Breno (Lombardei)
italienische Gemeinde
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Breno (lombardisch Bré) ist eine italienische Gemeinde (comune) in der Provinz Brescia, Region Lombardei, mit 4633 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024). Sie ist Verwaltungssitz der Comunità montana di Valle Camonica.
| Breno | ||
|---|---|---|
| Staat | Italien | |
| Region | Lombardei | |
| Provinz | Brescia (BS) | |
| Lokale Bezeichnung | Bré | |
| Koordinaten | 45° 58′ N, 10° 18′ O | |
| Höhe | 343 m s.l.m. | |
| Fläche | 59,94 km² | |
| Einwohner | 4.633 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Fraktionen | Astrio, Pescarzo, Mezzarro | |
| Postleitzahl | 25043 | |
| Vorwahl | 0364 | |
| ISTAT-Nummer | 017028 | |
| Bezeichnung der Bewohner | Brenesi | |
| Schutzpatron | San Valentino | |
| Website | www.comune.breno.bs.it | |
Geographie
Breno liegt knapp 68 km nordwestlich der Provinzhauptstadt Brescia im mittleren Valcamonica auf einer Höhe von 343 m s.l.m. in den Adamello-Presanella-Alpen. Der Ort erstreckt sich auf der orographisch linken Seite des Flusses Oglio. Im Osten grenzt das 59,94 km² große Gemeindegebiet an die Provinz Trient. Es umfasst die drei Fraktionen Astrio, Mezzarro und Pescarzo sowie die Weiler Campograndi, Gera und Pilo. Das Gemeindegebiet liegt teilweise im Regionalpark Adamello.
Die Nachbargemeinden sind Bagolino, Bienno, Braone, Ceto, Cividate Camuno, Borgo Chiese (TN), Valdaone (TN), Losine, Malegno, Niardo und Prestine.
Etymologie
Laut Heimatforschern soll sich das Toponym vom des Stammes der Breonen oder aus dem keltischen Wort *briga (=Berg) ableiten. Nach Dante Olivieri könnte sich die Etymologie aus der Flexion des keltischen Realnamens Brennos erklären.[2]
Geschichte




Der Ort war bis in das 11. Jahrhundert nur spärlich besiedelt. Nur vereinzelte archäologische Funde weisen auf eine keltische Besiedlung hin, wie eine 1950 gefundene kleine cenomanische Nekropole. Aus der Römerzeit sind zwei römische Gedenksteine erhalten, darunter einer, der Julius Cäsar gewidmet ist.[3] Bei Bauarbeiten wurde Ende der 1980er Jahre ein der römischen Göttin Minerva geweihtes Heiligtum am südwestlichen Ortsrand von Breno entdeckt. Es wurde um 16 v. Chr. im Zuge der Romanisierung des Tales und der Gründung der römischen Stadt Civitas Camunnorum vermutlich auf einem bereits seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. genutzten Kultplatz errichtet.[4]
Dass die Franken Breno zu ihrem Hauptort des Tals wählten, bleibt ebenso eine reine Vermutung, wie die Annahme, wonach die von Karl dem Großen belehnten Mönche von Tour die Kapellen S. Martino di Astrio und S. Maurizio di Breno gegründet haben.[3]
Breno wurde erstmals 1116 urkundlich erwähnt. 1161 befreite Kaiser Friedrich Barbarossa das Valcamonica und damit auch Breno von Abgaben. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde der Ort von einer schweren Flut soweit zerstört, dass er in der Nähe des Burgberges neu errichtet wurde. Während der Auseinandersetzung zwischen den Guelfen und Ghibellinen löste sich Breno Ende des 13. Jahrhunderts langsam vom Einfluss, den die Stadt Brescia bisher auf den Ort ausgeübt hatte und geriet zunehmend unter den Einflussbereich verschiedener Signorien. Unter Kaiser Heinrich VII. fiel es 1312 an Cangrande I. della Scala. Die Scaliger konnten sich allerdings nicht lange halten, denn bereits 1337 wurden sie von den Visconti abgelöst.
Auch unter der Herrschaft der Mailänder gingen die Auseinandersetzungen zwischen Guelfen und Ghibellinen weiter, ohne dass den Visconti ein dauerhafter Friedensschluss gelang. 1427 eroberte der venezianische Condottiere Francesco Bussone da Carmagnola die Burg von Breno. In der Folge versuchte Mailand mehrmals Breno und das Tal wieder unter seinen Einflussbereich zu bringen. 1438 scheiterte eine Belagerung der Burg am Widerstand der venezianische Burgbesatzung. Auch der im Diensten der Sforza stehende Bartolomeo Colleoni gelang 1453 trotz einer mehrmonatigen Belagerung nicht die Rückeroberung der Burg. Erst im Februar 1454 gab die ausgehungerte venezianische Besatzung auf. Mit dem im April 1454 abgeschlossenen Frieden von Lodi fiel Breno wieder an die Serenissima, die die Burg in der Folge zu einer Festung ausbaute.[3]
Nach der venezianischen Niederlage in der Schlacht von Agnadello 1509 wurde Breno von den Franzosen besetzt, die aber bereits 1512 erneut der Republik Venedig weichen mussten. In der Folge erlebte der Ort eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Unter der venezianischen Herrschaft wurde unter anderem die Pfarrkirche – auch als Dom von Breno bezeichnet – und die zentrale Piazza Duomo mit ihren Palazzi errichtet. Die venezianische Epoche wurde 1797 abrupt im Zuge des Italienfeldzuges unter Napoleon Bonaparte beendet.
Nach der in Breno wenig ereignisreichen napoleonischen Epoche wurde die Gemeinde im 19. Jahrhundert zunächst unter den Habsburgern und später unter dem Königreich Italien zu einem administrativen Zentrum im mittleren Valcamonica ausgebaut. Die Risorgimentobewegung und die Italienischen Unabhängigkeitskriege fanden auch in Breno ihr Echo. Als im Zuge des Ersten Italienischen Unabhängigkeitskrieges eine Schar von fast 200 Aufständischen aus dem Valcamonica bis nach Cles im tirolerischen Nonstal vorrückte, befanden sich zahlreicher Einwohner aus Breno darunter.[3]
Ab 1860 entwickelte sich Breno zu einem der bedeutendsten Zentren in der Provinz Brescia. Es wurde Sitz eines eigenen Wahlkreises, in dem beispielsweise 1876 Oreste Baratieri der Einzug in die Camera dei deputati gelang. Zu einem Symbol des wirtschaftlichen Aufstiegs der Gemeinde wurde das 1887 errichtete Elektrizitätswerk, das das erste im Valcamonica war.[3]
Wirtschaft
Breno ist das wirtschaftliche Zentrum im mittleren Valcamonica. Die lange Zeit von Venedig verwehrten Marktrechte erhielt der Ort erst nach dem Untergang der Serenissima im Laufe des 19. Jahrhunderts. In der Vergangenheit spielte in Breno die Verarbeitung von Edelsteinen eine gewisse Rolle. Ebenso gab es zahlreiche Schmieden, in denen landwirtschaftliche Geräte hergestellt wurden.[3]
Wirtschaftliche Bedeutung erlangte der Ort im 20. Jahrhundert mit der Gründung des Stahlwerks Carlo Tassoni 1921. Es war das weltweit erste Werk, das Öfen mit Söderberg-Elektroden zur kontinuierlichen Herstellung von Gusseisenblöcken im Sandgussverfahren, von Ferromangan und Spiegelguss einsetzte. Im Laufe der Zeit haben sich weitere Unternehmen in den Bereichen Chemie, Immobilien, Bauwesen, Druckerei und Energie etabliert, wie beispielsweise das Wasserkraftunternehmen, das später in Enel aufgegangen ist. Gefördert wurde das wirtschaftliche Wachstum durch die 1872 in Breno gegründete Kreditanstalt Banca di Valle Camonica. Trotz der wirtschaftlichen Entwicklung spielte die saisonale Abwanderung in die Schweiz und nach Frankreich immer noch eine gewisse Rolle. In der jüngeren Vergangenheit gewann auch der Tourismus rund um Breno an Bedeutung.[3]
Verkehr
Durch das Gemeindegebiet führt die Strada Statale 42 del Tonale e della Mendola von Treviglio nach Bozen. Der Bahnhof Breno liegt an der Bahnstrecke Brescia–Iseo–Edolo.
Sehenswürdigkeiten
- Castello di Breno, unter Kaiser Friedrich Barbarossa im 12. Jahrhundert errichtete Burg, die im 15. Jahrhundert von der Republik Venedig ausgebaut wurde. Nach der Aufgabe der Anlage zu Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie als Steinbruch genutzt.[5]
- Pfarrkirche SS. Salvatore, auch als Dom von Breno bezeichnet. Der imposante Barockbau wurde im 17. Jahrhundert errichtet und im 19. Jahrhundert erweitert.[6]
- San Antonio Abate, die ehemalige gotische Pfarrkirche aus dem 14. Jahrhundert birgt Freskenzyklen, die zum Spätwerk des Romanino zählen.
- Minerva-Heiligtum, römisches Heiligtum aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Die archäologische Fundstätte wurde ab den 2000er Jahren museal aufbearbeitet.
Persönlichkeiten
- Melania Grego (* 1973), Wasserballspielerin
- Alberto Brizzi (* 1984), Tennisspieler
Literatur
- Breno. In: Antonio Fappani: Enciclopedia Bresciana. Band 1: A–B. La voce del popolo, Brescia o. I., S. 266 f.
- Dizionario di Toponomastica: Storia e significato dei nomi geografici italiani. Garzanti, Mailand 1996, ISBN 88-11-30500-4.
- Touring Club Italiano (Hrsg.): Guide d‘Italia – Lombardia (esclusa Milano). Touring Editore, Mailand 1999, (10. Auflage), ISBN 88-365-1325-5, Breno Online
Weblinks
- Breno. In: lombardiabeniculturali.it. (italienisch).
- Breno. In: catalogo.beniculturali.it. italienisches Kulturministerium (italienisch).
