Abbvie
Biotechnologie- und Pharmaunternehmen mit Sitz in den USA
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Die AbbVie Inc. (Eigenschreibweise: AbbVie) ist ein US-amerikanisches Biotechnologie- und Pharmazieunternehmen mit Hauptsitz in North Chicago, Illinois. Sie entstand 2013 als Abspaltung des forschungsbasierten Pharmageschäfts von Abbott Laboratories und wird an der New York Stock Exchange unter dem Symbol „ABBV“ gehandelt. Das Unternehmen ist im S&P 100 sowie im Dow Jones Global Titans 50 vertreten. Der Name ist ein Kofferwort aus „Abbott“ und dem lateinischen vita („Leben“).[4]
| AbbVie Inc. | |
|---|---|
| Rechtsform | Incorporated |
| ISIN | US00287Y1091 |
| Gründung | 2013 |
| Sitz | North Chicago, Illinois, USA |
| Leitung | Rob Michael (Chairman & CEO)[1] |
| Mitarbeiterzahl | ca. 55.000 (2025)[2] |
| Umsatz | ca. 61,2 Mrd. US-Dollar (2025)[3] |
| Branche | Biotechnologie, Pharmazie |
| Website | abbvie.com |
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 400 Milliarden US-Dollar (Stand: Mai 2026) zählt AbbVie zu den 20 wertvollsten Unternehmen der Welt[5] und gehört zu den drei größten Pharmaunternehmen weltweit.[6] Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von rund 61,2 Milliarden US-Dollar und beschäftigte etwa 55.000 Mitarbeiter.[3] Das wirtschaftlich bedeutendste Produkt ist der monoklonale Antikörper Risankizumab (Handelsname Skyrizi), der mit einem Jahresumsatz von über 15 Milliarden US-Dollar zu den sogenannten Blockbustern zählt.[3]
Das Unternehmen ist in mehr als 70 Ländern vertreten[7] und forscht schwerpunktmäßig in den Bereichen Immunologie (u. a. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Hidradenitis suppurativa, Psoriasis), Onkologie (u. a. Eierstockkrebs, Multiples Myelom, Lungenkrebs) sowie Neurologie (u. a. Parkinson, Migräne). Die deutsche Tochtergesellschaft AbbVie Deutschland mit Sitz in Wiesbaden unterhält einen Forschungs- und Produktionsstandort in Ludwigshafen am Rhein, der auf das 1886 gegründete Pharmaunternehmen Knoll zurückgeht, und beschäftigt in Deutschland rund 2.800 Mitarbeiter (Stand 2021).[8]
Therapie- und Forschungsgebiete
AbbVie konzentriert sich strategisch auf drei therapeutische Kernbereiche, die den überwiegenden Teil des Umsatzes und der F&E-Ausgaben ausmachen:[3]
Immunologie
Die Immunologie ist mit Abstand der größte Geschäftsbereich von AbbVie und erzielte 2025 einen Umsatz von rund 30,4 Milliarden US-Dollar, was etwa der Hälfte des Konzernumsatzes entspricht.[3] Das Wachstum wird maßgeblich durch den monoklonalen Antikörper Risankizumab (Handelsname Skyrizi) getrieben, der als Blockbuster in den Indikationen Psoriasis, Psoriasis-Arthritis, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen ist.[3] Ein weiteres wichtiges Immunologie-Produkt ist Upadacitinib (Rinvoq), das unter anderem bei Rheumatoider Arthritis, atopischer Dermatitis und Hidradenitis suppurativa eingesetzt wird. Letztere Indikation befindet sich in der Phase-III-Entwicklung und gilt als wichtiger zukünftiger Wachstumstreiber.[9]
Onkologie
Die Onkologie ist der strategische Zukunftsschwerpunkt von AbbVie, insbesondere nach der Übernahme von ImmunoGen im Jahr 2024 für 10,1 Milliarden US-Dollar.[10] Durch diesen Deal erweiterte AbbVie sein Portfolio um Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) und etablierte sich im Bereich solider Tumore. Das Flaggschiff dieser Strategie ist Mirvetuximab Soravtansin (Elahere) zur Behandlung des platinresistenten Eierstockkrebses.[10] Darüber hinaus ist AbbVie in hämatologischen Onkologika stark vertreten, darunter Venetoclax (Venclexta) beim Multiplen Myelom und bestimmten Leukämieformen sowie Pirtobrutinib (Jaypirca) bei Lymphomen. Ein weiterer Kandidat aus der ADC-Pipeline ist Emrelis (Teliso-V) für Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC), dessen Zulassung für 2026 erwartet wird.[11]
Neurologie
Die Neurologie ist der am schnellsten wachsende Bereich von AbbVie mit einem Umsatz von 10,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025, was einem Wachstum von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.[3] Dies ist wesentlich auf die Übernahme von Cerevel Therapeutics im Jahr 2023 für 8,7 Milliarden US-Dollar zurückzuführen.[12] Cerevel brachte eine vielversprechende Pipeline in der Parkinson-Krankheit mit, darunter Tavapadon (Zulassung 2026 erwartet) und Vyalev (bereits auf dem Markt). Beide zusammen haben ein prognostiziertes Peak-Sales-Potenzial von über fünf Milliarden US-Dollar. Im Bereich Migräne ist AbbVie mit den oralen CGRP-Antagonisten Ubrogepant (Ubrelvy) und Atogepant (Qulipta) vertreten, die ebenfalls ein Umsatzpotenzial von mehreren Milliarden US-Dollar aufweisen.[3]
Weitere Forschungsgebiete
In geringerem Umfang ist AbbVie auch in der Virologie tätig, insbesondere mit Glecaprevir/Pibrentasvir (Mavyret) zur Behandlung der Hepatitis C. Dieses Geschäft ist jedoch rückläufig, da die Zahl der zu behandelnden Patienten sinkt.[3] Historisch bedeutsam ist zudem der Bereich Endometriose, in dem AbbVie mit Elagolix (Orilissa) ein Produkt im Portfolio hat.[13]
AbbVie Deutschland
Die deutsche Tochtergesellschaft AbbVie Deutschland mit Sitz in Wiesbaden ist einer der bedeutendsten europäischen Standorte des Konzerns. Sie beschäftigt rund 2.800 Mitarbeiter (Stand 2021) und unterhält ein Hauptstadtbüro in Berlin, das der politischen Interessenvertretung dient.[14]
Forschungs- und Produktionsstandort Ludwigshafen
Der zentrale Standort in Ludwigshafen am Rhein vereint Forschung, Entwicklung und Produktion unter einem Dach und beschäftigt etwa 1.900 Mitarbeiter.[14] Er geht auf das 1886 gegründete Pharmaunternehmen Knoll A.-G. Chemische Fabriken zurück, das im Jahr 2001 von der BASF an Abbott Laboratories verkauft wurde.[15] Zur Knoll-Gruppe gehörte unter anderem die Schiwa GmbH im niedersächsischen Glandorf, die Infusionslösungen wie die kolloidalen Volumenersatzmittel Macrodex, Rheomacrodex und Promit herstellte.[16]
Mit der Ausgliederung des forschungsbasierten Pharmageschäfts aus Abbott im Jahr 2013 ging der Standort Ludwigshafen nahtlos in die neu gegründete AbbVie Inc. über. Er zählt heute zu den forschungsintensivsten Einrichtungen des Konzerns in Europa.
Übernahmen und Übernahmeversuche
Gescheiterte Übernahme von Shire (2014)
Im Juli 2014 stimmte der britisch-irische Pharmakonzern Shire einer Übernahme durch AbbVie zu – nachdem vier vorangegangene Angebote abgelehnt worden waren. Der Kaufpreis betrug 32 Milliarden Pfund Sterling. Im Rahmen der Transaktion beabsichtigte AbbVie, seinen rechtlichen Sitz aus steuerlichen Gründen nach Saint Helier auf der Kanalinsel Jersey zu verlegen, während das Management in den USA verbleiben sollte. Das fusionierte Unternehmen hätte eine Marktkapitalisierung von 137 Milliarden US-Dollar gehabt und 30.000 Mitarbeiter beschäftigt.[17][18] Im Verlauf der weiteren Verhandlungen zog AbbVie das Angebot jedoch zurück.[19]
Übernahme von Pharmacyclics (2015)
Im März 2015, nach dem Scheitern der Shire-Übernahme, kündigte AbbVie die Übernahme des onkologiespezialisierten Unternehmens Pharmacyclics an. Der Kaufpreis betrug 21 Milliarden US-Dollar.[20][21] Pharmacyclics war vor allem durch das Krebsmittel Ibrutinib (Handelsname Imbruvica) bekannt, das zur Behandlung verschiedener Leukämie- und Lymphomformen eingesetzt wird.[22] Die Übernahme wurde am 26. Mai 2015 abgeschlossen.[21]
Übernahme von Allergan (2019–2020)
Am 25. Juni 2019 gab AbbVie bekannt, das Pharmaunternehmen Allergan übernehmen zu wollen. Der Angebotswert betrug 63 Milliarden US-Dollar.[23] Nach der Genehmigung durch die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) und den irischen High Court wurde die Übernahme am 8. Mai 2020 vollzogen.[24][25] Mit der Übernahme erweiterte AbbVie sein Portfolio um die Ästhetik-Sparte (insbesondere Botox), die Ophthalmologie und weitere Neurologie-Produkte.
Weitere bedeutende Akquisitionen
- 2023: Übernahme von Cerevel Therapeutics für 8,7 Milliarden US-Dollar. Cerevel brachte eine Pipeline in der Parkinson-Krankheit (u. a. Tavapadon) sowie in der Schizophrenie (Emraclidine) ein.[26]
- 2024: Übernahme von ImmunoGen für 10,1 Milliarden US-Dollar. Kernstück war der Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) Mirvetuximab Soravtansin (Elahere) zur Behandlung von Eierstockkrebs. Die Akquisition markierte AbbVies Einstieg in den Bereich der soliden Tumore.[10]
Kooperationen
Gescheiterte Kooperation mit Biogen (Daclizumab)
Im Mai 2016 erhielten AbbVie und Biogen die US-amerikanische Zulassung für den gemeinsam entwickelten monoklonalen Antikörper Daclizumab (Handelsname Zinbryta) zur Behandlung der Multiplen Sklerose.[27] Das Medikament wurde jedoch im März 2018 aufgrund schwerwiegender immunvermittelter Nebenwirkungen (darunter Enzephalitis und Hepatitis) weltweit vom Markt genommen.[28] Die Kooperation gilt daher als gescheitert.
Forschungspartnerschaft mit M2Gen (ORIEN)
Im März 2017 traten AbbVie und M2Gen dem Oncology Research Information Exchange Network (ORIEN) Avatar Research Program bei. ORIEN ist ein Forschungsnetzwerk von 15 führenden US-amerikanischen Krebszentren, das sich der gemeinsamen Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen widmet.[29] Ziel der Partnerschaft ist es, durch den Austausch von Patientendaten und Biomarker-Informationen personalisierte Krebstherapien zu entwickeln.
Kooperation mit Principia Biopharma (Immunoproteasom-Inhibitoren)
Im Juni 2017 gingen AbbVie und Principia Biopharma eine Kooperation zur Erforschung oraler Immunoproteasom-Inhibitoren ein. Dabei handelte es sich um einen sogenannten First-in-class-Ansatz, das heißt eine neuartige Wirkstoffklasse ohne direkte Vorgänger.[30] Die Zusammenarbeit wurde später ausgeweitet; im September 2020 übernahm AbbVie Principia Biopharma schließlich vollständig für 3,7 Milliarden US-Dollar.[31]
Weitere strategische Partnerschaften
- 2016: AbbVie gab eine Forschungs- und Optionsvereinbarung mit der Harvard University bekannt, die sich auf die Entdeckung neuartiger Krebsimmuntherapien konzentriert.[32]
- 2021: Kooperation mit EvolveImmune Therapeutics zur Entwicklung von T-Zell-Engagern in der Onkologie.[33]
- 2024: Partnerschaft mit FutureGen Biopharmaceutical zur Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) für solide Tumore, ergänzend zur ImmunoGen-Übernahme.[34]
Weblinks
- Offizielle Website von AbbVie (englisch)
- Offizielle Website von AbbVie Deutschland (deutsch)
- AbbVie Newsroom (englisch, Pressemitteilungen und Finanzberichte)
- AbbVie auf der Website der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC, Pflichtveröffentlichungen)
