Ana Lemos

Unabhängigkeitsaktivistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Ana Xavier da Conceição Lemos[1] (* 1965;[2]13. September 1999 in Tocoluli, Gemeinde Ermera, Osttimor) war im von Indonesien besetzten Osttimor eine Unabhängigkeitsaktivistin. Die Lehrerin war Sekretärin der Organização da Mulher Timor (OMT) in Ermera, die dem CNRT nahe stand, und arbeitete für die Mission der Vereinten Nationen in Osttimor (UNAMET) zur Vorbereitung des Unabhängigkeitsreferendums in Osttimor 1999.[3.1]

Leben

Die Familie von Lemos war bekannt für ihre Unterstützung der Unabhängigkeit Osttimors von Indonesien. Ihre beiden Brüder waren ebenfalls in der Unabhängigkeitsbewegung aktiv, der eine im CNRT[4.1] der andere war Kommandant bei der FALINTIL.[3.1] Lemos arbeitete in Gleno als Lehrerin und hatte drei Kinder von ihrem geschiedenen Ehemann.[4.1] Politischen Gefangenen im Gefängnis in Gleno brachte sie Lebensmittel.[5]

Aufgrund ihres politischen Engagements und ihren Verbindungen zum osttimoresischen Widerstand war Lemos schon früh Ziel von Angriffen durch pro-indonesische Milizen. Am 10. April 1999 umzingelten Mitglieder der Darah Merah Integrasi ihr Haus, warfen die Fensterscheiben ein und stahlen 400.000 Rupiah. Der indonesische Sergeant Melky nahm Lemos damals in Schutz. Mit Eintreffen der Beamten der UNAMET im Juni nahmen die Bedrohungen etwas ab. Trotzdem erklärte Lemos, dass sie um ihr Leben fürchte.[4.1]

Am Tag der Abstimmung zum Unabhängigkeitsreferendum am 30. August arbeitete Lemos als Ordnerin bei der Warteschlange der Wähler in Poetete. Nach der Schließung des Wahllokals drohten lokale Milizionäre anzugreifen, weswegen die CNRT-Anhänger zum Stützpunkt der FALINTIL bei den Bergen flohen. Lemos entschied sich aber nach Gleno zu ihren Kindern zurückzukehren. Ein befreundetes Mitglied der indonesischen Mobilen Polizeibrigade (Brimob) half ihr und zwei Studenten, nach Gleno zu kommen.[4.1]

Gegen Mitternacht drang Sergeant Melky mit mehreren Männern (wahrscheinlich Milizionäre) in Lemos Haus ein. Fenster und Lampen wurden zerschlagen, zwei Schüsse fielen. Lemos und die beiden Studenten hatten sich unter ihren Betten versteckt, kamen aber hervor, als die Männer ihre Waffen auf sie richteten. Die drei wurden verhört und geschlagen. Melky warf Lemos ihre fortgesetzte Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegung vor, obwohl er sie im April vor der Miliz beschützt habe. Er drohte, Lemos’ Kinder zu holen, sobald die UN abgereist sei, sollte sie den Vorfall der UNAMET melden. Außerdem schlug er Lemos. Die Milizionäre durchwühlten das Haus nach Wertsachen, die sie als „indonesisches Eigentum“ beschlagnahmten, und durchschnitten die Telefonleitung zum Haus.[4.1]

Als die Männer das Haus verließen, versteckten sich Lemos und die beiden Studenten im Garten des nahegelegenen balinesischen Tempels. Am nächsten Morgen kontaktierte sie den mit ihr bekannten Brimob-Polizisten, der die drei daraufhin zunächst zu sich nach Hause und dann zum UNAMET-Hauptquartier in Gleno brachte. In dessen Umgebung hatten sich jedoch bereits Milizionäre versammelt, die die UN-Angehörigen am Verlassen der Anlage hinderten. Außerhalb des Hauptquartiers durchstreiften Milizionäre die Straßen, steckten Gebäude in Brand und feuerten ihre Waffen ab.[4.1]

Nach mehreren Stunden Verhandlungen mit den indonesischen Sicherheitskräften und den Milizionären durfte die UNAMET ihre Mitarbeiter nach Dili evakuieren, wobei die Milizionäre jedoch forderten, dass die osttimoresischen UNAMET-Helfer dableiben müssten. Als der Fahrzeugkonvoi startklar war, durchsuchten die Milizionäre und Sicherheitskräfte die Wagen nach bekannten Unabhängigkeitsbefürwortern. Lemos gelang es, auch mit der Hilfe des Brimob-Angehörigen, sich zwischen den internationalen Mitarbeitern zu verstecken. Sie blieb mehrere Tage in Dili und wechselte mehrmals ihren Aufenthaltsort, kehrte schließlich aber wegen ihrer Kinder zu Fuß wieder nach Gleno zurück.[4.1]

Kurz vor ihrer Heimatstadt wurde Lemos von indonesischen Soldaten aufgegriffen und zum Verhör in die Distriktskommandatur (Kodim) gebracht. Danach brachte man sie für mehrere Tage in das Büro der Darah Merah. Als Lemos am 11. September zu ihrer Mutter Ines da Conçeicão Lemos kam, war sie mit blauen Flecken übersät. Sie gab ihrer Mutter etwas Geld und Reis und sagte, dass sie mit ihrer Ermordung rechne. Ihrer Freundin Aliança Gonçalves erzählte Lemos, dass sie am Vortag im Kodim von Sergeant Melky vergewaltigt worden sei. Melky habe sie mit vorgehaltener Pistole gezwungen. Am selben Abend rief ein Milizionär auf einer Feier dazu auf, man solle „einfach die Frau umbringen, die gerne Politik macht.“[3.1][4.1]

Am 13. September wurde Lemos von einem unbekannten Milizionär von zu Hause abgeholt. Ihre Mutter durfte sie nicht begleiten. Dies war das letzte Mal, dass Ana Lemos lebend in der Öffentlichkeit gesehen wurde.[4.1] Nach der Aussage eines Milizionärs der Darah Merah soll sein Kommandant Zeca Pereira an dem Tag die Ermordung von Ana Lemos angeordnet haben. Sie wurde daraufhin nach Tocoluli gebracht und dort von einem Milizionär erstochen. Auch Lucas, der Chef der Naga-Mehah-Miliz, und Sergeant Hilario sollen an Misshandlungen und ihrem Tod beteiligt gewesen sein. Ebenso steht Sergeant Melky unter dem Verdacht, in die Ermordung von Lemos involviert gewesen zu sein.[3.1][4.1] Die vier Beschuldigten wurden vor dem Special Panels for Serious Crimes angeklagt, entgingen aber in Indonesien einer Verurteilung.[6][7]

Die Mutter und die drei Kinder von Ana Lemos wurden am 15. September nach Atambua im indonesischen Westtimor gebracht. Ein Milizionär sagte zur Mutter, sie brauche nicht auf Ana zu warten. Am 5. November fand man vier Kilometer entfernt, an der Straße nach Aileu, Kleidungsstücke, die Lemos am Tag ihres Verschwindens getragen hatte. Nicht weit davon entfernt fand man die Überreste des Leichnams einer Frau. Im März 2000 wurden die sterblichen Überreste auf Bitten von Lemos’ Familie exhumiert und forensisch untersucht. Dies bestätigte mit großer Sicherheit, dass es sich bei der Toten um Ana Lemos gehandelt hat.[4.1] Sie ist eine von insgesamt 15 einheimischen UNAMET-Mitarbeitern, die ermordet wurden. Fünf von ihnen starben in Ermera.[1]

Gedenken

In der heutigen Gemeinde Ermera gilt Ana Lemos als Heldin. Ihre sterblichen Überreste sind unter dem Denkmal zum Unabhängigkeitstag Osttimors 2002 begraben.[4.1]

Die Grundschule Escola Basica Filial Dona Ana Lemos in Gleno ist nach Ana Lemos benannt.[4.1][8]

Einzelnachweise

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