Chega

politische Partei in Portugal From Wikipedia, the free encyclopedia

Chega! (portugiesisch Es reicht![1], Jetzt reicht’s! bzw. Genug!, Abkürzung CH) ist eine rechtspopulistische und rechtsextreme politische Partei in Portugal.[2]

Schnelle Fakten
Chega
Partei­vorsitzender André Ventura
Gründung 9. April 2019
Gründungsort Lissabon
Hauptsitz Lissabon
Ausrichtung Rechtsextremismus
Rechtspopulismus
Nationalkonservatismus
EU-Skepsis
Nationalismus
Wirtschaftsliberalismus
Farbe(n) dunkelblau
Sitze Assembleia da República
60 / 230 (26,1 %)
(Wahl 2025)
Sitze EU-Parlament
2 / 21 (9,5 %)
Europapartei Patriots.eu
EP-Fraktion Patrioten für Europa (PfE)
Website partidochega.pt
Schließen

Geschichte

Gegründet wurde Chega vom promovierten Juristen und ehemaligen Finanzbeamten André Ventura, der noch 2017 als Spitzenkandidat der Partei Partido Social Democrata zum Stadtrat von Loures im Norden Lissabons gewählt worden war.[3] Dieses Amt legte er jedoch nieder, trat aus der PSD aus und gründete Chega.[3]

Zur Europawahl 2019 schloss sich Chega zusammen mit Partido Popular Monárquico und Partido Cidadania e Democracia Cristã zur Koalition BASTA! zusammen und erhielt 1,49 % der Stimmen. Dies reichte nicht für ein Mandat und die Zweckkoalition wurde aufgelöst. Bei der Wahl zum Portugiesischen Parlament im Oktober 2019 erhielt die Partei 1,3 % der Stimmen und errang damit einen Sitz im Parlament; diesen nahm der Vorsitzende André Ventura als Abgeordneter ein.

Am 1. Juli 2020 trat die Partei der rechtspopulistischen und rechtsextremen Europapartei Identität und Demokratie bei.[4]

Bei der Wahl zum Portugiesischen Parlament 2022 erhielt die Partei 7,2 % der Stimmen und zog mit 12 Abgeordneten ins Parlament ein.

Ende Januar 2023 wurde André Ventura auf dem V. Parteitag von Chega mit 98,3 % der Stimmen als einziger Kandidat erneut zum Parteivorsitzenden gewählt.[5]

Bei der Parlamentswahl 2025 konnte Chega ihre Position erneut verbessern und gewann 60 Sitze, womit sie zur zweitstärksten Partei im Parlament wurde. Die Partei übertraf die Umfragen, die ihren Stimmenanteil unter 20 % gesehen hatten, deutlich. Bei der Präsidentschaftswahl in Portugal 2026 wird davon ausgegangen, dass Ventura in einer Stichwahl sicher unterliegen würde, weil seine Ablehnungsrate unter den Portugiesen über 60 Prozent beträgt. Allerdings wäre allein das Erreichen der in Portugal sehr selten nötigen Stichwahl des Präsidenten aufgrund der Zerstrittenheit der etablierten Parteien für Ventura ein Erfolg.[6]

Wählerbasis

Laut Luca Manucci, Forscher am Institut für Sozialwissenschaften (ICS) der Universität Lissabon, gehören zu den Wählern von Chega insbesondere ehemalige Sympathisanten der Volkspartei CDS-PP. Diese Wählerschaft sei eher männlich und verfüge über ein überdurchschnittliches Einkommen.[7] Zu den Mitgliedern der Chega gehören auch ehemalige Mitglieder der PSD wie der Rechtsprofessor António Pinto Pereira[8] und der Hochschullehrer und Politiker Tiago Moreira de Sá. André Ventura war bis 2018 selbst Mitglied der liberal-konservativen Partei PSD.

Wahlprogramm

Die Partei präsentiert sich als „national, konservativ, liberal und personalistisch“. Sie nennt sich selbst Anti-System-Partei.[1] Laut ihrem Manifest positioniert sie sich:[9]

Rezeption und Deutung

Neben der typischen rechtspopulistischen Programmatik, wie Nationalismus, Populismus oder EU-Skepsis tritt Chega für weniger Steuern, ein wesentlich kleineres Nationalparlament, eine Justizreform mit härteren Strafen für verurteilte Täter (z. B. die Schaffung einer lebenslangen Haftstrafe oder die chemische Kastration von pädophilen Sexualstraftätern) und ein Ende der Sozialhilfen für Menschen ein, die nicht arbeiten wollen.[3] 2020 nannte Premierminister António Costa (Partido Socialista) eine mögliche Koalition von Partido Social Democrata und Chega auf den Azoren, wo die PS 24 Jahre lang die Regierungsmehrheit stellte, eine skandalöse Überschreitung einer roten Linie.[1]

„Chega ist eine radikale Partei, die gegen das System ist. Sie nennt sich selbst Anti-System-Partei. Politiker sind ihr Feindbild, Institutionen ebenfalls. Ihrer Meinung nach ist das alles verzichtbar“, meint der Soziologe Elisio Estanque von der Universität Coimbra, der die Partei mit der Alternative für Deutschland vergleicht, auch wenn letztere mit extremeren Positionen hervortrete.[1] Gleichzeitig zeichnet die Partei eine gewisse Flexibilität aus, da sie keine Verbindungen mit dem russischen Regime unter Wladimir Putin hat. Dadurch ist es ihr möglich, sich für die europäische Unterstützung des überfallenen Landes im Ukraine-Krieg auszusprechen, was bei der Mehrheit der portugiesischen Wähler populär ist.[6]

Wahlergebnisse

Wahlen zum Portugiesischen Parlament

Weitere Informationen Ergebnisse, Jahr ...
Ergebnisse
Jahr Stimmenanzahl Stimmenanteil Sitze
201966.4421,3 %1
2022410.9657,3 %12[10]
20241.169.83618,1 %50
20251.437.88122,8 %60
Schließen

Wahlen zum Europäischen Parlament

Weitere Informationen Ergebnisse, Jahr ...
Ergebnisse
Jahr Stimmenanzahl Stimmenanteil Sitze
201949.4961,5 %0 1
2024386.7059,8 %2
Schließen
1 
als Teil der Parteienkoalition BASTA!

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI