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Anti-Missourische Bruderschaft

Zusammenschluss lutherischer Geistlicher und Gemeinden norwegischer Herkunft in den Vereinigten Staaten und in Kanada From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Anti-Missourische Bruderschaft (norwegisch Anti-Missouriske Broderskab, englisch Anti-Missourian Brotherhood) war ein Zusammenschluss lutherischer Geistlicher und Gemeinden norwegischer Herkunft in den Vereinigten Staaten und in Kanada. Sie entstand im Zuge des Prädestinationsstreits, als sich 1887 eine große Gruppe von Geistlichen der Norwegischen Synode von dieser trennte. Die Anti-Missourische Bruderschaft verstand sich selbst nicht als eigenständige Denomination, auch wenn sie de facto als solche agierte. Sie strebte über ihr ganzes Bestehen hinweg die Union mit weiteren norwegischen lutherischen Kirchen an und vereinigte sich so bereits 1890 mit der Norwegischen Augustana-Synode und der Norwegisch-Dänischen Konferenz zur Vereinigten Norwegischen Lutherischen Kirche in Amerika. Damit ist sie eine der Vorgängerkirchen der heutigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika.

Geschichte

Das St. Olaf College war Keimzelle der Anti-Missourischen Bruderschaft.

Die norwegischen Immigranten, die nach 1825 in die Vereinigten Staaten strömten, gründeten mehrere Synoden, die zwar alle lutherisch waren, sich aber dennoch stark voneinander unterschieden. 1846 gründete Elling Eielsen die Hauge-Synode, in der sich vor allem durch den Haugianismus beeinflusste Laienprediger sammelten. 1853 konstituierten sich auch die hochkirchlich veranlagten Gemeinden unter Herman Amberg Preus als eigene Norwegische Synode, die sich in ihrem Gottesdienst eng an die Norwegische Staatskirche anlehnte. Ihr traten viele der an den staatlichen Universitäten Norwegens ausgebildeten Pfarrer bei, die nach Nordamerika auswanderten. Die Norwegische Synode wurde Mitglied der konservativ-lutherischen Synodal-Konferenz, die maßgeblich durch die deutschamerikanische Missouri-Synode geprägt wurde.

Zu theologischen Verwerfungen innerhalb dieses Lagers kam es im sogenannten Prädestinationsstreit, in dem die Mehrheit der Norwegischen Synode die umstrittene Prädestinationslehre des einflussreichen missourischen Theologen C. F. W. Walthers annahm. Eine große Gruppe von Pfarrern und Gemeinden unter der Führung von Peter Andreas Rasmussen und dem Distriktspräsidenten Bernt Muus sowie die Fakultät am St. Olaf College unter den Professoren Friedrich August Schmidt, John Kildahl und Thorbjorn Mohn standen diesen Entwicklungen jedoch ablehnend gegenüber. Zwar zog sich die Norwegische Synode 1883 aus der Synodal-Konferenz zurück, doch der Konflikt löste sich dadurch nicht.[1] 1886 gründeten die anti-missourisch gesinnten Gemeinden ein eigenes Theologisches Seminar am St. Olaf College in Northfield.

Der Konflikt eskalierte schließlich auf der Synodalversammlung 1887 in Stoughton, als sich der größte Teil der kritischen Elemente unter dem Vorsitz von Mohn aus der Synode zurückzog und die Anti-Missourische Bruderschaft bildete, der sich bis zum Folgejahr gut ein Drittel der Gemeinden der Norwegischen Synode anschloss.[2] Von Beginn an strebte die Bruderschaft die Union mit den übrigen drei norwegischstämmigen Kirchen in Nordamerika an und trat schon im Februar 1888 in Verhandlungen mit diesen ein. Ein aus Vertretern gebildetes Unionskomitee trat im August in Eau Claire zusammen, wo strittige theologische Fragen, darunter auch die Prädestination, geklärt wurden. Die an den Verhandlungen beteiligte Hauge-Synode lehnte die Union letztlich ab, doch mit der Norwegischen Augustana-Synode und der Norwegisch-Dänischen Konferenz kam man überein, und die Unionsartikel wurden 1889 von den jeweiligen Synoden ratifiziert. Am 13. Juni 1890 wurde so in Minneapolis aus der Union der drei Körperschaften die Vereinigte Norwegische Lutherische Kirche in Amerika gegründet.[1]

Organisation und Struktur

Trotz ihrer provisorischen Natur hatte die Bruderschaft eine funktionierende innere Struktur. Sie wurde von einer Synodalversammlung geleitet, die einen Kirchenpräsidenten und weitere Ämter der Kirchenleitung wählte und Ausschüsse bildete. Daneben unterhielt sie mit dem St. Olaf College und dem angeschlossenen Seminar, sowie einer Normalschule und einer Akademie Bildungseinrichtungen und einen eigenen Verlag, der die Kirchenzeitung Lutherske Vidnesbyrd herausgab. Im diakonischen Bereich betrieb die Bruderschaft ein Kinderheim und ein Altenheim in Wittenberg.[3]

Bei ihrer Gründung schlossen sich 55 Pfarrer der Synode an, diese Zahl wuchs bis 1890 auf gut 100 Geistliche, die in 268 Gemeinden tätig waren.[1] Dabei umfasste die Bruderschaft zum Zeitpunkt der Union etwa 68.000 Gemeindeglieder.[3]

Einzelnachweise

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