Adelino Tinoco
Verwaltungsbeamter in der Kolonie Portugiesisch-Timor
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Adelino dos Santos Tinoco (* 1945 in Oe-Cusse, Portugiesisch-Timor) ist ein ehemaliger Verwaltungsbeamter in der Kolonie Portugiesisch-Timor.[1.1]
Werdegang
Tinoco war Mestize.[1.2] Sein Großvater Plinio Tinoco kam Anfang des 20. Jahrhunderts nach Portugiesisch-Timor und arbeitete als Beamter im kolonialen Finanzamt. Während der japanischen Besetzung (1942–1945) wurde die Familie von den Japanern in Liquiçá interniert. Sein Sohn Fernando Plinio dos Santos Tinoco starb in dem Lager. José Tinoco, der zweite Sohn, überlebte und diente als Administrator verschiedener Postos der Kolonie. Er heiratete eine Timoresin aus Manatuto. Aus dieser Ehe ging Adelino hervor.[1.1]
Adelino Tinoco trat in die Fußstapfen des Vaters und wurde ebenfalls Verwaltungsbeamter. Von 1964 bis 1967 arbeitete in Ermera und von 1967 bis 1970 in Uatucarbau.[1.1]
Ab 1970 war Tinoco Administrator des Postos Maubara (Conselho Liquiçá). Als nach der Nelkenrevolution in Portugal 1974 auch in Portugiesisch-Timor die ersten politischen Parteien entstanden, wurde Tinoco für die União Democrática Timorense (UDT) Parteichef in Maubara, einer der Hochburgen der Partei.[1.2] Die konservative Partei strebte eine eingeschränkte Unabhängigkeit „im Schatten der portugiesischen Flagge“ an. Ihr entgegen stand die linksorientierte FRETILIN, die die völlige Unabhängigkeit Osttimors als Ziel hatte.[2]
Aufgrund von indonesischer Einflussnahme versuchte die UDT am 11. August 1975 mit einem bewaffneten Putsch die Macht in der Kolonie an sich zu reißen. Es kam zum Bürgerkrieg gegen die FRETILIN. In dieser Zeit entschieden sich Tinoco und andere UDT-Führer, im Ort Maubara ihre politischen Gegner mit paramilitärischen Razzien aufzuspüren. Obwohl die meisten Einwohner des Dorfes keine Parteimitglieder waren, wurden innerhalb weniger Tage mehrere Hundert Menschen festgenommen und im Fort Maubara interniert. Einige FRETILIN-Führer wurden in der benachbarten Grundschule gefangen gehalten.[1.3] Tinoco bestritt 2005 in einem Interview, dass die UDT in Maubara Gefangene genommen hatte.[1.1]
Als die UDT Ende August der FRETILIN in der Kolonialhauptstadt Dili unterlag, zogen sich viele Führer und Anhänger nach Liquiçá und Maubara zurück.[3] Am 7. September brachte die UDT Gefangene und tausende Zivilisten nach Maubara. Drei Tage beschoss die FRETILIN Liquiçá und nahm sie am 11. September ein. Maubara fiel am 15. September.[1.4]
Adelino Tinoco entkam zusammen mit Gaspar Correia da Silva Nunes, dem Liurai von Maubara und dem führenden UDT-Mitglied João Viegas Carrascalão mit einem kleinen Boot von Morae aus in das indonesische Westtimor.[1.5] Im indonesischen Atambua war Tinoco Mitglied der Kommission für Flüchtlinge aus Portugiesisch-Timor.[4]