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Bügellohe

Ehemaliger Ortsteil von Schönsee From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Wüstung Bügellohe ist eine verlassene Siedlung im deutsch-tschechischen Grenzgebiet nordöstlich von Stadlern, Stadt Schönsee, Freistaat Bayern, im Naturraum südlichen Oberpfälzer Wald. Heute ist sie Teil des Naturschutzprojektes Grünes Band Europa (englisch European Green Belt) im Hauptabschnitt Zentraleuropa.

Fleischhackerhaus der Familie Lang in der Bügellohe im Winter (2009)
Ruinen der Siedlung Bügellohe (2012)
Naturdenkmal Weißbachquelle (Weißbrunn) in der Bügellohe (2012)
Ruinen des ehemaligen Gasthauses Florl in der Bügellohe (2012)
Zweisprachige Informationstafel im Fleischhackerhaus mit Lageskizze "Häuser auf der Bügellohe" (2017)

Geographie

Geographische Lage

Rund um die Bügellohe bildet die deutsch-tschechische Grenze einen nach Norden gewölbten Halbkreis mit knapp einem Kilometer Durchmesser. In diesem Halbkreis liegt die Bügellohe auf einem 830 Meter hohen Sattel zwischen dem 848 Meter hohen Malý Zvon (deutsch Glöckelberg) im Norden und dem 898 Meter hohen Weingartenfels im Süden. Entlang der Grenze zieht sich eine breite ausgedehnte Feuchtwiese.

Gewässer

Die Wasser dieser Feuchtwiese sammeln sich unter anderem im Weißbrunnen, der als eine der Quellen der Ascha gilt, und seit 2011 als Naturdenkmal „Weißbachquelle“ naturschutzrechtlich per Verordnung durch das Landratsamt Schwandorf gesichert ist. Umgangssprachlich wird die Weißbachquelle auch Weißbrunnen oder Weißbrunn bezeichnet. Im Quellgebiet heißt das oberirdische Gewässer in Deutschland Weißbach und in Tschechien Plešský potok (deutsch Plösser Bach). Ab den Zusammenfluss von Weißbach und Lohbach bildet das Oberflächengewässer die Ascha, südlich von Dietersdorf.

Über den Nordhang des Weingartenfels zur Bügellohe und weiter über den Südwesthang des Malý Zvon (deutsch Glöckelberg) verläuft die Europäische Hauptwasserscheide Donau - Elbe. Die Wasser des Weißbrunnens fließen den westlichen Hang des Sattels, über Plešský potok (deutsch Plösser Bach), hinunter nach Dietersdorf im Weißbach zur Ascha und von dort über Schwarzach, Naab und Donau in das Schwarze Meer.

Ungefähr 200 Meter östlich des Weißbrunnens, direkt hinter der deutsch-tschechischen Staatsgrenze, befindet sich die Quelle des Johannesbächleins, der auch als Johanneshüttener Bach (tschechisch Mostecký potok) bezeichnet wird. Aus den sumpfigen Wiesen der Bügellohe bilden sich kleine Rinnsale, die südöstlich seiner Quelle in das Johannesbächlein münden. Dessen Wasser fließen den östlichen Hang des Sattels hinunter über Radbuza, Berounka, Moldau und Elbe in die Nordsee.[1][2]

Klima und Wetter

Wie Schönsee hat die Bügellohe ein humides, kühlgemäßigtes Übergangsklima eines extrazonalen Gebirgsklimates im Mitteleuropa, welches nicht sehr maritim, aber mit kontinentalen Einflüssen aus Osteuropa geprägt ist. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen schwanken zwischen −0,3 °C im Januar und 18,3 °C im Juli, jedoch werden im Sommer Höchsttemperaturen von 34,8 °C und im Winter von −13 °C erreicht (Quelle: Station Oberviechtach (596 m NHN), Datenbasis: 02/2021–01/2026 in wetterdienst.de).

Im regionalisierten Naturschutzkonzept (NSK) für den Forstbetrieb (FB) Flossenbürg werden folgende Klimaangaben genannt, die auch für den Landschaftsausschnitt Bügellohe herangezogen werden können: "Das raue und feuchte, teilweise von Starkregenereignissen gezeichnete Mittelgebirgsklima mit durchschnittlich 800 – 1.000 mm Niederschlägen pro Jahr: Die Jahresdurchschnittstemperaturen erreichen im Oberpfälzer Becken bereits 8,42 °C. In den Kammlagen des Oberpfälzer Waldes geht diese auf 6,2 °C zurück. Langjährige Meßwerte liefert die Waldklimastation Flossenbürg."[3]

  • Lage: forstlicher Wuchsbezirk "Innerer Oberpfälzer Wald"; etwa 840 m Seehöhe,
  • Klima: subkontinental; Jahresmittel der Lufttemperatur: 6,2 °C; durchschnittlicher Jahresniederschlag: 960 l/m² (1998–2011); mittlere Vegetationsdauer 128 Tage (mehr als 10 °C Tagesmitteltemperatur),
  • Geologie: Grundgebirge aus Cordierit Sillimanit Gneis,
  • Boden: Braunerde Podsol mit rohhumusartigem Moder; nährstoffarm mit geringen Calcium und Magnesiumgehalten; starke Podsolierung durch saures Ausgangsgestein, schwer zersetzbare Nadelstreu, kühle Temperaturen und hohe Jahresniederschläge,
  • Forschungsbestand: etwa 107-jähriger Fichtenbestand mit Douglasien; Holzvorrat etwa 537 m³ pro Hektar (Stand 2009); durchschnittlicher Holzzuwachs etwa 10,1 m³ pro Hektar und Jahr (Zeitreihe 1995–2012),
  • Vegetation, potentielle natürliche Vegetation: Dornfarn-Buchenwald (Dryopteris-Fagus-Gesellschaft); charakteristische Bodenpflanze: Breitblättriger Dornfarn (Dryopteris dilatata),
  • Vegetation, aktuelle Vegetation (Realvegetation): Fichtenbestand mit Douglasien; charakteristische Bodenpflanzen: Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus).

Die Standortbeschreibung der bayerischen Waldklimastation mit phänologischem Garten Flossenbürg, der am Westhang des 900 m üNN hohen Entenbühls und etwa 5 km nordwestlich von Flossenbürg verortet ist, ist im Wesentlichen mit den Standortbedingungen der Bügellohe vergleichbar.

Naturräume, ökologische Einheiten, Herkunftsregionen

Laut Online-Kartendienst UmweltAtlas Bayern sind für den Landschaftsausschnitt folgende naturräumliche Grundlagen maßgeblich:[4]

Naturräume untergliedern charakteristische Landschaftsräume anhand der Merkmale wie Geologie, Klima, Boden und Vegetation sowie in verschiedenen Detailtiefen.

Die Bayerischen Staatforsten (Anstalt des öffentlichen Recht) bewirtschaften und pflegen, vertreten durch den Forstbetrieb Flossenbürg, nordwestlich der Bügellohe Staatwaldflächen im Umgriff des Eulenberges. Im regionalisierten Naturschutzkonzept (NSK) ist das vergleichbare Wuchgebiet, Wuchsbezirk und die natürliche Waldzusammensetzung (Walentowski et al., 2004)[5] forstfachlich wie folgt gekennzeichnet:[6]

  • Wuchsgebiet: (10) Oberpfälzer Wald (entspricht ökologische Einheit: (36) Oberpfälzer Wald),
  • Wuchsbezirk: (10.4) Innerer Oberpfälzer Wald,
  • Waldzusammensetzung: (Bu-Ta-Fi) Buche-Tanne-Fichte.

Der Schutz der biologischen Vielfalt umfasst auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Nach § 40 Abs. 4 S. 4 Nr. 4 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sollen daher in der freien Natur Gehölze und Saatgut vorzugsweise nur innerhalb ihrer Vorkommensgebiete ausgebracht werden, d. h. es sollen Pflanzen verwendet werden, die ihren genetischen Ursprung in dem entsprechenden Gebiet haben (gebietseigene Herkünfte).[7] Vor Ort sind folgende Herkunftsregionen bei der Verwendung von gebietseigenem Saat- und Pflanzgut in der freien Natur von Bedeutung:

  • Ursprungsgebiet gebietseigenes Saatgut: Bayerischer und Oberpfälzer Wald (19), Teil des Produktionsraums Südost- und ostdeutsches Bergland (5),
  • Vorkommensgebiet gebietseigener Gehölze: Südostdeutsches Hügel- und Bergland (3).

Geschichte

Nach der Vertreibung 1946 bauten sich Sudetendeutsche etwa einen Kilometer südlich und rund hundert Höhenmeter über ihrer früheren Heimat neue Häuser auf überwiegend landwirtschaftlichen Flächen unmittelbar hinter der Grenze auf bayerischer Seite. Im Zeitraum von etwa 1875 bis 1885 hatten die überwiegend aus Sudetendeutschen bestehenden Bewohner von Václav (deutsch Wenzelsdorf) Grundstücke in der Bügellohe erworben. Die feucht-nassen Waldstandorte, bestehend aus Weiden-Büschen, Heidekraut und Moosen, wurden in Folge gerodet und als Acker- oder Grünland landwirtschaftlich bewirtschaftet.[8] Das Dorf lag in einem bügelähnlichen, in das Nachbarland ragenden Geländeteil auf dem „Bügellohe/Reichenstein/Weingartner-Fels“-Rücken, der bis über 896 m ü. NN ansteigt und damit die höchste Erhebung im heutigen Landkreis Schwandorf ist. Die Kartenwerken lässt sich die bügelartige Struktur an der östlichen Außengrenze von Bayern mehr oder weniger gut erkennen.

Die einstigen Bewohner stammten überwiegend aus dem untergegangenen Ort Václav (deutsch Wenzelsdorf) mit dem Weiler Rabov (deutsch Rappauf). 1930 lebten in beiden Ortschaften 453 Menschen in 61 Häusern.[9] Ab 1945/1946 suchten elf Familien mit fast 60 Personen[10] auf den meist ihnen selbst gehörenden Grundstücken in der Bügellohe eine vorübergehende Bleibe. Hier wollten sie der drohenden Vertreibung entgehen und später wieder in ihr Dorf zurückkehren.[11] Man baute sich in Wald- oder Landwirtschaftsflächen zunächst nur Baracken. Die notwendigen Bretter und andere Materialien für die Holzhäuser wurden nachts illegal aus den eigenen Gehöften auf tschechischer Seite über die Grenze in die Bügellohe getragen und an den neuen Gebäuden verwandt.

Allerdings wurde das frühere Wenzelsdorf von der tschechischen Regierung 1952 dem Erdboden gleichgemacht, eine Rückkehr kam nicht mehr in Frage. Die Bügelloher Bürger errichteten daraufhin feste Häuser aus zumeist Feld- und Bruchsteinen, unter anderem auch ein Gasthaus (Florl, erweitertes Anwesen mit Hausnummer 1) mit überdachter Kegelbahn und umgebenden Laubbäumen. Ziegel konnten nicht von Pferdefuhrwerken angeliefert, sondern mussten von den Männern in mühevoller Arbeit den Berg hinauf getragen werden. Die Siedlung war kommunalen Stellen ein Dorn im Auge, da eine Verkehrsanbindung nach damaligen Größen unverhältnismäßig teuer und umständlich gewesen wäre.

Die Lebensbedingungen waren sehr hart; es gab weder Strom, noch fließendes Wasser noch eine ordentliche Straße, über die das Dorf hätte erreicht werden können. Als Wegeverbindung nutzten die neuen Bewohner der Bügellohe den unbefestigten und nur schwer passierbaren Hohlweg mit Namen „Sautreibergasse“, die einen Abschnitt eines ehemaligen Handelsweges von Nürnberg, über Schwandorf, Nabburg, Schönsee, nahe der Bügellohe bis Prag (tschechisch Praha) bildete. Die Schaffung oder Instandsetzung annehmbarer Wegeverhältnisse wurde von den Anwohner mehrfach beantragt, aber finanziell von administrativer Seite nicht unterstützt. Medizinische Hilfe leistete sehr umständlich ein Arzt aus dem etwa sieben Kilometer südwestlich gelegenen Schönsee.[12] Nach und nach verließen die Menschen Bügellohe: 1950 lebten 59 Personen dort, 1960 nur noch 8. Am 27. November 1969 verließ der letzte Bewohner, Josef Licha (Gabter Beppi), Siedlung Bügellohe Nummer 11, die grenznahe Siedlung im Oberpfälzer Wald.[13][14] Laut Zeitzeugen war es in den kalten Jahreszeiten auf der Hochebene des Grenzkamms zu unwirtlich und landwirtschaftliche Erträge konnten in diesen Höhenlagen kaum erzielt werden. Auch angesichts des Wirtschaftsaufschwungs in Deutschland sah man dort oben keine Zukunft mehr.[15]

In den 1960er-Jahren wurde das geduldete Verweilen des letzten Bügelloher Bewohners öffentlich bekannter. Journalisten zeigten an Josef Licha zunehmendes Interesse. Mit Titel "Einsiedler wider Willen" drehte der Bayerische Rundfunk (BR) 1966 unter anderem über das Leben von Josef Licha auf der Bügellohe eine Dokumentation. Ein erster Versuch, die Fernsehleute und deren Ausrüstung mit einem Fahrzeug zur Bügellohe zu bringen, scheiterte. Erst im zweiten Anlauf konnte Mensch und Material für die Dreharbeiten mittels Geländewagen auf die Bügellohe transportiert werden. In der Doku wurde auch die schwierige An- und Abfahrt des Schönseer Hausarztes Dr. Seidl im Wegeabschnitt vom heutigen Wanderparkplatz „Vierziger“, Namensgebung von der Kilometrierung der Staatsstraße 2159 im Abschnitt zwischen Schönsee und Stadlern abgeleitet, über den steinig-steilen Weg zur Bügellohe nachgestellt.[16]

Heutiger Zustand

Die Bügellohe ist heute stark verfallen, ihre Gebäude sind einsturzgefährdet. Jahrzehntelanger Frost, Regen und Wind haben an den verlassenen Häusern genagt. Nur ein Haus, das Fleischhackerhaus, ist wegen seines intakten Blechdachs noch relativ gut erhalten. 2012 hat die Stadt Schönsee ein Informationszentrum mit elektrischer Beleuchtung und drehbaren Bildtafeln über die Siedlung Bügellohe und ihre Geschichte eingerichtet.[17]

Von der Mehrzahl der Gebäude des verlassenen Dorfes Bügellohe sind heute nur noch wenige Reste zu erkennen. Die überwiegend aus Bruch-/Lesesteinen bestehenden Fundament- und/oder Mauerfragmente sind tatsächlich vor Ort sowie digital in der Reliefkarte (Schummerungsbild) des Bayerischen Landesamtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (BayLDBV) im Kartendienst BayernAtlas sichtbar.

Das BayLDBV präsentiert in der Luftbildrecherchestation historische Luftbilder ab dem Jahr 1941 bis zu aktuellen Farbluftbildern der Bayernbefliegung.[18] Im Online-Viewer sind digitale Luftbilder vorgestellt, die von der Bügellohe ab 1945 entsprechende Aufnahmen zeigen. Die Besiedlungsgeschichte der Bügellohe von den 1940er- bis 1960er-Jahren lässt sich in einer Luftbildabfolge/Luftbildsequenz mehrerer, historischer Schwarz-Weiß-Luftbildern digital nachvollziehen.

Vom Todesstreifen zur Lebenslinie

Für den Aufbau eines übergeordneten Biotopverbundes ist das Grüne Band von besonderer Bedeutung. Die Bügellohe ist heute Teil des Naturschutzprojektes Grünes Band Europa (englisch European Green Belt) im zentraleuropäischen Abschnitt. Im Zeitraum von 1945 bis 1989 haben sich entlang des etwa 12.500 km langen Eiserner Vorhangs einzigartige Rückzugsorte für Pflanzen, Pilze und Tiere entwickelt. Nach der Überwindung der Ost-West-Teilung soll heute die Lebensader Grünes Band Europa erhalten bleiben und künftig entwickelt werden. Seit den 2010er-Jahren haben sich der bayerische Regierungsbezirk Oberpfalz und die tschechischen Regionen Karlovarský kraj (deutsch Karlsbad) und Plzeňský kraj (deutsch Pilsen) die gemeinsame Aufgabe gestellt, dass die Themenfelder Biotopverbund und Biodiversität, historische Kulturlandschaft und naturverträglicher Tourismus gefördert und weiterentwickelt werden.[19][20]

Am 4. April 2017 hat die Bayerische Staatsregierung im Zuge der Sitzung in Amberg i.d.Opf. die Idee eines grenzüberschreitenden Lückenschlusses im oberpfälzischen Abschnitt des Grünen Bandes diskutiert und begrüßt. Der Kabinettsbeschluss bildete einen wichtigen Meilenstein für die Erstellung der Machbarkeitsstudie „Grünes Band Oberpfalz – Tschechische Republik“. Im Zeitraum von 2017 bis 2019 suchte die Studie in einem etwa ein bis fünf Kilometer breiten Korridor und im etwa 200 Kilometer langen Grenzabschnitt nach Zielräumen, Lücken und erforderlichen Maßnahmen für den Biotopverbund. Weiterhin wurde im Untersuchungsgebiet die kulturhistorische Bedeutung planerisch beleuchtet und das Potenzial für einen naturverträglichen Tourismus mit vorrangig lokaler Wertschöpfung ermittelt. Insgesamt ist eine wichtige Datengrundlage für das Grüne Band Europa im Abschnitt Oberpfalz – Karlsbad und Pilsen für die weitere Kooperation in den bearbeiteten Themenfeldern zusammengetragen. Mit ihrer gegenwärtigen Naturausstattung und zeitgeschichtlich-kulturellen Hintergründen stellt die Bügellohe einen bedeutsamen Bereich im grenznahen Biotopverbundsystem dar.[21]

Für die Dorf- und Flurwüstungen in der Gemeinde Schönsee, das heißt die Bügellohe und Plößerlohe, bildet die Machbarkeitsstudie eine bedeutsame Arbeitsgrundlage für örtliche bis regionale Planungen und Maßnahmenumsetzungen.

Am 2. März 2026 hat Landrat Thomas Ebeling, 1. Vorsitzender des Vereins Bavaria Bohemia e. V. (Schönsee), mit Martin Geilhufe, 1. Vorsitzender des BUND Naturschutzes in Bayern e. V. (BN), und Hubert Weiger, BUND-Beauftragter für das Grüne Band Europa und Deutschland, eine Kooperationsvereinbarung über die verstärkte Zusammenarbeit für einen zentraleuropäischen Abschnitt des Grünen Bandes zwischen Bayern und Tschechien unterzeichnet.[22] Die Kooperation zwischen CeBB und BN will die Kräfte für das Grüne Band als UNESCO-Welterbestätte eines gemeinsamen Natur- und Kulturraums in den nächsten Jahren bündeln.[23]

Projekte und Lernort

Von 2018 bis 2020 ist das Projekt „Verbinden und Zusammenwachsen - von Land zu Land“ mit den Partnern Galerie Klatovy / Klenová, Westböhmische Universität in Pilsen, der Städte Vilseck und Schönsee sowie dem Centrum Bavaria Behemia (CeBB) in Schönsee umgesetzt.

Aus kofinanzierten Projektmitteln des Fonds für Regionale Entwicklung (Programm Ziel ETZ Tschechische Republik – Freistaat Bayern 2014–2020) haben Studenten der Westböhmischen Universität, Ladislav-Sutnar-Fakultät für Kunst und Design, unter anderem ein Land-Art-Objekt, dass die Geschichte der Bügellohe widerspiegelt, aus örtlichen Materialien im Sommer 2020 geschaffen. In einem neuntägigen Workshop fertigte der Dozent Prof. Beránek mit zwei Kunststudenten die temporäre Installation eines Segels aus örtlichen Materialien (Blech, Steine und Holz) nördlich der ehemaligen Hofstelle Hüttl. Gleichzeitig schuf der Schönseer Holzkünstler Herbert Sturm mit der Motorsäge "Skulpturen" in Stammstücken.[24] In Juni 2019 fand im selben Rahmen ein mehrtägiges Künstlersymposium in der Stadt Vilseck statt.[25]

Das Zentrum Erinnerungskultur der Universität Regensburg hat im Sommersemester 2025 die Bügellohe im Rahmen des Projektseminars „Bayern, Böhmen und die Grenze - Erzählen, Visualisieren, Ausstellen“ aufgesucht. Unter dem Motto „Von Paschern, kulturellen Brückenbauern und Neuanfängen – rund um Schönsee“ war der verlassene Ort Bügellohe Teil der zweiten Eintagesexkursion im August 2025.

Bis 2024 bearbeitete das Förderprojekt „Informations-, Beratungs- und Vernetzungszentrum Grünes Band Europa“ am Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) die Säulen „Geschichte, historische Kulturlandschaft“ und „Sanfter Tourismus, ländliche Entwicklung“. Am 3. Februar 2021 haben drei Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) in Zusammenarbeit mit dem CeBB das zweisprachige Netzvideo „Grünes Band - Zelený pás“ veröffentlicht.[26] Im etwa fünfminütigen Video sind auch Aufnahmen des Fleischhackerhauses und ehemaligen Hüttl-Anwesens in der Dorfwüstung Bügellohe enthalten.

Von 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2028 engagiert sich das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) im neuen Projekt „Zukunftsregion Europäisches Grünes Band Bayern - Tschechien / Zažijte Zelený Pás Česko - Bavorsko: Impulse für grenzüberschreitenden Dialog und nachhaltige Entwicklung“ für das Grüne Band (Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat).[27][28] Aufgrund der Nähe zur Deutsch-Tschechischen-Staatsgrenze und der Naturausstattung bilden die Flächen der Wüstung Bügellohe einen mindestens regional bedeutsamen Bereich (II von IV) im zentraleuropäischen Abschnitt des Biotopverbundprojektes Grünes Band Europa. So findet unter der Projektleitung des Nationalen BUND Kompetenzzentrum Grünes Band, Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN), im Zeitraum von 01. November 2025 bis 31. Oktober 2028 das Naturschutzgroßprojekt "Grünes Band Dreiländereck Bayern - Sachsen - Thüringen" statt.[29][30]

Am 10. Dezember 2025 hat das CeBB das Bildungsprogramm „Lernort Grünes Band“ und das Begegnungsprojekt „Lernen im Grünen Band“ vorgestellt. Unter anderem werden deutsch-tschechische Schulbegegnungen mit ein- oder mehrtägigen Exkursionen ins Grüne Band oder Lehrkräftefortbildungen finanziell und organisatorisch fachkundig unterstützt. Zur Vorbereitung werden Workshops oder der "Museumskoffer" den interessierten Schulen angeboten. Ebenso soll die Broschüre „Lernort Grünes Band - Angebote für Schulen“ den Bildungseinrichtungen den Einstieg erleichtern.[31] Im Kapitel "Vom Eisernen Vorhang zum Grünen Band Europas / Přijedte k nám do zeleného pásu" stellt die zweisprachige Broschüre das Informationszentrum Fleischhackerhaus in der Bügellohe als Lernort vor. Das Projekt "Lernort Grünes Band - Angebote für Schulen" wird vom Bayerischen Landtag finanziert und vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus begleitet.

Denkmal, Erzählungen, Freilichtspiel

Im vierteljährigen Abstand veröffentlichen die Mitglieder der Verwaltungsgemeinschaft Schönsee die Informationsbroschüre "Da Grenzflüsterer aus'm Schönseer Land".[32] Ab 2022 werden urige Geschichten über Schmuggler aus dem bayerisch-böhmischen Grenzland in der Rubrik "Da Grenzschmadara" vorgestellt. Eine Großteil der Erzählungen aus den Grenzland hat Karl Völkel zusammengetragen und 1991 anlässlich der ersten Böhmischen Woche mit der Stadt Schönsee in einem Buch zusammengetragen.[33] Über die Dorfwüstungen der Bügellohe und Plößerlohe sind Erzählungen über Schmuggler, die umgangssprachlich im Oberpfälzer Wald als Pascher oder im Bayerischen Wald als Schwirzer bezeichnet werden, enthalten. Die Schmuggelgüter waren dabei ganz unterschiedlich. Sie reichten von Rindern (Ochsen, Stiere) oder Tabakwaren bis zu Klöppelspitzen aus Václav (deutsch Wenzelsdorf). In Neuaign, Ortsteil der Gemeinde Eschlkam, ist an der Schachtener Straße, Abzweigung Brandweg, ein Denkmal mit Abbildung eines Schwirzers mit geschmuggelten Stier aus Flossenbürger Granit seit 1988 errichtet.[34][35] Der 2010 gegründete Pascherverein Schönseer Land e. V. zeigt die bewegte Geschichte der Grenzregion in Aufführungen an der grenznahen Freilichtbühne am Eulenberg.[36]

Siehe auch

Literatur

(Sortierung nach Erscheinungsjahr.)

  • Heribert Batzl (Hrsg.): Der Landkreis Oberviechtach in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag für Behörden und Wirtschaft R. Alfred Hoeppner, Aßling/Obb. und München 1970, ISBN 3-7696-9693-X.
  • Karl Völkel: Aus Böhmen kommt nicht nur die Musik - Schmuggel- und Grenzgeschichten aus dem Schönseer Land. Anläßlich der 1. Böhmischen Woche vom 21.5. bis 27.5.1991 in Schönsee veröffentlicht. 57 Seiten, Herausgeber: Stadt Schönsee 1991, Selbstverlag.
  • Leibl, Kroupa, Drachsler, Spichtinger: Heimatbuch Gemeinde Plöß mit Wenzelsdorf, Rappauf und Straßhütte. Herausgeber: Heimatgemeinde Plöß e. V., Druckerei Forstner, Oberviechtach, 1995.
  • Richard Reger: Komm wieder gut heim: Einzelschicksale. Band 2, 145 Seiten, Verfasser beschäftigt sich mit der Kriegsgeneration in Böhmischbruck, 2002, Selbstverlag.
  • Peter Glotz: Die Vertreibung - Böhmen als Lehrstück. Ullstein Verlag, 272 Seiten, München, 2003, ISBN 978-3-550-07574-2.
  • Hermann Hanf: Die Bügellohe - eine kleine Geschichte der verlassenen Ansiedlung. Herausgeber: Gemeinde Schönsee, Schönsee 2011, Selbstverlag.
  • Stefan Schmid: Bügellohe, Plösserlohe - Heimat für kurze Zeit. Regionalverlag LebensART, Inhaber: Stefan Schmid, 1. Auflage, Februar 2019, Selbstverlag.
Commons: Bügellohe – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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