Bleierne Jahre
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Die bleiernen Jahre (italienisch anni di piombo) bezeichnen in Italien einen historischen Zeitraum zwischen Ende der 1960er und Anfang der 1980er Jahre, in dem es zu einer Radikalisierung der politischen Dialektik kam, die zu Straßengewalt, bewaffneten Kämpfen und Terrorismus führte.[1][2][3][4]

Der Ausdruck stammt aus dem gleichnamigen Film von Margarethe von Trotta aus dem Jahr 1981, der sich mit ähnlichen historischen Ereignissen in Westdeutschland befasste.[5] Dieser Ausdruck kann auch in einem breiteren internationalen Kontext gesehen werden, der verschiedene terroristische Aktivitäten wie die Strategie der Spannung und die Unterstützung diktatorischer Regime wie die Operation Condor umfasst, die während des Kalten Krieges, dem Fernkonflikt zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, in verschiedenen Ländern durchgeführt wurden.
Politischer und sozialer Kontext
Von 1968 bis zum Anschlag auf der Piazza Fontana
Der Zeitraum dieser sogenannten Ära ist nicht genau definiert. Er wird in der Regel vom Ende der 1960er bis zum Beginn der 1980er Jahre angesetzt, wobei die als Anfang und Ende betrachteten Jahre je nach den politischen Überzeugungen des Historikers variieren können.[6][7][8] Als Beginn wird in der Regel der Bombenanschlag auf der Piazza Fontana angesehen.[6]
Der erste Fall einer gewalttätigen Auseinandersetzung der 68er-Bewegung mit den Ordnungskräften ereignete sich am 1. März 1968 in Rom während der Schlacht von Valle Giulia; es war die erste Auseinandersetzung, bei der die kämpfenden Studenten nicht zurückwichen, sondern sich den Polizeikräften entgegenstellten. Als erstes Todesopfer der Bleiernen Jahre gilt häufig der Polizeibeamte Antonio Annarumma, der am 19. November 1969 in Mailand getötet wurde, während die erste Aktion im Rahmen der Strategie der Spannung, die diese Jahre prägte, das faschistische Attentat auf der Piazza Fontana am 12. Dezember 1969 in Mailand war[9], ohne die Bombenanschläge vom 25. April desselben Jahres in Mailand zu berücksichtigen, bei denen es keine Toten gab.
Diese Zeit war geprägt von gewalttätigen Ausschreitungen einiger außerparlamentarischer linker Organisationen wie Lotta Continua, Movimento Studentesco und anderer, die in den 1970er Jahren aktiv waren. Es bildeten sich aber auch terroristische Organisationen der extremen Linken wie Prima Linea und die Roten Brigaden sowie andere außerhalb Italiens aktive Gruppen wie die Rote Armee Fraktion (RAF) in Westdeutschland. In dieser Zeit waren auch einige rechtsextreme Terroristengruppen wie die NAR, Ordine Nuovo, Avanguardia Nazionale und Terza Posizione aktiv, die sich im politischen Kampf den linksextremen Gruppen entgegenstellten.[10]
Einige Meinungsmacher und politische Kommentatoren sind der Ansicht, dass es in Bezug auf die bleiernen Jahre nur eine «teilweise, verwirrende und oft widersprüchliche juristische Wahrheit» gibt.[11] Die französischen Kommentatoren Marc Lazar und Marie-Anne Matard-Bonucci haben sich gegen die Definition «Bürgerkrieg geringer Intensität» ausgesprochen, die nach diesen Jahren aufkam.[12][13]
Die neofaschistischen Massaker
Diese Zeit ist vor allem durch verschiedene Massaker gekennzeichnet, die alle von rechtsextremen oder neofaschistischen Organisationen oder Elementen verübt wurden, oft mit direkter Unterstützung oder Begünstigung durch abtrünnige Teile des italienischen Staates (einige Vorfälle sind noch nicht vollständig aufgeklärt). Zwischen 1968 und 1974 wurden in Italien 140 Anschläge verübt, darunter:
- 12. Dezember 1969: Anschlag auf der Piazza Fontana in Mailand (17 Tote und 88 Verletzte; der blutigste Anschlag jener Jahre und der zweitblutigste in der Geschichte Italiens nach dem Anschlag von Bologna 1980);
- 22. Juli 1970: Anschlag von Gioia Tauro (6 Tote und 66 Verletzte);
- 31. Mai 1972: Anschlag von Peteano in Gorizia (3 Tote und 2 Verletzte);
- 17. Mai 1973: Anschlag auf die Polizeidirektion von Mailand (4 Tote und 52 Verletzte);
- 28. Mai 1974: Anschlag auf der Piazza della Loggia in Brescia (8 Tote und 102 Verletzte);
- 4. August 1974: Anschlag auf den Italicus Express (Anschlag auf den Expresszug Rom-Brenner, 12 Tote und 105 Verletzte);
- 2. August 1980: Anschlag auf den Bahnhof von Bologna (85 Tote und 200 Verletzte).
Historische, politische und wirtschaftliche Ereignisse
Weitere Ereignisse dieser Zeit waren die Gewerkschaftsunruhen von 1969 (der sogenannte „heiße Herbst“), die zur Verabschiedung des Arbeitnehmerstatuts (Gesetz Nr. 300 vom 20. Mai 1970) führten, das Fortuna-Baslini-Gesetz (Gesetz Nr. 898 vom 1. Dezember 1970), das die Scheidung in Italien einführte, und das Referendum von 1974, mit dem der Versuch, dieses Gesetz aufzuheben, scheiterte. Ein Ereignis, das etwas untergegangen ist, war die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon vom 15. August 1971, die Konvertibilität des Dollars in Gold auszusetzen und damit das mit den Bretton-Woods-Abkommen erreichte Goldstandard-System faktisch aufzuheben.
Im September 1972, während der Olympischen Spiele in München, tötete eine Gruppe palästinensischer Terroristen der Organisation Schwarzer September zwei israelische Athleten und entführte neun weitere. Sie forderten die Freilassung von 234 inhaftierten „Fedajin“. Bei der anschließenden Schießerei wurden fünf Terroristen, ein Hubschrauberpilot, ein deutscher Polizist und alle neun israelischen Geiseln getötet.
Im Herbst 1973 erhöhte die OPEC den Ölpreis, was zur Energiekrise von 1973 führte, auf die 1979 eine weitere Energiekrise folgte. Italien war gezwungen, eine Politik der Energieeinsparung (im Journalismusjargon "Austerität" genannt) zu verfolgen, die sich auf die täglichen Gewohnheiten der Italiener auswirkte. 1975 wurde das Familienrecht reformiert, wodurch die Gleichstellung der Ehepartner festgeschrieben wurde. Im selben Jahr wurde das Volljährigkeitsalter von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt, wodurch auch 18-Jährige das Wahlrecht erhielten.
Bei den Kommunalwahlen 1975 und den Parlamentswahlen 1976 setzen sich die linken Parteien durch. Die Democrazia Cristiana bleibt zwar die stärkste Partei, aber die Kommunistische Partei Italiens erreicht immerhin 33 % der Stimmen.
Ende 1975 wurde der Vertrag von Osimo unterzeichnet, der die Abtretung der Zone B des ehemaligen Freien Territoriums Triest an Jugoslawien festlegte und damit den nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstandenen Status quo anerkannte. In den 1970er Jahren erreichte Italien einen Rekord bei Entführungen zu Erpressungszwecken, die vor allem von Banden der ’Ndrangheta und der Anonima Sarda verübt wurden: So wurden 1974 insgesamt 40 Entführungen registriert, 1975 waren es 62, 1976 47 und 1977 75[14]. Gegen Ende der 1970er Jahre kam das Wachstum der italienischen Bevölkerung zum Stillstand und stabilisierte sich bei knapp unter 60 Millionen Einwohnern.
Chronologie der wichtigsten Ereignisse
Italien Ende der 1960er Jahre
Ende der 1960er Jahre war die italienische Wirtschaft rasch gewachsen, und die mit dem italienischen Wirtschaftswunder einsetzende Verbesserung des Lebensstandards war spürbar. Die Kindersterblichkeit war stark zurückgegangen, und Analphabetismus war praktisch verschwunden.
In diesen Jahren kam es auch zu einem kulturellen Aufschwung, der sich positiv auf die Wahlen auswirkte. Gleichzeitig kam es jedoch zu den ersten großen Demonstrationen und sozialen Umwälzungen, wie beispielsweise den Studentenunruhen von 1968 und dem „heißen Herbst“, der Reihe von großen Streiks in den Fabriken und Industriezentren in Norditalien von 1969–70.
Das kontinuierliche Wachstum der Kommunistischen Partei Italiens wurde von den Vereinigten Staaten nicht gerne gesehen, die den Übergang zu wirksameren Interventionsformen gegenüber der bisherigen Finanzierung der nichtkommunistischen Linken in Betracht zogen[15].
Der Beginn der bleiernen Jahre

Der Beginn der bleiernen Jahre fällt mit der Zeit der Studentenproteste zusammen, die Italien und Europa erfassten.
Das Jahr 1969 war erneut von zahlreichen Protesten geprägt. Nach den Studentenunruhen kam es zu Arbeitskämpfen der Arbeitnehmer um Vertragsverlängerungen, die zu heftigen Auseinandersetzungen an Arbeitsplätzen und in Fabriken führten. Es war der sogenannte „heiße Herbst“.
Am 25. April desselben Jahres explodierte eine Bombe in Mailand im FIAT-Pavillon der Messe und verursachte mehrere Schwerverletzte, jedoch keine Toten, und eine Bombe wurde im Wechselstube des Hauptbahnhofs gefunden. Einige Monate später, am 9. August, explodierten acht Bomben in verschiedenen Zügen und verletzten 12 Menschen. Verantwortlich für all diese Anschläge waren Franco Freda und Giovanni Ventura von der neofaschistischen Terrororganisation Ordine Nuovo.[16]
Am 19. November starb während einer Demonstration der Union der italienischen Kommunisten (Marxisten-Leninisten) in Mailand der Polizist Antonio Annarumma, der beim Fahren eines Geländewagens von einem geworfenen Stahlrohr getroffen wurde. Für viele Historiker ist er das erste Opfer der Bleiernen Jahre.[17][18]
Am 12. Dezember ereigneten sich in Italien innerhalb von 53 Minuten fünf Anschläge. Der schwerste war der Bombenanschlag auf der Piazza Fontana: In Mailand explodierte eine Bombe im Gebäude der Banca Nazionale dell’Agricoltura und forderte 17 Tote und 88 Verletzte.
Vom Extremismus zum Terrorismus
Die Massaker trugen dazu bei, das ohnehin schon angespannte Klima weiter zu verschärfen. Zu den Unruhen und Demonstrationen, die in Straßenkämpfe ausarteten, kam es zu immer heftigeren Auseinandersetzungen. Für die Anschläge wurden sofort Anarchisten oder Linke beschuldigt, die sich aber später als unbeteiligt herausstellten, wie Giuseppe Pinelli (der während eines Verhörs unter mysteriösen Umständen aus einem Fenster der Mailänder Polizeidirektion stürzte und starb) und Pietro Valpreda. In der Öffentlichkeit tauchten Hinweise auf Irreführungen und geheime Absprachen zwischen verschiedenen Bereichen des Staates auf (die später bestätigt wurden), und man begann, von einem „Staatsmassaker“ zu sprechen.
In der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember 1970 versuchte der ehemalige faschistische Kommandant Junio Valerio Borghese, Anführer der Nationalen Front, einen Staatsstreich, der als „Borghese-Coup“ in die Geschichte einging und aus ungeklärten Gründen plötzlich abgebrochen wurde, während er bereits in vollem Gange war.
| Auf der politisch linken Seite | |
|---|---|
| GAP | Gruppi d’Azione Partigiana |
| NAP | Nuclei Armati Proletari |
| PL | Prima Linea |
| Co.Co.Ri | Comitati Comunisti Rivoluzionari |
| PAC | Proletari Armati per il Comunismo |
| BR | Brigate Rosse |
| Auf der politisch rechten Seite | |
| — | Fronte Nazionale Rivoluzionario |
| NAR | Nuclei Armati Rivoluzionari |
| — | Ordine Nuovo |
| — | Ordine Nero |
| — | Terza Posizione |
| AN | Avanguardia Nazionale |
Im Rahmen dessen, was später von einigen Historikern als Strategie der Spannung bezeichnet wurde, schien die Gesellschaft zunehmend gespalten, und es bildeten sich Gruppen, die außerparlamentarische Politik betrieben und Gewalt nicht ablehnten. In einigen Bereichen der Linken ging man in den Untergrund und zum bewaffneten Kampf über. In der Gesellschaft entstand zunehmend ein Klima der Unsicherheit und Gefahr, auch weil nicht nur spektakuläre Anschläge verübt wurden, sondern es zu einer ständigen Flut von Angriffen auf unbedeutende Ziele, einzelne Bürger, Ordnungskräfte und Bankboten kam, deren Motive teilweise unbekannt und rätselhaft blieben. Unter den Regierungskräften und in der gemäßigten Öffentlichkeit setzte sich die Theorie der gegensätzlichen Extremismen durch. Diese Theorie wurde durch einen Bericht des Präfekten von Mailand, Libero Mazza, bestätigt, der nach den Zusammenstößen zwischen MS-Militanten und Ordnungskräften am 12. Dezember 1970 in der Stadt verfasst wurde: Der Inhalt des Dokuments, das vier Monate später veröffentlicht wurde, löste vor allem in der Presse und unter linken Politikern heftige Kontroversen aus.
L’Unità griff den Bericht des Präfekten, der den Linksextremismus und den Rechtsterrorismus auf eine Stufe stellte, scharf an. Eugenio Scalfari, der spätere Chefredakteur der Tageszeitung La Repubblica, warf dem Präfekten Parteilichkeit und Verfälschung der Realität vor. Der Bürgermeister Aldo Aniasi, der sich stets für die Entwaffnung der Polizei ausgesprochen hatte, bedauerte die Thesen von Mazza, da er sie für unnötig alarmistisch und politisch gefährlich hielt (und beklagte, dass ihm das Dokument vor der Übermittlung an Innenminister Franco Restivo nicht zur Einsicht vorgelegt worden war)[6]. Nur der stellvertretende Chefredakteur von La Stampa, Carlo Casalegno (1977 von den Roten Brigaden ermordet), verteidigte Mazza[19].
Bei Straßenprotesten erscheinen viele Demonstranten maskiert und oft mit Eisenstangen, Knüppeln, Schraubenschlüsseln[20] und Molotowcocktails bewaffnet.
Am 3. März 1972 verüben die Roten Brigaden in Mailand ihre erste Entführung und verschleppen den Ingenieur Idalgo Macchiarini, einen Manager von Sit-Siemens, der vor dem Werk abgeholt und mit einem Schild um den Hals fotografiert wird, auf dem steht: „Zubeissen und weg. Nichts bleibt ungestraft. Einen treffen, um hundert zu erziehen. Alle Macht dem bewaffneten Volk!“, und einem fünfzehnminütigen Verhör (von den Roten Brigaden «Proletarischer Prozess im Gefängnis des Volkes» genannt) über die laufenden Umstrukturierungsprozesse im Werk unterzogen. Dieser Aktion folgten weitere, die in ihrer Intensität und der Bedeutung der entführten Personen immer weiter zunahmen. In Genua verlagerte sich das Ziel am 18. April 1974 auf Personen, die Teil der institutionellen Strukturen waren. In ihrer Logik des Angriffs auf den Staat entführten sie Mario Sossi, einen Richter, der im Vorjahr Staatsanwalt in dem Prozess gewesen war, der zur Verurteilung der Mitglieder der terroristischen Gruppe Gruppo XXII Ottobre geführt hatte. Sossi wurde am 23. Mai 1974 in Mailand freigelassen.
Wenige Monate später wurden die Brigadisten Renato Curcio und Alberto Franceschini von den Carabinieri unter General Carlo Alberto dalla Chiesa verhaftet.
Zumindest bis zur Entführung Moros fanden die Aktionen der Roten Brigaden bei Teilen der Bevölkerung Bewunderung, insbesondere bei einigen der seit Ende der 1960er Jahre politisch aktiven sozialen Gruppen, während ihre terroristischen Aktionen von der linken Presse als Werke faschistischer Provokateure verurteilt wurden[21].
1974 entstanden ebenfalls im Bereich der revolutionären Linken die Nuclei Armati Proletari ("Bewaffnete Proletarische Zellen"), die vor allem in Mittel- und Süditalien Fuß fassten und bis 1978 aktiv waren, wobei ihr besonderes Augenmerk auf dem Unterproletariat, den Arbeitslosen und den Gefängnissen lag. Ihre spektakulärste Aktion fand im Mai 1975 mit der Entführung von Di Gennaro und dem Aufstand im Gefängnis von Viterbo statt, als sie die Erfüllung ihrer Bedingungen durchsetzten, bevor sie den entführten Richter Di Gennaro freiließen.
Die Sondergesetze
Die Regierungsparteien – die Democrazia Cristiana, die Partito Socialista Italiano, die Partito Socialista Democratico Italiano, die Partito Repubblicano Italiano und die Partito Liberale Italiano – gestärkt durch die Unterstützung der Partito Comunista Italiano, fanden eine politische Einigung, um eine Reihe von Gesetzen auszuarbeiten, mit denen der Krisensituation des Landes begegnet werden sollte.
Aufgrund der terroristischen Bedrohung wurden einige bedeutende Gesetzesänderungen vorgenommen, die auch vom Verfassungsgericht geprüft wurden[22] und unter anderem die Befugnisse der Polizeikräfte zum Eingreifen und zum Einsatz von Waffen stärkten, jedoch stets unter Einhaltung der in der Verfassung vorgesehenen gesetzlichen und gerichtlichen Vorbehalte.
- Bedeutsam ist die Verabschiedung des Legge Reale (Nr. 152 vom 22. Mai 1975), das eine Reihe repressiver Maßnahmen einführte.
Das betreffende Gesetz löste viele Kontroversen aus und wurde einem Referendum unterzogen, das am 11. Juni 1978 durchgeführt wurde und bei dem sich die öffentliche Meinung dafür aussprach: 76,46 % stimmten für die Beibehaltung und 23,54 % für die Aufhebung[23]. - 1978 folgte die Einrichtung von Spezialeinheiten zur Terrorismusbekämpfung: die GIS (Gruppo di Intervento Speciale) der Carabinieri, die NOCS (Nucleo Operativo Centrale di Sicurezza) der Polizei und später die SVATPI-Einheiten (Scorta Valori Anti Terrorismo Pronto Impiego, ein Anti-Terror-Einsatzkommando, aus dem später die ATPI hervorging) der Guardia di Finanza.
- 1980 wurde das Cossiga-Gesetz (Gesetz Nr. 15 vom 6. Februar) erlassen, das erhebliche Strafen für Personen vorsieht, die des Terrorismus für schuldig befunden werden, und die Befugnisse der Polizei weiter ausdehnt. Obwohl einige Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit dieses Gesetzes geäußert wurden[24], wurde es vom Verfassungsgericht als verfassungskonform eingestuft.
Auch diese Maßnahme wurde einem Referendum zur Aufhebung unterzogen, das am 17. Mai 1981 stattfand und bei dem sich die Öffentlichkeit für dieses Gesetz aussprach: 85,12 % stimmten für die Beibehaltung des Gesetzes und nur 14,88 % für die Aufhebung[25].
Die Bewegung von ’77
Das Jahr des gewaltsamen Umbruchs, das diese Zeit prägt, ist wohl 1977, wie Primo Moroni und Nanni Balestrini zusammenfassen[26]: „1977 eskalierte der politische und kulturelle Konflikt, der sich auf alle Bereiche des sozialen Lebens ausweitete und beispielhaft für die Auseinandersetzungen der gesamten 70er Jahre stand, zu einem harten, vielleicht sogar dem härtesten Konflikt zwischen den Klassen und innerhalb der Klassen, den es seit der Vereinigung Italiens je gegeben hatte. Vierzigtausend wurden angezeigt, fünfzehntausend verhaftet, viertausend zu Tausenden von Jahren Gefängnis verurteilt, und dann gab es Hunderte von Toten und Verletzten auf beiden Seiten.“
Die von den Brigadisten ausgewählten Ziele waren Führungskräfte von Unternehmen (die oft von den Arbeitern selbst gemeldet wurden, welche die BR nutzten, um die Disziplierung in den Fabriken zu durchbrechen), Vertreter der DC, Ärzte und Journalisten, denen vorgeworfen wurde, ihre beruflichen Fähigkeiten in den Dienst der Guerillabekämpfung zu stellen[27].

Am 11. März 1977 reagierten die Polizeikräfte während Zusammenstößen in Bologna auf einen Molotowcocktail-Angriff mit zahlreichen Schüssen, wobei der Student Pier Francesco Lorusso, ein Sympathisant der Lotta Continua, von einer Kugel tödlich getroffen wurde. Auf die darauf folgenden Studentenproteste reagierte Innenminister Francesco Cossiga mit der Entsendung von Panzerfahrzeugen ins Zentrum von Bologna[28]. Der Carabinieri Massimo Tramontani erklärte, dass er bei Anflug einiger Molotowcocktails das Magazin seines Winchester-Gewehrs geleert habe und anschließend, nachdem ein Molotowcocktail einen Brand an der Seite seines Lastwagens ausgelöst hatte, auf den Boden gesprungen sei und mit seiner Pistole geschossen habe, jedoch nur in die Luft. Im Gegensatz dazu sagten Arbeiter von Zanichelli aus, sie hätten gesehen, wie ein Beamter mehrere Schüsse in schneller Folge auf die Demonstranten abgegeben habe, nachdem er sich mit dem rechten Arm auf ein Auto gestützt hatte, um besser zielen zu können. Tramontani wurde freigesprochen, da die Kugel, die den Studenten tötete, nicht gefunden wurde und nicht nachgewiesen werden konnte, dass sie zu den von ihm abgefeuerten Schüssen gehörte. Die Gutachten ergaben, dass Lorusso und andere, als er getroffen wurde, vor der Polizei geflohen waren; die Kugel drang in seine Brust ein, weil er sich kurz umgedreht hatte, um sich umzusehen.[29][30][31]
Weitere blutige Ereignisse des Jahres 1977
Am 31. März wurde Venedig von den Unruhen der Nächte der Feuer von Venetien erschüttert. Am 22. März starb in Rom der Polizeibeamte Claudio Graziosi, der vom NAP-Militanten Antonio Lo Muscio getötet wurde, als er versuchte, die beiden Terroristinnen Maria Pia Vianale und Franca Salerno in einem Bus festzunehmen. Bei dem Schusswechsel zwischen Graziosis Kollegen und dem Mörder wurde auch ein Tierfreund, Angelo Cerrai, tödlich getroffen[6].
Am 5. April wird in Neapel Guido De Martino, Sohn des ehemaligen sozialistischen Sekretärs Francesco De Martino, entführt. Nach verwirrenden Verhandlungen und der Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von einer Milliarde Lire wird er am 15. Mai freigelassen. Die Entführung wurde zunächst von einer mit der NAP verbundenen Kampfgruppe aus Sesto San Giovanni beansprucht, die Zeitungen und Presseagenturen anrief und die Verlesung einer ihrer Botschaften im Fernsehen forderte. Diese Bekennung wurde durch eine spätere Erklärung der NAP in der römischen Zeitung Il Messaggero widerlegt, in der sie den Rechtsterrorismus für die Entführung verantwortlich machte (false-flag-Aktion). Dieser Fall, der erste, in den ein hochrangiger italienischer Politiker direkt verwickelt war, wurde nie vollständig aufgeklärt[32].
Am 21. April 1977 schossen Militante der Autonomiebewegung in Rom im Zuge der Ereignisse nach der Räumung der Universität auf die Ordnungskräfte. Der Polizeischüler Settimio Passamonti wurde von zwei Schüssen getroffen und getötet. Der Polizist Antonio Merenda, zwei weitere Polizisten und ein Carabinieri wurden verletzt, überlebten jedoch. Auch die Journalistin Patrizia Bermier wurde verletzt.
Am 28. April 1977 wurde in Turin der Anwalt Fulvio Croce, Präsident der Anwaltskammer von Turin, von einer Gruppe der Roten Brigaden, bestehend aus Rocco Micaletto, Lorenzo Betassa, Raffaele Fiore und Angela Vai, ermordet, um den Prozess gegen den sogenannten «historischen Kern» der Organisation zu verhindern. Am 12. Mai 1977 wurde in Rom auf der Ponte Garibaldi während einer Demonstration, die von heftigen Zusammenstößen mit den Ordnungskräften geprägt war, die Studentin Giorgiana Masi getötet, Elena Ascione und der Carabinieri Francesco Ruggiero wurden verletzt. Am 14. Mai 1977 zogen einige Demonstranten aus dem Umfeld der Autonomen während einer Demonstration in Mailand ihre Pistolen, zielten und eröffneten das Feuer auf die Polizei, wobei sie den Polizeibeamten Antonio Custra töteten. Ein Fotograf hielt die Szene fest, in der ein Demonstrant mit gefalteten Händen seine Pistole auf die Polizei richtet und schießt. Es ist die Zeit der P38. Die Chronik des Corriere della Sera weigerte sich, dieses Foto zu veröffentlichen, im Gegensatz zu anderen Tageszeitungen. Später stellte sich heraus, dass der identifizierte Schütze nicht der Mörder von Custra war, und das reichte einigen, um ihn zu einer Art unschuldig Verfolgtem zu machen[6].
Am 3. Oktober 1977 starb Roberto Crescenzio nach zwei Tagen der Qual in Turin. Während einer Demonstration erlitt er schwere Verbrennungen durch einen Molotowcocktail, der bei einem Angriff auf die Bar Angelo Azzurro geworfen wurde, in der er sich als Gast befand. Die Demonstration war von verschiedenen linken Gruppen als Reaktion auf den Mord an dem Studenten Walter Rossi organisiert worden, der am 30. September in Rom von zwei jungen Neofaschisten ermordet worden war[33].
1978 und die Entführung Moros
Der Beginn des Jahres 1978 war geprägt von einem Ereignis, das in den Reihen der Rechtsextremisten eine Reaktion hervorrief, die auch in den folgenden Jahren spürbare Auswirkungen haben sollte: das Massaker von Acca Larentia. Am Abend des 7. Januar wurden Franco Bigonzetti und Francesco Ciavatta, junge MSI aus der Sektion Acca Larentia im Stadtteil Tuscolano in Rom mit Schüssen aus einer Skorpion-Maschinenpistole getötet, die von einer bewaffneten Gruppe abgefeuert wurden, die sich später als «Nuclei Armati per il Contropotere Territoriale» («Bewaffnete Zellen für die territoriale Gegenmacht») zu dem Anschlag bekannte. Am selben Abend wurde nach Zusammenstößen mit den Ordnungskräften auch ein dritter junger Aktivist der Jugendfront, Stefano Recchioni, durch einen Pistolenschuss aus nächster Nähe vom Carabinieri-Hauptmann Edoardo Sivori getötet[27]. Dieses Ereignis markierte den Beginn einer Offensive des Rechtsterrorismus (unter der Führung der bewaffneten Gruppe NAR) nicht nur gegen die antifaschistischen Kräfte, sondern auch gegen den Staat, der als mitverantwortlich für dieses Blutvergießen angesehen wurde. Zwischen Januar und Februar töteten verschiedene linke Organisationen auch Carmine De Rosa (FIAT-Manager in Cassino)[34], den Polizisten Fausto Dionisi in Florenz und den Notar Gianfranco Spighi in Prato[35], während die Roten Brigaden den Kassationsrichter Riccardo Palma (Rom, 14. Februar) und den Carabinieri-Marschall Rosario Berardi (Turin, 10. März) ermordeten.
Am 16. März 1978 kam es in der Via Fani in Rom zu einem Hinterhalt, bei dem der damalige Vorsitzende der Democrazia Cristiana, Aldo Moro, nach Eliminierung seiner fünf Leibwächter entführt und anschließend ermordet wurde. Die Ermordung erfolgte am 9. Mai 1978 durch ein Kommando der Roten Brigaden verübt, die sie als «Angriff auf das Herz des Staates» bezeichneten[6]. Während des Prozesses vor dem Schwurgericht in Rom erklärte Moros Frau Eleonora Chiavarelli, dass sich die Maschinenpistolen der Leibwächter im Kofferraum der Autos befanden, weil «diese Leute nicht mit Waffen umgehen konnten, da sie nie Schießübungen machten und nicht daran gewöhnt waren, mit ihnen umzugehen, sodass die Maschinenpistolen im Kofferraum blieben. Leonardi sprach immer davon. „Diese Leute“, sagte er, „können keine Waffe haben, die sie nicht benutzen können. Sie müssen wissen, wie man sie benutzt. Sie müssen sie ordnungsgemäß aufbewahren. Sie müssen sie griffbereit haben. Das Funkgerät muss funktionieren, aber es funktioniert nicht.“ Monatelang ging es so weiter. Marschall Leonardi und der Polizeibeamte Ricci rechneten nicht mit einem Hinterhalt, da ihre Waffen in einer Tasche verstaut waren und eine der beiden Taschen sogar in einer Plastikhülle steckte»[6]. Dieser letzte Satz wurde von der Witwe des Marschalls Leonardi widerlegt, die erklärte, dass ihr Mann «in letzter Zeit bewaffnet unterwegs war, weil er bemerkt hatte, dass ihm ein Auto folgte»[6]. Einer der in der Via Fani anwesenden Brigadisten, Franco Bonisoli, erklärte, dass die Entscheidung, den christdemokratischen Präsidenten zu entführen, «eine Woche zuvor getroffen worden war, ein Tag wurde festgelegt, es könnte der 15. gewesen sein, es könnte der 17. gewesen sein»[6].
Im Laufe der Jahre haben einige Mitarbeiter erklärt, dass Moro während eines Besuchs in Washington eine heftige Auseinandersetzung mit dem damaligen Außenminister Henry Kissinger hatte (der gegen einen möglichen Eintritt der PCI in die italienische Regierung war)[36][37]. Laut Sergio Flamigni war Steve Pieczenik (Berater des US-Präsidenten Jimmy Carter) später der Drahtzieher der «Irreführung am Lago della Duchessa» während der Entführung Moros, mit Zustimmung von Francesco Cossiga: Während am 18. April 1978 die Polizei gerade ein zufällig entdecktes Versteck der Roten Brigaden in der Via Gradoli 96 in Rom gestürmt hatte, meldete ein anonymer Anrufer, Aldo Moro sei tot und liege im (100 km entfernten) Lago della Duchessa, was einerseits die Polizei durch Ressourcenbindung an der falschen Stelle bei der Aufspürung von Moro behindern sollte und andererseits die BR psychologisch verunsichern sollte ("infowar"), damit diese Moro töten, um so eine mögliche Regierungsbeteiligung der PCI zu verhindern[38][39].
Am 18. März 1978, zwei Tage nach der Entführung Moros, werden in Mailand Fausto Tinelli e Lorenzo (Iaio) Iannucci, damals 18 Jahre alt und Besucher des Centro Sociale Leoncavallo, ermordet. Sie werden von Rechtsextremisten mit acht Pistolenschüssen getötet, wozu sich später auch die NAR bekennt.
Nach dem Mord an Moro trat der damalige Innenminister Francesco Cossiga am 10. Mai 1978 zurück. Der General der Carabinieri Carlo Alberto dalla Chiesa wurde am 10. August desselben Jahres (durch Dekret des damaligen Ministerpräsidenten Andreotti) mit der Koordinierung des Kampfes gegen den Terrorismus beauftragt. Dalla Chiesa setzte innovative Techniken bei den Ermittlungen gegen den Terrorismus ein und erzielte bemerkenswerte Ergebnisse. 1982 wurde er als Präfekt zur Bekämpfung der Mafia nach Sizilien entsandt, aber ohne die Ressourcen und die politische Unterstützung, die er in seiner vorherigen Position genossen hatte, wurde er völlig allein gelassen und am 3. September 1982 zusammen mit seiner jungen Frau Emanuela Setti Carraro in Palermo von der Mafia ermordet.
1980 und das Ende

Von Juni 1978 bis Dezember 1981 nahmen die terroristischen Überfälle, Morde und Körperverletzungen zu. Die Statistiken zeigten eine in Europa bisher unbekannte Zunahme von Anschlägen: Die Zahl der in Italien aktiven bewaffneten Organisationen stieg von 2 im Jahr 1969 auf 91 im Jahr 1977 und auf 269 im Jahr 1979. Im selben Jahr wurde die Rekordzahl von 659 Anschlägen verzeichnet.[37] Das Jahr mit den meisten Opfern war jedoch 1980, in dem 125 Menschen starben, davon 85 beim Anschlag auf den Hauptbahnhof von Bologna.[37]
An zweiter Stelle nach der Entführung Moros stand hinsichtlich der internationalen Resonanz wahrscheinlich die Entführung des US-Generals James Lee Dozier durch die Roten Brigaden, der gemeinhin als Abschluss eines Zyklus der bleiernen Jahre angesehen wird. Die Entführung Dozier sorgte für Aufsehen, weil es den Roten Brigaden gelungen war, ein so bedeutendes militärisches Ziel zu treffen: Der General war damals stellvertretender NATO-Kommandeur in Südeuropa und wurde am 17. Dezember 1981 in Verona entführt. Am 28. Januar 1982 wurde er dann in Padua durch eine Aktion der NOCS befreit.

Gegen Ende des Jahrzehnts nahmen die Gewalttaten langsam ab. Insbesondere brach die Unterstützung für die Roten Brigaden nach der Ermordung des Arbeiters Guido Rossa im Jahr 1979 zusammen. Rossa hatte einen Kollegen angezeigt, den er beim Verteilen von Propagandamaterial der BR erwischt hatte. Die Jahre des Terrors gingen zu Ende, die Meinung, dass der bewaffnete Kampf zu einer Veränderung der verfassungsmäßigen Ordnung des Staates führen könnte, verlor an Bedeutung. Der Schriftsteller Bifo Berardi, ehemaliger Vertreter der außerparlamentarischen Linken, erklärte: «Ende der siebziger Jahre wurde jedes arbeiterfeindliche Verhalten kriminalisiert, geächtet und beseitigt, [...] der Realismus des Kapitals übernahm mit dem Triumph der neoliberalen Politik wieder die Führung. Die kapitalistische Gegenoffensive begann, das soziale Leben wurde erneut der Produktivität unterworfen, der wirtschaftliche Wettbewerb wurde als einziges Kriterium für Fortschritt geheiligt.»[40].
Anfang der 90er Jahre analysiert die Ermittlungsrichterin von Savona, Fiorenza Giorgi, in ihrem Beschluss zur Einstellung der Ermittlungen zu den Bombenanschlägen, die zwischen 1974 und 1975 in der Stadt verübt worden waren, eine Analyse der Anschläge in der ersten Phase der Strategie der Spannung, in der sie unter anderem die Deckung erwähnt, die italienische Geheimdienste einigen terroristischen Aktionen und den Handlungen von Personen wie Junio Valerio Borghese gewährt hatten. Die Richterin berichtet dazu:
“Dal 1969 al 1975 si contano 4.584 attentati, l’83 percento dei quali dichiara impronta della destra eversiva (cui si addebitano ben 113 morti, di cui 50 vittime delle stragi e 351 feriti), la protezione dei servizi segreti verso i movimenti eversivi appare sempre più plateale.”
„Von 1969 bis 1975 gab es 4.584 Anschläge, von denen 83 Prozent der subversiven Rechten zugeschrieben werden (mit 113 Toten, darunter 50 Opfer von Massakern, und 351 Verletzten). Der Schutz der Geheimdienste gegenüber subversiven Bewegungen wird immer offensichtlicher.“
Die Terroranschläge der drei Jahre von 1978 bis 1981 versetzten die Öffentlichkeit in Angst und Schrecken und vermittelten den Eindruck, dass etwas Unaufhaltsames im Gange sei: Einige sprachen dramatisch von einer Schwelle zum Bürgerkrieg.[37] In Wirklichkeit (was jedoch erst im Nachhinein klar wurde) handelte es sich bei diesen Terroranschlägen um gefährliche, aber aussichtslose letzte Zuckungen: General Carlo Alberto dalla Chiesa war mit weitreichenden Befugnissen für die Bekämpfung des Terrorismus ausgestattet worden und erzielte bald einige sehr wirksame Erfolge[42].
Am 29. Mai 1982 wurde das Gesetz Nr. 304 endgültig verabschiedet, das erhebliche Strafmilderungen für diejenigen vorsah, die «nützliche Beiträge zum Kampf gegen den Umsturz» geleistet hatten. Für terroristische Organisationen war dieses Gesetz verheerend, da viele Militante begannen, mit den Richtern zusammenzuarbeiten und die Namen ihrer Komplizen preisgaben.[42]
Von diesem Zeitpunkt an bis 1988 gab es zwar noch weitere Anschläge, doch handelte es sich dabei um relativ isolierte Vorfälle. Die Vorstellung, dass bewaffneter Kampf ein Mittel zur Lösung sozialer Konflikte sein könnte, hatte selbst bei den extremen Flügeln beider politischer Lager stark an Glaubwürdigkeit verloren.
Das Ende der bleiernen Jahre war auch durch das Ende der sogenannten „Notstandsrechtsprechung“ gekennzeichnet. Im Juni 1985 reduzierte ein Urteil des Kassationsgerichtshofs den Umfang der moralischen Mitverantwortung, die zuvor auf Mitglieder einer bewaffneten Bande allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu dieser angewendet wurde, und stellte damit die persönliche Verantwortung für die Begehung der Straftat in den Vordergrund, um das strafrechtliche Urteil zu ermessen[43].
Der politische Terrorismus nach den bleiernen Jahren
Das Ende der bleiernen Jahre bedeutete nicht das Ende des Terrorismus, aber die Abfolge einzelner Anschläge und einzelner Vorfälle, die auf soziale und politische Konflikte abzielten, konnte die konstitutionell-parlamentarische Staatsform nicht mehr gefährden.
Es gab einen Versuch, die Roten Brigaden wiederzubeleben, indem die Neuen Roten Brigaden gegründet wurden, die zwar bis 2006 Anschläge und Morde verübten, aber in der italienischen Gesellschaft, die sich seit den 70er Jahren verändert hatte, keine Umfelder mehr, in denen sie sich neu formieren und ein Terrornetzwerk aufbauen konnten, das dem der Roten Brigaden ähnelte, von denen sie sich inspirieren ließen.
Die historische Debatte
Der Politologe Ernesto Galli della Loggia untersuchte das Problem der italienischen Anomalie in Bezug auf den Terrorismus und hob hervor, dass Italien das einzige große europäische Land ist, in dem der politische Terrorismus eine lange Tradition hat (mit Ausnahme von Nordirland und dem Baskenland, die andere Probleme haben). Seine Analyse, die diese Besonderheit auf eine der italienischen Gesellschaft innewohnende Gewaltbereitschaft zurückführt, stieß auf Zustimmung und Ablehnung[44].
Einige Kommentatoren haben behauptet, dass im Gegensatz zu den innovativen Impulsen, die die 68er-Bewegung hervorgebracht hatte, «der Terrorismus paradoxerweise das Ziel erreichte, das mit der Strategie der Anschläge nicht gelungen war: die demokratische Beteiligung zu ersticken, die verängstigten Bürger in ihre Häuser zurückzudrängen und die Logik der Unterdrückung und Angst durchzusetzen. Die „bleiernen Jahre“ markierten das Ende dieser Ära, die dann in den sogenannten „Rückzug ins Private“ der 1980er Jahre mündete»[45]. Anderen Kommentatoren wie Indro Montanelli und Massimo Fini zufolge waren die bleiernen Jahre eine Folge von 1968[46], in denen die ernsthaften Rebellen diejenigen waren, die zur Waffe griffen und zu Terroristen wurden[47][48].
Montanelli selbst, der 1977 von den Roten Brigaden verletzt worden war, vergab seinen Angreifern, nachdem sie sich vom bewaffneten Kampf losgesagt hatten[49], und sprach sich mehrfach für einen Akt der Gnade gegenüber den Terroristen aus, die Reue gezeigt hatten[49][50], und erklärte:
“Intendiamoci, i delitti dei terroristi non si possono cancellare né tanto meno giustificare. E le loro condanne sono state più che giuste. Ma è il modo in cui le hanno scontate e continuano a scontarle che m’incute un certo rispetto. A differenza dei loro maestri e mandanti, che ancora oggi blaterano impuniti, un certo esame di coscienza almeno quei ragazzi se lo sono fatto. E molti si sono dissociati, cioè hanno riconosciuto l’inanità dei loro ideali. È stato un modo dignitoso di far sapere che sono consapevoli d’aver sognato un mondo impossibile e d’averlo perseguito attraverso strade impraticabili. [...] Per questo sostengo l’indulto, la grazia, l’amnistia. La formula non ha importanza. L’importante è riconoscere che la partita è chiusa. E a farla chiudere è stato soprattutto il modo in cui quella gente ha pagato[51].”
„Verstehen wir uns richtig: Die Verbrechen der Terroristen können weder getilgt noch gerechtfertigt werden. Und ihre Verurteilungen waren mehr als gerecht. Aber die Art und Weise, wie sie ihre Strafe verbüßt haben und weiterhin verbüßen, flößt mir einen gewissen Respekt ein. Im Gegensatz zu ihren Lehrern und Auftraggebern, die noch heute ungestraft schwafeln, haben zumindest diese jungen Leute eine gewisse Gewissensprüfung vorgenommen. Und viele haben sich distanziert, das heißt, sie haben die Sinnlosigkeit ihrer Ideale erkannt. Das war eine würdige Art und Weise, um zu zeigen, dass sie sich bewusst sind, von einer unmöglichen Welt geträumt und diese auf undurchführbaren Wegen verfolgt zu haben. [...] Deshalb bin ich für Begnadigung, Gnade, Amnestie. Die Formulierung spielt keine Rolle. Wichtig ist, anzuerkennen, dass das Spiel vorbei ist. Und dass es vorbei ist, liegt vor allem daran, wie diese Menschen dafür bezahlt haben.“
Veröffentlichungen
Kino, Fernsehen und Theater
- Andrea Frezza, Il gatto selvaggio, 1968.
- Edoardo Bruno, Sein Ruhmestag, 1969.
- Salvatore Samperi, Cuore di mamma, 1969.
- Luigi Zampa, Contestazione generale, 1970.
- Elio Petri, Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger, 1970.
- Nelo Risi und Elio Petri, Documenti su Giuseppe Pinelli, 1970.
- Dario Fo, Zufälliger Tod eines Anarchisten, 1970.
- Marco Bellocchio, Sbatti il mostro in prima pagina, 1972.
- Steno, La polizia ringrazia, 1972.
- Giovanni Bonfanti, Pier Paolo Pasolini, Der 12. Dezember, 1972.
- Maria Virginia Onorato, L’ultimo uomo di Sara, 1972.
- Gianfranco Mingozzi, Morire a Roma – La vita in gioco, 1972.
- Mauro Bolognini, Imputazione di omicidio per uno studente 1972.
- Mario Monicelli, Vogliamo i colonnelli, 1973.
- Dino Risi, Mordi e fuggi, 1973.
- Roberto Infascelli, La polizia sta a guardare, 1973.
- Lucio De Caro, Processo per direttissima 1974.
- Giorgio Francesco Rizzini, Un normale giorno di violenza, 1974.
- Luciano Ercoli, La polizia ha le mani legate, 1975.
- Giuseppe Rosati, La polizia interviene: ordine di uccidere!, 1975.
- Sergio Martino, La polizia accusa: il Servizio Segreto uccide, 1975.
- Rainer Werner Fassbinder, Il viaggio in cielo di mamma Kusters, 1975.
- Francesco Rosi, Die Macht und ihr Preis, 1976.
- Carlo Lizzani, San Babila ore 20: un delitto inutile, 1976.
- Mario Monicelli, Caro Michele 1976.
- Mario Monicelli, Un borghese piccolo piccolo, 1977.
- Damiano Damiani, Io ho paura, 1977.
- Massimo Pirri, Italia: ultimo atto?, 1977.
- Dante Guardamagna, Occidente, 1978.
- Rainer Werner Fassbinder, Die dritte Generation, 1979.
- Dino Risi, Caro Papà, 1979.
- Gillo Pontecorvo, Ogro, 1979.
- Gianni Barcelloni, Desideria, 1980
- Marco Tullio Giordana, Maledetti vi amerò, 1981.
- Margarethe von Trotta, Die bleierne Zeit, 1981.
- Pier Giuseppe Murgia, La festa perduta, 1981.
- Bernardo Bertolucci, Die Tragödie eines lächerlichen Mannes, 1981.
- Damiano Damiani, Parole e sangue, 1981.
- Francesco Rosi, Drei Brüder, 1981.
- Marco Tullio Giordana, La caduta degli angeli ribelli, 1981.
- Gianni Amelio, Colpire al cuore, 1983.
- Carlo Lizzani, Nucleo Zero, 1984.
- Giuseppe Schito, Il ragazzo di Ebalus, 1984.
- Marco Bellocchio, Teufel im Leib, 1986.
- Reinhard Hauff, Stammheim, 1986.
- Giuseppe Ferrara, Die Affäre Aldo Moro, 1986.
- Pasquale Squitieri, Gli invisibili, 1988.
- Marco Leto, A proposito di quella strana ragazza, 1989.
- Paolo Grassini, Italo Spinelli, Roma-Paris-Barcellona, 1990.
- John Frankenheimer, Verliebt in die Gefahr, 1991.
- Vittorio Sindoni, Una fredda mattina di maggio, 1990.
- Cristina Comencini, La fine è nota, 1992.
- Carlo Lizzani, Il caso Dozier, 1993.
- Marco Tullio Giordana, Pasolini, un delitto italiano, 1995.
- Mimmo Calopresti, Das zweite Mal, 1995.
- Wilma Labate, La mia generazione, 1996.
- Loredana Bianconi, Do you remember revolution?, 1997.
- Marco Turco, Vite in sospeso, 1998.
- Rosalia Polizzi, Riconciliati, 2001.
- Marco Tullio Giordana, Die besten Jahre, 2003.
- Renzo Martinelli, Piazza delle Cinque Lune, 2003.
- Marco Bellocchio, Buongiorno, notte, 2003.
- Valeria Bruni Tedeschi, Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr …, 2003.
- Guido Chiesa, Lavorare con lentezza, 2004.
- Steven Spielberg, München, 2005.
- Giuseppe Ferrara, Guido che sfidò le Brigate Rosse, 2005.
- Claudio Fragasso, Concorso di colpa, 2005.
- Michele Placido, Romanzo criminale, 2005.
- Michele Soavi, Arrivederci amore, ciao, 2006.
- Daniele Luchetti, Mein Bruder ist ein Einzelkind, 2007.
- Uli Edel, Der Baader Meinhof Komplex, 2008.
- Igor Mendolia, Anni Spietati – Una Città e il Terrorismo: Torino 1969–1982, 2008.
- Aurelio Grimaldi, Se sarà luce sarà bellissimo – Moro: Un’altra storia, 2008.
- Gianluca Maria Tavarelli, Aldo Moro – Il presidente, 2008.
- Renato De Maria, La prima linea, 2009.
- Stefano Sollima, Romanzo criminale – La serie, 2008–2010.
- Giacomo Campiotti, Il sorteggio, 2010.
- Mosco Levi Boucault, Ils étaient les Brigades Rouges, 2011.
- Marco Tullio Giordana, Romanzo di una strage, 2012.
- Graziano Diana, Gli anni spezzati, 2014.
- Aurelio Grimaldi, Il delitto Mattarella, 2020.
- Marco Bellocchio, Und draußen die Nacht, 2022.
Belletristik
Die Jahre des Terrors haben einige Werke der italienischen Literatur inspiriert, fast alle dokumentarischer Art, die der Fantasie nur wenig Raum lassen[52].
Einer der ersten Romane zu diesem Thema ist Caro Michele von Natalia Ginzburg. Auch Alberto Moravia schrieb in seinem Roman Desideria aus dem Jahr 1978 über Terrorismus. Es gibt zahlreiche Romane über die Geschichte von Aldo Moro: Im selben Jahr, in dem sich die Ereignisse zutrugen, veröffentlichte Leonardo Sciascia Die Affäre Moro, während Alberto Arbasino In questo Stato herausbrachte. Auch die posthumen Romane von Pier Paolo Pasolini (Petrolio) und Goffredo Parise (Der Geruch des Blutes) behandeln diese Jahre. Die US-amerikanische Schriftstellerin Rachel Kushner hat ein Kapitel ihres Romans Flammenwerfer (Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2015) im Rom der Demonstration vom März 1977 angesiedelt. Der Roman La guerra di Nora (deutsch: Der Krieg von Nora) von Antonella Tavassi La Greca in Form eines Tagebuchs ermöglicht es, eine Geschichte aus den Jahren des Terrorismus nachzuvollziehen.
Nachfolgend eine Liste von Romanen, die in den Jahren des Terrorismus spielen:
- Wir wollen alles (Vogliamo tutto) (1971), Nanni Balestrini
- Caro Michele (1973), Natalia Ginzburg.
- Todo modo oder das Spiel um die Macht (1977), Leonardo Sciascia.
- Occidente (1975), Ferdinando Camon.
- Desideria (La vita interiore) (1978), Alberto Moravia.
- Storia di Sirio (1984) Ferdinando Camon
- Petrolio, (1992, geschrieben 1972/1975), Pier Paolo Pasolini.
- Alonso e i visionari (1996), Anna Maria Ortese.
- Der Geruch des Blutes (1997, geschrieben 1979) Goffredo Parise.
- L’ultimo sparo (1998), Cesare Battisti.
- Il prigioniero (1998), Anna Laura Braghetti.
- Lo spasimo di Palermo (1998), Vincenzo Consolo.
- Romanzo criminale (2002), Giancarlo De Cataldo
- Tristano stirbt (2004), Antonio Tabucchi.
- Anatomia della battaglia (2005) Giacomo Sartori.
- Piove all’insù (2006), Luca Rastello.
- Der blaue Cinquecento: Geschichte meiner Familie im Schatten des Terrorismus. (2008), Mario Calabresi.
- Prima esecuzione (2007), Domenico Starnone.
- Il tempo materiale (2008), Giorgio Vasta.
- La legge dell’odio (2012), Alberto Garlini.
- Resistere non serve a niente (2012), Walter Siti.
- Gli anni al contrario (2015), Nadia Terranova.
Literatur
- AA. VV., La strage di Stato – Controinchiesta, Roma, Samonà e Savelli, 1970.
- Cristiano Armati, Italia criminale – Dalla banda della Magliana a Felice Maniero e la mala del Brenta, Roma, Newton Compton, 2012.
- David Barra e Nicola Ventura, Maledetti '70, storie dimenticate degli anni di piombo, Roma, Gog Edizioni, 2018
- Nanni Balestrini e Primo Moroni, L’orda d’oro 1968–1977 – La grande ondata rivoluzionaria e creativa, politica ed esistenziale, Milano, SugarCo, 1988.
- Gian Ruggero Manzoni e Emilio Dalmonte, Pesta duro e vai trànquilo, Milano, Feltrinelli (Hrsg.), 1980.
- Marco Baliani, Corpo di Stato – Il delitto Moro, Milano, Rizzoli, 2003.
- Antonella Beccaria, Pentiti di niente – Il sequestro Saronio, la banda Fioroni e le menzogne di un presunto collaboratore di giustizia, Viterbo, Nuovi Equilibri, 2008, ISBN 978-88-6222-049-1.
- Tore Bjǿrgo (a cura di), Terror from Extreme Right, Londra, Frank Cass, 1995.
- Giorgio Bocca: Il terrorismo italiano 1970/1980 (= Biblioteca Universale Rizzoli). "nuova edizione" Auflage. Rizzoli, Milano 1981.
- Giorgio Bocca, Gli anni del terrorismo – Storia della violenza politica in Italia dal '70 ad oggi, Roma, Armando Curcio (Hrsg.), 1989.
- Carlo Bordini e Andrea Di Consoli (a cura di), Renault 4 – Scrittori a Roma prima della morte di Moro, Roma, Avagliano, 2007.
- Mario Calabresi, Spingendo la notte più in là – Storia della mia famiglia e di altre vittime del terrorismo, Milano, Mondadori, 2007.
- Maurizio Calvi, Alessandro Ceci, Angelo Sessa e Giulio Vasaturo, Le date del terrore – La genesi del terrorismo italiano e il microclima dell’eversione dal 1945 al 2003, Roma, Luca Sossella (Hrsg.), 2003, ISBN 88-87995-58-3.
- Giovanni Fasanella e Grippo Antonella, I silenzi degli innocenti, Milano, Rizzoli, 2006.
- Giorgio Galli, Storia del partito armato 1968–1982, Milano, Rizzoli, 1986, ISBN 88-17-53309-2.
- Guido Giraudo, Andrea Arbizzoni, Giovanni Buttini, Francesco Grillo e Paolo Severgnini, Sergio Ramelli, una storia che fa ancora paura, EFFEDIEFFE edizioni, 1997. ISBN 88-85223-14-1
- Marc Lazar e Marie-Anne Matard-Bonucci (a cura di), Il libro degli anni di piombo – Storia e memoria del terrorismo italiano, traduzione di Christian Delorenzo e Francesco Peri, Milano, Rizzoli, 2010.
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- Giorgio Manzini, Indagine su un brigatista rosso – La storia di Walter Alasia, Torino, Einaudi (Hrsg.), 1978.
- Achille Melchionda, Piombo contro la Giustizia. Mario Amato e i magistrati assassinati dai terroristi, Pendragon 2010.
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- Indro Montanelli e Mario Cervi, L’Italia degli anni di piombo (1965–1978), Milano, Rizzoli, 1991, ISBN 88-17-42805-1.
- Indro Montanelli e Mario Cervi, L’Italia degli anni di fango (1978–1993), Milano, Rizzoli, 1993, ISBN 88-17-42729-2.
- Paolo Persichetti, Esilio e castigo – Retroscena di un’estradizione, Reggio Calabria, La Città del Sole, 2006.
- Michele Ruggiero, Nei secoli fedele allo Stato – L’Arma, i piduisti, i golpisti, i brigatisti, le coperture eccellenti, gli anni di piombo nel racconto del generale Nicolò Bozzo, Genova, Fratelli Frilli, 2006.
- Marco Maria Sambo, Contro chi – La primavera spezzata di Ezio Tarantelli, Roma, Castelvecchi, 2005.
- Frances Stonor Saunders, La guerra fredda culturale – La CIA e il mondo delle lettere e delle arti, Roma, Fazi, 2004.
- Alessandro Silj: Mai più senza fucile! Alle origini dei NAP e delle BR. Vallecchi, Firenze 1977 (Vorwort von Pio Baldelli).
- Luca Telese, Cuori neri. Dal rogo di Primavalle alla morte di Ramelli, Sperling & Kupfer, 2006.
- Sergio Zavoli, La notte della Repubblica, Roma, Nuova Eri, 1992, ISBN 88-04-33909-8.
- Le Vere Ragioni, 1968/1976: atti di un convegno organizzato da Democrazia Proletaria nel 1985.