Ghirlandina

Glockenturm am Dom von Modena From Wikipedia, the free encyclopedia

Ghirlandina (ital. "kleine Girlande") bezeichnet den Campanile am Dom von Modena. Zusammen mit der Kirche 1099 begonnen und 1319 fertiggestellt ist er einer der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Türme Italiens und mit einer Höhe von 89 Metern das Wahrzeichen Modenas und ein weithin sichtbarer Blickfang.[1] Die Kathedrale, der Glockenturm und die Piazza Grande wurden von der UNESCO 1997 zum Weltkulturerbe erklärt.[2]

Kathedrale von Modena mit der Ghirlandina von Südwest
La Ghirlandina, Nordseite

Geschichte

Der ursprüngliche Torre di San Geminiano – dem Bischof und späteren Stadtpatron Geminianus († 397) war die Kathedrale geweiht – wurde um 1099[3] zusammen mit dem Kirchenbau nach einem Entwurf Lanfrancos mit vier Stockwerken auf quadratischem Grundriss errichtet. Da er unvollständig war und noch keinen Glockenstuhl besaß, wurden 1167 Baumeister aus Campione mit der Fertigstellung beauftragt. Bis 1179 fügten sie ein fünftes Stockwerk hinzu, ab 1261 dann ein sechstes (ebenfalls auf quadratischem Grundriss). Im folgenden Jahrhundert wurde, auch aufgrund der Rivalität mit Bologna, die charakteristische achteckige Spitze aufgesetzt. Diese basierte auf einem Entwurf von Arrigo da Campione, der den Stil der Kathedrale und des Turms an den neuen nordischen Stil der Gotik anpasste.[4] Der Turm wurde schließlich 1319 mit einem Kreuz auf einer goldenen Kugel auf der Spitze bekrönt. Um die Grundfläche des achtflächigen Zeltdachs läuft eine Marmorbrüstung, die an den Ecken von Fialen ähnlichen Aufsätzen bekränzt ist. Zu je zwei Seiten sind diese mit herabfallenden Girlanden in Relief verziert, die dem Turm seinen heutigen Namen gaben.

Turminneres

Die außen sukzessive niedriger werdenden und durch Gesimse unterschiedenen Stockwerke entsprechen nicht dem inneren Aufbau des Campanile. Die Sala della Secchia rapita, der sich etwa auf der Höhe des ersten äußeren Gurtgesimses befindet, wurde seit dem 14. Jahrhundert als eine Art Schatzkammer und Archiv der Gemeinde genutzt, in dem Dokumente der Kommune wie auch zum Beispiel Heiligenreliquien der Kathedrale sicher aufbewahrt wurden. Er wurde wie eine Schatulle vollständig mit grafischen und Pflanzenornamenten, sowie heraldischem Pelzwerk freskiert. Der Name, „Saal des gestohlenen Eimers“, bezieht sich auf einen Eimer vom Brunnen der Via San Felice im Zentrum Bolognas, der während der Schlacht von Zappolino 1325 entwendet wurde. Als Kriegstrophäe wurde er bewahrt und von Modenas bekanntesten Dichter Alessandro Tassoni in einen Reim gefasst (1622).[5] Über dem Saal ist der Turm ein weitgehend offener Raum mit ringsum entlang der Wände laufender Treppe. Im (etwa) 5. Stock befindet sich die Stanza dei Torresani, dessen romanische Kapitelle bemerkenswert sind.

Vorplatz

An der Nordseite des Turmes zur kleinen Piazza Torre, die auf die Via Emilia hinausgeht, hängen drei Tafeln zur Erinnerung mit Fotos der Partisanen aus Modena, die im Kampf gegen den Faschismus gefallen sind. Darüber befindet sich eine Inschrift aus dem 19. Jahrhundert. Davor steht ein Denkmal Alessandro Tassonis. Die vom Bildhauer Alessandro Cavazza gefertigte Statue wurde 1860 errichtet.

Galerie

Literatur

Einzelnachweise

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