Dagie Brundert

deutsche Filmemacherin und Lochkamerafotografin From Wikipedia, the free encyclopedia

Dagie Brundert (* 1962 in Ostwestfalen) ist eine deutsche Super-8-Kurz- und Experimentalfilmerin. Sie ist mit ihren Filmen auf internationalen Filmfestivals vertreten. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Lifetime Achievement Award für Super 8 Filme beim Images Festival Toronto ausgezeichnet und 2026 erhielt sie für ihren Film Audry Lornacle or 14 Days in DJ’s House den Hauptpreis im Deutschen Wettbewerb der 72. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen.

Dagie Brundert (2015)

Leben und Werk

Dagie Brundert wuchs in Bielefeld auf[1] und studierte Visuelle Kommunikation und experimentelle Filmgestaltung an der Hochschule Niederrhein in Krefeld und an der Hochschule der Künste Berlin.[2][3]

Sie arbeitet seit 1987 ausschließlich mit einer Nizo Super-8-Schmalfilmkamera, mit der sie um die 50 experimentelle Filme unterschiedlicher Länge schuf (Stand 2021).[1] Ihre Filme entwickelt sie in Substanzen wie Caffenol, Seetang, Rotwein, Bier, Erdbeer- oder Holunderblüten.[4] Diese Technik vermittelt sie auch in Workshops.[5] Mittlerweile entwickelt sie auch als eine von drei Menschen weltweit als Dienstleistung alte, abgelaufene Super-8-Filmrollen, da dies kein Labor mehr übernimmt.[1]

Ihre erste Produktion von 1988, der Animationsfilm 23 Barbiepuppen kippen um,[6] wurde auf dem Internationalen Filmfestival in Rotterdam aufgeführt.[7] Er gelte heute als Klassiker des experimentellen Super-8-Films, so Niko Kappel 2021 in der taz.[1] 1994 gründete Brundert das Filmemacherinnen-Kollektiv „Freie Berliner Ischen“ (FBI), mit dem sie Super-8 Filmshows veranstaltete und Performances zeigte.[8] Zusammen mit Gabriele Kahnert drehte sie 2007 ihren ersten langen Dokumentarfilm, Calexico Next Exit, ein Roadmovie, das einer Gruppe leidenschaftlicher Fans der amerikanisch-deutschen TexMex-Band Calexico folgt. Im Mittelpunkt steht laut Wilfried Hippen nicht die Band, sondern „es wird versucht, der Wirkung ihrer Songs nachzuspüren“.[9] 2017 wurde der Film auf dem Hamburger Musikfilmfestival Unerhört! im Wettbewerb präsentiert.[10]

Dagie Brundert war Mitgründerin und Betreiberin des Berliner Comic-Verlags Jochen Enterprises, zusammen mit Torsten Alisch und Dirk Baranek. Unter dem Titel Der Jochen gaben sie zunächst im Rahmen der Hamburger No-Budget-Filmtage eine unabhängige Festivalzeitung heraus. Daraus entstand der Comic-Verlag Jochen Enterprises, bei dem Berliner Zeichner wie TOM, Lillian Mousli, OL, Phil, Rattelschneck, Anke Feuchtenberger und Katz & Goldt verlegt wurden, sowie amerikanische Underground-Comics von Künstlern wie Chester Brown, Michael Pearlstein und Jim Woodring. Der Verlag stellte im Jahr 2000 seine Aktivitäten ein.[11]

Dagie Brundert wurde mit zwei Preisen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet und im Jahr 2023 mit einer umfassenden Retrospektive im Berliner Kulturquartier Silent Green geehrt, bei dem rund 40 ihrer Kurzfilme neben groß aufgezogenen Lochkamerafotografien gezeigt wurden. In einer eigens eingerichteten „Hexenküche“ zeigte sie täglich einen frisch entwickelten Überraschungs-Super-8-Film als „Loop du Jour“.[12]

Dagie Brundert lebt in Berlin.[1]

Filme (Auswahl)

  • 1988: 23 Barbiepuppen kippen um, mit Gesine Jochems
  • 1998: Ja ja die schönste auf der Welt ist meine Bar
  • 2002: Die Salzfrösche vom Hiddensee
  • 2007: Calexico Next Exit, mit Gabriele Kahnert (Dokumentarfilm)
  • 2008: Die Selbstheilung meines Fahrrades
  • 2015: Bin ich reich? Bin ich reich? Bin ich reich?
  • 2017: Katzenlotto
  • 2017: Widerstand
  • 2021: Feeding the Birdies
  • 2026: Audry Lornacle or 14 Days in DJ’s House

Preise

Stipendien

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2023: Kiss the Moment – Von Wurmlöchern und Swingchronizitäten im Bilderuniversum Dagie Brunderts, Betonhalle im Silent Green, Berlin[23]
  • 2026: Das öffentliche Grün, Kunstmuseum Bochum, Bochum

Einzelnachweise

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