Black-on-Buff Ware
Keramik der iranischen Provinz Fars aus dem 5. Jahrtausend v. Chr
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Black-on-Buff Ware ist ein archäologischer Fachbegriff für eine Keramikgattung der iranischen Provinz Fars aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. Sie wurde erstmals bei den Ausgrabungen in Tall-i Bakun südlich von Persepolis dokumentiert und definiert traditionell die Bakun-Periode in Fars.





Varianten der Black-on-Buff Ware sind in einem weiten Gebiet nachgewiesen, das sich vom Süden der Türkei bis in den Südosten des Iran erstreckt. Die charakteristische gelbbraune (Buff-farbene) Keramik mit den schwarzen Dekorationen ist in der Fachliteratur unter verschiedenen lokal geprägten Begriffen bekannt. Die genaue Verbreitung und die Verbindungen zwischen den lokalen Ausprägungen sind bis heute Gegenstand der Forschung.
Einleitung
Das Wissen über prähistorische Gesellschaften im südlichen Iran ist lückenhaft. Obwohl die Keramik nur einen Aspekt eines größeren kulturellen Milieus darstellt, haben Archäologen die wichtigsten chronologischen Perioden im südlichen Iran traditionell anhand der Entwicklungen in der Keramiktechnologie und im Keramikstil erstellt und beschrieben.[2.1] Keramik ist in den archäologischen Aufzeichnungen gut vertreten und wurde sogar in sehr kurzen vorläufigen Berichten beschrieben und abgebildet. Zudem stehen Keramiken in vielen Museen. Der zweite Grund liegt in den schnellen Veränderungen der Keramiktechnologie, die sich im Allgemeinen rascher als andere Kategorien von Artefakten ändert.[3]
Das 5. Jahrtausend v. Chr. des Südwestens Irans wird gewöhnlich als Bakun-Zeit oder Bakun-Periode bezeichnet. Das Wissen über die Bakun-Periode stammt hauptsächlich aus dem Flussgebiet des Kur in Fars. Sie wird in die frühe, mittlere und späte Bakun-Zeit unterteilt. Das offensichtlichste Charakteristikum der Periode ist eine Reihe von Gefäßtypen aus Buff Ware, einer kalkhaltigen, gelbbraunen Keramik.[2.2] Der Farbton Buff ist nach dem Munsell-Farbsystem im Bereich zwischen 5Y 8/1–8/2 und 2.5Y 8/1–8/2 zu finden.[4]
Eigenschaften
Die Black-on-Buff Ware der frühen Bakun-Zeit ist gelbbraun (englischer Begriff für Farbton: buff) beschichtet und mit schwarzen Malereien (englischer Begriff für Farbton der Dekoration: black-on) verziert. Es gibt Hinweise auf Oberflächen, die mit harten Objekten wie Knochen, Horn oder Körner bearbeitet wurden, um eine Kompaktheit und Glanz zu erzeugen (englisch burnished).[5] Sie weisen Parallelen mit der Keramik der Susiana von Chuzistan auf. Frühe Verzierungen umfassen die Verwendung von durchgehenden und/oder dicken schwarzen Farbstreifen, aufwendigen inneren Dekorationen und schraffierten geometrischen Bemalungen. Es existieren auch zoomorphe (tierartige Formen) und anthropomorphe Darstellungen.[2.3]
In der mittleren Bakun-Zeit sind die inneren Dekorationen weniger aufwendig. Es gibt eine deutliche Verwendung horizontaler Register an der Außenseite, um geometrische Motive einzufassen, die aus Kreuzen, Strichen, Zickzacklinien und Punkten bestehen. Es gibt pflanzliche Darstellungen. Wie in der frühen Bakun-Zeit kommen auch stilisierte zoomorphische und anthropomorphe Elemente vor.[2.4]
Die späte Bakun-Zeit ist hauptsächlich von Tall-e Bakun A mit einer Vielzahl von Gefäßformen einschließlich hoher konischer Becher mit spitzen oder abgerundeten Böden überliefert. Bei den dekorativen Motiven herrscht eine gewisse Kontinuität. Es gibt aber auch ein drastisches Auftauchen aufwendiger geometrischer und gegenständlicher dekorativer Motive. Diese bedecken oft die gesamte Außenseite des Gefäßes.[2.4]
Es gibt keine Hinweise, dass eine Drehscheibe für die Keramik der Bakun-Zeit verwendet wurde. Viele wurden von Hand geformt und weisen dünne Wände und einen gleichmäßigen Rand auf. Das deutet darauf hin, dass bei ihrer Herstellung eine Form der langsamen Drehung, beispielsweise in Körben oder Gefäßen mit rundem Böden, zum Einsatz kamen. Die Gefäße wurden mit hohen Temperaturen gehärtet.[2.5]
Verbreitung
Black-on-Buff Ware ist ursprünglich von verschiedenen Ausgrabungsstätten des Flussgebiets des Kur (Tall-i Bakun A und B, Tal-e Jari A, Tal-e Gap, Tol-e Bashi und einer Reihe von umfangreichen Erhebungen) überliefert. Außerhalb des Flussgebiets wurde die Keramik in ganz Fars und angrenzenden Gebieten gefunden, darunter Standorten an der Küste des Persischen Golfs in Buschehr und Galleh Dar.[2.6] In der benachbarten Provinz Kerman ist sie in Tepe Yahya für die Schichten VC–A (3700–3200 v. Chr.)[6] und in der Ausgrabungsstätte Tepe Dehno östlich von Schahdad nachgewiesen.[7]
Der Keramiktyp ist in Fars an folgenden Ausgrabungsstätten belegt: Tol-e Nurabad und Tol-e Spid, an 14 Standorten im Verwaltungsbezirk Mamasani, in Tal-e Nokhodi, mehreren Orten in Sarvestan, Firuzabad, in den Verwaltungsbezirken Qir-o-Karzin und Bavanat, in Fasa, Darab, Khorrambid, 4 Stätten in Tangeh Bolaghi, in Tappeh Mehr Ali, einigen Standorten in kleineren Dörfern im Nordwesten des Flusstals der Kur überliefert. Trotz der beträchtlichen Anzahl von Fundorten ist die Abdeckung angesichts der Größe der Region dünn.[2.6]
Das Auftauchen von Buff Ware im Flusstal des Kur wird von manchen Wissenschaftlern auf die Migration von fremden Gruppen oder spezialisierten Herstellern von Keramik zurückgeführt, die wahrscheinlich aus Chuzestan stammten. Dort ist Buff Ware schon früher nachgewiesen. Nach einer anderen Meinung sei es aber eher unwahrscheinlich, dass der Ursprung der für Fars typischen Keramik des 5. Jahrtausends v. Chr. ausschließlich ein Produkt einer Immigration gewesen sei. Obwohl Black-on-Buff Ware eine neue Tradition im Hochland von Fars in Bezug auf Stil und Technologie darstellt, gäbe es viele Hinweise auf eine kulturelle Kontinuität vom Neolithikum zur Bakun-Zeit. Black-on-Buff Ware ist in Fars nach 4000 v. Chr. nicht mehr nachgewiesen.[2.7]
Eine Reihe von weitgehend zeitgenössischen Traditionen der schwarz-auf-beige bemalten Keramik ist inzwischen in einem Gebiet nachgewiesen, das sich vom Süden der Türkei bis zum Südosten des Iran erstreckte.[8.1]
Verbindung zur Obed-Kultur
Eine Reihe von Keramikfunden der Obed-Kultur, die sich durch dunkel bemalte, gelbbraune Ware auszeichnen und Obed-Keramik genannt wird, werden in Verbindung zur Black-on-Buff Ware des Zagros-Gebirges gebracht. Diese Funde wurden in Anlehnung an die irakischen Tiefländer als „Obed“ und als „Obed-verwandt“, wenn sie im angrenzenden Zagros-Hochland im Westen des Iran gefunden wurden, bezeichnet. Diese Bezeichnungen suggerierten eine einzige homogene Keramik im Tiefland, die der Obed-Kultur zugesprochen wird, und eine nicht näher bezeichnete Art von „Einfluss“ dieser Entität auf die Keramik im Hochland Irans. Die stilistische Ähnlichkeit zwischen der Keramik aus dem Tiefland und dem Hochland im Zagros, wo die Ähnlichkeit am stärksten und am weitesten verbreitet ist, ist laufender Gegenstand der Forschung.[9][8]
Forschungsgeschichte
Black-on-Buff Ware wurde erstmals 1929 von Ernst Herzfeld im Rahmen seiner Grabungen in Persepolis erwähnt. Den Ausgrabungsort bezeichnete er „Persepolis stone age mound“ (deutsch Steinzeithügel von Persepolis). Der Name Tall-i Bakun für dieselbe Ausgrabungsstätte wurde erst vom nachfolgenden Ausgrabungsteam des Oriental Institute of Chicago eingeführt.[10][11] In diesem Rahmen beschrieb Erich F. Schmidt die für Tall-i Bakun typische Keramik 1937[12] und 1939.[13]
Die Keramik etablierte sich als Bakun-Keramik nach ihrer ersten dokumentierten Ausgrabungsstätte und definierte die Bakun-Periode. Eine ausführliche Beschreibung stammt von Alexander Langsdorff und Donald McCown, dem Bruder von Theodore D. McCown, 1942, in der die Keramik „painted cream-toned pottery“ in verschiedenen Varianten genannt wird.[14][8.2]
Literatur
- Alexander Langsdorff, Donald McCown: Tall-i Bakun A, A Season of 1932 (= Oriental Institute Publications. Band 59). Oriental Institute, Chicago 1942. (isac.uchicago.edu)
- Lloyd Weeks, Cameron A. Petrie, Daniel T. Potts: Ubaid-related-related? The „black-on-buff“ ceramic traditions of highland south west Iran. In: Robert A. Carter, Graham Philip: Beyond the Ubaid: Transformation and Integration in the Late Prehistoric Societies of the Middle East (=Studies in Ancient Oriental Civilization. Band 63). Chicago 2010, ISBN 978-1-885923-66-0. (isac.uchicago.edu)
- Cameron A. Petrie: The Chalcolithic in southern Iran. In: Daniel T. Potts (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Iran. Oxford University Press. Oxford 2013, S. 120–158.