Hauge-Synode

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Hauges Norwegische Evangelisch-Lutherische Synode in Amerika (norwegisch Hauges Norsk Evangelisk Lutherske Synode i Amerika, englisch Hauge’s Norwegian Evangelical Lutheran Synod in America), meist nur kurz Hauge-Synode (norwegisch Hauges Synode, englisch Hauge’s Synod) genannt, war eine lutherische Kirche norwegischer Herkunft in den Vereinigten Staaten. Sie vertrat den Haugianismus, eine auf den norwegischen Erweckungsprediger Hans Nielsen Hauge zurückgehende pietistische Bewegung, und zeichnete sich durch umfassende Beteiligung der Laien am kirchlichen Leben und einen niederkirchlichen Ritus aus. Die Hauge-Synode vereinigte sich 1917 mit den meisten anderen lutherischen Kirchen norwegischer Herkunft in Nordamerika zur Norwegian Lutheran Church of America. Damit ist sie eine der Vorgängerkirchen der heutigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika.

Geschichte

Elling Eielsen, der Gründer der Hauge-Synode

Die ersten Norweger, die ab 1825 in größerer Zahl nach Amerika emigrierten, waren Anhänger des Haugianismus, einer vor allem von Laien getragenen Erweckungsbewegung. Geistlicher Anführer der ersten Einwanderer war Elling Eielsen, der 1841 am Fox River das erste norwegische lutherische Andachtshaus errichtete.[1] Eielsen organisierte mit den zwei Laienpredigern Ole Andrewson und Paul Anderson am 13. April 1846 in Jefferson Prairie in Wisconsin den ersten Zusammenschluss norwegischer Lutheraner in den Vereinigten Staaten. Diese Synode erhielt offiziell den Namen Evangelisch-Lutherische Kirche von Amerika (norwegisch Evangelisk Lutherske Kirke af Amerika; englisch Evangelical Lutheran Church of America), wurde allerdings – auch zur Unterscheidung von anderen Denominationen – meist nur nach ihrem Gründer als Eielsen-Synode bezeichnet.[2]

Schon zwei Jahre nach der Gründung kam es im September 1848 zu Unruhen in der Synode, als die drei Laienprediger Andrewson, Anderson und O. J. Hatlestad sich der Francke-Synode anschließen wollte. Die Mehrzahl der Gemeinden und Mitglieder verblieb jedoch bei Eielsen. 1856 verließ eine weitere Gruppe um den Theologen P. A. Rasmussen die Synode. Hintergrund dieses Konflikts waren Debatten um Strukturreformen in der Synode, Rasmussen schloss sich 1862 der Norwegischen Synode an.[2][1]

Auf einer Versammlung der Synode am 3. Juni 1876 in Chicago wurde die alte Kirchenverfassung überarbeitet und der Name offiziell in Hauge-Synode geändert. Zu diesem Zeitpunkt gehörten der Synode 21 Pastoren, 59 Gemeinden und etwa 7500 Mitglieder an. Eielsen selbst, der den Änderungen zuerst noch zugestimmt hatte, verließ jedoch mit einem weiteren Geistlichen die Synode und organisierte eine eigene, wesentlich kleinere Synode unter dem alten Namen und der alten Kirchenverfassung. Diese erreichte nie mehr als eine Hand voll Gemeinden und verschwand schließlich im 20. Jahrhundert.[2]

Neben der Hauge-Synode hatten sich in der Zwischenzeit noch weitere norwegischstämmige Kirchen organisiert. Die 1853 gegründete Norwegische Synode repräsentierte konservative und hochkirchliche Lutheraner, die sich eng an die Norwegische Staatskirche und die deutsche Missouri-Synode anlehnten. Ein Teil dieser Synode, der die missourische Prädestinationslehre ablehnte, gründete die Anti-Missourische Bruderschaft. Zwei weitere Kirchen waren aus einem Zusammenschluss skandinavischer Lutheraner, der Augustana-Synode, heraus entstanden. Von Anfang an gab es jedoch auch Bestrebungen, Einheit in die zerstrittenen Gruppen zu bringen. 1881 kamen Vertreter aller norwegischen Synoden in St. Ansgar zusammen und im Anschluss wurden jährliche Konferenzen zu Lehrfragen abgehalten. An den Unionsverhandlungen in Eau Claire, aus denen 1890 die Vereinigte Norwegische Lutherische Kirche in Amerika hervorging, beteiligte sich die Hauge-Synode zwar, trat jedoch letztlich nicht bei.[3][1]

Ab 1905 gab es jedoch – diesmal auf Bestreben der Hauge-Synode hin – neue Bemühungen um eine Vereinigung von Hauge-Synode, Norwegischer Synode und Vereinigter Kirche. In den Folgejahren wurden mehrere gemeinsame theologische Erklärungen abgegeben und Unionsverhandlungen aufgenommen, sodass schließlich am 9. Juni 1917 anlässlich des 400-jährigen Reformationsjubiläums in Saint Paul ein aus über 2000 Delegierten bestehender Unionskongress zusammentrat und die Fusion beschloss. Die so entstandene Norwegian Lutheran Church of America umfasste damit fast alle Lutheraner norwegischer Herkunft auf dem amerikanischen Kontinent.[1]

Positionen

Adolph Tidemand: Die Andacht der Haugianer (1848)

Die Hauge-Synode vertrat einen strikt lutherischen Pietismus und nahm die lutherischen Bekenntnisschriften an. Sie sprach sich vehement gegen die Lehre Grundtvigs aus.[1]

Die Hauge-Synode legte aus ihrer pietistischen Tradition heraus großen Wert auf die Beteiligung aller Gemeindeglieder am Gottesdienst. So gestand sie unter Berufung auf das Priestertum aller Gläubigen allen Gemeindegliedern zu, Gottesdienste zu leiten, zu predigen und Gebete zu sprechen. Darüber geriet sie vor allem zur strukturkonservativen Norwegischen Synode in Konflikt.[3] Hinsichtlich der Liturgie wandte die Synode nicht alle Traditionen der Norwegischen Staatskirche an und legte etwa keinen Wert auf die feierliche Messe oder liturgische Gewänder.[4]

Organisation und Struktur

Die Hauge-Synode wurde von einer Synodalversammlung geleitet, die einen Kirchenpräsidenten wählte. Sie errichtete keine umfassenden Strukturen, sondern gliederte sich in eine Vielzahl von Kirchenkreisen (norwegisch kreds, englisch circuits), die jeweils eine Hand voll Gemeinden umfassten.[2]

Im Jahr ihrer Gründung hatte die Kirche wenige tausend Gläubige. Die Kirche wuchs jedoch in den Jahren ihres Bestehens rapide, sodass sie zum Zeitpunkt der Union etwa 40.000 Gläubige in 389 Gemeinden aufweisen konnte. Diese wurden von 120 Geistlichen bereut. Ihren regionalen Schwerpunkt hatte die Synode im oberen Mittleren Westen, vor allem in Minnesota und Süddakota. In den Südstaaten und an der Ostküste gab es keine Gemeinden.[5]

Kirchenpräsidenten

Diakonische Werke

Die Synode unterhielt ein Kinderheim in Beresford in Süddakota und errichtete später ein Altenheim am selben Ort.[4]

Bildungseinrichtungen

Die Hauge-Synode beschloss 1854 die Gründung eines Theologischen Seminars und erwarb dazu Grund in Lisbon, Illinois. P. A. Rasmussen wurde zum Professor ernannt, das Seminar von drei Studenten besucht. Schon 1856 musste dieses Seminar wieder geschlossen werden. Ein zweiter Versuch wurde 1865 nahe Deerfield in Wisconsin unternommen, der sich unter Andreas Aaserod mit zwanzig Studenten nur unwesentlich länger bis 1867 halten konnte. Erst 1879 konnte schließlich ein dauerhaftes Seminar in Red Wing im Bundesstaat Minnesota eingerichtet werden. Dieses bestand bis zur Union 1917 fort und wurde dann dem Luther Seminary in St. Paul angegliedert.[1]

Weiterhin unterhielt die Hauge-Synode das Jewell College in Jewell, Iowa. Trotz des Namens war diese Schule kein College, sondern eine Akademie mit angeschlossener Normalschule.[1]

Die Hauge-Synode war 1897 die erste norwegischstämmige Kirche, die eine Studentenpfarrstelle einrichtete, als sie den Pfarrer N. J. Løhre an die Universität von Minnesota entsandte.[1]

Publikationswesen

Elling Eielsen selbst verantwortete den Beginn des norwegischen Publikationswesens in Amerika. 1841 ließ er eine englische Übersetzung von Luthers Katechismus drucken, im Folgejahr Pontoppidans Sandhed til gudfrygtighed mit dem Augsburger Bekenntnis im Anhang. Die Hauge-Synode gab eine Vielzahl von regelmäßigen Publikationen heraus, darunter Kirkelig Tidende (1856–1861), Budbaereren (1868–1917), den Lutheran Intelligencer (1910–1914) und die Tidsskrift for Kirke og Samfund (1911–1914).[1] Für ihre kirchlichen Schriften unterhielt die Synode eine eigene Publikationsabteilung, das Hauge Synod Book Department.[5]

Missionsarbeit

Die Hauge-Synode legte den Schwerpunkt ihrer Missionsarbeit auf die Innere Mission an den zahlreichen norwegischen Immigranten im Land, wobei ein Konkurrenzverhältnis zu den anderen norwegischstämmigen Kirchen bestand. Eine unabhängige Missionsgesellschaft, die der Hauge-Synode nahe stand, entsandte ab 1890 Missionare nach Hankow in China, die Synode selbst schickte Pfarrer Rønning und seine Schwester nach Fancheng in der Provinz Hubei.[1] 1913 waren 19 ausländische und etwa 100 chinesische Mitarbeiter in den Missionswerken der Synode tätig, zu denen damals eine höhere Schule, ein Krankenhaus und ein Kinderheim gehörten.[4]

Einzelnachweise

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