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Aktion 451

rechtsextreme Studentengruppierung From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Aktion 451 (auch Aktion451) ist eine rechtsextreme Gruppierung, die vor allem an Universitäten in Österreich und Deutschland aktiv ist. Sie wird vom Staatsschutz Österreich als eine Tarnorganisation der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) eingestuft und seit ihrer Gründung beobachtet.

Schnelle Fakten
Aktion 451
Logo
Art Studentengruppe
Ausrichtung rechtsextrem, identitär
Gründungsdatum November 2023
Gründungsort Wien
Website aktion451.at
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Die Zahl 451 ist eine Anspielung auf den 1953 erschienenen dystopischen Roman Fahrenheit 451 von Ray Bradbury, der von einem fiktiven Staat handelt, in dem der Besitz und das Lesen von Büchern als schweres Verbrechen gilt.[1]

Geschichte

Das genaue Gründungsdatum der Gruppierung ist nicht bekannt. Am 26. Oktober 2023 wurde ein Telegram-Kanal mit der Kennung @aktion451 erstellt. Der erste Eintrag erfolgte dann am 1. November 2023[2] mit dem Hinweis auf eine für den 17. November 2023 geplante und vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) organisierte Podiumsdiskussion in der Wiener Universität mit dem Thema „Es gibt eine Alternative zur linken Uni“. Für diese Veranstaltung mietete der RFS offiziell einen Hörsaal beim Veranstaltungsmanagement der Wiener Universität an.

Nachdem publik geworden war, dass auch der rechtsextreme Publizist Götz Kubitschek bei der Veranstaltung am 17. November 2023 auftreten soll, forderten die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) der Universität Wien und die grüne Nationalratsabgeordnete Eva Blimlinger eine Absage der Veranstaltung.[3] Am 5. November 2023 untersagte die Universität Wien aufgrund einer Vertragsverletzung die Veranstaltung in ihren Räumlichkeiten und distanzierte sich in einer Pressemitteilung von allen Formen von Intoleranz, Extremismus, Rassismus und revisionistischem Gedankengut.[4]

Die Aktion 451 kündigte daraufhin am 6. November 2023 auf Telegram an, dass man eine Demonstration mit Kubitschek vor der Universität Wien organisieren werde, sollte der RFS keinen juristischen Erfolg gegen die Veranstaltungsabsage haben. Am 17. November 2023 wurde dann die geplante Kundgebung zusammen mit den IB-Aktivisten Martin Sellner und Andreas Hinteregger und Kubitschek unter dem Motto „Gegen linke Zensur und Cancel Culture“ auf der öffentlich zugänglichen Uni-Rampe vor dem Hauptgebäude der Universität Wien durchgeführt.[5][6] In seiner Rede nahm Kubitschek Bezug auf das Buch Fahrenheit 451, bezeichnete die Veranstaltung als „Gründungsveranstaltung der Aktion 451“ und rief zur Bildung von Lesekreisen auf, „um eine Reconquista“ an den Universitäten einzuleiten.[7] Die Veranstaltung wurde von Gegenprotesten und gewalttätigen Ausschreitungen begleitet[8], in deren Verlauf Wieland Kubitschek, der Sohn von Götz Kubitschek, nach einem Flaschenangriff gegen einen anderen Aktivisten, von der Polizei festgenommen und im März 2025 vor dem Amtsgericht Merseburg wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde.[9]

Aktivitäten

Seit Januar 2024 kam es dann zunächst an den österreichischen Universitäten (Wien, Graz, Linz und Salzburg) und im Juni 2024 auch in Deutschland (Leipzig)[10] zur Gründung sogenannter Lesekreise.[7.1]

Unter dem Motto „Ein Buch ist eine Waffe“ werden in den Lesekreisen Werke von alten und neuen Vertretern der antiliberalen und nationalistischen „Konservativen Revolution“ gelesen und diskutiert (u. a. Werke von Carl Schmitt, Ernst Jünger, Oswald Spengler, Arnold Gehlen, Armin Mohler, Alan de Benoist, Aron Pielka, Benedikt Kaiser, Thor von Waldstein, Rolf Peter Sieferle, Martin Lichtmesz, Ellen Kositza und Martin Sellner).[11]

Nach Bekanntwerden von Veranstaltungsorten der Aktion 451 wurden diese teils Opfer von Anschlägen. Im November 2025 wurde z. B. eine Wiener Weinbar mit Farbbeuteln und Graffiti beschmiert. Die Aktion wurde vom Chef der Wiener FPÖ Dominik Nepp sowie den FPÖ-Landtagsabgeordneten Sebastian Schwaighofer und Leo Lugner als „linksextremer Terror“ bezeichnet. Sie verlangten eine „behördliche Offensive gegen die Szene, die sich hinter dem Etikett ‚Antifa’ versammelt“ und das sich Wien „nicht von Linksextremisten einschüchtern lassen dürfe“.[12] Der österreichische Innenminister Gerhard Karner schaltete den Staatsschutz ein.[13][14]

Die Lesekreise setzen sich überwiegend aus Angehörigen der Identitären Bewegung, deutschnationaler Burschenschaften und Mitgliedern des Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) zusammensetzen,[15] neben den Lesungen werden auch andere Freizeitaktivitäten wie Wanderungen, Sportgruppen und Barabende angeboten.[16] Über Agitationen auf ihren Social-Media-Kanälen, Flugblattaktionen, Kundgebungen und Informationsständen an Universität (in Wien gemeinsam mit Szene-Influencern Michelle Gollan (Eingollan) und Cornell Peschke) versucht die Gruppierung weitere Mitglieder und Interessenten zu gewinnen.[17]

Am 21. Februar 2026 führte die Wiener Aktion 451 zusammen mit Vertretern anderer rechtsextremer Gruppierungen (u. a. aus der Schweiz, aus Belgien und lokalen Wiener „Brigaden“) eine als „Mahnwache“ angekündigte Kundgebung vor der Französischen Botschaft in Wien für den am 14. Februar 2026 in Lyon bei einer Auseinandersetzung mit Linksextremen getöteten Neonazi Quentin Deranque durch.[18] Am gleichen Tag wurde, zusammen mit rechtskonservativen Magazin The European Conservative, eine Abendveranstaltung mit dem rechtsextremen Tech-Ideologen Curtis Yarvin organisiert, um einen Einblick „in den Kulturkampf in den USA“ und seine Neoreaktionäre Bewegung zu geben.[19][20][21] Als Veranstaltungsort wurde die Albert Hall gewählt, das ehemalige Hauptquartier der Hitlerjugend im Gau Wien (nach der Beschlagnahmung durch die DAF 1938).[22][23]

In der Märzausgabe 2026 der österreichischen Zeitschrift DATUM wurde Wieland Kubitschek als ein Mitglied der Führungsriege der Aktion 451 eingeordnet.[24]

An der TU Wien störten Aktivisten der Aktion 451 am 23. April 2026 eine Veranstaltung der ÖH Uni Wien, die den Aufstieg der rechtsextremen FPÖ thematisierte. Dabei wurden Flugblätter mit dem Titel „Wer hat Angst vor der Rückkehr des Volkes?“ und dem Logo der Aktion 451 verteilt.[17]

Nachdem die Rechercheplattform Rhein-Main Rechtsaußen im März 2026 aufgedeckt hatte, das ein Kennenlerntreffen der Frankfurter Aktion 451 von Thomas Janeczek, Schatzmeister der Generation Deutschland in Hessen, (zusammen mit Manuel Wurm, dem ehemaligen Vorsitzenden der JA Hessen) initiiert worden war[25], riet der Landesvorstand der AfD Hessen im Mai 2026 den Mitgliedern der Generation Deutschland ausdrücklich davon ab, an Veranstaltungen der Aktion 451 teilzunehmen. Man brauche zwar ein „Gegengewicht gegen die linke Dominanz an Hochschulen“, diese könne man aber auch aus eigener Kraft erreichen und müsse sich nicht mit einer „Tarnorganisation der Identitären Bewegung“ einlassen, die auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD stehe.[26] Die Einschätzung der hessischen AfD wurde von anderen AfD-Mitgliedern, Akteuren der extremen Rechten und auch der Gruppierung selber in den sozialen Medien stark kritisiert. Im Mai ordnete Götz Kubitschek in einem Blog-Beitrag die Kritik der hessischen AfD als strategisches Vorgehen ein, durch „Mäßigungssignale“ solle Einfluss auf den laufenden Rechtsstreit zur Einstufung der AfD als rechtsextremer Verdachtsfall durch das hessische Landesamt für Verfassungsschutz genommen werden[27], die Einstufung durch das LFV wurde aber am 3. Juni 2026 vom Verwaltungsgericht Wiesbaden bestätigt.[28]

Struktur und Ideologie

Über ihre personelle Struktur gibt die Gruppe keine Auskunft, eine Eintragung als Verein oder als Unternehmen ist bisher nicht erfolgt (Stand Juli 2026). Im Impressum der Homepage wird eine gemietete, ladungsfähige Adresse der Hamburger Firma „Impressum-Privatschutz GmbH“ als Kontakt angegeben. Der Politikwissenschaftler Bernhard Weidinger[29] vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) bezeichnet die Aktion 451 daher eher als ein „Label“ als eine Organisation, da sie formell nicht über Mitglieder und Funktionäre verfügt und nicht alle Teilnehmer der Lesekreise als Aktivisten zu werten seien.[1]

Die Gruppe sieht sich als neurechtes Konkurrenzangebot zu der vermeintlich „linken Kulturhegemonie“ an den Hochschulen und möchte neben der Rekrutierung von neuen Mitgliedern auch durch Aktionen und Demonstrationen die Rückeroberung der Deutungshoheit an Universitäten erreichen und so den öffentlichen Diskurs nach rechts verschieben.[15][30]

Laut Homepage (Stand Juli 2026) ist die Gruppierung an der österreichischen Universitäten in Wien und Graz aktiv. In Deutschland soll sie an den Universitäten in München, Stuttgart, Schmalkalden, Frankfurt am Main, Leipzig, Jena, Dresden, Erfurt und Augsburg aktiv sein. Zur Aktion 451 und den einzelnen Universitätsgruppen wurden verschiedene Instagram-Kanäle erstellt, außerdem ist sie auf Youtube aktiv.

Einzelnachweise

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