Coloni FC188

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Der Coloni FC188 war ein Formel-1-Rennwagen des italienischen Motorsportteams Coloni, der zu elf Rennen der Weltmeisterschaft 1988 gemeldet wurde. Eine überarbeitete Version namens Coloni FC188B fand bis zum Juli 1989 Verwendung. Der von Gabriele Tarquini gefahrene FC188 war das Auto, mit dem Coloni seine besten Ergebnisse in der Formel 1 erzielte.

Schnelle Fakten Technische Spezifikationen, Statistik ...
Coloni FC188
Konstrukteur: Italien Coloni
Designer: Italien Roberto Ori
Vorgänger: Coloni FC187
Nachfolger: Coloni FC188B
Technische Spezifikationen
Chassis: Monocoque
Motor: Cosworth DFZ V8
Radstand: 2820 mm
Gewicht: 500 kg
Reifen: Goodyear
Benzin: Agip
Statistik
Fahrer: Italien Gabriele Tarquini
Erster Start: Großer Preis von Brasilien 1988
Letzter Start: Großer Preis von Belgien 1988
Starts Siege Poles SR
7
WM-Punkte:
Podestplätze:
Führungsrunden:
Stand: 1988
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Entstehungsgeschichte

Colonis Werksanlagen in Passignano sul Trasimeno

Das 1982 von dem ehemaligen Rennfahrer Enzo Coloni gegründete Motorsportteam Coloni war nach einigen Jahren in der Italienischen Formel-3-Meisterschaft und der Formel-3000-Europameisterschaft im Herbst 1987 mit einem eigenen Auto in die Formel 1 gekommen. Wie eine Reihe anderer Teams kleinerer Klassen hielt auch Coloni das sich abzeichnende Verbot teurer Turbomotoren für ein Signal, dass die Formel 1 ab 1987 wieder mit geringerem finanziellen Aufwand zu betreiben war.[1]

Coloni war finanziell, technisch und personell von Beginn an schwach aufgestellt. Nachdem das in Passignano sul Trasimeno in Umbrien ansässige das Team 1987 nur zu zwei der letzten europäischen Rennen des Jahres angetreten war, wurde 1988 Colonis erste komplette Saison. Coloni trat mit dem einfach konstruierten FC188 an, der weitgehend mit dem FC187 des Vorjahrs identisch war und im Laufe des Jahres immer wieder verändert wurde. Ein Autor beschrieb den FC188 als ein Bastelobjekt.

Nachdem Coloni mit dem FC188 anfänglich regelmäßig an Rennen hatte teilnehmen können, setzte im Frühsommer ein Abwärtstrend mit zahlreichen Nichtqualifikationen ein. Enzo Coloni nahm die negative Entwicklung zum Anlass, sein Team zu verstärken. Es gelang ihm, von seinem provenzalischen Konkurrenten AGS drei zentrale Mitarbeiter abzuwerben: den langjährigen AGS-Designer Christian Vanderpleyn, den Entwicklungsingenieur Michel Costa und den Teammanager Frédéric Dhainhaut. Diese Mitarbeiter wurden im August 1988 in das bestehende Coloni-Team integriert. Sie sollten umgehend die Arbeit an einem neuen Auto für das Jahr 1989 aufnehmen, während Roberto Ori den FC188 überarbeitete. Der modifizierte FC188 erschien beim Großen Preis von Italien unter der Bezeichnung FC188B. In dieser Form blieb er bis in den Sommer 1989 in Betrieb; sein Nachfolger wurde der von Christian Vanderpleyn konstruierte Coloni C3, der in verschiedenen Metamorphosen bis zum März 1992 – zuletzt als Coloni C4B – in Betrieb blieb.

Beschreibung

Chassis

Der Coloni FC188 basiert technisch auf dem FC187 von 1987, den der damals 25 Jahre alte Roberto Ori konstruiert hatte. Die grundlegenden Strukturen des FC187 blieben unverändert: Das Chassis und die Antriebstechnik wurden unmodifiziert für das B-Modell übernommen. Zu den wesentlichen Neuerungen des FC188 gehörte ein um 20 mm verlängerter Radstand,[2] eine überarbeitete Aufhängungsgeometrie sowie neue, kleinere Kühler, deren Anordnung modifiziert worden war.[3] Die Karosserie wurde unverändert übernommen; nur die weiterhin flache Motorabdeckung war neu gestaltet worden. Eine Airbox gab es weiterhin nicht. Im Laufe des Sommers überarbeitete Coloni schließlich noch einmal die Front- und Heckflügel sowie den Unterboden.[4]

Der Wagen war sehr schwer; Gabriele Tarquini behauptete später, das erste Chassis des FC188 habe das vorgeschriebene Mindestgewicht um mehr als 70 kg überschritten.[5]

Antrieb und Kraftübertragung

Als Antriebsquelle setzte Coloni wie schon im Vorjahr einen Achtzylinder-Saugmotor vom Typ Cosworth DFZ ein. Coloni war Cosworths einziges Kundenteam, das die Motoren bei Novamotor in Novara, einem auf Formel-3-Motoren spezialisierten Betrieb, vorbereiten und revidieren ließ.[6][7] Coloni war der einzige DFZ-Kunde von Novamotor. Das Tuning bei Novamotor war günstiger als das bei den gängigen Betrieben Hart und Heini Mader Racing Components; anderseits lag die Spitzenleistung mindestens 20 PS unter der eines Hart-DFZ, der zum Saisonende etwa 580 PS erreichte.[8]

Als Kraftübertragung kam ein längs eingebautes Sechsganggetriebe von Coloni zum Einsatz, das Zahnräder von Hewland verwendete.[9]

Lackierung

Der Coloni FC188 war gelb lackiert. Sponsoren waren das italienische Chemieunternehmen Himont, eine Tochter des Mischkonzerns Montedison, das Maschinenbauunternehmen Magnabosco und der Tabakkonzern R. J. Reynolds, der als persönlicher Sponsor des Fahrers Gabriele Tarquini mit der Zigarettenmarke Camel auf den Autos warb.

Produktion

Coloni baute drei Chassis, von denen allerdings jeweils nur eines voll einsatzbereit war. Zu den meisten Rennen der Saison meldete Coloni den FC188/2, der mit dem FC187 des Vorjahrs identisch war. Der FC188/2 war bis zum Großen Preis von Mexiko im Frühjahr das einzige Auto des Teams, danach kam der FC188/3 hinzu, ausschließlich als Ersatzfahrzeug gemeldet wurde. Bei einzelnen Großen Preisen kam statt des FC188/2 der FC188/1 zum Einsatz, den Coloni erst im August 1988 fertiggestellt hatte.[10]

Chassismeldungen Coloni FC188[10]
1988
FC188/1EE
FC188/2EEEEEEEEETT
FC188/3TTTTT
E=Einsatzfahrzeug, T=T-Car (Ersatzauto)

Renneinsätze

Coloni trat 1988 nur mit einem Auto an. Fahrer war jeweils Gabriele Tarquini. Enzo Coloni hatte zum Jahreswechsel 1987/88 zwar Pläne für ein zweites Auto unter Kris Nissen oder Jean-Louis Schlesser gehabt; keiner der angesprochenen Fahrer war allerdings in der Lage oder bereit gewesen, das von Coloni geforderte Startgeld in Höhe von 2,5 Mio US-$ beizubringen.[11]

Die ersten Saisonrennen verliefen für das Team erfolgreich: Fünfmal in Folge gelang Tarquini die Qualifikation, wobei er vielfach nicht nur die unterlegenen Turbo-Fahrzeuge von Osella und Zakspeed hinter sich lassen konnte, sondern auch bessere Rundenzeiten als die Fahrer etablierter Teams wie Ligier und Tyrrell erzielte. Tarquinis bester Startplatz war Position 17 beim Großen Preis von San Marino; seine schnellste Rundenzeit lag dabei nur 2,6 Sekunden über der des besten Saugmotorautos (Alessandro Nanninis Benetton B188).[12] Viermal schied Tarquini vor Rennende aus, dreimal kam er mit dem FC188 ins Ziel. Das beste Ergebnis erreichte er in Kanada, den er, vom letzten Platz aus startend, mit zwei Runden Rückstand auf Rang 8 beendete.[13] Diese Zielankunft war das beste Ergebnis in der Formel-1-Geschichte Colonis. Nach diesem Rennen brach das Team ein. Bei den vier folgenden Großen Preisen von Detroit, Frankreich, Großbritannien und Deutschland scheiterte jeweils an der Vorqualifikation; er war bei allen Veranstaltungen mit Abstand der Langsamste. Erst im August zum Großen Preis von Ungarn schaffte er wieder die Qualifikation; hier kam er als 13. mit fünf Runden Rückstand ins Ziel. In Belgien qualifizierte sich Tarquini als 22., fiel aber nach einem Lenkungsdefekt im letzten Drittel des Rennens aus.

Ab dem Großen Preis von Italien wurde der FC188 durch ein überarbeitetes Modell mit der Bezeichnung FC188B ersetzt. Dabei handelte es sich nicht um neu aufgebaute Autos, sondern um die beiden jüngeren FC188-Exemplare, die nachträglich umgebaut worden waren.

Resultate

Weitere Informationen Fahrer, Nr. ...
Fahrer Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Punkte Rang
Formel-1-Saison 1988 0 -
Italien G. Tarquini 31 DNF DNF DNF 14 8 DNPQ DNPQ DNPQ DNPQ 13 DNF
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Weitere Informationen Legende, Farbe ...
Legende
FarbeAbkürzungBedeutung
GoldSieg
Silber2. Platz
Bronze3. Platz
GrünPlatzierung in den Punkten
BlauKlassifiziert außerhalb der Punkteränge
ViolettDNFRennen nicht beendet (did not finish)
NCnicht klassifiziert (not classified)
RotDNQnicht qualifiziert (did not qualify)
DNPQin Vorqualifikation gescheitert (did not pre-qualify)
SchwarzDSQdisqualifiziert (disqualified)
WeißDNSnicht am Start (did not start)
WDzurückgezogen (withdrawn)
HellblauPOnur am Training teilgenommen (practiced only)
TDFreitags-Testfahrer (test driver)
ohneDNPnicht am Training teilgenommen (did not practice)
INJverletzt oder krank (injured)
EXausgeschlossen (excluded)
DNAnicht erschienen (did not arrive)
CRennen abgesagt (cancelled)
keine WM-Teilnahme
sonstigeP/fettPole-Position
1/2/3/4/5/6/7/8Punktplatzierung im Sprint-/Qualifikationsrennen
SR/kursivSchnellste Rennrunde
*nicht im Ziel, aufgrund der zurückgelegten
Distanz aber gewertet
()Streichresultate
unterstrichenFührender in der Gesamtwertung
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Literatur

  • Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9
  • Alan Henry: auto course, Jahrbuch 1988–1989, ISBN 2-85120-308-8.
  • David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, 2001 (Crowood Press), ISBN 1-86126-339-2 (englisch)
  • David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7
  • Pierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, 2. Auflage, St. Sulpice, 2000, ISBN 2-940125-45-7 (französisch)

Einzelnachweise

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