7,7-cm-Infanteriegeschütz 18

Infanteriegeschütz des Deutschen Kaiserreichs From Wikipedia, the free encyclopedia

Das 7,7-cm-Infanteriegeschütz 18, kurz 7,7-cm-I.G. 18 war ein Infanteriegeschütz des Deutschen Kaiserreichs und wurde zum Ende des Ersten Weltkrieges vereinzelt eingesetzt.

Schnelle Fakten Allgemeine Angaben, Technische Daten ...
7,7-cm-Infanteriegeschütz 18


7,7-cm-Infanteriegeschütz 18 (Kp)
in Feuerstellung.png

Allgemeine Angaben
Entwickler/Hersteller Friedrich Krupp AG
Waffenkategorie Infanteriegeschütz
Technische Daten
Kaliber 7,7 cm
Kaliberlänge L/23 (1,77 m)
Höhenrichtbereich -10° – +15° Winkelgrad
Seitenrichtbereich 4° (rechts)
3,5° (links)
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Entwicklung

Im Jahr 1918 stellte die Friedrich Krupp AG ein neues Geschütz für die Infanterie vor, das 7,7-cm-Infanteriegeschütz 18. Dieses sollte die Anforderungen der Truppe erfüllen, welches an ein Geschütz zur unmittelbaren Begleitung der Infanterie gestellt wurde und entsprach den Bedingungen, welche das Kriegsministerium am 3. Mai 1918 gestellt hatte. Es erfüllte die ballistischen Anforderungen und war deutlich leichter als das vorherige 7,7-cm-Infanteriegeschütz L/27. Dennoch war es um 50 kg schwerer als in den Anforderungen gewünscht.[1]

Die gesammelten Erfahrungen im Krieg zeigten jedoch, dass das die früheren Infanteriegeschütze einen gravierenden Mangel hatte, sie konnte nur im direkten Flachbahnschuss wirken. Ein Bogenschuss um spezielle Ziele hinter den gegnerischen Linien oder das Überschießen der eigenen Truppen aus einer verdeckten Stellung war nicht möglich, wurde jedoch ab 1918 von der Truppe gefordert. So konnten diese Geschütze nur sehr nah an der Frontlinie und in unmittelbarer Gefahr aufgeklärt zu werden, zum Einsatz kommen. Die Behebung dieses Mangels konnte, aufgrund der späten und schnellen Entwicklung, auch beim 7,7-cm-I.G. 18 nicht mehr abgestellt werden.[1]

Technische Beschreibung

7,7-cm-Infanteriegeschütz 18 (Kp) beim Transport

Das 7,7-cm-I.G. 18 war ein Rohrrücklaufgeschütz, dessen Geschützrohr ein Mehrlagenrohr mit der Kaliberlänge L/23. Der Verschluss war ein waagerechter Schubkurbelverschluss, welcher dem der 7,7-cm-Feldkanone 16 ähnelte.[2] Das Geschützrohr wurde nach der Schussabgabe durch eine Flüssigkeitsbremse verlangsamt und mithilfe eines Federvorholer wieder in die Ausgangsposition zurückgeführt.[3] Das Geschützrohr mit Verschluss hatte ein Gesamtgewicht von 200 kg.[4]

Um das Geschütz seitlich Richten zu können, gab es einen eine Seitenrichtmaschine an der linken Seite der Vorderlafette. Diese ermöglichte das Richten nach links um 3,5 und nach rechts um 4 Winkelgrad. Bei größeren seitlichem Richten, wurde das gesamte Geschütz auf der Achse gedreht. Eine Zahnbogenrichtmaschine war für das Richten in der Höhe zuständig und befand sich ebenfalls an der linken Seite der Vorderlafette. Dabei war ein Richten in der Höhe zwischen −10 und +15 Winkelgrad möglich. Die Zieleinrichtung entsprach hierbei der 7,7-cm-Feldkanone 96 n. A. und bestand aus einem Rundblickfernrohr.[3]

Die Lafette setzte sich aus einer Vorder- und Hinterlafette zusammen. Die Vorderlafette bestand aus der Achse mit Rädern, der Höhen- und Seitenrichtmaschine, den Bediensitzen und dem Geschützschild. Die Hinterlafette bestand aus dem Lafettenschwanz, einem festen Sporn und einem einsteckbaren Richtbaum. Die Vorder- und Hinterlafette wurden durch Gelenkstücke und einem abgeflachten Hebelbolzen miteinander verbunden. Um der Besatzung vor Beschuss durch kleinkalibrige Handwaffen und Schrapnellen einen gewissen Schutz zu bieten, verfügte das 7,7-cm-I.G. 18 über einen Geschützschild. Dieser bestand aus einem Hauptschild, welcher an der Vorderlafette befestigt wurde, und zwei abklappbaren Unterschilden.[3] Es hatte ein Stärke von 4,5 bis 5 mm und wog 70 kg.[4]

Um das Geschütz mit einer Protze für den Transport verbinden zu können, befand sich am hinteren Ende der Vorderlafette eine Protzöse. Die Hinterlafette wurde dafür umgeklappt und das Geschütz danach aufgeprotzt. Die Protze für den Transport war eine Einheitsprotze in Kastenbauform. Darin wurde zusätzlich noch die Munition transportiert. Wurden zwei dieser Protzen verbunden, dienten sie als Munitionswagen. Wurde nur eine verwendete, diente sie als Transportwagen für das Geschütz. Auf dem Protzkasten gab es Platz für zwei Soldaten. Im Inneren gab es vier Fächer[3], in denen insgesamt 24 Schuss in Patronenkörben mitgeführt werden konnten.[4]

Die verwendete Munition war identisch zur 7,7-cm-F. K. 96 n. A. Sie bestand aus der Kanonengranate 15 mit Panzerkopf (K. Gr. 15 m. P.), der Kanonengranate 16 (K. Gr. 16) und Kanonengranate 16 Blaukreuz mit empfindlichen Kanonenzünder 17 und beweglichem Schlagbolzen (K. Gr. 16 Blaukreuz m. E. K. Z. 17), der Kanonengranate 16 N. mit langem Kanonenzünder 16 mit Verzögerung (Gebirgskanone) (K. Gr. 16 N. mit lg. K. Z. 16 m. V. Geb.) und Kartätschen. Die Treibladung für die Granaten war beim 7,7-cm-I.G. 18 größer als bei der 7,7-cm-F. K. 96 n. A., konnte jedoch in Ausnahmefällen auch mit dieser genutzt werden. Dabei entstanden allerdings starke Rauch- und Feuererscheinungen, sowie eine größere Streuung. Die Granaten wogen 6,85 kg und wurden mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 350 m/s abgefeuert. Dabei betrug die größte Schussweite 5 km. Die Munitionsausrüstung einer Batterie betrug 414 Schuss.[4]

Einsatz

Das 7,7-cm-I.G. 18 war eine Behelfskonstruktion, da zwar einige Mängel beseitigt werden konnten, die Entwicklung und Einführung aufgrund der Kriegssituation jedoch übereilt war und schnell erfolgen musste.[1] Zu einer flächendeckenden Auslieferung und Einsatz kam es im Ersten Weltkrieg jedoch nicht mehr.

Commons: 7,7 cm Infanteriegeschütz 18 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Herbert Jäger: German Artillery of World War One. Crowood Press, Ramsbury 2001, ISBN 1-86126-403-8.
  • Alfred Muther: Das Gerät der leichten Artillerie, II. Teil, Infanteriegeschütze, Tankabwehr und Tankbestückung. Bernard & Graefe, Berlin 1932.

Einzelnachweise

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