Anna Zett

deutsche Künstlerin und Autorin From Wikipedia, the free encyclopedia

Anna Zett (* 1983 in Leipzig) ist eine deutsche Künstlerin und Autorin. Sie arbeitet mit den Medien Film, Installation, Hörspiel, Spielformat, Performance und Versammlung. Ihre Arbeit untersucht historische Narrative der Moderne und existentielle Themen wie Erinnerung und Vergänglichkeit aus einer machtkritischen, umweltbezogenen Perspektive. Seit 2024 ist sie künstlerische Mitarbeiterin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Leben und Ausbildung

Anna Zett wurde 1983 in Leipzig geboren und lebt und arbeitet in Berlin.[1] Zett studierte an der Humboldt Universiät Berlin, Middlesex University London und Universität der Künste Berlin (Gender Studies, Philosophie, Europäische Ethnologie, und daneben Kunst in der Klasse von Hito Steyerl).[2][3] Mit ihrer Abschlussarbeit Monster der Moderne[4] legte sie zugleich das inhaltliche Fundament für ihre ersten eigenen Filme.[2]

Werk

In ihrer performativen und narrativen Arbeit verbinden sich politische mit persönlichen Forschungsdramen. Im Zentrum ihrer Auseinandersetzung steht immer wieder die Mythologie des Modernismus zwischen Geschichte und Praxis, zwischen Wissenschaft und Fiktion.

2014 veröffentlichte sie die am Laptop aufgenommene Video-Lecture Dinosaur.gif und den Road-Essay-Film This Unwieldy Object, gedreht im bergigen Westen der USA. Beide Arbeiten befassen sich mit Dinosauriern als monströsen Erinnerungsstücken kolonialer und kapitalistischer Gewalt im US-Amerikanischen Kontext. Sie wurden international in Kunsträumen und Museen, im Rahmen von Festivals und Konferenzen gezeigt.[5]

Anschließend verlagerte sich ihr Fokus auf die Arbeit mit Ton, Text und Bewegung. In Installationen und Performances beschäftigte sie sich mit non-verbaler Kommunikation, akustischer Wahrnehmung und der Körperlichkeit der Sprache. Es entstand ein Hörspiel für den Deutschlandfunk und die serielle, partizipative Performance Copy & Dance (im Duo mit Tina Pfurr). Auftritte bei Tanzfestivals in Cote d'Ivoire und Kamerun vertieften ihre Auseinandersetzung mit körperlichem Wissen und dem Problem transkultureller Imitation.[5]

Anna Zetts Hörspiel Industrie & Glück. Meine Stimme irrt durch ein holistisches System (Ursendung im September 2017 im Bayrischen Rundfunk) inszeniert eine experimentelle Synthese aus Stimmtherapie, Glücksspiel und Wahrsage. Grundlage und Spielmittel ist ein von ihr selbst entworfenes Kartendeck, ein vom spätmittelalterlichen Tarot adaptiertes, quasi-esoterisches Symbolsystem mit modernistischer Thematik. Anders als das vermeintlich geschichtslose System der etablierten Tarotkarten werden die Motive und Konzepte dieses Decks begrenzt durch den historischen Rahmen “Weimarer Republik”. Die okkultistischen Bewegungen dieser Ära stehen dabei nicht im Vordergrund, vielmehr geht es Anna Zett um einen spielerischen Umgang mit der brüchigen Kosmologie des Materialismus (zwischen Kapitalismus, Revolution, Psychologie und Kunst) zum Zweck persönlicher und politischer Situationsanalyse.[5]

Im Rahmen ihres Aufenthalts in Beijing hat Anna Zett ihre Arbeit mit dem Kartendeck auf inhaltlicher, performativer und formaler Ebene weiterentwickeln. Ihr Interesse galt dabei zunächst dem chinesischen Ursprung der Spielkarten und der symbolischen Beziehung von Glück und Geld. Über den historischen Rahmen der Weimarer Republik hinaus suchte sie nach Zufällen und Systemen, die helfen widersprüchliche Materialismen im globalen Kapitalismus spielerisch zu erforschen. Ihre Praxis verbindet historische Recherche und symbolische Analyse mit einer spielerischen, interaktionsorientierten Herangehensweise.[5]

Ihre Arbeiten wurden u. a. beim Serpentine Gallery, Marathon London, Whitney Museum of American Art New York, Contemporary Art Centre (Vilnius), Sonic Acts Festival Amsterdam, Rhizome.org, SALT Istanbul, Haus der Kulturen der Welt Berlin, Artists Space New York, Goethe Institut Beijing, HAU2 Berlin, Berlinische Galerie, CAC Vilnius, Berlinale Forum Expanded, Human Resources Los Angeles, Or Gallery Vancouver, European Media Art Festival Osnabrück, Manifesta Priština gezeigt.[5][3]

Neben ihrer Arbeit als Künstlerin ist Anna Zett in der künstlerischen Bildung und als Mentorin tätig und lehrt seit 2024 in der Klasse für Performative Künste an der HGB Leipzig.[6] Darüber hinaus stellt Anna Zett gelegentlich Filmprogramme für Festivals und Kinos zusammen, kuratiert Veranstaltungen und ist involviert in basisdemokratische Prozesse.[5]

Forschungs- und Kollaborationsprojekte

Seit 2020 arbeitet Zett mit dem Choreograf und Tänzer Hermann Heisig an RESONANZ – Postsozialistische Gruppenimprovisation, einem partizipativen Forschungsformat, das persönliche und historische Erinnerungen an die DDR durch Improvisation erforscht.[7][8]

Ausstellungen und Aufführungen

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2015: Circuit Training, Banner Repeater, London[9]
  • 2019: Films by Anna Zett, Julia Stoschek Collection, Düsseldorf[10]
  • 2019: Hold On, Or Gallery, Vancouver[11]
  • 2019: Deponie II, Zionskirche, Berlin[12][13]
  • 2023: Es gibt keine Angst, IBB Videoraum, Berlinische Galerie, Berlin[14]

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Filmografie

  • 2014: This Unwieldy Object
  • 2015: Circuit Training (Kurzfilm)
  • 2019: Endarchiv (Kurzfilm)
  • 2025: Es gibt keine Angst – Afraid Doesn’t Exist[19]

Hörspiele

  • 2015: Funkstille Deutschlandfunk Erstsendung: 19. September 2015, 20:05 Uhr; Länge: 44′37″. Autorinnen & Regie: Anna Zett, Joshua Wicke. Mitwirkende: Anna Schmidt, Bernhard Schütz, Richard Hucke, Anna Zett, Joshua Wicke. Sounddesign: Albrecht Panknin.[20][21]
  • 2017: Industrie & Glück. Meine Stimme irrt durch ein holistisches System Bayerischer Rundfunk, Erstsendung: 29. September 2017; Länge: 55 Min. Mitwirkende: Ronel Doual, Andrea Huyoff, Johannes Frick, Anna Zett. Komposition: Tian Rotteveel. Technik: Nadja Krüger, Weiju Shen, Jochen Jezussek. Regie: Anna Zett (Assistenz: Kristof Trakal).[22][23]

Lehre und Residenzen

  • Seit 2024: Künstlerische Mitarbeiterin für Medienkunst an der HGB Leipzig.[6]
  • 2024: Research Residency im Kunst Raum Mitte, Berlin, mit Fokus auf rituelle Assoziation und Transformationszeit.[24]
  • Stipendiatin des Goethe-Instituts (Peking)

Publikationen

Als Autorin

Monografien
Buchbeiträge (Auswahl)

Auszeichnungen

Sonstiges

Anna Zett ist geboren und aufgewachsen in Leipzig und lebt in Berlin.[3]

Einzelnachweise

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