Dana von Suffrin
deutsche Schriftstellerin und Historikerin
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Dana von Suffrin (* 1985 in München) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben und Schaffen
Dana von Suffrin wuchs in München auf und studierte von 2004 bis 2012 Politikwissenschaft, Jüdische Geschichte und Kultur sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in München, Neapel und – mit einem Stipendium der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit – in Jerusalem. 2017 promovierte sie an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Thema Pflanzen für Palästina! Naturwissenschaften im Jischuw, 1900–1930 über den deutschen Botaniker Otto Warburg.[1] Suffrin war zwischenzeitlich Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin der DFG-Forschergruppe „Kooperation und Konkurrenz in den Wissenschaften“ am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München.[2]
2019 veröffentlichte sie ihren Debütroman Otto bei Kiepenheuer & Witsch über eine dysfunktionale jüdische Familie. Otto, die Hauptfigur ist ein Jude aus Siebenbürgen, der in München lebt und im letzten Abschnitt seines Lebens angekommen ist. Suffrin benennt osteuropäische, Ende des 19. Jahrhunderts nach New York immigrierte Poeten als wichtige Inspirationsquellen für den Roman. Für die Erzählform ließ sie sich unter anderem von Natalia Ginzburg inspirieren, in deren Familienlexikon es ebenfalls um eine starke Vaterfigur ging.[3] Der Roman erhielt sechs Literaturpreise, darunter den Debütpreis des Buddenbrookhauses und den Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals.[4][5] Zuvor hatte sie auf einem Debütantenseminar von den anderen Teilnehmern die Rückmeldung erhalten, dass ihr Roman „entschieden zu weit gehe, dass über den Holocaust so lustig nicht zu schreiben sei und ihr Buch außerdem keinen Plot und keine Entwicklung habe.“[6] 2022 erschien ihr Hörspiel Blut, das für den deutschen Hörspielpreis der ARD nominiert wurde.[7] 2024 folgte ihr zweiter Roman Nochmal von vorne, in dem sie, wie schon in ihrem Erstling, eine jüdische Familiengeschichte erzählt.[8] Er wurde auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2024 gesetzt.[9] 2026 erschien mit Toxibaby ihr dritter Roman.[10] Im Mittelpunkt des Romans stehen die Schriftstellerin Herzchen Goldberg und ihre von Anziehung, Abhängigkeit und wechselseitiger Kränkung geprägte Beziehung zu Toxi.[10] Dabei verschränkt der Roman eine destruktive Liebesgeschichte mit politischen und kulturellen Konflikten der Gegenwart.[10] Die Erzählerin ist als jüdische Autorin gezeichnet, deren erfolgreiches Buch von der eigenen Familiengeschichte bis zu den Außenlagern von Auschwitz-Birkenau reicht.[10]
Dana von Suffrin äußert sich öffentlich immer wieder zu Themen um Judentum und Antisemitismus, sei es vom eigenen biographischen Hintergrund aus[11], sei über die Problematik, dass ihrer Meinung nach die Fixierung auf die NS-Haupttäter von der weitergehenden Erforschung des Nationalsozialismus abhält[12]. Thema ist auch, wie es den in Deutschland lebenden Juden heute geht. Etwa die Zumutung, dass jüdische Autoren und Autorinnen nicht – wie andere Schriftsteller auch – einfach als Künstler befragt werden, sondern ständig in eine bestimmte Rolle gedrängt werden. So schreibt sie „Ich will nicht mehr die Gouvernante sein, die die Deutschen abwechselnd mahnt und dann wieder lobt für ihre vorbildhafte Aufarbeitung, für ihre einmalige Erinnerungskultur, für die vielen schönen Gedenkstätten und Museen.“[13] In Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 beschreibt sie auch die Enttäuschung der jüdischen Millennials über den Antisemitismus in der linken Kulturszene[14] und die Ernüchterung darüber, dass die Warnung der Eltern vor Antisemitismus offensichtlich doch ihre Berechtigung hatte.[15]
Suffrin nahm in Syrakus, Sofia, Krakau und in verschiedenen deutschen Städten Autoren-Residenzen wahr.[16] Neben dem Schreiben führt sie Workshops durch, etwa für das Literaturhaus München,[17] und leitet für die Villa Stuck die Veranstaltungsreihe Das Politische Foyer.[18]
Resonanz
Felix Stephan schrieb in seiner Rezension von Otto in der Süddeutschen Zeitung, der Roman sei „zugleich sehr lustig und wahnsinnig traurig“.[19] Thema des Buches sei, wie viel von einer älteren Generation, zumal einer, die so vieles Schweres erleben musste, auf die Kinder übergeht. Aber es sei auch die besondere Sprache und Satzmelodie, die den Anschein erweckt, als entstammte sie „direkt der jiddischen Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“, merkt Felix Stephan an. In der Jurybegründung des Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur heißt es über Suffrin, sie habe „in der komplizierten, fragmentarischen Familiengeschichte“ nicht nur der Vaterfigur, „einem tyrannischen jüdischen Siebenbürger, ein unsentimentales Denkmal“ gesetzt. Sie verknüpfe mit schwarzem Humor auch so unterschiedliche Themen wie „dysfunktionale Familien, jüdisches Leben in München, Alter und Krankheit.“[20] In einer Besprechung in der taz wurde Toxibaby als eine bewusst zugespitzte Verbindung von Liebesgeschichte, politischem Ressentiment und Gegenwartsdiagnose beschrieben.[10] Hervorgehoben wurden dabei vor allem der drastische Humor des Romans, seine ausgeprägte Kunst der Übertreibung und die Fähigkeit, neben satirischer Schärfe auch zarte und anrührende Momente zu entfalten.[10] Zugleich wurde das Buch als Auseinandersetzung mit einer deutschen Öffentlichkeit gelesen, die sich über die Rezeption jüdischer Familiengeschichten moralisch entlastet, ohne die Erinnerung an den Holocaust wirklich festzuhalten.[10] Die Rezension rechnete damit, dass Toxibaby zu den stärker polarisierenden literarischen Neuerscheinungen des Frühjahrs 2026 zählen werde.[10]
Veröffentlichungen
Bücher
- Pflanzen für Palästina: Otto Warburg und die Naturwissenschaften im Jischuw (= Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts). Mohr Siebeck, Tübingen 2019, ISBN 978-3-16-156816-9.
- Otto. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019, ISBN 978-3-462-05257-2.
- Noch mal von vorne. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2024, ISBN 978-3-462-00297-3.
- als Herausgeberin: Wir schon wieder. 16 jüdische Erzählungen. Rowohlt, 2024, ISBN 978-3-498-00731-7.
- Toxibaby. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2026, ISBN 978-3462009798
Hörspiele
- Otto, Regie: Stefanie Ramb, Bayerischer Rundfunk, 2021.
- BLUT, Regie: Christiane Huber und Pauline Seiberlich, Bayerischer Rundfunk, 2022.
- Noch mal von vorne, Regie: Marlene Breuer, Hessischer Rundfunk/Bayerischer Rundfunk, 2024.
- Unter uns, Regie: Christiane Huber Bayerischer Rundfunk, 2024.
- NIEWIEDERGUT oder Darf jetzt wirklich ein Jude der König von Bayern sein?, Regie: Christiane Huber, Bayerischer Rundfunk, 2025. Eingesehen 23. November 2025
Theaterstücke
- Der Tag, an dem Frau Monika Grübing-Konzaler sich eine Meinung bildete, Mini-Drama im Auftrag des Instituts für Soziale Plastik, UA Münchner Kammerspiele 15.07.24.
Erzählungen und Beiträge
- Gurren und Picken. Maxim Biller im Kopf von Bruno Schulz. In: Im Kopf von Maxim Biller. Essays zum Werk, hrsg. von Kai Sina. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020, S. 143–147.
- Los der Dinge (Erzählung). In: Aspekte. 1/20, hrsg. von Kristof Magnusson. Hanser, München 2020.
- A Jewish family and its stories (übersetzt von Jen Calleja). In: Brixton Review of Books. 7/2020.
- Lucian (Erzählung). In: Neue Schule. hrsg. von Leander Steinkopf. Ullstein, Berlin 2021, S. 195–218.
- Work. In: Sorry Siracusa. Kurzgeschichten. München 2024, ISBN 978-3-910265-21-9.
- Vorwort. In: Heiner Wilmer: Herzschlag. Etty Hillesum - Eine Begegnung. Freiburg 2024, ISBN 978-3-451-03492-3.
- Sieben Geschichten über uns, in denen nichts passiert und die vielleicht auch gar nicht stimmen. In: Wir schon wieder - 16 jüdische Erzählungen. Rowohlt, 2024, ISBN 978-3-498-00731-7.
- Nachwort zu Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur, Czernin Verlag, Wien 2026, ISBN 978-3-7076-0885-4.
Auszeichnungen

- 2019: Debütpreis des Buddenbrookhauses[21]
- 2019: Klaus-Michael Kühne-Preis[22]
- 2020: Ernst Hoferichter-Preis[23]
- 2020: Förderpreis des Vera-Doppelfeld-Preises für literarische Debüts[24]
- 2020: Bayerischer Kunstförderpreis in der Sparte Literatur[25]
- 2020: Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg[26]
- 2022: Arbeitsstipendium für Schriftstellerinnen und Schriftsteller des Freistaates Bayern[27]
- 2024: Bayern2 Wortspiele-Preis[28]
- 2024: Tukan-Preis[29]
- 2024: Longlist Deutscher Buchpreis
- 2025: Shortlist Wortmeldungen
- 2025: Longlist Literaturpreis der deutschen Wirtschaft
- 2025: Hörspiel des Monats Dezember für NIEWIEDERGUT
- 2025: Chamisso-Preis und Poetikdozentur der Sächsischen Akademie der Künste[30]
- 2025: Residency Museumsquartier Wien[31].
- 2026: Silvia-Tennenbaum-Stipendium[32]