Zentraler Omnibusbahnhof Hamburg

zentrale Haltestelle für den Fernbusverkehr von, nach und über Hamburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) Hamburg ist die zentrale Haltestelle für den innerdeutschen- sowie den grenzüberschreitenden Fernbusverkehr von, nach und über Hamburg. Er wird auch als Bus Port Hamburg bezeichnet. Er liegt im Stadtteil St. Georg an der Adenauerallee direkt südöstlich vom Hauptbahnhof.

Schnelle Fakten Daten, Architektonische Daten ...
Zentraler Omnibusbahnhof Hamburg
Bussteig für Fernbusse des ZOB Hamburg
Daten
Bauform Kaiform
Bussteige 14
Eröffnung Juni 1951
Webadresse http://www.zob-hamburg.de/
Architektonische Daten
Planer ASW & sbp
Lage
Stadt Hamburg
Land Hamburg
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 33′ 7″ N, 10° 0′ 41″ O
Schließen
i7i12i13i15i16i16i18i20
Haltestelle der Stadtbusse an der Adenauerallee
Das markante neue Dach des ZOB Hamburg

Anfang der 2000er Jahre wurde die aus der Nachkriegszeit von 1950 stammende Anlage vollständig umgestaltet und deren Gebäude neu gebaut. Der Entwurf für den neuen ZOB ist aus einem internationalen Architektenwettbewerb hervorgegangen. Er zeigt sich im Stadtbild als großes, transluzentes Dach, das über dem Gelände schwebt. Dieses Dach, nachts beleuchtet, wird zum weithin sichtbaren Signet des neuen ZOBs und gibt ihm ein unverwechselbares Erscheinungsbild.

Das annähernd kreisabschnittförmige Dach steht auf einer dem Bogen der Bussteige folgenden Kolonnade und kragt zur Straße hin weit aus. Es wird durch einen sichelförmigen Ringträger mit angeschlossenen Kragträgern gebildet und steht auf 21 schlanken Stützen von 11 m Höhe. Darunter ist eine großflächige Glaseindeckung angehängt. Bei einer Länge von 170 m und einem Stich von 29 m wird eine Fläche von 3.400 m² überdeckt.

Die international verbreitete buchtenartige Anordnung der Bussteige, wo die Busse mit ihrer Front zum Einsteigen vor dem Gebäude stehen, wurde hier zum ersten Mal in Deutschland realisiert. Die nun im Gegensatz zu früher im Uhrzeigersinn befahrene Anlage wurde am 24. Mai 2003 eröffnet.[1]

2006 erhielten das Bauwerk, der Bauherr und die Planer, das Architekturbüro ASW Architekten Silcher, Werner und Redante aus Hamburg und das Ingenieurbüro Schlaich Bergermann und Partner aus Stuttgart, den „Outstanding Structure Award“ der IABSE.

Zahlen

2013 gab es 38.830 Abfahrten am Hamburger ZOB, die von geschätzt etwa drei Millionen Fahrgästen genutzt wurden. Die Verbindung mit der größten Nachfrage war die nach Berlin, die im Frühjahr 2014 über 30-mal täglich angeboten wurde.[2] Seit der Öffnung des Marktes 2013, sind die An- und Abfahrten weiter angewachsen.

Im Jahr 2019 verzeichnete der ZOB fast 90.000, Tendenz weiter steigend.

2020 brach – bedingt durch die Corona-Pandemie – das Fern- und Reisebusgeschäft drastisch ein und die An- und Abfahrten erreichten wieder den Wert von 2013. Seit dem Juli 2021 haben viele Busunternehmen ihre Fahrten wieder aufgenommen und ein Aufwärtstrend bezüglich des Marktes ist zu erkennen.

Anbindung an den ÖPNV

Der ZOB verfügt über einen direkten Zugang zum Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Hauptbahnhof Süd (U-Bahn-Linien U1 und U3). Über dieses lässt sich auch der etwa zwei bis drei Fußminuten entfernte Hauptbahnhof mit dem Fern- und Regionalverkehr sowie der S-Bahn erreichen.

Der ZOB wird außerdem von den in den HVV eingegliederten Metrobuslinien 2, 3 (nur nachts), 5, 16, 18 und 19, den Expressbuslinien X35 und X80, den Stadtbuslinien 120, 122, 124 und 224 sowie den Nachtbuslinien 601, 603, 606, 608, 609, 610 und 640 bedient.

Betreiber

Betreiber des ZOB ist die Zentral-Omnibus-Bahnhof „ZOB“ Hamburg GmbH, die mehrheitlich mit 72,12 % der stadteigenen Hamburger Hochbahn AG (HHA) gehört. Auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) sind an der Gesellschaft mit 11,54 % beteiligt. In den 1960er Jahren begannen und endeten hier zahlreiche Buslinien der VHH mit teilweise sehr dichtem Verkehr über Billstedt Richtung BergedorfGeesthachtLauenburg / Wentorf / Reinbek, GlindeNeuschönningstedtTrittau, über Rahlstedt nach Großensee nach Trittau, aber auch über Eidelstedt und Quickborn nach Bad Bramstedt / Hohenwestedt und Lutzhorn.

Spätestens 2019 sind die Überliegeplätze für die hier endenden Busse des innerstädtischen Linienverkehrs fast vollständig vom ZOB auf das östlich davon liegende Gelände der früheren Straßenbahnkehre verlegt worden. Dieses Gelände wird jedoch nicht durch die ZOB Hamburg GmbH betrieben.

Barrierefreiheit

Der Busbahnhof ist ebenerdig erreichbar und hat ein barrierefreies WC, der Eingang zur Wartehalle ist per Rollstuhl passierbar. Blindenleitlinien sind teilweise vorhanden, ebenso Blindenschrift im Aufzug und an der Treppe.

Geschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zur Befriedigung der gewachsenen Reisebedürfnisse viele Omnibus-Verbindungen im Regional- und Fernbereich. Die Busse der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE), der Verkehrsbetriebe des Kreises Stormarn (VKSt), der Postbus- und Bahnbus-Linien als auch zahlreicher privater Busbetreiber hatten ihre Abfahrtsstellen in Hamburg meist um den Hauptbahnhof verteilt. Zur besseren Übersicht für die Fahrgäste sollten die Ankunft- und Abfahrtsstellen zentralisiert werden und mehr Komfort bieten. So wurde eine Zentral-Omnibus-Bahnhof „ZOB“ GmbH unter Beteiligung der Hamburger Hochbahn AG (HHA), Deutschen Bundesbahn (DB), Deutschen Bundespost (DBP) und anderen gegründet.

Von Oktober 1950 bis Juni 1951 wurden an der Südseite der Großen Allee (heutiger Name Adenauerallee) zwischen Brockesstraße und Kreuzweg die Gebäude des neuen Zentralen Omnibus-Bahnhofs mit Haupthalle, Ladenzeile und Restaurant mit Integrierung des markanten, weiß angestrichenen, Rundbunkers sowie zehn Bussteige für die verschiedenen Abfahrten, gegliedert nach Richtungen bzw. Busbetreibern, und einem Ankunfts-Bussteig an der Südseite gebaut. In der Haupthalle gab eine 12 Meter lange Tafel Auskunft über die Ziele und Abfahrtszeiten der zunächst 62 dort abgehenden Buslinien, hier gab es auch eine Gepäckaufbewahrung, später umgebaut zu Gepäck-Schließfächern. Weitere Auskunft und Fahrkarten für Bus-, Eisenbahn- und Schiffslinien gab es im ZOB-Reisebüro, in den ersten Jahren gab es auch einen Auskunfts-Beamten mit „ZOB“-Mütze und einen Gepäckträger, außerdem konnten über eine Lautsprecheranlage Sonderwagen und Verspätungen angesagt werden.

Hier gab es auch ein Postamt und eine Expressgut-Abfertigung. In der 100 Meter langen überdachten Ladenzeile gab es 15 Ladengeschäfte, u. a. eine Bahnhofsbuchhandlung, ein Schnellimbiss, einen Friseur und eine Drogerie sowie Läden für Reisebedarf, Blumen, Tabakwaren und Reiseandenken, anfänglich auch für Bekleidung, Lederwaren, Möbel und damals gab es sogar einen Ausstellungsraum für Kraftfahrzeuge. Das rings um den Bunker angeordnete Restaurant der „ZOB-Gaststätten“ bot Platz für bis zu 300 Gäste, im Außenbereich konnten maximal weitere 250 Personen bedient werden.

Da die Fernbusse innerhalb der Busanlage wegen des beschränkten Platzes an den Bussteigen nur relativ kurz zum Fahrgastwechsel halten konnten, wurde östlich des Kreuzweges ein großer Platz für die während der Pausenzeiten wartenden Fernbusse eingerichtet. Später entstand hier auch eine Wendeschleife („Große Allee Schleife“) für die Straßenbahn, die bis Mai 1978 benutzt wurde. Heute wird der Platz nach Umbauten als Überliegeplatz für die wartenden Linienbusse genutzt.

Im ersten Betriebsjahr vom 1. Juni 1951 bis zum 31. Mai 1952 gab es rund 143.000 An- und Abfahrten im Linienverkehr, außerdem über 2000 Fahrten im Gelegenheitsverkehr. Der ZOB wurde damals durchschnittlich von rund 600 Omnibussen täglich benutzt, davon etwa 200 mit den damals zur Kapazitätssteigerung verbreiteten Busanhängern. Die Zahl der Reisenden im ersten Jahr wurde auf 6 Millionen geschätzt, die Gepäckaufbewahrung wurde mit rund 30.000 Gepäckstücken genutzt.[3]

Zu den Zielen der Linienbusse gehörten damals neben denen des Regionalbusverkehrs der BGE (Bergedorf, Vier- und Marschlande, Geesthacht und Lauenburg), der VKSt (Südstormarn), von Mullikas und Heinrich Prahl (Quickborn, Barmstedt, Bad Bramstedt und Hohenwestedt), verschiedenen Betreibern, u. a. die Kraftpost (Niedersachsen, besonders die Lüneburger Heide und der Harz), außerdem (Kiel, Flensburg, Bad Segeberg, Lübeck, Mölln und Ratzeburg sowie die Ostseebäder in Schleswig-Holstein), auch die weiteren Reiseziele in Deutschland wie Bremen, Hannover, Köln, Kassel, Frankfurt und Berlin und im Ausland (Kopenhagen, Stockholm, Oslo und Amsterdam).

Commons: Zentraler Omnibusbahnhof Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI