Alois Marksteiner

österreichischer Psychiater und Neurologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Alois Marksteiner (* 7. Juni 1928 in Wien; † 29. Mai 2000 in Baden bei Wien) war ein österreichischer Psychiater, Neurologe und ehemaliger Direktor der Niederösterreichischen Landesnervenklinik Gugging. Als „Vater der Österreichischen Psychiatriereform“ gilt er als der erste Psychiater in Österreich, der das Konzept der gemeindenahen Psychiatrie konsequent umsetzte und zur Dezentralisierung stationärer Versorgung beitrug. Sein Name ist eng mit der Entwicklung moderner psychosozialer Dienste und dem „Haus der Künstler“ in Gugging verbunden.[1]

Leben

Alois Marksteiner wurde 1928 in Wien geboren. Nach Abschluss seines Medizinstudiums im Jahr 1954 begann er an der Landesnervenklinik Gugging zu arbeiten. 1975 übernahm er die Direktion der Klinik, die er bis zu seiner Pensionierung 1994 leitete. Im Laufe seiner Karriere wurde er Hofrat und Primarius.[2][3] Sein Bruder Leopold Marksteiner war als Professor am Wiener Konservatorium tätig. Aus seiner Ehe gingen zwei Söhne hervor, darunter Thomas Marksteiner.

Alois Marksteiner entschied sich angesichts einer Krebserkrankung bewusst gegen eine Chemotherapie und verbrachte seine letzten Lebenswochen in Baden.

Wirken

Reform der Psychiatrie

Marksteiners Arbeit war maßgeblich für den Übergang von einer institutionellen zu einer gemeindenahen psychiatrischen Versorgung in Österreich. Als er die Leitung der Landesnervenklinik übernahm, verfügte diese über rund 1000 Betten. Durch die schrittweise Umstellung der Versorgung, die stärkere Einbindung des sozialen Umfelds und den Ausbau außerstationärer Betreuung reduzierte sich die Bettenzahl bis 1994 auf etwa ein Drittel.[4]

Er setzte als einer der ersten in Österreich das Prinzip der Gemeindepsychiatrie konsequent um. Dazu gehörten die Einführung des Berufs des „Sozialhelfers“. Marksteiner integrierte engagierte Laien, die von der italienischen Bewegung der „Demokratischen Psychiatrie“ beeinflusst waren, in den Klinikalltag. Bereits in den 1970er-Jahren gründete er in der "Modelregion Mistelbach" ein gemeindepsychiatrisches Zentrum mit Wohnheim, Tagesstätte, psychosozialem Dienst und Beratungsstellen. Das Konzept wurde von der WHO als Modell anerkannt. Er setzte sich zudem für eine Auflösung zentralisierter Einrichtungen ein.[5]

Marksteiner war wesentlich an der Erstellung des Psychiatrieplans Niederösterreichs von 1995 beteiligt, der die Dezentralisierung der stationären Versorgung vorsah. Kurz vor seinem Tod konnte er die Errichtung neuer psychiatrischer Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern in Hollabrunn, Neunkirchen und Waidhofen an der Thaya erleben.

Haus der Künstler

Marksteiner unterstützte mit Leo Navratil entscheidend den Aufbau des bekannten „Hauses der Künstler“, heute das Herzstück des Art/Brut Centers Gugging. Der kleine Pavillon am Rande des Anstaltsgeländes wurde 1981 mit eröffnet und dient seither als Wohn- und Arbeitsstätte jener Patientinnen und Patienten, die durch ihre zeichnerischen oder literarischen Werke bekannt wurden.

Das „Haus der Künstler“ bot Wohnräume für bis zu vierzehn Künstlerinnen und Künstler, die Möglichkeit individueller künstlerischer Arbeit ohne festgelegte Stunden, eine museale Präsentation der Werke im Gebäude, sowie eine permanente Verkaufsausstellung zugunsten der einzelnen Künstler. Marksteiner unterstützte damit die öffentliche Sichtbarkeit der Gugginger Künstler, deren Werke seit den 1970er-Jahren in Museen und Galerien ausgestellt wurden.[6]

Veröffentlichungen

  • Gugging, Versuch einer Psychiatriereform : 100 Jahre Niederösterreichisches Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Klosterneuburg, AVM-Verlag der Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation, Salzburg, 1985, ISBN 3-900456-03-8.

Literatur

  • Theodor Meißel, Rainer Gross, Werner Brosch (Hrsg.): Betreuungskontinuität in der Psychiatrie - Festschrift für Alois Marksteiner. Springer Verlag, 1994, ISBN 0-387-82611-4.

Einzelnachweise

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