Das Abendmahl (Leonardo da Vinci)

Gemälde von Leonardo da Vinci From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Abendmahl, auch Das letzte Abendmahl bezeichnet ein Wandgemälde von Leonardo da Vinci im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand. Das vorwiegend in Tempera grassa auf Putz ausgeführte 4,60 m × 8,80 m große Kunstwerk zeigt das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und entstand in den Jahren 1495 bis 1497. Das wegen der ungeeigneten Technik schon bald nach seiner Fertigstellung schadhafte Bild wurde wegen seiner Komposition und malerischen Qualitäten dennoch bald berühmt. Im Zuge der aufwändigen, von Giuseppina Barcilon Brambilla geleiteten Restaurierung (1999 abgeschlossen) wurden die auf Leonardo zurückzuführenden Partien konserviert und spätere Übermalungen entfernt.

Schnelle Fakten
Das Abendmahl (Leonardo da Vinci)
Das Abendmahl
Leonardo da Vinci, um 1495–1497
Tempera auf Putz
460× 880cm
Kloster Santa Maria delle Grazie , Mailand
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Entstehungsgeschichte

Leonardo da Vinci stand seit den 1480er Jahren in den Diensten des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza. Nachdem er die beauftragten umfangreichen Arbeiten für ein monumentales Reiterdenkmal für diesen aufgeben musste – die Bronze wurde für Kanonen benötigt –, wandte er sich dem Entwurf des Abendmahls zu. Dessen Auftraggeber war wahrscheinlich ebenfalls Ludovico Sforza, der an dem Klosterkomplex von Santa Maria delle Grazie verschiedene Umbauten und Ausstattungen vornehmen ließ, um den Ort als Grablege für seine Familie herzurichten.[1]

Darstellungen des Abendmahls mit seinen Jüngern wie das von Domenico Ghirlandaio geschaffene Fresko in der Ognissanti-Kirche in Florenz waren Leonardo bekannt. Erste eigene Ideen für ein Abendmahl hatte er bereits auf einer Studie zu einer Anbetung der Könige skizziert, die eine Gruppe von Männern an einer Tafel zeigt. In der Rötelzeichnung ordnete er die Jünger zunächst noch in Zweiergruppen an und lehnte sich noch an die Abendmahlsdarstellungen Ghirlandaios und Andrea del Castagnos an. Judas sitzt hier noch von den übrigen Aposteln isoliert vor der Tafel. In sorgfältigen Einzelstudien, die sich heute in Schloss Windsor befinden, bereitete Leonardo ab Mitte der 1490er Jahre die Apostelköpfe vor und suchte nach einem geeigneten Modell für Jesus.

Nach den umfangreichen Vorarbeiten bemalte er die nördliche Stirnwand des Refektoriums des Klosters. Er stellte das Gemälde 1497 fertig.[1] Matteo Bandello berichtete davon später aus eigener Anschauung: „Er kam oft früh zur Morgendämmerungszeit in den Konvent und ich konnte ihn bei seiner Arbeit beobachten. Eilends stieg er auf das Gerüst, arbeitete fleißig, bis ihn die Schatten des Abends zum Aufhören zwangen, und dachte nie daran, Nahrung zu sich zu nehmen, so sehr war er in seine Arbeit vertieft. Zu anderen Zeiten kam er drei oder vier Tage lang, ohne sein Bild anzurühren, und blieb nur ein paar Stunden mit verschränkten Armen davor stehen und blickte seine Figuren an (..).“[2]

Maltechnik und Komposition

Leonardo führte seine Arbeit als Seccomalerei, also auf dem trockenen Putz aus. Er versuchte, die besonderen Effekte der Öltechnik für die Wandmalerei nutzbar zu machen. Auf einer Kreidegrundierung arbeitete er mit einer fetten Ei-Tempera. Er legte auf dem Untergrund eine grobe Kompositionsstruktur in rötlicher Farbe an, eine Vorzeichnung der Figurenumrisse in schwarzer Farbe sowie Ritzungen für einen Teil der Perspektivlinien.[1]

Darstellung

Die Kopie des Abendmahl von Giampietrino, um 1520, Royal Academy of Arts (London) zeigt, wie das Bild einmal ausgesehen haben mag.

Das Gemälde zeigt Jesus und die Zwölf Apostel beim letzten Abendmahl. Sie sitzen alle jenseits eines langen, quer zum Betrachter verlaufenden Tisches. Die Jünger befinden sich in aufgeregtem Gespräch, während Jesus in der Bildmitte mit den Händen auf Brot und Wein weisend auf den Tisch herabblickt. Hinter ihnen weitet sich ein perspektivisch gezeichneter Raum in den Bildhintergrund, wo zwei Fenster und eine Türöffnung in die Landschaft blicken lassen. Das Licht, das die Tischszene ausleuchtet, kommt nicht von dort, sondern schräg von links wie das wirkliche Licht, das durch Fenster an der linken Wand des Refektoriums einfällt.

Nach überwiegender Meinung zeigt das Bild zum einen die Situation kurz nachdem Jesus enthüllte: „Einer von euch wird mich verraten“ (Mt 26,21 EU), gleichzeitig die Einsetzung des Sakraments der Eucharistie in Brot und Wein. Im Unterschied zu bis dahin üblichen Darstellungsweisen des Abendmahls fehlen in Leonardos Werk Kelch und Hostie wie auch Heiligenscheine. Den Judas positioniert er nicht räumlich von den anderen Jüngern isoliert. Er zeigt die Apostel in ungewöhnlicher Emotionalität, auch körperlich sichtbarer Bewegtheit nach der Verratsankündigung.[3]

Leonardo gruppiert die Apostel jeweils zu dritt, wie sie auf unterschiedliche Weise auf seine Enthüllung reagieren. Nach verbreiteter Identifizierung[3] sind dies (am linken Rand) Bartholomäus, Jakobus der Jüngere und Andreas in der Überraschung des Moments. Daneben beugt sich Simon Petrus zu Jesu Lieblingsjünger Johannes, der den Kopf geneigt hat. Der Verräter Judas Iskariot, erkennbar an einem Geldsäckchen, hält zu beiden Distanz. Sein Blick geht hinter dem Kopf Jesu in die Ferne. Spekulative Interpretationen besagen, dass es sich bei der Darstellung des Johannes um Maria Magdalena handle.

Jesus in der Tischmitte mit rotem Gewand und blauem Überwurf scheint in Richtung seiner nach oben gedrehten linken Handfläche zu blicken. Die rechte Hand liegt auf dem Tisch. Durch die Zentralperspektive und den Lichteinfall wird seine Bedeutung hervorgehoben. Die rechte Hand ist tätig-schöpferisch gezeichnet, die linke Hand nach oben geöffnet empfangend-darbringend dargestellt.[4] In der Figurengruppe rechts von Jesus breitet Jakobus der Ältere seine Arme aus und bildet dadurch eine Barriere, die den fragenden Gesten von Thomas (mit erhobenen Zeigefinger) und Philippus (beide Hände zeigen auf seine Brust) Einhalt gebietet. Ganz rechts wenden sich Matthäus und Thaddäus fragend zu dem am Bildrand sitzenden Simon Zelotes.

Perspektive

Fluchtpunktlinien der Bildkomposition

Bei der im Abendmahl angewendeten Raumkonstruktion handelt es um eine zentralperspektivische Darstellung. Ihr Augpunkt befindet sich in der Schläfe der Christusfigur. Bei den letzten Restaurierungsarbeiten wurde auch das Loch des Nagels gefunden, von dem aus die Perspektivlinien gespannt wurden.[5] Ladwein formuliert die These, dass die Gesamtkomposition des Bildes mit den Linien der Zentralachse einen kreuzförmigen Heiligenschein um das Haupt Jesu andeute.[6]

Leonardo da Vinci hielt im Codex Madrid umfassende Überlegungen zur Perspektive und ihrer Anwendung bei seiner Abendmahls-Darstellung fest.

Raumumgebung

Das Gemälde an der Nordseite des Refektoriums, 2017

Das Wandgemälde befindet sich an der nördlichen Stirnseite des Refektoriums, welche es beinahe ganz ausfüllt. Es erweckt durch die starke Perspektivzeichnung den Eindruck eines das Refektorium erweiternden dreidimensionalen Raums. Studien zum idealen Betrachterstandpunkt hinsichtlich der Perspektivkonstruktion verorten diesen etwa 4 bis 4,5 m oberhalb des Bodes des Refektoriums in 8,80 m bis 10,29 m Abstand vom Gemälde. Oberhalb von diesem befinden sich drei ebenfalls von Leonardo ausgemalte Lünetten. Die mittlere zeigt das Wappenschild Ludovico Sforzas und seiner Frau Beatrice d’Este. Die Seitenwände des Refektoriums tragen weitere figürliche Bemalungen und Inschriften, darunter fast nicht mehr sichtbare Stifterportraits. An der dem Abendmahl gegenüberliegenden Wand befindet sich das Fresko Kreuzigung Christi mit Stiftern von Giovanni Donato Montorfano (1495).[3]

Zeitgenössische Rezeption

Das Abendmahl erhielt schon zu Lebzeiten Leonardos viel Aufmerksamkeit. Unter anderem Matteo Bandello, Giovanbattista Giraldi und Giorgio Vasari würdigten es in Schriften. Bandello, dessen Onkel der Prior des Klosters war, hatte Leonardo häufig beim Malen des Abendmahls beobachtet. Während der folgenden Jahrzehnte wurden zahlreiche Kopien angefertigt, die zum Teil noch erhalten sind und einen Eindruck davon geben, wie das Abendmahl ursprünglich ausgesehen haben mag. Die wichtigsten sind zwei Versionen von Gianpetro sowie eine in der Abtei Tongerlo, vermutlich von Andrea Solari.[3]

Der französische König Franz I. hätte das Bild gern von der Wand ablösen lassen, um es nach Frankreich bringen zu lassen.[7] Als sein späterer Nachfolger Heinrich II. im Jahr 1533 Caterina de’ Medici heiratete, ließ ihm Franz I. eine Kopie von Leonardos Abendmahl als Gobelin anfertigen.

Spätere Geschichte und Restaurierungen

Wegen der Feuchtigkeit der Mauer und des Gebrauchs experimenteller organischer Farben, die sich bald als Fehlgriff erwiesen, erlitt das Gemälde noch zu Lebzeiten Leonardos schwere Schäden durch feine Risse. Im Laufe der Zeit blätterte Farbe über weite Flächen ab. Durch eine später in die Wand eingelassene Tür verschwanden die Füße Jesu.

Zustand in den 1970er Jahren

Das Abendmahl wurde mehrfach restauriert, durch Bellotti (1726), Mazza (1770) und Berezzi (1819) sowie 1903–1908, 1924, 1947–1952 und 1977–1999.[1] In der Zeit der Besatzung Mailands durch Napoleon Bonaparte wurde das Refektorium als Pferdestall genutzt.

Im Jahr 1943 überstand das Gemälde Leonardos einen Bombenangriff, der die Südwand des Refektoriums zum Einsturz brachte. Es blieb unversehrt, da es von den Brüdern des Klosters vollständig mit Sandsäcken geschützt worden war.[8][9]

1980 wurde die Kirche gemeinsam mit dem Gemälde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Erst im 20. Jahrhundert gelang es mit modernen Techniken, den Verfall des Bildes aufzuhalten. Die Restauratorin Giuseppina Barcilon Brambilla arbeitete an der Restaurierung zwanzig Jahre bis zum Abschluss 1999, unterstützt vom zuständigen Mailänder Soprintendenten Carlo Bertelli und dem Kunsthistoriker Renzo Zorzi.[10][11] Aus konservatorischen Gründen ist eine Besichtigung heute nur in kleinen Gruppen möglich.[12] Die Raumluft wird mit Klimatechnik stabil gehalten.

Moderne Rezeption

Mosaik in der Wiener Minoritenkirche (Ausschnitt)

Das Gemälde erfuhr über alle Jahrhunderte Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung. Vielfältige Interpretationsversuche und -ansätze widmen sich bis heute den Motiven des Bildes und ihrer Komposition. Die künstlerischen Adaptionen sind vielfältig, teils das Original nachbildend, teils abwandelnd oder in freier Aneignung und Neugestaltung.

Zur Darstellung der Jünger im Bild entrüstete sich noch im Jahr 1916 der US-amerikanische Kunsthistoriker Bernard Berenson: „Was ist das aber für ein Haufen von aufgeregten, gestikulierenden, vorlauten Menschen, deren Gesichter alles andere als angenehm zu empfinden sind. (…) Die sind mir keine gute Gesellschaft!“[13]

Bildende Kunst

Napoleon ließ ein Mosaik des Abendmahls in Auftrag geben, das jedoch erst nach seinem Sturz beendet wurde und von seinem Schwiegervater Kaiser Franz I. gekauft wurde. Für den ursprünglich vorgesehenen Aufstellungsort im Belvedere erwies sie sich als zu groß, so dass es letztlich in die Wiener Minoritenkirche kam.

Relief in Steinsalz (um 1940) des Minenarbeiters Antoni Wyrodek[14] im Salzbergwerk Wieliczka, (Polen)

In der evangelischen Abendmahlskirche in Haigerloch befindet sich eine Nachbildung als Wandgemälde in Originalgröße, geschaffen 1952/53 von dem Düsseldorfer Kunstmaler Friedrich Schüz, unterstützt durch den Tübinger Grafiker Gerhard Halbritter und den Gießener Kunstmaler Walter Kröll.[15][16] Salvador Dalí adaptierte das Bild 1955.[17]

Die Künstlerin Mary Beth Edelson ersetzte in ihrer Collage Some Living American Women Artists / Last Supper (1972)[18] die Köpfe der Jünger durch die berühmter Künstlerinnen wie Georgia O’Keeffe, Lynda Benglis, Louise Bourgeois, Elaine de Kooning, Helen Frankenthaler, Nancy Graves, Lila Katzen, Lee Krasner, Louise Nevelson, Yoko Ono, M. C. Richards, Alma Thomas, Agnes Martin, Faith Ringgold und June Wayne.[19] Die Szene wird außerdem von Bildern weiterer Künstlerinnen gerahmt. Insgesamt sind 82 Künstlerinnen in der Collage abgebildet. Edelson thematisiert in ihrem Werk u. a. männliche Exklusivität sowie die Rolle von religiöser und kunsthistorischer Ikonographie im Zusammenhang mit der Unterdrückung von Frauen.[20][21]

Andy Warhols letzte großformatige Arbeit sollte die Auseinandersetzung mit Leonardo da Vincis Abendmahl werden. Das Gemälde entstand für die neuerstellten Ausstellungsräume der Bank Credito Valtellinese in Mailand unmittelbar gegenüber der Heimstatt des Originals. Warhol legte das Foto einer billigen Reproduktion des Originalgemäldes zugrunde, die er zusammen mit einer Gipsplastik in einem Ramschladen in Little Italy fand. Daraus entstand ein umfangreicher Gemäldezyklus, über 100 meist traditionell mit dem Pinsel gemalter Bilder, teilweise über 4 × 10 Meter groß. Für die Ausstellung wählte er 22 im Siebdruck umgesetzte druckgraphische Versionen von diesen aus.[22]

In der evangelisch-lutherischen Lukas-Kapelle in Voigtholz schuf der Künstler Hans Nowak zwischen 1982 und 1984 in den Originalabmessungen auf Holz eine Neuschöpfung des Gemäldes.[23]

Yo Mama’s Last Supper der US-amerikanischen Fotografin Renée Cox wurde im Jahr 2001 im Rahmen einer Ausstellung von 94 „Schwarzen Fotografen“ im Brooklyn Museum ausgestellt und löste eine lebhafte Auseinandersetzung mit dem New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani aus. Jesus ist auf diesem Bild weiblich und nackt.[24]

Film

Werbung

  • 1993 erschien eine Werbeplakat der Modemarke Otto Kern, in der statt der Jünger barbusige Models um einen Jesus-Darsteller platziert waren. Es wurde vom Deutschen Werberat gerügt und musste zurückgezogen werden. Eine veränderte Version, in der zwölf Männer um eine Jesus-Darstellerin formiert waren, blieb dagegen weitgehend unbeachtet.[28]
  • Das französische Modehaus Girbaud warb Ende April 2005 in Frankreich in einer Anzeige mit zwölf weiblichen Mannequins, von denen eine offensichtlich Christus darstellte. Zwei andere umarmten einen Mann mit nacktem Oberkörper in Jeans. Die katholische Kirche reichte wegen Blasphemie eine Klage ein. Das Gericht gab dieser statt und forderte Girbaud gegen Androhung einer Geldstrafe auf, in ganz Frankreich die Plakate binnen drei Tagen entfernen zu lassen.[29]
  • In der Werbekampagne für die US-Serie Battlestar Galactica wurde die vierte Staffel (2008–2009) mit einem Bild beworben, in dem die Darsteller das Gemälde nachstellen.
  • Das CD-Titelbild des Steel-Panther-Albums All You Can Eat aus dem Jahr 2014 zeigt die Bandmitglieder mit Frauen am und auf dem Tisch.[30]

Belletristik

Literatur

Dokumentationen

Commons: Last Supper by Leonardo da Vinci – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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