Annika Klose
deutsche Politikerin (SPD), MdB
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Annika Gisela Klose (* 24. Juni 1992 in Dortmund) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Seit 2021 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages.[1][2] In der 21. Legislaturperiode wurde sie zur Sprecherin für Arbeit und Soziales der SPD-Bundestagsfraktion gewählt.[3] Zuvor war Klose in den Jahren 2015 bis 2020 Landesvorsitzende der Berliner Jusos. Im Januar 2026 wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der Alterssicherungskommission der Bundesregierung berufen.[4]

Persönlicher Werdegang
Klose wuchs im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld auf, wo sie im Jahr 2011 an der Robert-Koch-Schule das Abitur abschloss. Ihre Familie besitzt dort seit dem Jahr 1897 ein Tischlereiunternehmen, dessen Mitgesellschafterin sie ist.[5][6][7] Ihre Großmutter Ingrid Klose war in den Jahren 1992 bis 2007 Vorsitzende der SPD-nahen AWO in Clausthal-Zellerfeld.[8] Ihr Großvater Günter Klose (1931–2025) war ehrenamtlicher Bürgermeister von Clausthal-Zellerfeld und der Samtgemeinde Oberharz sowie Kreistagsmitglied, ab 1947 über 77 Jahre Mitglied der SPD und Träger des Bundesverdienstkreuzes.[9][10]
Nach dem Abitur absolvierte sie an der Berliner Humboldt-Universität ein Studium der Sozialwissenschaften, das sie im Jahr 2021 mit dem Master-Grad beendete. Ihre Abschlussarbeit trägt den Titel Das Verhältnis von politischen Überzeugungen und der eigenen Arbeit aus der Perspektive von abhängig Beschäftigten: Untersuchung am Beispiel der Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der deutschen Automobilindustrie. Während ihres Studiums an der Humboldt-Universität war sie von 2014 bis 2016[11] und von 2017 bis 2018[12] für die Juso-Hochschulgruppe gewähltes Mitglied des Studierendenparlamentes.
Während des Bachelor-Studiums war sie für ein Erasmus-Semester an der Universität Lyon. Im Sommer 2017 nahm sie an einer Sea-Eye-Mission zur Seenotrettung auf dem Mittelmeer teil.[13] Von 2017 bis 2018 arbeitete sie für zehn Monate als Gewerkschaftssekretärin für Presse und Gleichstellungspolitik beim DGB-Bezirk Berlin – Brandenburg.
Sie ist Mitglied bei ver.di, der Arbeiterwohlfahrt, dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Willy-Brandt-Zentrum Jerusalem, dem Institut Solidarische Moderne, Amnesty International und dem Verein Sea Eye.[14] Sie ist zudem Mitglied beim FC Bundestag.[15][16]
Politischer Werdegang
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Klose trat der SPD im Jahr 2011 bei, wurde 2015 Juso-Landesvorsitzende in Berlin und ist seit 2016 Mitglied des Berliner Parteivorstandes. Seit dem 16. Juli 2016 ist Klose Mitglied des neunköpfigen Rates der Berliner Linken, der linken Strömung in der SPD Berlin.[17] Klose war bis 2022 Mitglied der SPD-Grundwertekommission. Bis 2024 war sie im Vorstand des Instituts Solidarische Moderne. Im Jahr 2019 kandidierte sie für das Europäische Parlament, verpasste den Einzug aber.[18] Nach den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus 2016 sowie 2023, war sie Teil der Koalitionsverhandlungen im Land Berlin, sowie 2025 auf Bundesebene nach der Bundestagswahl am 23. Februar 2025. Seit 2024 ist sie gemeinsam mit Yannick Haan Kreisvorsitzende der SPD Berlin-Mitte. Seit Juni 2025 ist Klose als Beisitzerin Mitglied des SPD-Bundesvorstands.[19] Klose wird dem linken Flügel der SPD zugerechnet und gehört als Beisitzerin dem Bundesvorstand des Forums Demokratische Linke 21 an, eines Zusammenschlusses der Parteilinken in der SPD.[20]
Deutscher Bundestag
Im Dezember 2020 wurde Klose von der SPD Berlin-Mitte als Bundestagskandidatin für den Bundestagswahlkreis Berlin-Mitte gewählt. In diesem Zusammenhang gab sie ihren Vorsitz bei den Jusos Berlin ab. Bei der Bundestagswahl 2021 zog sie über Listenplatz 4 der Berliner SPD in den Bundestag ein.[21] Als Parteilinke sprach sie sich für eine rot-rot-grüne Koalition aus, kommunizierte nach der Bundestagswahl 2021 aber, dass sie auch hinter einer Ampelkoalition stehen würde.[22] Innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion schloss sie sich der Parlamentarischen Linken und als Teil der Landesgruppe Berlin auch der Landesgruppe Ost an. Seit 2022 ist sie Mitglied des Leitungskreises der parlamentarischen Linken. Darüber hinaus übernahm sie 2023 die Rolle der Landesgruppensprecherin der Berliner SPD-Abgeordneten und wurde nach der Bundestagswahl 2025 in dieser Funktion wiedergewählt.[23] Zudem ist sie der ver.di-Tarifgemeinschaft im Bundestag beigetreten.[24]
In der vergangenen Legislaturperiode war Annika Klose im Petitionsausschuss und im Ausschuss für Arbeit und Soziales im Bundestag als ordentliches Mitglied tätig. Zunächst war sie außerdem stellvertretendes Mitglied des Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, wechselte aber im Verlauf der Legislaturperiode als stellvertretendes Mitglied in den Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Zur Bundestagswahl 2025 wurde Klose erneut als Direktkandidatin der SPD für Berlin-Mitte aufgestellt und auf Platz 2 der Landesliste gewählt.[25][26] Das Direktmandat verfehlte sie als Drittplatzierte mit 16,7 Prozent der Erststimmen,[27] zog aber über die Landesliste erneut in den Bundestag ein.[28]
Im 21. Deutschen Bundestag ist Annika Klose Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss.[29] Für die SPD-Bundestagsfraktion ist sie seit dem 20. Mai 2025 Sprecherin und Obfrau der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales. Des Weiteren wurde sie als Sprecherin der Landesgruppe Berlin, dem Zusammenschluss der Berliner SPD-Abgeordneten, wiedergewählt.[23] Seit dem 9. September 2025 ist Klose Mitglied der Begleitgruppe zur Kommission zur Sozialstaatsreform. Zudem wählten die Mitglieder des Bundestages sie als Nachfolgerin für Dr. Wolfgang Thierse in den Stiftungsrat des Humboldt Forums.[30]
Seit Januar 2026 ist Klose stellvertretende Vorsitzende der Alterssicherungskommission der Bundesregierung, die auch als Rentenkommission bezeichnet wird. Die 13-köpfige Kommission soll bis Ende des zweiten Quartals 2026 Vorschläge für Reformen der Alterssicherung vorlegen. Das Gremium wird von der Sozialrechtsprofessorin Constanze Janda, die auf Vorschlag der SPD benannt wurde, und Frank-Jürgen Weise, dem früheren Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, der auf Vorschlag der Union berufen wurde, geleitet. Ihm gehören zudem drei Vertreterinnen und Vertreter der Koalitionsfraktionen sowie acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an.[4][31]
In der Debatte über die Abschaffung des Bürgergelds im Januar 2026 nannte Klose geplante Sanktionen wie die Streichung aller Bezüge „populistischen Bullshit“ und stellte sich damit scheinbar gegen die von ihrer Partei mitgetragene Reform, die sie am Ende doch mittrug.[32]
Politische Positionen
Bürgergeld
In ihren politischen Positionen verbindet sie arbeits- und sozialpolitische Reformvorhaben mit einem Schwerpunkt auf Verteilungsgerechtigkeit, sozialer Absicherung und der Stärkung kollektiver Arbeitnehmerrechte. In ihrer ersten Wahlperiode profilierte sie sich insbesondere als zuständige Berichterstatterin ihrer Fraktion für die Ablösung von Hartz IV durch das Bürgergeld. Die Reform stellte sie als sozialpolitischen Systemwechsel dar. Im Mittelpunkt sollten nicht mehr kurzfristige Vermittlungen in Hilfsarbeiten oder ein Sanktionsregime stehen, sondern Qualifizierung, Weiterbildung, bessere Zuverdienstmöglichkeiten und eine dauerhafte Integration in gute und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Auf ihrer eigenen Website bezeichnete Klose sich im Zusammenhang mit der Einführung des Bürgergelds als „Chef-Verhandlerin“ und nannte die Reform die größte sozialpolitische Reform der letzten 20 Jahre.[2]
Auch in späteren Debatten verteidigte Klose diesen sozialstaatlichen Ansatz gegen eine stärkere Rückkehr zu Druck- und Sanktionsinstrumenten. Sie betonte, mit dem Bürgergeld seien der frühere Vermittlungsvorrang abgeschafft und Weiterbildung sowie Qualifizierung gleichrangig neben die Arbeitsvermittlung gestellt worden. In der Debatte um die neue Grundsicherung wandte sie sich gegen eine einseitige Sanktions- und Missbrauchsdebatte und kritisierte, während der ersten Lesung des Gesetzes, insbesondere die geplante vollständige Leistungseinstellung als „populistischen Bullshit und potenziell verfassungswidrig“.[33] Damit vertrat sie innerhalb der Regierungskoalition eine sichtbar linke Position, auch wenn sie die Reform am Ende mittrug.
In der Auseinandersetzung mit der AfD grenzt Klose ihre Sozialpolitik ausdrücklich von rechten Deutungen sozialer Sicherung ab. In einer Bundestagsdebatte über einen AfD-Antrag zur sozialen Mindestsicherung kritisierte sie, die AfD wolle Menschen selektieren und diejenigen, die als nicht erwerbsfähig gälten, „aufs Abstellgleis“ schieben. Dem setzte sie die Position entgegen, Langzeitarbeitslose müssten qualifiziert statt abgeschrieben werden; wenn zwei Drittel der Langzeitarbeitslosen keinen Berufsabschluss hätten, müsse es um Qualifizierung gehen.[34] Ihre Abgrenzung gegenüber der AfD verbindet damit sozialpolitische und demokratietheoretische Argumente: Der Sozialstaat soll nicht zwischen „würdigen“ und „unwürdigen“ Leistungsberechtigten unterscheiden, sondern Teilhabe und Perspektiven eröffnen.
Mindestlohn und Tarifbindung
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer arbeitsmarktpolitischen Positionen liegt auf höheren Löhnen, stärkerer Tarifbindung und der Eindämmung prekärer Beschäftigung. Klose stellte die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns als zentrales Gerechtigkeitsprojekt der ersten Ampel-Legislatur dar. Später unterstützte sie auch das Bundestariftreuegesetz, das öffentliche Aufträge des Bundes an die Einhaltung tariflicher Arbeitsbedingungen knüpfen soll. Klose argumentierte, dass ohne Tarifbindung Beschäftigte durchschnittlich elf Prozent weniger verdienen würden.[35] Zudem kritisierte sie das bestehende System der Minijobs. Diese könnten für Studierende sowie Rentnerinnen und Rentner sinnvoll sein, sollten darüber hinaus aber abgeschafft werden. Klose forderte eine Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro und verwies darauf, dass Minijobs überdurchschnittlich häufig Frauen beträfen und für diese ökonomische Abhängigkeit sowie Altersarmut begünstigten.[36]
Rentenpolitik
In der Rentenpolitik vertritt Klose ebenfalls eine sozialstaatlich stabilisierende Linie. Als Vertreterin der SPD-Fraktion wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der Alterssicherungskommission benannt, die Reformvorschläge für gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge erarbeiten soll. Der sozialpolitische Zusammenhang liegt dabei in der Frage, wie Alterssicherung so gestaltet werden kann, dass sie insbesondere Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen, Frauen und Beschäftigte mit unterbrochenen Erwerbsbiografien besser absichert. Kloses rentenpolitische Rolle ergänzt damit ihr arbeitsmarktpolitisches Profil: Gute Löhne, Tarifbindung und soziale Sicherung erscheinen bei ihr nicht als getrennte Politikfelder, sondern als zusammenhängende Voraussetzungen sozialer Sicherheit.[2]
Weitere Positionen
Mit Blick auf ihren Wahlkreis Berlin-Mitte verbindet Klose sozialpolitische Fragen immer wieder mit Themen wie bezahlbarem Leben, öffentlichem Raum, sozialer Infrastruktur und städtischem Zusammenleben. Bereits während der Bürgergeldverhandlungen hospitierte sie im Jobcenter Berlin-Mitte, nachdem sie sich dort mit der Geschäftsführung über das geplante Bürgergeld und das Sanktionsmoratorium ausgetauscht hatte. Das Jobcenter beschrieb, Klose habe die praktische Arbeit kennenlernen wollen, um Informationen aus erster Hand zu erhalten.[37]
Als Teil des SPD-Landesvorstands Berlin sprach sie sich im März 2023 nach der Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus zudem für eine Koalition mit der Linken und den Grünen und gegen eine von der damals regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey favorisierte Koalition mit der CDU aus.[38]
In der sogenannten Stadtbild-Debatte im Oktober 2025 setzte Klose den Schwerpunkt auf soziale Ursachen städtischer Problemlagen. In einem phoenix-Interview erklärte sie, es sei richtig, über Herausforderungen in Städten zu sprechen; entscheidend sei aber, „die richtigen Probleme zu benennen“. Diese lägen aus ihrer Sicht „nicht bei Menschen mit Migrationsgeschichte“, sondern unter anderem in fehlenden Investitionen, fehlender Sozialarbeit und Prävention, Armut sowie mangelndem bezahlbarem Wohnraum. Mit Blick auf ihren Wahlkreis Berlin-Mitte verwies Klose darauf, dass dort 60 Prozent der Menschen eine Migrationsgeschichte hätten und sich viele durch die Äußerungen von Friedrich Merz „beleidigt und zurückgewiesen“ fühlten. Sie kritisierte eine Verengung der Debatte auf Abschiebungen als Benennung „falscher Probleme“ und sprach von einem „Bedienen von rechten Narrativen“ zulasten von Menschen, die ohnehin von Rassismus betroffen seien.[39]