Christoph und Sebastian Mügge
deutsch-schwedisches Künstlerduo
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Christoph Mügge (* 1983 in Bonn) und Sebastian Mügge (* 1981 in Bonn) sind ein deutsch-schwedisches Künstlerduo mit Wohnsitz in Malmö bzw. Kristianstad (Schweden).[1] Sie arbeiten mit Installation, Skulptur, Zeichnung und Assemblage und verwenden häufig gefundene Materialien.
Leben
Christoph Mügge
Christoph Mügge wurde 1983 in Bonn geboren. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Richard Deacon und erhielt 2013 seinen Akademiebrief. Er lebt und arbeitet in Malmö.[2]
Sebastian Mügge
Sebastian Mügge wurde 1981 in Bonn geboren. Er studierte an der Academy of Fine Arts der Universität Umeå in Umeå, Schweden, und schloss 2011 mit einem Master of Fine Arts ab.[3] Er lebt in Kristianstad.[4]
Künstlerische Praxis
Die Arbeiten des Künstlerduos umfassen Alltags- und gefundene Objekte von Dokumenten und Behältern bis hin zu Speichermedien, die in immersive Installationen transformiert werden. Es entstehen große, ortsspezifische skulpturale Umgebungen, welche Themen wie kollektives Gedächtnis, kulturelle Narrative, Materialkreisläufe, Archivprozesse und das, was nach dem Tod bleibt, untersuchen.[5][6]
Seit 2017 arbeiten Christoph Mügge und Sebastian Mügge als Künstlerduo zusammen. Ihren gemeinsamen Auftakt bildete die ortsspezifische Installation Det stora soprumsnöjet („Das große Müllraumvergnügen“) in der Kristianstads konsthall (Regionmuseet Skåne). Die raumgreifende Arbeit thematisierte Abfallkultur, Recycling und urbane Alltagsräume und transformierte die Kunsthalle in ein begehbares Umfeld.[7][8][9]
2019 präsentierten die Künstler die Ausstellung „Do With Less – So They’ll Have Enough!“ im Koppel Project Hive in London. Die Arbeit untersuchte aus einer lokalen Perspektive, wie der Alltag durch unvorhersehbare Krisen beeinflusst wird. Dabei wurden historische Traumata wie die Luftschlacht um England mit aktuellen Entwicklungen wie dem Brexit verknüpft. Ein Schwerpunkt lag auf dem Thema der Rationierung und der damit verbundenen Zerbrechlichkeit eines hohen Lebensstandards.[10]
Im Juni 2022 folgte die Beteiligung an der Gruppenausstellung „Der Bau. Hommage an Kafka“ im Museum Villa Rot in Burgrieden. Die Installation der Brüder wurde neben Werken von Ai Weiwei, Darren Almond, Thomas Demand, Grégoire Korganow, Thomas Rentmeister, Gregor Schneider und Paul Valentin präsentiert. Unter dem Titel „Play it Safe, Play in Safety“ nahm ihr Beitrag Bezug auf die schwedische Krisenschutz-Broschüre, die 2018 erstmals nach über 50 Jahren wieder an alle Haushalte verschickt worden war. Die Arbeit setzte die darin enthaltenen Sicherheitsbedürfnisse in Bezug zur Isolation in Kafkas Erzählung „Der Bau“ und visualisierte spielerische Möglichkeiten der Ablenkung in einem Luftschutzkeller.[11][12][13][14]
In Brescia, Italien, realisierte das Team 2025 im Spazio Contemporanea die Installation Traumatic Trash Pizza. Basierend auf einer lokalen Erzählung über rituelle Opfergaben für verstorbene Hunde untersuchte die Arbeit das Verhältnis zwischen individuellem Erbe und materiellem Nachlass. Die raumgreifende Komposition aus Wandzeichnungen und skulpturalen Assemblagen griff dabei die Farbsymbolik der italienischen Trikolore auf.[15][16]
Ebenfalls 2025 nahmen Christoph und Sebastian Mügge an der Rauma Triennale in Finnland unter dem Titel „Lumoava vaiva“ („Bezaubernde Mühe“) teil. Die dortige Installation The Fidgety Sunflower That Danced Away From The Puzzle behandelte Themen der Barrierefreiheit und Neurodiversität. Das Duo setzte sich kritisch mit der medialen Darstellung von ADHS, Autismus sowie Zwangsstörungen (OCD) auseinander und thematisierte sensorische Überreizung sowie alltägliche Erschöpfung.[17]
In der Ausstellung „Under the Milky Way Abstraktion, Autonomie und post-vandalische Tendenzen in der Kunst der Gegenwart“ (2026) im Kunstverein Hannover thematisieren die Künstler die Ästhetik des öffentlichen Raums. Auf Basis einer „urbanen Forensik sammeln sie profane Materialien und Alltagsobjekte, die sie zu einem großformatigen Environment collagieren“.[18] Ein zentrales Element der Installation ist eine Wandarbeit aus einem Mosaik abgerissener Aufkleberreste, die das Duo in verschiedenen Ländern zusammengetragen hat.[19] Die Arbeit greift spezifische Aspekte der Hannoverschen Stadtgeschichte auf, darunter das Schützenfest, die Messe sowie die 1983 in Hannover begründeten Chaostage. Zudem werden visuelle Codes der Fußball-Fankultur und der Ultras von Hannover 96 sowie anderer internationaler Vereine einbezogen.[18] Die künstlerische Intention liegt in der Gegenüberstellung unterschiedlicher sozialer Gruppen wie Punks, Schützenvereinen oder Fußballfans, die trotz gegensätzlicher Ausrichtung jeweils durch starre Regelwerke geprägt sind.[20] Durch die Vermischung dieser Symbole im musealen Kontext adressieren die Künstler die visuelle Ordnung und die Nutzbarkeit urbaner Räume.[19][18]
Ausstellungen und Biennalen
Duo-Ausstellungen (Christoph und Sebastian Mügge)
- 2025 „Traumatic Trash Pizza“, Spazio Contemporanea, Brescia, Italien.[21][22][23]
- 2024 „Urgent Call to the Other Side: Stop Ghosting Me!“, INDUSTRA ART, Brünn, Tschechien.[24]
- 2024 „Lost Library Legends“, Rundetårn, Kopenhagen, Dänemark.[25]
- 2024 „Circular Faroe Tales“, The Nordic House, Tórshavn, Färöer.[26]
- 2023 „Tony Aristotle’s Tavern of Wisdom and Wit“, Space52, Athen, Griechenland.[27]
- 2023 „Eternal Digital Detox“, P8 Contemporary Art Gallery, Tel Aviv, Israel.[28]
- 2022 „Are You Sure That You Want to Save All Traces?“, Meno Parkas Gallery, Kaunas, Litauen.[29]
- 2022 „Surfer sur les vagues de la mort“, Plateforme, Paris, Frankreich.[30]
- 2021 „Depot oder Deponie“, DG Kunstraum, München, Deutschland.[31]
- 2021 „BTHVNs Messie Service – Ode an die Grantigkeit“, Kunstverein Baden, Baden, Österreich.[32]
- 2020 „Leave a Mess, Not a Legacy“, Sinne, Helsinki, Finnland.[33]
- 2019 „Do With Less – So They’ll Have Enough!“, The Koppel Project Hive, London.[34]
- 2018 „Viktigt meddelande till allmänheten“, Södertälje konsthall, Södertälje, Schweden.[35]
- 2017 „Det stora soprumsnöjet“, Kristianstads konsthall, Kristianstad, Schweden.[36]
Gruppenausstellungen
- 2026: „Under the Milky Way. Abstraktion, Autonomie und post-vandalische Tendenzen in der Kunst der Gegenwart“, Kunstverein Hannover.[37]
- 2025 „Shame of the Shuffled Cards“, Kunstfort Vijfhuizen, Niederlande.[38]
- 2022 „Der Bau. Hommage an Kafka“, Museum Villa Rot, Deutschland.[39]
Biennalen
Öffentliche Aufträge
- 2024 „Sitting Standing Shielding Shouting“, Kunstparcours Terra Incognita, Frankfurt.[42]
Preise und Stipendien
2024–2025 erhielten Christoph und Sebastian Mügge ein zweijähriges Arbeitsstipendium der Schwedischen Kunststiftung (Konstnärsnämnden/Swedish Arts Grants Committee).[43]
Kritische Rezeption
Die Rezeption des Werkes thematisiert häufig die Verbindung von Ernsthaftigkeit und Spiel sowie den Umgang mit Vergänglichkeit. So beschrieb Kultursidan.nu die Ausstellung „Do you wanna play Duck and Cover with us?“ (2018) als „gleichzeitig verspielt und ernst“.[44] Das KUNST Magazin hob bei der Schau „Dat Maache me us de Lameng“ (2018) die Auseinandersetzung mit der lokalen Bonner Geschichte hervor.[45] Die Wandzeichnung „Hope for the best but expect the worst“ (2021) wurde von Kultura Extra als „Bildanleitung für eine Krisenbox“ bezeichnet,[46] während die Niederösterreichischen Nachrichten bei „BTHVNs Messie Service“ (2021) den ephemeren Charakter der Kunst betonten.[47]
Überregionale und internationale Berichterstattung über die Künstler erfolgte zudem in Medien wie der Süddeutschen Zeitung,[48] RTL Luxemburg,[49] dem Göteborgs-Posten,[50] dem Hufvudstadsbladet,[51] Sydsvenskan,[52] Helsingin Sanomat[53] sowie im Corriere della Sera.[54]