Andrzej Poczobut

belarussischer Journalist polnischer Nationalität From Wikipedia, the free encyclopedia

Andrzej Poczobut (belarussisch Андрэй Станіслававіч Пачобут, Andrej Stanislawawitsch Patschobut; * 16. April 1973 in Wjalikaja Berastawiza, Belarussische SSR, Sowjetunion) ist ein belarussischer Journalist und politischer Aktivist, der der polnischsprachigen Minderheit in Belarus angehört. Poczobut wurde unter anderem vom Menschenrechtszentrum Wjasna und Amnesty International als politischer Gefangener eingestuft, er war zuletzt von 2021 bis 2026 in Gefangenschaft.[1]

Andrzej Poczobut (2013)

Leben

Poczobut studierte bis 1998 Rechtswissenschaft und arbeitete anschließend als Dozent. Nebenbei schrieb er vermehrt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften in belarussischer, polnischer und russischer Sprache, so zum Beispiel für Dień, Pahonia, Narodnaja Wolja und Głos znad Niemna. 2011 arbeitete er zudem für die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza und war Chefredakteur des in Belarus erscheinenden Magazyn Polski.

Poczobut zählte zu den führenden Mitgliedern des Bundes der Polen in Belarus und engagierte sich für die Rechte von Minderheiten sowie gegen die Zentralisation in Belarus.

Pozcobut lebte mit seiner Ehefrau sowie seiner Tochter und seinem Sohn in Hrodna an der Grenze zu Polen.

Verhaftungen und deren Folgen

Ende 2010 und erneut Anfang 2011 wurde Poczobut von der belarussischen Miliz verhaftet. Ihm wurde unter anderem die „Teilnahme an einer nicht genehmigten Protestveranstaltung“ vorgeworfen. In der ersten Gerichtsverhandlung erhielt er eine Geldstrafe, die zweite endete mit 15 Tagen Haft. Poczobuts Einwände, er habe als Journalist den betreffenden Veranstaltungen beigewohnt, halfen nicht. Seine Wohnung wurde durchsucht, Computer und andere Unterlagen wurden beschlagnahmt.

Gegen die Haft Poczobuts protestierte der damalige Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek. Daneben wandten sich andere Institutionen wie Amnesty International und das Komitee zum Schutz von Journalisten gegen das Gerichtsurteil. Poczubuts Zulassung als Journalist wurde ihm von den belarussischen Behörden entzogen und zugleich der Gang ins Exil nach Warschau nahegelegt, den er jedoch ablehnte.[2]

Am 25. März 2021 wurde Poczobut erneut festgenommen, woraufhin der Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell die Verhaftung verurteilte.[3] Nach fast zwei Jahren Untersuchungshaft wurde Poczobut am 8. Februar 2023 schließlich zu acht Jahren regulärer Haft mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen verurteilt.[4]

Poczobut blieb trotz mehrerer Gefangenaustausche bzw. Freilassungen mit dem Ziel von Sanktionserleichterungen weiter in Haft. Die deshalb kritisierte polnische Regierung verlautbarte Ende 2025, sie verhandle nach wie vor mit dem Regime in Minsk um eine Befreiung Poczobuts.[5] Auf amerikanische Vermittlung hin kam er Ende April 2026 frei.[6]

Ehrung

Poczobut wurde am 22. Oktober 2025 der Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments zuerkannt. Er ist mit 50.000 Euro dotiert und wurde am 16. Dezember in Straßburg verliehen.[7][8] Am polnischen Nationalfeiertag (11. Nov.) 2025 wurde er von Präsident Nawrocki mit dem Weißen Adlerorden ausgezeichnet.[9]

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

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