Grigori Lipmanowitsch Sokolow

russischer Pianist From Wikipedia, the free encyclopedia

Grigori Lipmanowitsch Sokolow (russisch Григорий Липманович Соколов, wiss. Transliteration Grigorij Lipmanovič Sokolov; * 18. April 1950 in Leningrad) ist ein russischer Pianist. Er gilt als einer der bedeutendsten Pianisten der Gegenwart.[2]

Schnelle Fakten
Grigori Sokolow (2015)
Grigori Sokolow (2015)
Chart­plat­zie­rungen
Erklärung der Daten
Alben[1]
The Salzburg Recital
 DE3230.01.2015(5 Wo.)
 AT2530.01.2015(3 Wo.)
Schubert//Beethoven
 DE3622.01.2016(3 Wo.)
 AT3929.01.2016(1 Wo.)
Mozart – Rachmaninov: Concertos & A Conversation That Never Was
 DE8317.03.2017(1 Wo.)
Beethoven · Brahms · Mozart
 DE4815.05.2020(1 Wo.)
 CH9117.05.2020(1 Wo.)
Schließen

Leben

Grigori Sokolow während eines Konzerts im Kongresshaus Stadthalle Heidelberg (2015)

Bekanntheit erlangte der Absolvent des Leningrader Konservatoriums durch den Sieg beim 3. Moskauer Tschaikowski-Wettbewerb 1966, der ihm nach einer Intervention des Jury-Vorsitzenden Emil Gilels unter großem Protest des Publikums zugesprochen wurde.[3][4]

Obwohl Sokolow in den 1970er und 1980er Jahren in der damaligen Sowjetunion eine beeindruckende Karriere machte, durfte er nur selten zu Konzertauftritten ins Ausland reisen, was ihn im Westen nur langsam bekannt werden ließ. Er gibt zudem ungern Interviews, spielt keine Aufnahmen in Studios ein und tritt nicht mit Orchester auf, da ihm die Probenzeiten für Orchesterkonzerte zu kurz sind.[5] Er spricht fließend Deutsch mit einem sanften russischen Akzent. Sokolow konzertiert ausschließlich auf Steinway-Flügeln, Modell D-274.[6] Gefürchtet ist seine penible Art, die Stimmung des Instruments auch kurz vor Konzertbeginn noch korrigieren zu lassen.

Inzwischen hat Sokolow über 1000 Konzerte gegeben, die oftmals begeisterte Kritiken erhielten, darunter in der Carnegie Hall in New York und im Wiener Musikvereinssaal. Der zurückhaltend auftretende Künstler veröffentlichte Platteneinspielungen bei dem kleinen französischen Label Opus 111, das zu dem Independent-Label Naïve Records gehört. Darunter sind Werke von Bach, Beethoven, Brahms und Chopin.

Seine Programmzusammenstellungen erinnern an die große Zeit der russischen Virtuosenschule, die u. a. auf Anton Rubinstein zurückgeht. So scheut sich Sokolow keineswegs, einen Abend mit Johann Jakob Froberger zu beginnen und mit Alexander Skrjabin zu beenden.

Die Deutsche Grammophon veröffentlichte im Januar 2015 einen Mitschnitt von Sokolows Salzburger Festspielkonzert im Sommer 2008 unter dem Namen The Salzburg Recital. Die Veröffentlichung wurde in der Presse überaus positiv besprochen[7] und im Oktober 2015 mit dem Echo Klassik in der Kategorie Solistische Einspielung des Jahres ausgezeichnet. Im September 2015 sorgte Sokolow für Aufsehen, als er den italienischen Musikpreis Cremona Music Award vor dessen Verleihung zurückwies, was er in Form einer handschriftlichen Notiz auf seiner Webseite begründete.[8]

Die Musikkritikerin Julia Spinola (* 1962) schrieb 2010 nach einem Konzert in der Heidelberger Stadthalle: „Grigorij Sokolov ist einzigartig. Ein Pianist, dessen Genie die Möglichkeiten der Kategorisierung, des stilistischen Vergleichs und der metaphorischen Umschreibung auf so radikale Weise zu sprengen scheint, dass man sich beim Versuch einer Annäherung an seine Größe zunächst einmal schmerzhaft zurückgeworfen sieht auf die nicht einzulösende Notwendigkeit, für dieses pianistische Phänomen eine eigene Sprache erst erfinden zu müssen. Eine Kluft tut sich auf zwischen dem Kosmos des Gehörten und der Welt des Begriffs, kaum dass der letzte Ton im Konzertsaal verklungen ist.“[9] Die Musikkritikerin Dorothea Walchshäusl (* 1985) rühmte 2015 Sokolows „makellose, brillant virtuose Technik“, die „den Klang voll und satt […], aber nie massiv“ wirken lässt und dadurch eine „Freilegung höchster Musikalität“ ermöglicht.[10]

Sokolow ist verwitwet und lebt in Sankt Petersburg[11] und Verona.[12][13]

Sokolow erhielt 2022 „in Anbetracht der außergewöhnlichen Umstände“ die spanische Staatsbürgerschaft.[14]

Zitat

„Die Kunst ist ein Paralleluniversum zur Wirklichkeit.“

Grigori Sokolow in einem Interview mit Christine Lemke-Matwey: Die Zeit / 28. Januar 2016[15]

Auszeichnungen und Ehrungen

Aufnahmen (Auswahl)

Tonträger

DVD

Literatur

  • Carsten Dürer: Grigory Sokolov: Von der Freiheit des Künstlers. (4/2000) In: Carsten Dürer (Hrsg.): Gespräche mit Pianisten. Staccato-Verlag, Düsseldorf 2002, ISBN 3-932976-18-5, Seiten 368 bis 376.
  • Jan Brachmann: Grigori Sokolow wird 70. Das Unwiederbringliche als Fest. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. April 2020.
Commons: Grigori Lipmanowitsch Sokolow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

Related Articles

Wikiwand AI