Zunftzeichen

Symbol für die Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die mittelalterlichen Zünfte symbolisierten ihr Berufs- und Gemeinschaftsverständnis in Form von Zunftzeichen. Diese Zeichen sind teilweise von einem Wappenschild umgeben. Neben Zunftzeichen in Form eines Symbols gibt es weitere Zunftzeichen.

Die Getreidegasse in Salzburg – ein gutes Beispiel für die Zunftzeichen, die als Nasenschilder ausgeführt sind.

Gestaltung und Verbreitung

Eisernes Tischzeichen der Schlosserzunft aus Ellwangen aus dem 18. Jahrhundert, heute im Landesmuseum Württemberg

Zunftzeichen dienten als Symbole der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Zünfte. Häufig dienten sie, auf einem Nasenschild dargestellt, als Logos der Handwerksbetriebe. Viele der Zunftzeichen zeigen als sprechende Zeichen Objekte im direkten Bezug zum jeweiligen Handwerkszweig, beispielsweise eine Brezel für den Bäcker oder der Hammer für den Schmied. Teils gaben sich die Zünfte auch durch abstraktere Zeichen, etwa durch Verwendung von Schutzpatronen, zu erkennen. In katholischen Gegenden waren dies Schutzheilige und in den protestantischen später Gestalten der antiken Mythologie. Wie die Zusammensetzung der Zünfte (in denen zum Teil verschiedene Berufe kombiniert waren) variierten auch die Zeichen je nach Region.

Die Zunftzeichen hatten nicht nur eine Bedeutung für das Verständnis der jeweiligen Zunft nach innen, sondern dienten als Werbung oder als Zeichen für des Lesens nicht mächtige oder unterschiedlich mehrsprachige Bevölkerungsgruppen.[1]

Weitere Zunftzeichen waren die Zunftlade oder -truhe bis zu den Zunftfahnen sowie Tischzeichen in Wirtshäusern. Die Zünfte hatten spezielle Trinkgefäße aus Metall oder Keramik, ja sogar eigene Totenschilde und Bahrtücher. Auf Versammlungen gab es Zunftstäbe, Zunftkerzen und die schon erwähnten Zunftfahnen als Zeichen der jeweiligen Zunft. Diese Zunftzeichen und ihre Verwendung war in ganz bestimmte Regularien integriert. Beispielsweise durften in der Zeit, in der die Zunfttruhe geöffnet war, nur bestimmte Personen sprechen, und das Trinken und Essen war untersagt.

Die traditionelle Verbreitung der Zunftzeichen führte dazu, dass auch für Berufe die erst lange nach der Auflösung der Zünfte entstanden solche Zeichen erdacht wurden, zum Beispiel für Elektriker oder das Kfz-Gewerbe.[2] Zunftzeichen werden als Berufszeichen er- und anerkannt; finden sich häufig in abgewandelten Formen heute noch auf Firmenfahrzeugen, -insertionen und -briefköpfen. Sie werden auch heute noch als Zeichen verwendet, mitunter noch traditionell als Nasenschilder. Auf Versammlungen von Innungen werden diese Zeichen zum Teil auf Zunftflaggen gezeigt.

Liste von Zunftzeichen

Weitere Informationen Zunft, Beschreibung ...
Zunft Beschreibung Zeichen
Apotheker Mörser mit Pistill.
Bader … im güldenen Schild eine knotenweis verschlungene Aderlassbinde, in deren Mitte ein grüner Papagei prangte...[3]
Bäcker Eine Brezel oder zwei aufrecht stehende Löwen halten gemeinsam eine Brezel und jeweils ein Schwert. Die Schwerter sind durch die Brezel hindurch gekreuzt. Über der Brezel ist eine Krone. Oftmals ist ein 4er-Brötchen unter der Krone ebenfalls vorhanden.
Beton- und Stahlbetonbauer Latthammer gekreuzt mit einem Beil; dahinter die Flechterzange (Rabitz-, Monierzange) mit einem Zirkel auf gleicher Ebene mit der Gestellsäge und einem Dreieck.
Bierbrauer und Mälzer Brauerstern oder gekreuzte Maischkrücke, Malzschaufel und Bierschöpfer
alternative Beschreibung
Buchbinder Vergolderolle, Pinsel und Falzbein über einer Buchpresse mit eingepresstem Buch.
Buchdrucker Doppeladler, der in den Fängen Winkelhaken und Tenakel hält.
Dachdecker Ein Schieferhammer gekreuzt mit einem sächsischen Ziegeldeckhammer zusammen mit einem Zirkel.
Elektroinstallateur Ein Blitz zwischen zwei Freileitungen und drei Isolatoren. , ,
Fischer Zwei gekreuzte Fische.
Fleischer, Metzger, Schlachter, Fleischhauer (Variante 1) Lamm mit Flagge (auch bekannt als Osterlamm mit der Siegesfahne und ist öfters in Kirchen zu finden beziehungsweise bei christlichen Organisationen).
Fleischer, Metzger, Schlachter, Fleischhauer (Variante 2) Stierkopf mit zwei Beilen darunter.
Fleischer, Metzger, Schlachter, Fleischhauer (Variante 3) Löwe mit Axt.
Friseur An einer Mauer hängendes Barbier(Rasier)becken. Aus der Barbier-, Bader und Wundarztzunft. Siehe: Friseurteller.
Gerber Löwe, Böcke, Strauch.
Glaser Vier Gekreuzte Werkzeuge:

von hinten nach vorne Kröseleisen, Glaserdiamant/Glasschneider, Glaserhammer, Lötkolben/Feuerkolben

Goldschmied Drei Ringe und ein Pokal von einem Sechseck umgeben.
Handschuhmacher Ein Paar Handschuhe.
Hufschmied Hufeisen über einer gemauerten Esse.
Hutmacher
Kerzenzieher
(und Seifensieder)
Kerzenbündel
(und Seifenstücke).
Klempner und Installateur Die wichtigsten Werkzeuge: den Löthammer und den Treibhammer.
Knopfmacher
Konditor Baumkuchen.
Küfer Hammer und gekreuzte Bandhaken.
Krämer/Kramer, Händler Eine Waage haltende Hand.
Kürschner Ein Hermelinwappen zwischen zwei aufrechten Löwen.
Maler und Lackierer Im Schild drei kleinere Schilde, oben zwei nebeneinander, darunter eines in der Mitte
Maurer Siegel mit mittigem leicht ausgestelltem Zirkel, umgeben von Hammer und Kelle in einem Zeichendreieck.
Müller
Optiker Brille und Fernrohr unter einem Kometen.
Optiker wie vor, Wiener Gewerbewappen.
Papiermacher
Pfandleiher Drei (goldene) Kugeln, die mittlere etwas tiefer hängend.
Posamentierer Wiener Gewerbewappen.
Putzmacher Frauenkopf mit Hut.
Riemer Riemengeschirr im Wiener Gewerbewappen.
Sattler Sattel und Werkzeuge.
Schlosser Zwei gekreuzte Schlüssel, manchmal mit einem Zahnrad.
Schmied Hammer, Zange und Feuerschlange Aspis.
Schneider Eine (offene) Schere, durch deren Grifflöcher ein Stoffband locker gezogen ist. Darunter ein Fingerhut.
Seifensieder
(und Kerzenzieher)
Seifenstücke
(und Kerzenbündel)
Schreiner bzw. Tischler Hobel, Winkel und Zirkel.
Schröter Schrotleiter, Fasshaken und Weinfass mit sog. Stütz.
Schuhmacher Halbmondmesser, Stiefel, doppelköpfiger Adler.
Steinmetz bzw. Steinbildhauer Symbol mit drei Knüpfeln in einem Ring für Lehrling, Geselle und Meister.
Stuckateur Ein Winkel hinter einer Mörtelkelle, überhöht von einem geöffneten Zirkel.
Tuchmacher Rauherkratze und Tuchschere.
Weber Drei Weberschiffchen im Dreieck angeordnet.
Windmüller Mühlstein davor Mehlsack mit Bockwindmühle.
Zimmerer Siegel mit Schrotsäge, Breitbeil und Axt gekreuzt und einem Zirkel.
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Literatur

  • Alfred Grenser: Zunftwappen und Handwerkerinsignien. Eine Heraldik der Künste und Gewerbe. Rommel, Frankfurt am Main 1889, DNB 99676688X.
  • Leopold Schmidt: Zunftzeichen. Zeugnisse alter Handwerkskunst. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1979, ISBN 3-7017-0085-0.
  • Gisela Pekrul: Handwerks-, Innungs- und historische Zunftzeichen. Teil 1. Bau- und Ausbaugewerbe. edition digital, Godern 2010, ISBN 978-3-931646-42-4.
  • Gisela Pekrul: Historische Handwerkszeichen. Edition digital, Godern 2011, ISBN 978-3-931646-55-4.
  • Gisela Pekrul: Die Zeichen der Handwerker. Edition digital, Godern 2011, ISBN 978-3-9804256-2-9.
  • Gisela Pekrul: Schöne alte Zunftzeichen. Edition digital, Godern 2011, ISBN 978-3-931646-15-8.

Einzelnachweise

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