Darah Merah
pro-indonesische Miliz in OSttimor
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Darah Merah oder auch Darah Merah Integrasi (deutsch Rotes Blut Integration) war eine pro-indonesische Miliz im Distrikt Ermera, im von Indonesien besetzten Osttimor.[1][2.1] In einigen Berichten wird die Miliz in Ermera auch Darah Merah Putih DMP (deutsch Rot-Weißes Blut) genannt.[3.1] Ihre Hauptbasis war in Manusae, im Stützpunkt des indonesischen Infanteriebataillon 743.[2.2]
Milizen gleichen Namens gab es auch in Viqueque und Oe-Cusse Ambeno.[2.3]
Mitglieder
Chef der Miliz war Miguel Soares Babo, der auch als Kommandant aller Milizen in Ermera fungierte. Der frühere Partisan António da Sousa wurde sein Stellvertreter und de facto-Kommandant. Sousa war Mitglied des Satuan Gabungan Intelijen SGI, des Geheimdienstes der Kopassus, und ein Dorfchef im Subdistrikt Letefoho.[4.1]
Sousa war für die Verteilung des Soldes und der Reisabgaben an die Milizionäre verantwortlich. Einmal im Monat kam er nach Hatolia Vila, um 100.000 Rupien und mehrere Kilogramm Reis zu verteilen. Zwei führende Kommandanten der Miliz in Gleno waren die Indonesier Hauptmann Abas und der Unteroffizier Heru, die mit der SGI verbunden waren.[4.2] Milizchef in Gleno war Zeca Pereira.[4.3] Unterstützung kam vom Forum für Einheit, Demokratie und Gerechtigkeit (indonesisch Forum Persatuan, Demokrasi dan Keadlian FPDK), gesteuert vom FPDK-Sicherheitschef. Dieser war António da Sousa.[4.4]
Mitglieder wurden teilweise in die Miliz gezwungen.[5.1]
Geschichte
Während der Unruhen von 1999 operierten zwischen dem 27. Januar und September in Hatulia die Milizen Darah Merah, Aitarak und Pancasila zusammen mit dem indonesischen Militär gegen Befürworter der Unabhängigkeit Osttimors.[3.2] Auch in den Subdistrikten Ermera und Letefoho war die Darah Merah aktiv.[4.2] Im April 1999 begann die Welle der Gewalt.[3.2] Am 9. April traf Distriktsmilitärchef (Dandim) Lt. Col. Muhamad Nur sich mit Vertretern von Darah Merah, FPDK und Volksfront Osttimor (indonesisch Barisan Rakyat Timor Timur, BRTT). Die Darah Merah erhielt von der Distriktkommandatur der indonesischen Armee (Kodim) sieben automatische Gewehre, einen Lastwagen, zwei Kijang- und ein Taft-Auto.[3.2][6.1] 200 Darah Merah-Milizionäre griffen daraufhin CNRT-Mitglieder in Hatulia an. Bei der Aktion kamen im Handgemenge zwei CNRT-Mitglieder und ein Milizionär ums Leben, worauf die Darah Merah in Cuccara Häuser niederbrannte.[3.2][5.2] Am 10. April brannten indonesische Soldaten und Milizionäre das CNRT-Hauptquartier in Gleno nieder und töteten den bekannten Aktivisten António Lima.[4.5]
Im selben Monat kam es zu einer Reihe von weiteren Morden durch die Miliz: Armando Gomes und Calistro in Leimea-Craic, Marito Tavares und Antonio de Deus in Cuccara, die CNRT-Mitglieder Mau Laho und Domingos und ein Mann namens Venancio.[3.2] Vier weitere Personen starben in Talimoro.[4.5] Einwohner von Ermera, Gleno und Atsabe flohen aus ihren Häusern. Am 10. April brannten indonesische Soldaten gemeinsam mit Darah Merah-Milizionären dutzende Häuser im Ort Ermera nieder.[5.2]
Zwischen dem 10. und 14. Mai wurden die Sucos Fatubolo, Lisapat, Mau-Ubo, Urahou und Fatubessi überfallen.[5] In Mau-Ubo wurde Constancio Carvalho im Mai von der Darah Merah ermordet, in Caiturloa (Suco Urahou) Abrão Salsinha Soares und in Assulau Bernabel Araújo.[3.1] Drei weitere Personen wurden am 10. Mai in Poerema ermordet und sechs in Atara bei einer kombinierten Operation aus indonesischer Armee und Miliz.[4.5] In Haturegas (Suco Fatubessi) suchte die Darah Merah am 14. Mai nach Unabhängigkeitsunterstützern. Mindestens 30 Einwohner wurden von Milizionären 30 Einwohner mit grünen Kaffeezweigen geschlagen. Einige Einwohner wurden in den Ort Fatubessi gebracht. Dort wurde eine der Frauen vergewaltigt und ein Mann zu Tode gefoltert.[7.1] Einer Frau, die von der Darah Merah entführt wurde, gelang nach zwei Monaten die Flucht. In dieser Zeit war sie von 24 Mitgliedern der indonesischen Streitkräfte und der Miliz sexuell missbraucht worden.[8.1]
Im Juni ermordeten Darah Merah-Milizionäre Luis Alves in Raitumura (Suco Urahou) und Francisco Alves Caralhera in Lilimau (Suco Manusae).[3.1] Am 8. und 16. Juni richteten Darah Merah-Milizionäre in Hatolia Vila mutmaßliche Widerstandsmitglieder hin.[3.3]
Nach der Abstimmung zum Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 am 30. August 1999 deportierten die Darah Merah und indonesisches Militär gewaltsam schätzungsweise 43.000 Einwohner des Distrikts Ermera nach Atambua. 10.000 Einwohner flohen in die Berge. Da die Fahrzeuge nicht reichten, mussten die Lastwagen mehrmals zwischen Ost- und Westtimor hin- und herfahren. Die Häuser der Deportierten wurden angezündet. Ganze Dörfer wurden entvölkert. Freiwillig gingen nur die Familienmitglieder der Milizen und der indonesischen Streitkräfte. Einige Dörfer konnten sich gegen die drohende Deportation wehren. Als am 9. September die Darah Merah 20 Häuser der Aldeia Hunda (Suco Hatugau) niederbrannten, suchten die meisten Leute Schutz im Haus des Chefe de Aldeia.[5]
Am 2. September umringten indonesische Soldaten und Darah Merah-Milizionäre das Büro der Jugendorganisation Juventude Lorico Assuwain (JLA). Milizionäre begannen Steine auf das Gebäude zu werfen. Als JLA-Mitglieder Steine zurückwarfen, eröffneten die Soldaten das Feuer. Mateus de Conceição und Silvano Mali Talo wurden niedergeschossen. Talo trug man in das Büro und setzte es in Flammen. Seine sterblichen Überreste fand man dort im Oktober. Conceição starb im Haus eines Freundes am selben Tag.[3.4]
Die Darah Merah beteiligte sich auch an der Verfolgung von UNAMET-Mitarbeitern. Am 2. September 1999 gingen Milizionäre in Begleitung eines Leutnants und eines Unteroffiziers der indonesischen Armee zum Haus des UNAMET-Mitarbeiters Ruben Soares. Die Milizionäre drangen in das Haus ein, zerrten Soares aus dem Haus, erstachen ihn und zerschlugen seinen Kopf mit einem Stein. Domingos Pereira, der ebenfalls für die UNAMET arbeitete, kam aus seinem benachbarten Haus und wurde vom Unteroffizier niedergeschossen und danach erstochen.[3.5] Ana Lemos war Unabhängigkeitsaktivistin, UNAMET-Mitarbeiterin, Lehrerin und Sekretärin der Organização da Mulher Timor (OMT) in Ermera. Ihre Familie war als Unterstützer der Unabhängigkeit bekannt, und ihr Bruder war ein FALINTIL-Kommandant. Am 13. September wurde sie von Darah Merah-Milizionären gefangen genommen und zunächst im Hauptquartier von Darah Merah und in einem Haus festgehalten und wie eine Sklavin behandelt. Angehörige des indonesischen Militärs vergewaltigten sie. Schließlich wurde Lemos nach Tocoluli gebracht und von einem Milizionär erstochen.[3.5]
Auch Timoresen, die ihre deportierten Familien versuchten zu kontaktieren wurden zum Ziel. Agusto Soares, der seine Schwester am 20. Oktober in Motaain traf, wurde von der Darah Merah ermordet.[3.6] Weitere Morde im September, die der Darah Merah zugeschrieben werden, waren der Tod des Beamten Agustinho Soares dos Reis am 9. September in Gleno, vom Jugendlichen Moises Soares in Riamori (Suco Haupu) und einem Mann namens Ameu in Railaco Craic.[3.7]
Zwei indonesische Soldaten und zwei Kommandanten von Darah Merah wurden 2004 wegen Mordes an 14 Personen, Folter und Vergewaltigung verurteilt.[5] Das Milizmitglied Carlos Santos wurde wegen Mordes an einer Person in Auleun (Letefoho) am 10. September 1999 angeklagt. Er wurde von den Special Panels for Serious Crimes des Mordes für schuldig befunden.[9.1] Lukas Martins, Zeca Pereira und Cipriano da Costa entgingen einer Verurteilung durch Flucht nach Indonesien.[9.2]