Maubara (Verwaltungsamt)

Verwaltungsamt in Osttimor From Wikipedia, the free encyclopedia

Maubara (Maubere) ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt (portugiesisch Posto Administrativo) in der Gemeinde Liquiçá. Sitz der Verwaltung ist der Ort Maubara im Suco Vaviquinia.[3]

Schnelle Fakten Übersichtskarte ...
Verwaltungsamt Maubara
Kirche von Maubara
Verwaltungssitz Maubara
Fläche 131,81 km²[1]
Einwohnerzahl 14.780 (2022)[2]
SucosEinwohner (2022)[2]
Gugleur4.542
Maubaralissa2.589
Vatuvou4.818
Vaviquinia2.831
Übersichtskarte
Die Verwaltungsämter Maubara (lila) und Loes (orange).
Maubara (Verwaltungsamt) (Osttimor)
Maubara (Verwaltungsamt) (Osttimor)
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Name

Der Name Maubara stammt aus einer Legende über einen gleichnamigen Wasserbüffel, der in Tirisvou, im Südwesten des heutigen Sucos Maubaralissa, geschlachtet wurde.[4.1]

Geographie

Maubara bis Dezember 2023
Marktplatz von Maubara

Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet.

Das Verwaltungsamt Maubara bildete bis 2024 den Westteil der Gemeinde Liquiçá. Nördlich liegt die Sawusee, die hier in die Straße von Ombai übergeht, östlich das Verwaltungsamt Liquiçá und südlich, jenseits des Flusses Lóis (Loes), die Verwaltungsämter Atabae (Gemeinde Bobonaro) und Hatulia (Gemeinde Ermera). Nördlich der Sawusee liegt die indonesische Insel Alor.[5]

Am 1. Januar 2024 wurde von Maubara Loes als neues Verwaltungsamt abgetrennt.[6] Zu ihm kamen die Sucos Vatuboro, Guiço und Lissadila.[7][8] Die bei Maubara verbliebenen Sucos haben eine Fläche von 131,81 km².[1] Es handelt sich um die vier die Sucos Gugleur (Guguleur), Maubaralissa (Maubaralisa), Vatuvou und Vaviquinia (Viviquinia).[5][9]

Flüsse, die in Maubara entspringen und dort in die Sawusee münden sind der Malukai, der Palua, der Bahonu, der Marae mit seinen Quellflüssen Tikidur und Mantaro und der Baulu mit seinem Zufluss Paraho. In den Maubarasee (Lago Maubara, Sia Maubara), dem Lago Tokabalun und den Lago Berau münden mehrere kleine Zuflüsse. Drei Kilometer östlich vom Dorf Maubara liegt der salzige Maubarasee der vielen Vögeln einen Lebensraum bietet.[10]

Der Lóis bildet ein großes Flusstal entlang der Südgrenze Maubaras. Zwischen Meer und Tal erstreckt sich in Ost-West-Richtung ein Gebirgskamm mit steilen Hängen mit einer Höhe von etwa 900 m bis knapp unter 1200 m. Höchster Gipfel in Maubara ist der Foho Gugleur mit 1141 m, der wahrscheinlich mit dem in historischen Quellen genannten Berg Maubara identisch ist.[4.2]

Während alle anderen Flüsse außerhalb der Regenzeit trockenfallen und nur noch aus Geröll, Kies und Sand bestehen, führt der Lóis, der von Süden her gespeist wird, ganzjährig Wasser. Die Regenzeit dauert hier, wie auch sonst an der Nordküste Timors von Mitte November bis März, kann aber sehr unregelmäßig ausfallen. Die Regenfälle sind sehr heftig und spülen in den Bächen und breiten Flussbetten viel Sediment mit sich ins Meer. Gerade in den tieferen Lagen dörrt das Land in der Trockenzeit aus.[4.2]

Beim Hauptort Maubara findet man einige der wenigen Mangrovenwälder Timors. Im 18. Jahrhundert bedeckten noch Primärwald oder Sekundärvegetation auf brachliegenden Felder die mittleren und höheren Lagen. Das Lóistal war mit hohem Gras, Buschwerk, Eukalyptusbäumen und anderen trockenheitsresistenten Bäumen bedeckt. Zur Tierwelt gehörten Mähnenhirsche, Sulawesi-Pustelschweine, Javaneraffen sowie Schlangen, Hörnchen und zahlreiche Vogelarten.[4.2] Seitdem hat sich die Landwirtschaft vor allem im Lóistal ausgebreitet. Die Trocken- und Flachlandwälder sind nicht mehr so ursprünglich wie damals.[11]

Einwohner

2022 lebten in den heute zu Maubara gehörenden Sucos 14.780 Menschen (2022).[2] Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Tokodede. Der Altersdurchschnitt liegt bei 19,7 Jahren (2010,[13] 2004: 19,5 Jahre[14]).

Geschichte

Fort Maubara

17. bis 19. Jahrhundert

Maubara war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[15][16] 1758 bauten die Niederländer in Maubara ein Fort. Es liegt am Ufer des Ortes Maubara, von wo man die gesamte Bucht überblicken kann. Noch heute gibt es in der gut erhaltenen Festung alte Kanonen. In dieser Zeit pflanzten die Niederländer in Maubara erstmals auf Timor Kaffee an. Maubara wurde, neben seinen Nachbarn Cotubaba und Cowa zu einem erfolgreichen Kaffeeproduzenten. Der Kaffee wurde über Atapupu exportiert, einen Hafen weiter westlich im niederländischen Teil Timors. Die Kaffeeproduktion und der Handelsweg blieben auch bestehen, als Maubara später portugiesisch wurde.[17]

Im Vertrag von Lissabon vereinbarten die Niederländer 1859 im Rahmen eines größeren Gebietsaustauschs Maubara an die Portugiesen abzutreten. Die Übergabe erfolgte im April 1861.[18][19.1]

Es folgten bis Ende des 19. Jahrhunderts einige Rebellionen gegen die neuen Kolonialherren, bis Gouverneur José Celestino da Silva (1894–1908) die portugiesische Oberhoheit stabilisierte.[19][4]

Lai Anyi, Chef der chinesischen Gemeinde in Maubara (um 1900)

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand im Ort Maubara eine kleine chinesische Kolonie von Hakka, die hier im Kaffeehandel und -anbau tätig waren.[4.3]

20. Jahrhundert

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Portugiesisch-Timor von den Japanern besetzt. In Liquiçá und Maubara wurde ab Ende Oktober 1942 die gesamte verbliebene portugiesischstämmige Bevölkerung in Lagern interniert. Die Bedingungen in dem Camp waren schlecht, Nahrungsmittel knapp und die Hygienebedingungen aufgrund von Wassermangel unzureichend. Viele Portugiesen starben deswegen.[19]

Im August 1975 kam es zum Bürgerkrieg zwischen UDT und FRETILIN. Liquiçá und Maubara wurden zu Hochburgen der UDT. Am 27. August übernahm die FRETILIN die Kontrolle über die koloniale Hauptstadt Dili.[20] Die UDT-Führung zog sich Anfang September nach Liquiçá zurück. Am 15. September nahm die FRETILIN die Stadt Liquiçá und den Ort Maubara ein.[4] Große Teile der Bevölkerung flohen aus Angst vor Gewalt nach Indonesien.[21]

Kurz darauf begann Indonesien Osttimor zu besetzen, das sich gerade für unabhängig erklärt hatte. Im Juni 1976 marschierten indonesische Truppen in Maubara ein.[22] Auch hier kam es zu Massakern an der Zivilbevölkerung. In Maubara gründete die FALINTIL die base de apoio Malehui, eine Widerstandsbasis, die Zuflucht für Flüchtlinge aus Maubara, Leimea-Craic, Railaco, Atsabe, Ainaro und Zumalai bot. Später wurde die Basis von den Indonesiern zerstört. Ende 1979 gab es im Ort Maubara und Lebumeta (Suco Vaviquinia) sogenannte Transit Camps, in denen die Besatzer osttimoresische Zivilisten internierten.[21]

1999 versuchten pro-indonesische Milizen (Wanra) die Stimmung vor dem Unabhängigkeitsreferendum am 30. August mit Gewalt zu beeinflussen. Aus Cai-Cassa stammt eine der gefürchtetsten Wanra Osttimors, die Besi Merah Putih (BMP), die vor allem in diesem Subdistrikt zwangsrekrutierte und hier auch ihr Hauptquartier hatte. Bereits ab Januar 1999 war die BMP aktiv. Sie beging vor dem Referendum und nach der Bekanntgabe der Entscheidung für die Unabhängigkeit Hunderte von Verbrechen. Viele Menschen flohen aus Angst vor den Zwangsrekrutierungen und der Gewalt. Am 19. Januar griff die BMP den Ort Maubara an, worauf viele Einwohner nach Leotala flohen. Am 15. Februar wurde Vatuvou überfallen. Lissadila und Maubaralissa wurden zu Geisterstädten. Ihre Einwohner flohen nach Sare (Distrikt Ermera). Allein dort versammelten sich bis zu 6.000 Flüchtlinge und blieben bis zum Eintreffen der INTERFET im September 1999. Fast 2.700 Flüchtlinge aus Vatuvou und Maubara versammelten sich im März in Gariana (Vatuvou), 375 bei den Karmeliternonnen in Lissadila.[21] José Afat, der Camat von Maubara schoss bei einem Treffen in Guiço am 23. Februar 1999 in eine Menge von Hunderten Dorfbewohnern. Dabei gab es Tote und Verletzte. Auch beim Kirchenmassaker von Liquiçá am 6. April 1999 soll er beteiligt gewesen sein.[23.1] Nach dem Abzug der Indonesier aus Osttimor wurde das Land unter UN-Verwaltung gestellt und 2002 in die Unabhängigkeit entlassen.

21. Jahrhundert

Am 6. Januar 2007 wurden drei Frauen in Maubaralissa beschuldigt Hexen zu sein. Die Frauen im Alter von 25, 50 und 70 Jahren wurden ermordet und ihr Haus angezündet. Drei Verdächtige wurden von der UN-Polizei verhaftet. Es war der erste Fall dieser Art im unabhängigen Osttimor.[24]

Politik

Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt.

1952 hatte noch José Nunes, der Liurai von Maubara diese Funktion inne. Als er in diesem Jahr starb, folgte ihm sein Sohn Gaspar Correia da Silva Nunes, der das Amt auch noch 1964 führte, später aber wohl als Administrator abgelöst wurde und nur noch Liurai war.[25] Der letzte Administrator in der portugiesischen Kolonialzeit war von 1970 bis 1975 Adelino dos Santos Tinoco.[4.4]

Von 1976 bis 1984 war Leoneto Martins Administrator (Camat) der indonesischen Besatzungsmacht. Ab 1995 war Domingos Boavida kommissarischer Administrator.[4.5] Der letzte von Indonesien eingesetzte Camat war 1999 José Afat.[26]

Im unabhängigen Osttimor hatte 2004/2005 Félix da Costa das Amt inne,[4.6] von 2010 bis 2015 Laurindo dos Reis da Silva (Nachkomme vom Liurai José Rodrigues da Silva)[4.7][27] und ab 2016 Domingos Alves Correia.[28]

Wirtschaft

Riesenmuschel im Tauchgebiet von Maubara
Schreinerei in Maubara

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wird in Maubara Kaffee angebaut. Dank der günstigen Bedingungen wuchsen hier sowohl Kaffeesetzlinge, als auch Schattenbäume sehr schnell. Zwischen 1863 und 1865 steuerte Maubara 53 % der Kaffeeexporte Portugiesisch-Timors bei und das Reich blieb auch in den 1870er Jahren der größte Kaffeeproduzent in der Kolonie. Vor allem Dank einheimischer Kleinbauern nahm in dieser Zeit die Kaffeeproduktion in Portugiesisch-Timor zu.[4.8]

66 % der Haushalte in Maubara bauen Kokosnüsse an, 69 % Mais, 62 % Maniok, 38 % Gemüse, 53 % Kaffee und 7 % Reis. Letzterer wird vor allem am Fluss Lóis angebaut.[29] Bei Tauchern ist Maubara als attraktives Tauchziel bekannt.[30]

Persönlichkeiten

Literatur

  • Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor, Rutgers University Press, 2015, ISBN 978-0-8135-7412-7.
Commons: Maubara – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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