Wikiwand AI

Airbus Helicopters H155

Hubschraubertyp From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Airbus Helicopters H155 B (früher Eurocopter EC155) aus der „Dauphin-Familie“ ist ein leichter Mehrzweckhubschrauber der deutsch-französischen Unternehmensgruppe Airbus Helicopters.

Schnelle Fakten
Airbus Helicopters H155

Eine H155 der Polizeifliegerstaffel NRW
TypLeichter Mehrzweckhubschrauber
Entwurfsland

Frankreich Frankreich

Hersteller Airbus Helicopters
Erstflug 17. Juni 1997
Indienststellung März 1999
Produktionszeit

Seit 1999 in Produktion

Stückzahl 100 (Stand: August 2009)
Schließen

Entwicklungsgeschichte

Die ursprünglich als AS365 N4 bezeichnete EC155 wurde auf Basis des Eurocopter AS365 N3 Dauphin 2 entwickelt, mit dem Ziel, den Kabinenraum der Dauphin deutlich zu vergrößern. Die Entwicklung begann im September 1996 und der Hubschrauber wurde von Eurocopter im Juni 1997 auf der Paris Air Show offiziell vorgestellt. Der erste EC155-Hubschrauber, eine modifizierte Dauphin-Zelle, absolvierte am 17. Juni 1997 in Marignane seinen Erstflug, und der erste Vorserien-EC155 B flog am 11. März 1998. Der Hubschrauber erhielt am 11. Dezember 1998 die Sicherheitszulassung durch die französischen und deutschen Zivilluftfahrtbehörden und ging kurz darauf in Serie.

Im März 1999 begannen die Auslieferungen des EC155 B. Die deutsche Bundespolizei war der erste Betreiber dieses Typs. Zwischen März 1999 und Juni 2003 wurden rund 50 EC155 verkauft, hauptsächlich an VIP- und Offshore-Kunden.[1]

Die EC155 B1 wurde mit leistungsgesteigerten Triebwerken entwickelt, wodurch sie in großen Höhen und bei hohen Temperaturen eine verbesserte Leistung bietet; diese Variante verfügt zudem über ein höheres maximales Startgewicht (4920 kg gegenüber 4799 kg). Die Auslieferung dieses Modells begann im November 2002. Wobei der Government Flying Service von Hongkong der erste Betreiber war. Anfang 2003 schloss Eurocopter die Studien für eine noch leistungsstärkere Version der EC155 B1 ab, die darauf ausgelegt war, besser mit neuen Hubschraubern wie dem AgustaWestland AW139 konkurrieren zu können und den Anforderungen militärischer Kunden besser gerecht zu werden.

Mehrere wichtige Komponenten des EC155, wie beispielsweise das Rotorsystem (wenn auch für den Betrieb bei niedrigeren Drehzahlen modifiziert), wurden im Eurocopter X3 verwendet, einem experimentellen Hochgeschwindigkeits Hubschrauber, der 2013 einen inoffiziellen Geschwindigkeitsrekord von 472 km/h aufstellte.[2][3] Im Jahr 2015 wurde eine EC155 von Airbus Helicopters zudem als fliegender Testträger für neue aerodynamische Merkmale wie Rotorblätter, Doppeldecker-Stabilisator und geneigtes Fenestron für den in der Entwicklung befindlichen Hubschrauber Airbus Helicopters H160 eingesetzt.[4]

Im Jahr 2015 schlossen Airbus Helicopters und Korean Aerospace Industries (KAI) eine Vereinbarung über die Verlagerung der wesentlichen Fertigungsaktivitäten für den EC155 nach Südkorea. KAI soll ab 2018 der alleinige Hersteller dieses Typs werden und beide Unternehmen sollen gemeinsam an der internationalen Vermarktung und Weiterentwicklung des Typs beteiligt sein. Die EC155 soll als Grundlage für den „Light Civil Helicopter“ (LCH) und den „Light Armed Helicopter“ (LAH) von KAI dienen und zahlreiche Änderungen aufweisen. Darunter ein neues Cockpit, ein verbessertes Getriebe und neue Rotorblätter. Der LAH soll über eine am Rumpf montierte 20-mm-Kanone sowie seitlich angebrachte Lenkraketen, Gegenmaßnahmen verfügen und 6–10 Soldaten transportieren können. Der LCH soll 2020 in Dienst gestellt werden, der LAH folgt 2022, um den MD 500 Defender und den AH-1J/S Cobra zu ersetzen. Am 26. Dezember 2024 stellte die Südkoreanische Streitkräfte die LAH-1 Miron in denn Dienst.[5] Airbus rechnet in Südkorea mit einer Nachfrage nach 100 LCH und 214 LAH und schätzt den internationalen Markt auf 300–400 LAH-Versionen als Ersatz für veraltete Kampfhubschrauber.

Konstruktion

Eine EC155 der Bundespolizei mit grün-blauer Sonderbemalung

Die EC155 B verfügt über eine komplett neu gestaltete Kabine, die 30 % mehr Platz für Passagiere bietet als frühere Dauphin-Hubschraubermodelle, sowie über ein um 130 % vergrößertes Gepäckraumvolumen. Zu den weiteren wesentlichen Verbesserungen zählt ein fünfblättriger Spheriflex Verbundwerkstoff Hauptrotor. In Kombination mit dem bekannten, gekapselten Fenestron-Heckrotor, wodurch die Vibrationswerte deutlich reduziert werden. Die EC155 B wird von zwei 635 kW Turbinen vom Typ Turbomeca Arriel 2C1 angetrieben, die über ein Zweikanal FADEC System (Full Authority Digital Engine Control) verfügen. Die EC155 B1 verfügt über leistungsgesteigerte Arriel 2C2 Triebwerke mit 697 kW. Der Hubschrauber kann mit einem Enteisungssystem ausgestattet werden, um den Einsatz in sehr kalten Klimazonen zu ermöglichen. Das Glascockpit ist mit einem integrierten digitalen Flugsteuerungssystem „Avionique Nouvelle“ ausgestattet. Das das Vehicle and Engine Management Display (VEMD) von Eurocopter umfasst, welches Active Matrix Flüssigkristallanzeigen nutzt. Die EC155 ist zudem mit einem vierachsigen digitalen Autopiloten ausgestattet, der zur Gewährleistung eines umfassenden Schutzes über den gesamten Betriebsbereich mit den FADEC Systemen der Triebwerke gekoppelt ist, und wird mit einem Health and Usage Monitoring System (HUMS) angeboten.

Die Maschine verfügt über ein hydraulisches Fahrwerk, es wird nach Einfahren des Fahrwerks jedoch nur das Bugrad verdeckt, die beiden Hauptfahrwerke liegen in Buchten, die links und rechts im Rumpf dafür vorgesehen sind.

Eurocopter entwickelte die EC155 ursprünglich in drei Konfigurationen, doch im Jahr 2005 kamen zwei weitere hinzu. Die Version für den Personentransport bietet Platz für 12 Passagiere in Komfortsitzen oder 13 Passagiere in Economy-Sitzen sowie für 1 oder 2 Besatzungsmitglieder. Die VIP- oder Firmenflugversion verfügt über eine VIP-Lounge mit Arbeitsbereich für bis zu 8 Führungskräfte. Die Version für den Krankentransport kann zwei Patienten auf Tragen sowie bis zu vier sitzende medizinische Begleiter befördern oder vier Patienten auf Tragen plus zwei sitzende medizinische Begleiter. Die 2005 hinzugefügten Konfigurationen waren für den Offshore-Einsatz sowie für polizeiliche Einsätze wie Patrouillen, Luftüberwachung, Such- und Rettungsdienste (SAR) und Rettungsdienst (EMS) vorgesehen, wobei der Hubschrauber für diese Aufgaben mit spezifischer Einsatzausrüstung ausgestattet wurde.

Die EC155 ist für Instrumentenflug zertifiziert und kann mit Nachtsichtgerät geflogen werden. Optional können Seilwinden (für bis zu 272 kg) oder Abseilhilfen angebracht werden.

Varianten

  • EC155 – Der erste Prototyp, der durch Umbau einer bestehenden Dauphin-Zelle entstand.
  • EC155 B – Die erste Serienversion, angetrieben von zwei Turbomeca Arriel 2C1 Turbinen.
  • EC155 B1 – Ein leistungsgesteigertes Modell, das mit zwei Turbomeca Arriel 2C2 Turbinen und einer höheren Startmasse ausgestattet ist und eine verbesserte Leistung bei hohen Temperaturen und in großen Höhen bietet.
  • AS565 UC – Bezeichnung einer Studie zu frühen militärischen Ableitungen
  • LCH – ist ein mittelgroßer, zweimotoriger Zivilhubschrauber, der vom südkoreanischen Luft- und Raumfahrtunternehmen Korea Aerospace Industries (KAI) hergestellt wird.
  • LAH-1 Miron – ist ein kompakter, bewaffneter zweimotoriger Hubschrauber, der von Korea Aerospace Industries (KAI) entwickelt wurde

Einsatzspektrum

Einsatzmöglichkeiten des H155 liegen unter anderem in den Bereichen:

Nutzer

Die H155 wird weltweit von über 75 Nutzer in mehr als 30 Staaten genutzt.[6] Zu den häufigsten Nutzern des H155 gehören staatliche Organe:

Technische Daten

Dreiseitenansicht einer H155 (EC155)
Weitere Informationen Kenngröße, Daten H155 B1 ...
Kenngröße Daten H155 B1
Piloten 1–2
Passagiere 12–13
Länge 14,30 m
Rumpflänge 12,73 m
Höhe 4,35 m
Hauptrotordurchmesser 12,60 m
Triebwerke zwei Turbinen Turbomeca Arriel 2C2 mit je 704 kW Startleistung; 636 kW Dauerleistung
Leergewicht 2619 kg
max. Startgewicht 4920 kg
Höchstgeschwindigkeit 324 km/h
Reisegeschwindigkeit 279 km/h
Reichweite mit Standardtanks 802 km
max. Flughöhe 4572 m
Schließen

Der Preis einer Maschine variiert je nach Ausstattung und kostet ca. 10 Millionen Euro.

Siehe auch

Commons: Airbus Helicopters H155 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks