth Söderström), alle Werke für zwei Klaviere (gemeinsam mit André Previn) sowie, als Dirigent, die großen Orchesterwerke einschließlich der vier Klavierkonzerte (mit Jean-Yves Thibaudet als Solisten). Darüber hinaus war Vladimir Ashkenazy erster Präsident der Rachmaninoff Society.[2]

Bereits seit seinem Umzug nach Island 1968 hatte Vladimir Ashkenazy seine dirigentischen Fähigkeiten weiterentwickelt. 1978 trat er erstmals öffentlich als Dirigent in Erscheinung. Von 1987 bis 1994 war er Leiter des Royal Philharmonic Orchestra. Von 1989 bis 1999 leitete er außerdem als Nachfolger von Riccardo Chailly das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin. Danach hatte er bis 2003 die Leitung der Tschechischen Philharmonie und bis 2007 die Leitung des NHK-Sinfonieorchesters Tokio inne. Von 2009 bis 2014 war Ashkenazy Chefdirigent des Sydney Symphony Orchestra.

Persönliches

1961 heiratete Vladimir Ashkenazy die isländische Pianistin Þórunn (Dódý) Jóhannsdóttir (* 1939),[3] die am Konservatorium in Moskau Klavier bei Lew Oborin studierte.[4] Von 1968 bis 1978 lebte die Familie Ashkenazy in Island; seit 1972 hat Vladimir Ashkenazy die isländische Staatsbürgerschaft.

Vladimir Ashkenazy hat gemeinsam mit seiner Frau Dódý fünf Kinder, darunter den Pianisten Vladimir „Vovka“ Aschkenazy (* 1961) und den Klarinettisten Dimitri Ashkenazy (* 1969), die die musikalische Tradition der Familie weiterführen. Seit 1978 lebt Vladimir Ashkenazy mit seiner Familie in Meggen bei Luzern (Schweiz).

Bereits seit 2007 trat Vladimir Ashkenazy aus gesundheitlichen Gründen (Arthritis in den Händen) nicht mehr öffentlich als Pianist auf,[5] machte aber weiterhin Einspielungen und blieb als Dirigent öffentlich aktiv. Im Januar 2020 gab Vladimir Ashkenazy über seinen Manager Jasper Parrott mit sofortiger Wirkung den Rückzug von allen musikalischen Auftritten bekannt.[6][7]

Auszeichnungen

Literatur

Commons: Vladimir Ashkenazy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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