Asparuchowbrücke
Brücke in Warna, Bulgarien
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Die Asparuchowbrücke (bulgarisch Аспарухов мост) ist eine Balkenbrücke im Zuge der bulgarischen Republikstraße I-9, die 3 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums von Warna den Osthafen und den Kanal Nr. 1 überquert. Die Brücke wurde im September 1976 eröffnet und ist hinsichtlich der maximalen Stützweite bis heute die zweitgrößte Brücke des Landes nach der Donaubrücke 2 bei Widin.
| Asparuchowbrücke (Аспарухов мост) | ||
|---|---|---|
(Аспарухов мост) | ||
| Nutzung | ||
| Querung von | Hafen Warna-Ost und Kanal Nr. 1 | |
| Ort | 3 km südwestlich Stadtzentrum Warna, | |
| Unterhalten durch | API (Агенция „Пътна инфраструктура“, kurz АПИ) | |
| Konstruktion | Balkenbrücke | |
| Gesamtlänge | 2050 m | |
| Breite | 21 m | |
| Längste Stützweite | 160 m | |
| Höhe | 46 m über Land | |
| Tragfähigkeit | HK-800/H-300 (gemäß der Norm BDS 1050:1989) | |
| Lichte Höhe | 52 m über Meeresspiegel | |
| Fahrzeuge pro Tag | ca. 10.000 Fahrzeuge täglich (2021) | |
| Baubeginn | 1973 | |
| Eröffnung | 8. September 1976 | |
| Planer | Dimitar Dimitrov | |
| Maut | nein | |
| Lage | ||
| Koordinaten | 43° 11′ 34″ N, 27° 53′ 22″ O | |
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| Höhe über dem Meeresspiegel | 6 m | |
Konstruktion
Die Hauptkonstruktion der von Südwest nach Nordost verlaufenden und insgesamt 2.050 Meter langen Asparuchowbrücke ist im Südteil der Brücke die Überquerung von Kanal Nr. 1, der den Warna-See mit dem Schwarzen Meer verbindet. Dort ist wegen der notwendigen größeren Pfeilerachsabstände von 160 Meter für die Hauptbrücke sowie je 80,5 Metern für die beiden Vorlandbrücken für jede Fahrtrichtung ein gevouteter Stahl-Hohlkastenträger gebaut worden.[1] Die beiden Stahlbetonpfeilerpaare unter der Hauptbrücke sind dabei deutlich stärker ausgeführt worden wie die Pfeiler der folgenden Brücke Richtung Nordosten. Diese weiteren 38 Pfeilerpaare im Großteil des Bauwerkes können eine Last von jeweils 2400 Tonnen tragen. Auf ihnen liegen jeweils drei 38,70 Meter lange vorgespannte, einfache T-förmige Spannbetonträger mit einer Masse von je 120 Tonnen als Überbau für die samt Fußweg jeweils 10,5 Meter breiten Richtungsfahrbahnen auf. Das Bauwerk, dessen Tragfähigkeit den Klassen HK-800 und H-300 gemäß der bulgarischen Norm BDS 1050:1989 entspricht, ist für ein Erdbeben der Stärke 7 auf der Richterskala ausgelegt, für Orkanböen mit einer Geschwindigkeit von 180 km/h und für den Temperaturbereich von −40 bis +40 °C.[2]
Geschichte
Vor dem Bau der Brücke war es für den querenden Verkehr deutlich schwieriger. Der Wasserweg zwischen Warna-See und Meer, der heute sogenannte „Alte Kanal“, wurde mit einer beweglichen Stahlfachwerkbrücke überspannt, deren Mittelteil bei einer Schiffsdurchfahrt hochgezogen wurde. Dies beeinträchtigte die wirtschaftlichen und touristischen Verbindungen zwischen der nördlichen und der südlichen Küstenregion erheblich.
Mit den Planungen für die Erweiterungen des Hafens durch einen Westhafen in Dewnja, aber auch um die Erreichbarkeit der bereits am Warna-See vorhandenen Anlagen wie des Holzhafens Lesport bei Topoli, das Wärmekraftwerk Warna bei Eserowo, die beiden Marinebasen am Südufer sowie einer Reparaturwerft zu verbessern, war der Neubau eines zweiten, seeschifftauglichen Wasserweges vorgesehen. Damit musste zwangsläufig eine weitere Querung gebaut werden, weshalb 1967 ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Nach Prüfung aller Optionen – ein Tunnel unter dem Kanal, eine Hubbrücke, eine Umgehungsstraße mit Brücke über den Warna-See und eine Fähre – wurde entschieden, auch die bereits vorhandene Brücke über den ursprünglichen Kanal in diesem Zusammenhang durch eine leistungsfähige durchgehende lange Hochbrücke zu ersetzen.[1] Die Bauarbeiten starteten 1973 und der Verkehrszug über die Asparuchowbrücke konnte um rund drei Wochen vorfristig am 8. September 1976 in Betrieb genommen werden.
Zwanzig Jahre lang wurden keine größeren Instandhaltungsarbeiten an der Brücke durchgeführt. Eine dann dringend notwendige Sanierung begann 1996 mit der Reparatur der Seeseite der Brücke und sollte innerhalb von 16 Monaten abgeschlossen sein. Aufgrund unzureichender Finanzmittel verzögerte sich der Wiederaufbau jedoch, sodass die erste Phase erst im Oktober 1998 abgeschlossen werden konnte. Die vollständig sanierte Brückenanlage wurde am 17. September 1999, drei Jahre nach Beginn der Sanierungsarbeiten, in Betrieb genommen.[2]
Ende November 2014 kündigte Bürgermeister Ivan Portnih an, dass Sanierungsarbeiten am nordöstlichen Brückenende im Folgejahr beginnen werden, die eine Erneuerung der Abdichtungen, eine Verstärkung der Konstruktion und eine neue Asphaltdeckschicht umfassen. Die Mittel dafür wurden in den Stadthaushalt 2015 eingestellt.[3] Die Arbeiten an der meerseitigen Fahrbahn konnten am 15. Juni 2016 abgeschlossen werden. Zugleich wurde angekündigt, dass ab September des Jahres für weitere 5 Millionen Lewa die gleichen Arbeiten an den mit 2, 4 und 6 nummerierten Brückensektionen der Gegenfahrbahn durchgeführt werden. Außerdem solle der Hauptteil der Brücke in den folgenden zwei Jahren saniert werden.[4] Die Arbeiten an den binnenländischen Sektionen 2 und 4 konnten 5 Tage vorfristig am 15. Juni 2017 fertig gestellt werden[5], die Arbeiten an Sektion 6, die im Oktober des Jahres beginnen sollten, sind wegen des frühen Wintereinbruches auf 2018 verschoben worden.[6]
Ab 6. Februar 2025 wurden mit Kosten von 270.000 Lewa sämtliche 248 Straßenlaternen auf dem Brückenzug auf LED umgestellt. Die nur nachts durchgeführten Arbeiten wurden trotz ungünstiger, kalter Witterung planmäßig mit dem Tausch an den verbliebenen 38 Leuchten am 24. des Monats abgeschlossen.[7]
Einsturzgefahr
Im Sommer 2022 warnte Dobrin Denev, Professor für Geotechnik und ehemaliger Rektor der Universität für Architektur, Bauingenieurwesen und Geodäsie (2008–2011), vor der Einsturzgefahr der Brücke. Diese Gefahr resultiert aus damals vertuschten Problemen bei den 18 Meter tiefen Pfeilergründungen während der Bauphase und dem für 2022 geplanten Baustart zur Vertiefung der Kanäle Nr. 1 und Nr. 2. Im Februar des Jahres hatte Denev bei vorbereitenden Untersuchungen für das Ausbaggern festgestellt, dass zur Verstärkung der maroden Pfeilergründungen während der Brückensanierung Ende der 1990er Jahre vorgesehene Korsette und Zusatzpfeiler in mehreren Fällen nicht eingebaut wurden.[8]
Sonstiges
Ende Juli 2006 fand die achte nationale Bungee-Jumping-Meisterschaft auf der Brücke statt. Veranstalter war der Warnaer Extremsportclub „Adrenaline“. Zur Eröffnung absolvierte die 71-jährige Pepi Baleva, Publikumsliebling des Clubs, den ersten Sprung. Sie ist auch bereits vom 120 Meter hohen Bebresch-Viadukt nahe des Witinjapasses gesprungen.[9]
Nicht nur die Lichtinstallation an der Hauptbrücke wurde wiederholt zur Zielscheibe von Vandalismus. Auch die normale Straßenbeleuchtung fällt gelegentlich aus, weil Diebe Stromkabel klauen. Alleine im Jahr 2020 musste die Stadt Warna bei vier Einbrüchen 570 Meter Stromleitungen, Verteilerkästen und Stromzähler ersetzen. In 2021 wurden nochmals 350 Meter und im November des Jahres erneut 70 Meter Stromkabel der Brückenbeleuchtung entwendet.[10]
Weblinks
- Asparuchowbrücke. In: Structurae
- Varna.info.bg: Аспарухов мост Geschichte und technische Daten der Brücke (bulgarisch).
- Panoramafoto der Asparuchowbrücke bei Nacht

