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Adriana Varejão

brasilianische bildende Künstlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Adriana Varejão (* 11. November 1964 in Rio de Janeiro, Brasilien) ist eine brasilianische bildende Künstlerin. Ihr Werk umfasst Malerei, Skulptur, Fotografie und Videoinstallationen. Sie begann ihre Karriere mit der Erforschung der Spuren von Kolonialisierung und Sklaverei und verbindet in ihren Werken die westliche Ikonografie des 16. und 17. Jahrhunderts mit den Traditionen portugiesischer Azulejos und chinesischer Keramik. Ihre Arbeiten thematisieren die Gewalt dieser Kulturkonflikte und Machtverhältnisse anhand von Darstellungen indigener Körper und Haut. Sie hat an den Biennalen in Venedig, der Biennale von São Paulo 1998, der Biennale von Johannesburg 1995 und 1999 der ersten Liverpool-Biennale für zeitgenössische Kunst teilgenommen.[1][2][3][4][5][6]

Ansicht der Ausstellung Other Bodies Behind von Adriana Varejão im Rufino-Tamayo-Museum. Die Ausstellung umfasst eine Retrospektive des Werks der Künstlerin, basierend auf zwei Serien: Ruins of Dried Meat und Dust

Leben und Werk

Varejão studierte von 1981 bis 1985 an der Escola de Artes Visuais do Parque Lage in Rio de Janeiro. 1986 begann sie mit der Ölmalerei zu experimentieren und interpretierte die verzierten Barockfresken und religiösen Reliquien der Kirchen aus dem 18. Jahrhundert in Ouro Preto in Minas Gerais neu. Ihre erste Einzelausstellung fand 1988 in der Thomas Cohn Gallery statt.[7]

1992 reiste sie drei Monate durch China, wo sie Keramik der Song-Dynastie (960–1279 n. Chr.) und klassische chinesische Landschaftsmalerei studierte. Daraufhin schuf sie eine Reihe von Gemälden, in denen Landkarten, religiöse Darstellungen, koloniale Genreszenen durch simulierte blutige Wunden und fleischige Auswüchse oder subtilere narrative Subversionen unterbrochen wird. Ihre Werke aus dieser Zeit beziehen sich auf die Gewalt und Erotik der brasilianischen Geschichte im Geiste der Antropofagia, einem Schlüsselkonzept der brasilianischen Moderne, das die anthropophagischen Rituale des Tupi-Volkes wiederentdeckt und das soziale Tabu des Kannibalismus in ein symbolisches Totem kultureller Aneignung im postkolonialen Brasilien verwandelt.

Nach ihrer Rückkehr aus China begann Varejão, Beispiele regionaler brasilianischer Volkskunst zu sammeln, darunter Ex-Votos und Azulejos, glasierte Terrakottafliesen arabischen Ursprungs, die seit dem Mittelalter die am weitesten verbreitete Dekorationsform in der portugiesischen Nationalkunst darstellen. Fasziniert vom Azulejo und seinem Erbe in Brasilien als Metapher für erzwungene und freiwillige kulturelle Vermischung, entwickelte Varejão ihre Azulejão-Gemälde. Als Malgrund trägt sie eine dicke Schicht zähflüssigen Gipses auf eine flach liegende Leinwand auf. Während der Gips langsam trocknet, entstehen Risse, die eine Kartografie tiefer Oberflächenspalten erzeugen. Während die frühen Azulejão-Gemälde die Fragmente größerer Schemata zeigten, präsentieren die großformatigen Einzelwerke der späteren Jahre seismische Oberflächen, die zugleich abstrakt, geologisch und körperlich wirken.[8]

Für Varejão nimmt das räumliche Drama des Barock viele Formen an: In den Ruinas de charque (Fleischruinen), einer Serie großformatiger, freistehender Skulpturen, die sie 1999 begann, simuliert sie geflieste Architekturfragmente, die von bemalten Eingeweiden durchzogen sind. Spezifische Orte, die in den Untertiteln dieser Werke genannt werden, legen nahe, dass vertraute Räume von gewalttätigen Gespenstern der Vergangenheit und Gegenwart heimgesucht werden. Die Serie Saunen und Bäder besteht aus gefliesten Interieurs, die in komplexen, monochromen Abstufungen bemalt sind. Sie entwickelte dann Interesse an der Kultur des präkolumbischen, kolonialen und modernen Mexikos. Im Januar 2017 besuchte sie Puebla als Gast des Museo Amparo, um die lokale Talavera- und Cholula-Polychromkeramik zu studieren. Ihre anschließende Auseinandersetzung mit der Talavera-Keramik, deren heterogene kulturelle Quellen Parallelen zum brasilianischen Barock aufweisen, hat eine neue Richtung in ihren Gemälden angestoßen. Darin treten die klaren Formen und leuchtenden Farben der Hard-Edge-Abstraktion in einen Dialog mit den handwerklichen Traditionen ihrer präkolumbischen Vorfahren.[9]

2008 wurde die Galeria Adriana Varejão, ein permanenter, individuell gestalteter Pavillon, im Centro de Arte Contemporânea Inhotim in Brumadinho eröffnet. Im Freigelände des Centro de Arte Contemporânea Inhotim sind zwei ihrer Skulpturen ausgestellt.[10]

Ehrungen

  • 2008: Medal of Chevalier des Arts et des Lettres
  • 2011: Order of Cultural Merit, Cultural Ministry of Brazil
  • 2012: Grande Prêmio da Crítica, the Association of Art Critics from São Paulo (APCA)
  • 2013: Prêmio Mario Pedrosa, Brazilian Association of Art Critics (ABCA)

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2005: Centro Cultural de Belém, Lissabon
  • 2005: J’en rêve, Fondation Cartier, Paris
  • 2007: Hara Museum, Tokio
  • 2015: Dallas Contemporary, Texas
  • 2017: Französische Akademie in Rom, Villa Medici, Rom
  • 2019: Adriana Varejão: Por uma retórica canibal, Museum of Modern Art, Salvador
  • 2019: Adriana Varejão: Por uma retórica cannibal, Museum für moderne Kunst von Bahia
  • 2019: Adriana Varejão: Otros cuerpos detrás, Museo Tamayo, Mexiko-Stadt
  • 2022: Retrospektive, Pinacoteca do Estado de São Paulo
  • 2022: Suturas, fissuras, ruínas, Pina Luz Gebäude, São Paulo[11]
  • 2025: Adriana Varejão: Don’t Forget, We Come From the Tropics, Hispanic Society Museum & Library, New York[12]
  • 2025: Adriana Varejão and Paula Rego: Between Your Teeth, Calouste-Gulbenkian-Museum, Lissabon[13]

Sammlungen

  • Arizona State University, Phoenix, USA
  • Bouwsfonds Kunststchting, Hoevelaken, Niederlande
  • Coleção Berardo, Museu de Arte Moderna de Sintra, Portugal
  • Coleção Patricia Phelps de Cisneros, Caracas, Venezuela
  • Ellipse Foundation – Contemporary Art Collection, Lissabon
  • Foundation Cartier pour l’art Contemporain, Paris
  • Fundação Serralves, Porto, Portugal
  • Fundació “la Caixa”, Barcelona
  • Hara Museum of Contemporary Art, Tokio, Japan
  • Inhotim Centro de Arte Contemporânea, Minas Gerais, Brasil
  • Metropolitan Museum of Art, New York
  • Museu de Arte Moderna de São Paulo, Brazil
  • Museu de Arte Moderna do Rio de Janeiro, Brazil
  • SMAK – Museum of Contemporary Art, Ghent, Belgium
  • Stedelijk Museum, Amsterdam
  • Tate Modern, London
  • The Museum of Contemporary Art – MoCA, San Diego
  • The Solomon R. Guggenheim Museum, New York[14]
Commons: Adriana Varejão – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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