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Yair Qedar

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Yair Qedar (hebräisch יאיר קדר; geboren am 13. Juni 1969 in Afula) ist ein israelischer Dokumentarfilmer, Filmproduzent, Journalist, Festivalkurator und LGBTQ-Aktivist. Bekannt wurde er durch sein Filmprojekt The Hebrews (Ha'Ivrim), eine Reihe biografischer Dokumentarfilme über Persönlichkeiten der hebräischen Literatur und der jüdischen Geistesgeschichte.[1] Seine 19 abendfüllenden Dokumentarfilme feierten ihre Premieren auf Filmfestivals und wurden mit über 40 Preisen ausgezeichnet.[1] Die Jerusalem Post bezeichnete ihn als „herausragenden Dokumentarfilmer“ (distinguished documentary filmmaker).[2]

Yair Qedar (2023)

Journalismus und Aktivismus

Qedar wuchs in Afula auf und studierte hebräische Literatur des 20. Jahrhunderts an der Universität Tel Aviv, wo er einen Bachelor- und einen Masterabschluss erwarb.[3] Seit den frühen 1990er Jahren arbeitete er als Journalist und Redakteur, unter anderem für Haaretz und Davar, und war Redakteur sowie stellvertretender Chefredakteur des Reisemagazins Masa Acher.[4] Für seine journalistische Arbeit erhielt er 2003 den B'nai-B'rith-Preis für jüdischen Journalismus sowie 2005 und 2006 den Euromed-Heritage-Journalistenpreis der Europäischen Union für Berichterstattung im Mittelmeerraum.[5]

Qedar gehört zu den prominenten Aktivisten der israelischen LGBT-Gemeinschaft. Er gründete mit HaZman HaVarod („Die rosa Zeit“) die erste Zeitung für Schwule, Lesben und Transgender in Israel und war deren Chefredakteur.[6] 2010 war er Mitbegründer der Organisation Rainbow Families, die sich für die Rechte von LGBT-Familien in Israel einsetzt; 2021 initiierte er mit Partnern das Proud Community Heritage Project zur Bewahrung der Geschichte der LGBT-Gemeinschaft.[7]

Filmkarriere

Gay Days und frühe Filme

Sein Spielfilmdebüt Gay Days (2009) dokumentiert die Entstehung der LGBT-Gemeinschaft in Israel – die sogenannte „rosa Revolution“ – anhand seiner eigenen Geschichte und der Geschichten prominenter schwuler und lesbischer Israelis, darunter Dana International und Eytan Fox. Der Film feierte Premiere beim Docaviv-Festival in Tel Aviv und lief 2010 in der Sektion Panorama der 60. Berlinale.[8]

The Hebrews

Nach seinem Literaturstudium startete Qedar das Projekt „The Hebrews“: einstündige biografische Dokumentarfilme über Schriftsteller und Dichter des hebräischen Literaturkanons, die Archivmaterial, Interviews, Klangfragmente und zeitgenössische Animation verbinden. Die Filme liefen auf Festivals, im israelischen Fernsehen sowie in Kinos, Cinematheken und Kulturzentren in den USA, Kanada, Europa, Australien und Russland; das Jüdische Museum Berlin widmete der Reihe eine eigene Präsentation.[1]

Zu den Filmen der Reihe gehören The 5 Houses of Leah Goldberg (2011) über Lea Goldberg, der drei Preise des israelischen Dokumentarfilmwettbewerbs gewann; The Seven Tapes (2012) über Jona Wallach, ausgezeichnet als bester Dokumentarfilm des Jahres; Bialik, King of the Jews (2014) über Chaim Nachman Bialik; The Awakener (2015) über Josef Chaim Brenner; Zelda, A Simple Woman (2015), das beim Jerusalem Film Festival den Jewish Experience Award gewann;[9] Black Honey (2018) über den jiddischen Dichter Abraham Sutzkever, Gewinner des Publikumspreises beim Chicago International Film Festival; und Vogel Lost Vogel (2018) über David Vogel. 2016 erhielt Qedar gemeinsam mit Dina Perlstein den Preis des israelischen Bildungsministeriums für jüdische Kultur im Bereich Film.[10]

The Fourth Window (2021) über den Schriftsteller Amos Oz – koproduziert von Kan, Arte/ZDF und SVT – lief beim Thessaloniki Documentary Festival und beim Warschauer Filmfestival und gewann beim Mumbai International Film Festival den Preis als bester Dokumentarfilm.[11] Im selben Jahr erschien The Last Chapter of A. B. Yehoshua über Abraham B. Jehoschua.[12]

Trilogie über jüdische Denker

Als Produzent verantwortete Qedar Spinoza: 6 Reasons for the Excommunication of the Philosopher (2023) über Baruch Spinoza und The Activist. Karl Marx (2023) über Karl Marx.[13] Den Abschluss der Trilogie über jüdische Denker bildet Outsider. Freud (2025) über Sigmund Freud, eine Koproduktion zwischen Israel, Österreich und Deutschland unter Beteiligung von Kan, ORF, RBB, Arte und SVT. Qedar arbeitete rund fünf Jahre an dem Film – länger als an jedem seiner früheren Filme – und unterzog sich während der Arbeit selbst einer Psychoanalyse.[2] Über die Herausforderung sagte er der Jerusalem Post: „Das Problem bei einem Film über Freud ist, dass es zu viele Informationen gibt – er ist die meistbeschriebene Person der modernen Welt. […] Ich musste die gewohnte Darstellung beiseitelegen und entscheiden, wie wir uns dem bekannten Freud neu nähern können.“[2]

Der Film gewann den Gradiva Award 2025 der American Psychoanalytic Foundation als bester Dokumentarfilm und wurde weltweit in Zusammenarbeit mit psychoanalytischen Gesellschaften gezeigt, unter anderem in den Freud-Museen in Wien und London, in der Library of Congress sowie an Universitäten wie Cambridge, Oxford, Cornell und Stanford.[14][15] Wilfried Hippen würdigte in der taz Qedars „Mischung aus Dokumentar- und Arthousefilm“ als „stilistisch reizvoll“.[16]

ALEPH-Festival

2026 gründete Qedar das ALEPH-Festival, ein internationales Festival für hebräische Sprache und Kultur, das unter seiner künstlerischen Leitung zeitgleich Veranstaltungen in Berlin, London, Stockholm, New York, Boston und Hollywood (Florida) ausrichtet und Kino, Literatur und darstellende Künste verbindet.[17]

Qedar lehrte Film unter anderem an der Sam Spiegel Film School in Jerusalem und am Shenkar College.

Privatleben

Qedar lebt in Tel Aviv. 2003 wurde sein Sohn geboren, den er gemeinsam mit der Journalistin Zahara Ron erzieht. 2017 heiratete er Gidon Yona in einer zivilen Trauung in Dänemark, die später vom israelischen Innenministerium anerkannt wurde.[3]

Filmografie (Auswahl)

  • 2009: Gay Days
  • 2011: The 5 Houses of Leah Goldberg
  • 2012: The Seven Tapes
  • 2014: Bialik, King of the Jews
  • 2015: The Awakener
  • 2015: Zelda, A Simple Woman
  • 2018: Black Honey – The Life and Poetry of Avraham Sutzkever
  • 2018: Vogel Lost Vogel
  • 2019: Levantine (Produzent)
  • 2021: The Fourth Window
  • 2021: The Last Chapter of A. B. Yehoshua
  • 2023: Spinoza: 6 Reasons for the Excommunication of the Philosopher (Produzent)
  • 2023: The Activist. Karl Marx (Produzent)
  • 2025: Outsider. Freud

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 2003: B'nai-B'rith-Preis für jüdischen Journalismus[5]
  • 2005, 2006: Euromed-Heritage-Journalistenpreis der Europäischen Union[5]
  • 2012: Bester Dokumentarfilm, Israelischer Dokumentarfilmwettbewerb (The Seven Tapes)
  • 2015: Jewish Experience Award, Jerusalem Film Festival (Zelda, A Simple Woman)[9]
  • 2016: Preis des israelischen Bildungsministeriums für jüdische Kultur im Bereich Film[10]
  • 2017: Nominierung für den Ophir-Preis (Bester Kurzdokumentarfilm, Lilian)
  • 2019: Publikumspreis, Chicago International Film Festival (Black Honey)
  • 2021: Bester Dokumentarfilm, Mumbai International Film Festival (The Fourth Window)[11]
  • 2025: Gradiva Award für den besten Dokumentarfilm, American Psychoanalytic Foundation (Outsider. Freud)[14]
  • 2025: Bester dokumentarischer Animationsfilm, Jaipur International Film Festival (Outsider. Freud)[18]
Commons: Yair Qedar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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