Cappel (Marburg)

Stadtteil von Marburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Cappel ist ein Stadtteil der Universitätsstadt Marburg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Schnelle Fakten Stadt Marburg ...
Cappel
Stadt Marburg
Ehemaliges Gemeindewappen von Cappel
Koordinaten: 50° 47′ N,  46′ O
Höhe: 209 m ü. NHN
Fläche: 14,85 km²[1]
Einwohner: 6780 (31. Dez. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 457 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35043
Vorwahl: 0 64 21
Karte
Lage von Cappel in Marburg
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Geographie

Cappel liegt im Süden Marburgs auf der linken Seite der Lahn und am Fuße des Frauenberg-Westhanges. Im Norden geht Cappel in den Stadtteil Richtsberg über, östlich befinden sich das Dorf Moischt (Stadt Marburg) und das im Ebsdorfergrund liegende Dorf Beltershausen-Frauenberg. Südlich von Cappel liegen die Marburger Ortsteile Ronhausen (hinter dem Frauenberg) und Gisselberg (auf der gegenüber liegenden Lahnseite im Westen).

Cappel ist als Vorort bzw. inzwischen als Ortsteil von Marburg seit den frühen 1960er Jahren sehr beliebt, wovon auch die etwas höheren Mietpreise zeugen. Dies erkennt man auch an den diversen zeittypischen Neubaugebieten, die überwiegend mit Einfamilienhäusern bebaut sind.

Cappel verfügt über einen Teich mit einem kleinen Rundweg.

Geschichte

Ortsgeschichte

Cappel wurde im Jahr 1138 oder 1139 erstmals in einer Urkunde des Erzbischofs Arnold I. von Köln für das Kloster Siegburg erwähnt („de Capela“: zur Kapelle).[3] Im Salbuch (Erbregister) des Amtes Marburg von 1374 ist Cappel neben Ockershausen, Wehrda und Marbach als Hausdorf der Landgrafen von Hessen erwähnt. Dies bedeutet, dass die Einwohner dieser vier dem Marburger Schloss am nächsten gelegenen Dörfer dem Landesherren zu zusätzlichen Hand- und Spanndiensten verpflichtet waren.

Die wappenbildende Steinmühle lässt sich bis ins Jahr 1299 zurückverfolgen.

Die spätgotische Pfarrkirche St. Martin aus dem 14. Jahrhundert wurde 1900 im Kirchenschiff neugotisch erneuert und verbreitert.

Im Juli 2015 wurde auf einem Sportplatz in Cappel eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen für Geflüchtete errichtet, ursprünglich mit Zelten, dann durch Holzhäuser ersetzt. Die Flüchtlingsunterkunft wurde am 20./21. September 2016 geschlossen und die Anlage dient künftig als Jugendausbildungszentrum der Landesfeuerwehrschule.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Hessen zusammen mit Bauerbach, Cyriaxweimar, Dilschhausen, Elnhausen, Ginseldorf, Gisselberg, Haddamshausen, Hermershausen, Marbach, Schröck, Wehrda und Wehrshausen kraft Landesgesetz in die Stadt Marburg eingemeindet.[4] Die am 31. Dezember 1971 nach Cappel eingegliederten Ortsteile Bortshausen, Moischt und Ronhausen wurden ebenfalls eigene Stadtteile.[5][6] Die Gemeinde Cappel hatte zu diesem Zeitpunkt einschließlich der am 31. Dezember 1971 eingemeindeten Orte Bortshausen, Moischt und Ronhausen 6822 Einwohner. Für den Stadtteil Cappel wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.[7]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Cappel angehört(e):[8][9]

Gerichte seit 1821

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Cappel zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt.[14] Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg.[15][16] Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Cappel 6777 Einwohner. Darunter waren 291 (4,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 1071 Einwohner unter 18 Jahren, 2985 zwischen 18 und 49, 1323 zwischen 50 und 64 und 1398 Einwohner waren älter.[17] Die Einwohner lebten in 3225 Haushalten. Davon waren 1218 Singlehaushalte, 900 Paare ohne Kinder und 717 Paare mit Kindern, sowie 282 Alleinerziehende und 138 Wohngemeinschaften. In 675 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2238 Haushaltungen leben keine Senioren.[17]

Einwohnerentwicklung

Quelle: Historisches Ortslexikon[8]
 1577:23 hausgesessene Mannschaften
 1630:21 Mannschaften (3 vierspännige, 2 dreispännige, 1 zweispännige, 1 einspännige Ackerleute, 9 Einläuftige)
 1681:22 hausgesessene Mannschaften
 1744:44 Haushalte
 1838:636 Einwohner (Familien: 56 nutzungsberechtigte, 47 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 12 Beisassen).
Cappel: Einwohnerzahlen von 1748 bis 2019
Jahr  Einwohner
1748
 
213
1800
 
?
1834
 
593
1840
 
648
1846
 
706
1852
 
797
1858
 
761
1864
 
775
1871
 
764
1875
 
772
1885
 
810
1895
 
789
1905
 
865
1910
 
1.010
1925
 
1.195
1939
 
1.602
1946
 
2.275
1950
 
2.450
1956
 
2.759
1961
 
3.543
1967
 
5.176
1977
 
?
1987
 
5.974
1991
 
6.538
1995
 
6.538
2000
 
6.600
2005
 
6.619
2010
 
7.057
2011
 
6.777
2015
 
7.142
2019
 
6.780
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[8]; Stadt Marburg:1987–1998[18], 1999–2003[19], 2005–2010[20],2011–2015[21], 2019:[2]; Zensus 2011[17]

Historische Religionszugehörigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[8]
 1861:0617 evangelisch-lutherische, 156 evangelisch-reformierte, ein römisch-katholischer Einwohner
 1885:0802 evangelische (= 99,50 %), ein katholischer (= 0,12 %), 3 andere Christen (= 0,37 %)
 1961:2987 evangelische (= 84,31 %), 433 römisch-katholische (= 12,22 %) Einwohner
 1987:4075 evangelische (= 68,2 %), 901 katholische (= 15,1 %) Einwohner[18]

Historische Erwerbstätigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[8]
 1748:Erwerbspersonen: 1 Tuch- und Wollhändler, 2 Schmiede, 3 Schneider, 1 Bender, 9 zünftige Leineweber, 2 Wagner, 1 Glashändler, 1 Wirt, 1 Branntweinbrenner, 13 Tagelöhner.
 1838:Familien: 50 Ackerbau, 13 Gewerbe, 46 Tagelöhner.
 1961:Erwerbspersonen: 91 Land- und Forstwirtschaft, 520 Produzierendes Gewerbe, 322 Handel und Verkehr, 460 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik

Ortsbeirat

Sitzverteilung im Ortsbeirat nach den Kommunalwahlen 2026
    
Insgesamt 9 Sitze

Für den Stadtteil Cappel besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Cappel.[7] Für die Sitzverteilung siehe die nebenstehende Grafik.[22] CDU und FDP bildeten bei der Kommunalwahl 2026 eine gemeinsame Liste. Ortsvorsteherin ist Fatma Aydin (SPD).[23]

Wappen

Hiss- und Bannerflagge
Wappen von Cappel
Wappen von Cappel
Blasonierung: „In Blau über goldenen Wellen ein wachsendes goldenes Mühlrad.“[24]
Wappenbegründung: Das Wappen geht auf die Steinmühle an einem Seitenarm der Lahn im Süden Cappels zurück.

Das Wappen wurde am 9. Oktober 1962 durch das Hessische Ministerium des Innern genehmigt.

Flagge

Am 2. Februar 1966 genehmigte der Hessische Minister des Innern die Flagge mit folgender Beschreibung:

„Die Flagge zeigt auf goldenem Grund im oberen Flaggendrittel das Wappen der Gemeinde Cappel, beiderseits begleitet von zwei schmalen, blauen Seitenstreifen.“[25]

Eine amtliche Hissflagge führte die Gemeinde nicht. Lokal wird jedoch, angelehnt an die Bannerflagge, eine goldene Flaggenbahn mit blauen Seitenstreifen, belegt mit dem Gemeindewappen verwendet.

Kulturdenkmäler

Infrastruktur

Bildung

Allgemeine Schule

Fachspezifische Schule

Kindergärten

  • Im Stadtteil Cappel gibt es 4 Kindergärten unterschiedlicher Trägerschaft

Verwaltung

In Cappel befinden sich:

Gefahrenabwehr

  • Freiwillige Feuerwehr Marburg-Cappel
  • Gefahrenabwehrzentrum Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • DRK Kreisverband Marburg-Biedenkopf
  • zukünftig THW OV Marburg

Ansässige Unternehmen

  • Im Norden von Cappel befinden sich mehrere größere Einkaufszentren (u. a. Tegut, Lidl, Aldi, DM und Heimtex)
  • Im Industriegebiet Süd befinden sich unter anderen BMW, Ford, eine Autowaschanlage, ein Getränkegroßmarkt und ein Ärztehaus, 3U Holding, Inosoft, Fritz Herzog Bauunternehmen, CCL Label Marburg, SKV GmbH Marburg, Elektro Gundlach

Sport

  • Am Köppel in Cappel befindet sich ein Fußballstadion, wo regelmäßig der FSV Cappel seine Spiele austrägt
  • Cappeler Tennis Verein e.V.

Verkehr

Nach oder durch Cappel fahren die Stadtbuslinien 2, 3, 12, 13 der Stadtwerke Marburg, die Regionalbuslinien MR-81 und MR-86, sowie freitag- und samstagnachts der N8-Express.

Von 1905 bis 1956 wurde der Haltepunkt Cappel an der Bahnstrecke Marburg Süd–Dreihausen im Personenverkehr bedient.

Persönlichkeiten

  • Zwischen 1879 und 1884 fand der Maler Otto Piltz (1846–1910) viele seiner Motive in Cappel.
  • Konrad Elmshäuser (1906–1992), Abgeordneter des Provinziallandtages der preußischen Provinz Hessen-Nassau
  • Rudolf K. Thauer (* 1939 in Frankfurt am Main), ein Mikrobiologe, Gründungsdirektor des Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie und Hochschullehrer am Fachbereich Biologie der Philipps-Universität Marburg, bezog hier seine Wohnung
  • In Cappel lebte der evangelische Theologe und Marburger Hochschullehrer Wolfgang Harnisch.
  • In Marburg-Cappel lebte auch Horst Zimmermann (1934–2025), der ab 1969 als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Marburg wirkte

Literatur

Commons: Cappel (Marburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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